Zum Inhalt springen
... auch 2025 suchen wir wieder den besten DAV Jura-Slam!
Greift daher gleich zu Stift und Papier bzw. zum Pad oder Handy und kreiert euren eigenen Slam-Text. Überlegt einfach, was ihr zu sagen habt. Gerne könnt ihr euch am diesjährigen Motto des Deutschen Anwaltstages orientieren:
Dann unter slam@anwaltverein.de anmelden, mitmachen und gewinnen.
Seid dabei und SPRECHT RECHT! Und: falls ihr als Slam-Duo auftreten wollt; dann sprecht uns an...
Alle weiteren Infos gibt es unter jura-slam.de
Dann unter slam@anwaltverein.de anmelden, mitmachen und gewinnen.
Seid dabei und SPRECHT RECHT! Und: falls ihr als Slam-Duo auftreten wollt; dann sprecht uns an...
Alle weiteren Infos gibt es unter jura-slam.de
„Am Freitag dem 30. August 2024 ereigneten sich grausame Szenen in einem Leipziger Streichelzoo. Einem Esel musste der Magen wegen des Verzehrs von Chicken Mc Nuggets ausgepumpt werden. 3 Ziegen sind noch immer stark alkoholisiert. Die Kriminalpolizei ermittelt.“
Was klingt wie ein Strafrechtsachverhalt aus der Hölle, ist die erste Schlagzeile, die mir entgegenspringt, nachdem ich am Morgen aufwache. Was zum Gockel ist denn da passiert? Und was ist eigentlich mit mir passiert?
Ich schaue auf die Wand über meinem Schreibtisch, dort hängen so viele Zeitschriftenartikel über Mord und Totschlag geschmückt mit bunten Pfeilen und Markierungen. Wenn ich als objektiver Betrachter diesen Raum betreten würde, wäre ich mir sicher: Hier wohnt Sherlock Homes, der gerade versucht, eine Serie von Verbrechen in Zusammenhang zu bringen, um den Ripper zu fangen.
Das letzte, was ich von mir als Mensch mit eigener Persönlichkeit und Lebenswillen weiß, ist, dass ich mich vor einem Jahr entschlossen habe, in die Examensvorbereitung zu gehen.
Ich was noch hochmotiviert, optimistisch und mein Gott: so naiv! Blicken wir einmal zurück:
Vor 3 Wochen habe ich meine erste Probeklausur geschrieben, heute ist meine Bewertung verfügbar: Ich habe einen halben Punkt…
Korrigiert war die sicher schon nach 3 Tagen, die restlichen 18 hat der Korrektor damit verbracht sich über meinen Lösungsversuch tot zu lachen. Mit Erfolg und tragischem Ausgang. Ich fürchte, das passiert öfters. Jetzt weiß ich auch, warum so oft Korrektorenstellen ausgeschrieben sind.
Ich habe mehr Kilos zugenommen, als zusammengerechnet Punkte im Klausurenkurs geschrieben. Vom Büchertragen habe ich einen Haltungsschaden, mit dem ich aus dem richtigen Winkel die Silhouette eines Paragrafenzeichens habe. Langsam zeigen sich erste graue Haare und ich habe eine leichte Erkältung durch die emotionale Kälte in der Bibliothek.
Meinen Freund sehe ich seit Repbeginn zum ersten Mal wieder. Ich stehe vor seinem Bett, streife ihm durch Haar und sage: „Guten Morgen!“
Er schreckt auf und brüllt „Großmutter, bist du es?“
Ich bin an meinem Arbeitsplatz im Glasbau der Recht I eingeschlafen und habe einen komischen Traum:
Ich sitze im Restaurant und bestelle Essen. „Ich nehme einmal halbe Hahn, auf Geflügel habe ich heute echt Lust! Können sie uns sonst noch etwas empfehlen?“ „Wir haben auch HAkjöringsk“, „ne danke, ich mag keinen Hai“. „ Wie sie wollen, sie haben die Wahl.“
Ich wende mich an meine Freundin:
„Und Anna?“, frage ich: „Wie war der Urlaub in Porto?“, Ich war doch nicht in BORDOO; ICH WAR IN BORDOO“
Just in diesem Augenblick kommt meine Tante um die Ecke, ich rufe ihr zu: „Renate!“ Ein Jäger kommt des Weges und erschießt meine Tante!
„Was soll das? Was ist falsch mit Ihnen?!“, frage ich aufgebracht.
Er zuckt mit den Schultern. „Ich dachte, dass ein Reh nahte, das war wohl ein Irrtum.“ Er ruft einen Notarzt und versucht die Blutungen zu stoppen.
Ich knie neben meiner Tante. „Sag etwas Renate! Was siehst du?“
„Eine goldene Brücke!“
Von wilder Pfeifen- und Trommelmusik geweckt schrecke ich aus dem Schlaf: Scheiße, der Dudelsackspieler.
Es ist Samstagabend und ich telefoniere mit meiner besten Freundin.
„ Ach komm Elisabeth, wir machen mal wieder einen richtig schönen Mädelsabend, wir machen uns ein paar Snacks und gucken auf RTL, wer versagt und wer den Bachelor bekommt. Was hältst du davon?“
Ich beginne zu weinen und lege auf. Ich stelle mir einen Timer auf 5 Minuten, nachdem der Alarm klingelt, höre ich auf zu weinen und gehe wieder an meinen Schreibtisch. Absolute Fixgeschäfte warten nicht.
Ich sitze im Pausenraum der Recht 1. Ein junger Mann im Trenchcoat tritt zur Tür herein. Es ist Tom. Tom schreibt nächsten Monat Examen und ist folglich an der Schwelle des vollkommenen Wahnsinns. Seit kurzem hat er es sich zur Gewohnheit gemacht, durch die Bibliothek zu laufen und Leute zu fragen, ob sie mal seinen Habersack sehen wollen. Gerade macht er es schon wieder. Er steht neben einer Gruppe Mädchen, öffnet seinen Mantel und hält ihnen das rote Buch mit den Worten „Taaaada“ vor die Nase.
Als die Securitymänner ihn aus dem Raum ziehen, wütet er vor sich hin: „Ihr versteht das nicht, sie werden kommen! Die Gläubiger, sie werden kommen unter der Fahne der herrschenden Meinung und sich alle Schuldner Untertan machen, und die Erde in den vorherigen Stand setzen.“
„Peinlich“, denke ich ... „Vorheriger Stand“.
Mal wieder wurde ich vom Schlaf übermannt: Ich sitze im Vorraum der Recht 2 zugedeckt mit meiner Jacke. Tief und fest seit 3 Stunden im Land der Träume. Ein lautes Klirren reißt mich aus dem Schlaf, ich schrecke hoch.
Vor mir steht ein Becher voll mit Kleingeld. Das Klirren kam von einem Ersti, der mir eine 2 Euro-Münze hinein geworfen hat und zu mir meint: „Ich glaube, Sie brauchen es nötiger als ich, alte Lady.“
Ich stehe mit einer Sinnkrise in der Fußgängerzone und beobachte Menschen. So viele Leute wuseln hier entlang, die vielleicht noch nie bewusst etwas mit Jura zu tun hatten und sie sehen alle so glücklich aus.
Warum studiere ich eigentlich Jura, warum nicht irgendwas mit Medien? Dann würde ich mich jetzt nicht mit den 6 Theorien des Erlaubnistatbestandirrtums befassen müssen, sondern meine Bachelorarbeit schreiben über sowas wie: „Ich bin ein Star und hole ihn jetzt raus: Ungefragter Exibitionismus in Dschungelcamp und anderen Realityformaten.“ Wo bin ich nur falsch abgebogen im Leben.
Es ist 8 Uhr morgens, meine Kollegin schließt die Bibliothek auf und schreit: „Ahhhh“
Das kann ich gut nachvollziehen, immerhin stehe ich im Morgenmantel mit Plüschpantoffeln vor ihr.
„Was machst du hier?“
„Ich wohne hier!“
„Ja, aber doch nicht um diese Zeit!“
„Genug Loriot“, sage ich und schlendere in Richtung Kopierraum.
„Willst du auch ein Spiegelei vom Kopierer?“
„Ein Ei vom was?“
Diese Geräte laufen so schnell heiß, die sind ideal für Frühstückseier.
Kopier einfach 6 Urteile für ein fertiges Ei. 5, wenn das Eigelb noch flüssig bleiben soll.
„Elisabeth, ich mache mir Sorgen, woher hast du überhaupt die Eier, wenn du die Bibliothek nicht mehr verlässt.“
„Mir geht es gut!“ entgegne ich gelassen. „Seitdem ich nachts durch die Gänge spuke und aus Ecken flüstere „es kommt darauf an“ ist die größte Angst der Studierenden nicht mehr das Examen, sondern der vermeintliche Geist der Bibliothek. Um diesen zu besänftigen, lassen sie regelmäßig kleine Opfergaben hier: Eier, Trauben, fertig eingeheftete Ergänzungsliegerungen. Es könnte mir nicht besser gehen.“
Aufgrund eines richterlichen Beschlusses wohne ich nun nicht mehr in der Bibliothek, sondern verbunden mit einer Meldeauflage wieder in meiner WG.
Zurzeit bin ich damit beschäftigt nach alternativen Karrierewegen zu googeln.
„Ich bin mir noch nicht sicher, Hundefriseur oder Seelöwendompteur, ich schwanke noch.“
„Warum hat das alles nichts mit Menschen zu tun“, fragt meine Mitbewohnerin.
„Ganz einfach: Menschen haben diese unberührte Natur da draußen gesehen, ein Garten Eden direkt vor unserer Haustür, mit Wasserfällen, Regenbögen, Wiesen und dann haben sie beschlossen: Wir erfinden die Drittschadensliquidation. Diese Spezies ist krank. Damit will ich nicht mehr arbeiten.“
Ich beginne mittlerweile jeden Morgen mit einer 30 Minuten langen Meditation auf Spotify. Da ich aber so kurz vor dem Examen keine Zeit zu verlieren habe, höre ich diese auf doppelter Geschwindigkeit. So kann ich bestimmt ganz effizient in nur einer Viertelstunde die absolute Gelassenheit erzielen.
Danach setze ich mich an den Schreibtisch und tippe in die Google-Suchleiste:
„Europarecht, idiotensicher erklärt“. Nach den ersten 3 Minuten, in denen die Logomoderatorin kindgerecht die Organe der Union erklärt, schalte ich ab. Hier ist nichts mehr zu retten. Ich werde den Rest der potentiellen Europarechtlernzeit einfach dafür nutzen, zu beten, dass es nicht drankommt.
Geschafft! Ich trete aus der Messehalle hinaus und stelle mich vor die Menge wartender Verwandtschaft für 300 Schreiberlinge, ziehe meine linke Socke aus und wackele damit in der Luft:
„Dobby ist ein freier Elf!“
12 Monate purer Stress sind vollendet, egal wie diese Geschichte hier ausgehen wird: Ich bin stolz auf mich, hier rein gegangen zu sein!
Ich bin vollkommen erleichtert.
Am Abend treffe ich mich mit Freunden, am Streichelzoo, um ein wenig zu feiern.
So sitzen wir vor dem Ziegengehege mit einer Flasche Absinth und Chicken McNuggets. Es gelten im Grunde die Regeln des Fightclub:
Niemand redet über das Examen.
Irgendwann, nachdem genug Alkohol geflossen ist, bricht das Thema dann aber doch aus:
„Ich bin mir mittlerweile nicht mal mehr sicher, ob ich überhaupt die richtige Klageart hatte“, meint Anna.
„Mir geht’s genauso und ich habe auch die ganze Zeit das Gefühl, in Aufgabe 2 etwas vergessen zu haben, aber lass uns das Thema jetzt lassen“, sage ich.
„Komm wir spielen was, wie wäre es mit: Ich sehe was, was du nicht siehst?“
„Guuut: Ich fange an“, verkündet Anna. „Ich sehe was, was du nicht siehst: Und das ist die Ladung zur mündlichen Prüfung.“
Sie geht mit der Absinthflasche in der Hand in Deckung.
„Ohohoho!! So spielen wir also! Ich sehe was, was du nicht siehst: eine juristische Zukunft!“ und begebe mich selbst mit den Chicken Nuggets unter den Arm geklemmt in Angriffsposition.
„Ich sehe was, was du nicht siehst…“, beginnt Anna ihren Satz und versteckt sich hinter einer Ziege.
„Und das ist was, hm? Na los, sag es“, brülle ich grantig, während ich langsam hinter einem Pony in Wurfbereitschaft gehe.
„Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist die gestörte Gesamtschuld in Aufgabe 2!“
Das war das Letzte, was man durch den Streichelzoo verlauten hört, bevor wir in einem Knäul aus Ziegen, Nuggets und Eseln durchs Gehege rollen.
Als ich am nächsten Morgen in meinem Bett erwache, lese ich einen Zeitungsartikel:
„Ziege mit Habersack erschlagen.“
Auf dem DAV-YouTube-Kanal findet ihr alle Auftritte vom DAV Jura-Slam.
Habt ihr Erfahrungen oder Tipps, die das Jurastudium bereichern? Schreibt uns an: magazin-jurfuture@anwaltverein.de oder bei Instagram.
Die Kategorie bündelt Beiträge zum Thema Ausbildung.
Im Fokus: die vielfältige Praxis als Rechtsanwält:in und wie der Berufseinstieg so läuft.
Die Kategorie bündelt Beiträge, die dir für deinen persönlichen Weg Denkanstöße geben können.
Die Kategorie bündelt Beiträge zur Verfassung des juristischen Kosmos.