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Das Jurastudium ist sehr fordernd – und zwar nicht nur kognitiv, sondern auch was Planung und Organisation angeht. Die Stofffülle ist vom ersten Semester an groß und viele Studierende kommen mit dem Lernen nicht hinterher, oder aber sie reduzieren die Zeit, die sie für Hobbys, Freunde und Entspannung eingeplant hatten. Beides wird sich auf Dauer rächen. Ein gutes Zeitmanagement ist daher das A und O bei der Planung deines Jurastudiums. Es verbessert nicht nur die Work-Life-Balance, sondern kann dir auch helfen, effizienter zu lernen und mehr aus deinem Tag herauszuholen.
Schritt eins für ein gutes Zeitmanagement im Jurastudium ist die Planung: Überlege dir, welche Tätigkeiten in deiner Woche Platz finden sollen und erstelle eine Liste. Neben den Vorlesungen und dem Lernen, sollten auch Aktivitäten wie Hobbys, Freunde-treffen und Entspannung auf deiner Liste stehen.
Danach überlegst du dir, wie viel Zeit du für die einzelnen Tätigkeiten einplanen möchtest. Vielleicht musst du hier ein bisschen schätzen und rumprobieren. Erstelle dann einen genauen Wochenplan, in dem alle Punkte auf deiner Liste Platz finden. Achte darauf, auch Raum für Änderungen zu lassen. Probiere deine geplante Routine ruhig ein paar Wochen lang aufmerksam aus und nimm anschließend Verbesserungen an deinem Plan vor. Vielleicht stellst du fest, dass du für die eine oder andere Vorlesung doch etwas mehr Zeit brauchst als gedacht, oder dass dein Lieblingssport zu kurz kommt.
Gerade am Anfang des Studiums kann man von all den neuen Aufgaben und Anforderungen auch mal überrollt werden. Studieren ist ganz anders als Schule. Plötzlich sollst du der Vorlesung lauschen, an den AGs teilnehmen, deine Lehrbücher verschlingen und dann auch noch die neuste Rechtsprechung drauf haben. Und dabei bist du vielleicht gerade erst in eine neue Stadt gezogen und noch dabei, Freunde und Hobbys zu finden.
Hab keine Angst, am Anfang auch mal etwas wegzulassen. Das eine oder andere Urteil zu überspringen, dir ein Grundlagenfach fürs nächste Semester aufzuheben. Denn erstens gewöhnst du dich an das juristische Arbeiten mit der Zeit ganz von allein, sodass dir Gutachtenstil und Urteilssprache in Fleisch und Blut übergehen. Bis es soweit ist, darfst du ruhig für alles etwas länger brauchen. Und zweitens: Auch studieren an sich will gelernt sein. Es wird viel Selbstdisziplin und Eigenverantwortung von dir erwartet und das braucht Übung. Nimm dir am Anfang etwas mehr Zeit für die Grundlagen und gestehe dir zu, dass du auch das Studieren erst einmal lernen musst. Davon wirst du im Verlauf deines Studiums noch oft profitieren.
Es gibt zum Beispiel viele verschiedene Lerntypen. Kannst du dich morgens am besten konzentrieren oder doch abends oder gar nachts? Versuche dich von deinen vorgefertigten Vorstellungen davon frei zu machen, wie ein Studium auszusehen hat. Jeder Mensch lernt auf eine etwas andere Weise und nur, wenn du deine individuelle Lerntechnik entdeckst, kannst du wirklich effizient sein. Verschwende nicht deine Zeit in Vorlesungen, wenn du gar kein auditiver Lerner bist. Suche dir eine Lerngruppe, wenn du den Stoff am besten durch Kommunikation verinnerlichst.
Für dein Zeitmanagement ist es wichtig herauszufinden, wann, wo und wie lange du produktiv lernen kannst und wie viel und welche Art von Ausgleich dir gut tut.
Natürlich denken alle Jurastudierenden ehrfurchtsvoll an das erste Staatsexamen. Doch für ein gutes Zeitmanagement ist es sinnvoll, etwas kleinschrittiger zu planen. Zum Beispiel beim Lernen im Studienalltag. Für deine Motivation und deinen Ehrgeiz ist es wichtig, dass du dir realistische Ziele setzt. Jedes erreichte Zwischenziel wird wie eine Belohnung für dich sein, jedes verfehlte Ziel kann dich aber auch frustrieren und ausbremsen. Nur ein realistisches Zeitmanagement ist ein gutes Zeitmanagement.
Grundsätzlich ist zwischen zeitlichen und inhaltlichen Zielen zu unterscheiden. Zum Beispiel kannst du sagen: „Heute schaffe ich noch zwei Kapitel.“ (inhaltliches Ziel) oder „Heute arbeite ich bis sechs.“ (zeitliches Ziel). Für ein gutes Zeitmanagement ist die zweite Variante deutlich sinnvoller. Denn so behältst du den Überblick über deine Aktivitäten und nichts von dem, was du dir vorgenommen hast, kommt zu kurz. Wenn du deinem Zeitplan ständig hinterherhechelst, weil du deine inhaltlichen Ziele noch nicht erreicht hast, kommt Stress auf und der ist auf Dauer sehr ungesund.
Außerdem kann man nicht immer gleich produktiv sein. Es wird auch Tage geben, an denen du einfach nicht so gut drauf bist. Umso besser, wenn du dann zur geplanten Zeit deine Lernphase beenden und dich einem schönen Hobby zuwenden kannst.
Du hast viele gute Vorsätze um dein Zeitmanagement zu verbessern, aber irgendwie will es noch nicht klappen? Die Mensa übt schon vor deiner geplanten Mittagspause zu viel Anziehungskraft aus oder du hast dich beim Kaffee mit Kommiliton*innen festgequatscht? Das ist ganz normal.
Eine bessere Zeitplanung lässt sich häufig nicht von jetzt auf gleich umsetzen. Routinen müssen sich erst einfahren, Gewohnheit kommt nicht von heute auf morgen. Wenn du einmal einen sinnvollen und funktionierenden Wochenplan aufgestellt hast, ist es deshalb wichtig, ihn auch ganz bewusst durchzuziehen. Hast du dir etwa vorgenommen, jede Vorlesung direkt nachzuarbeiten, bevor das neugewonnene Wissen wieder verfliegt, musst du dich anfangs sicher erstmal dazu durchringen, noch eine Stunde am Schreibtisch zu verbringen. Oder aber du bist so im Lern-Flow, dass du dich zusammenreißen musst, um wirklich um 18 Uhr den Laptop zuzuklappen und an die frische Luft zu gehen. Am Anfang klappt es vielleicht noch nicht so gut - und das ist auch okay, denn deine täglichen Aufgaben und Abläufe müssen erst zur Gewohnheit werden. Je mehr du sie internalisierst, desto selbstverständlicher werden sie und irgendwann lebst du ganz von allein deinen passenden Rhythmus.
Ein gutes Zeitmanagement im Jurastudium funktioniert nur, wenn du es auch richtig durchziehen kannst. Wenn du nach einiger Zeit feststellest, dass du trotz fester Planung und guter Strategien nicht all die Dinge schaffst, die du dir vorgenommen hast, wird es Zeit, zu ein paar Tricks zu greifen.
Manchmal fällt es einfach schwer, einen Einstieg zu finden. Man sitzt schon am Schreibtisch und will eigentlich anfangen, aber irgendwie fehlt die Konzentration. Rituale können helfen, routinierter in den Tag zu starten, oder eine Lernsession zu beginnen. Nimm dir zum Beispiel regelmäßig fünf Minuten Zeit, bevor du mit dem Lernen beginnst und lass dir nochmal alles durch den Kopf gehen, was dich im Moment beschäftigt. Anschließend entscheidest du dich bewusst dafür, diese Gedanken ziehen zu lassen. Bei vielen Menschen helfen auch kleine Körper- oder Yoga-Übungen, um die Konzentration zu steigern.
Man wollte nur mal schnell aufs Handy schauen, doch plötzlich sind 20 Minuten vergangen und der Zeitplan hat sich schon wieder verschoben? Kleine Zeitdiebe, die du nicht eingeplant hast, können dein mühsam erarbeitetes Zeitmanagement über den Haufen werfen. Am besten bekommst du diese Zeitfresser in den Griff, indem du Freizeit und Arbeitszeit sauber voneinander trennst. Dabei kann es auch helfen, Dinge, die dich vom Lernen abhalten bewusst aus deinem Blickfeld oder deiner Reichweite zu verbannen. Aber keine Sorge: Ab und zu mal fünf Minuten Pause zu brauchen, ist ganz normal und auch wichtig für die Konzentrationsfähigkeit. Statt diese Zeit am Smartphone zu verbringen, kannst du ja vielleicht aufstehen und ein paar Schritte laufen, dich dehnen oder tief durchatmen.
Wenn du trotz aller guten Vorsätze immer noch Probleme mit deinem Zeitmanagement hast, stimmt etwas mit deinem Zeitplan nicht. Der Trick ist, deine Planung immer wieder bewusst zu reflektieren und damit zu experimentieren. Vielleicht hat sich dein Rhythmus verändert, du hast den Aufwand einer Tätigkeit falsch eingeschätzt oder du bist gerade in einer stressigen Phase, die mehr Lernzeit erfordert. Beobachte dich eine Zeit lang und hinterfrage dein Zeitmanagement. Niemand außer dir selbst hat es in der Hand. Du kannst jederzeit Anpassungen und Verbesserungen daran vornehmen.
Zuletzt solltest du für ein gutes Zeitmanagement immer auch ehrlich zu dir selbst sein. Du bist keine Maschine, die stundenlang die gleiche Tätigkeit ausführen kann und dabei stets konzentriert bleibt. Pausen und Erholung sind für produktives Arbeiten genauso wichtig, wie konzentrierte Lernphasen. Und das ist nicht nur eine leere Phrase. Wer sich selbst nicht ausreichend Erholung und Ausgleich gönnt, kommt in Stress und kann seine wertvollen Energiespeicher nicht rechtzeitig auffüllen. Das führt langfristig zu psychischen und physischen Problemen sowie Lustlosigkeit und dauerschlechter Laune.
Wenn du deine Woche organisierst, plane deshalb genauso die Pausen und Entspannungsphasen ein, wie die Lernphasen. Und zwar mit derselben Priorität. Hobbys, Sport und soziale Kontakte sollten trotz des umfangreichen Lernpensums nicht zu kurz kommen. Natürlich kann es auch mal stressigere Phasen geben, zum Beispiel kurz vor einer Klausur. Diese Zeit solltest du aber ganz bewusst ausgleichen, indem du umso mehr Zeit mit Dingen und Menschen verbringst, die dir gut tun.
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