YLC 2024: Praxistipps und Networking für deinen Berufseinstieg in der Anwaltschaft

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Das YoungLawyersCamp2024 – klingt wie Streitschlichtercamp für Fortgeschrittene? Ist es aber nicht! Vielmehr ist es das inoffizielle Klassentreffen junger Anwält:innen! Einmal jährlich finden über zwei Tage hinweg insg. 14 verschiedene Workshops in der vom FORUM Junge Anwaltschaft organisierten Fortbildungsveranstaltung statt. Dabei referieren Anwält:innen, Rechtsanwaltsfachangestellte und andere Fachkundige über Themen wie Kanzleiorganisation, Mitarbeitergewinnung, Soft-Skills oder gute Mandantenkommunikation.

Der katzenkönig war dabei und berichtet, was für euch wichtig ist!

YoungLawyersCamp in der 3. Auflage

Das YoungLawyersCamp machte in seiner dritten Auflage Station in Hamburg. Über 130 Teilnehmer, zumeist junge Anwält:innen kamen zu dem zweitägigen Fortbildungsseminar Anfang September. Dabei konnten wir beobachten, dass das Teilnehmerfeld relativ gemischt war. Vereinzelte Studierende, ein paar Referendare aber vor allem Anwält:innen, die gerade die Zulassung haben und sich nun im Berufseinstieg befinden. Es fanden sich aber auch Kolleg:innen, die sozusagen schon Senior-Berufseinsteiger waren oder gerade erst die Zulassung hatten. Generell muss man sich das so vorstellen, dass beim YLC eine Menge junger Leute an einer coolen Location über Ängste und Sorgen, aber auch Erfolge und Lösungen aus ihrem Berufsalltag reden. Die Bezeichnung „Klassentreffen junger Anwält:innen“ trifft es somit ganz gut. Von biederen Anzugträgern, die alle hochgestochen und selbstherrlich schwafeln, keine Spur!

Damit auch nicht der bloße Verdacht von Langeweile oder Abgehobenheit aufkommt, gab‘s am Tag vor dem eigentlichen Veranstaltungstag zunächst ein Get-Together im Blockbräuhaus in Hamburg.

 

Innovatives Fortbildungskonzept

Am ersten echten Seminartag trafen sich die Teilnehmer dann in einer Co-Working Location direkt an der Reeperbahn. Nach einer kurzen Begrüßung schlossen sich zwei Vorträge zur KI-Revolution an, die natürlich auch vor der Anwaltschaft nicht Halt macht. Angenehm war, dass, obwohl diese Vorträge von Sponsoren durchgeführt wurden, es sich nicht um einen Werbeblock handelte. Dezidiert nahmen die Referenten dazu Stellung, mit welchen Methoden und in welchen Rechtsgebieten sich die KI in der Zukunft als tatsächlich nicht mehr weg zu denkender Begleiter etablieren wird. Nach einer sich anschließenden kurzen Frühstückspause startete die Fortbildungsveranstaltung jedoch erst so richtig. Nun musste jede:r Teilnehmer:in aus zwei zeitgleich angebotenen Vorträgen einen auswählen. Dies erwies sich als praktisch, damit man je nach unterschiedlicher Karrieresituation eine für sich maßgeschneiderte Fortbildung erhielt. So konnten die Teilnehmer zwischen einem Vortrag, der sich Social Media-Strategien für die eigene Kanzlei widmet und einem Workshop, welcher sich dem bei Berufseinsteigern weit verbreiteten Gefühl des Unterschätztwerdens annimmt. Letzterem Vortrag wohnte auch der katzenkönig bei und konnte somit feststellen, wie – durchaus auch mit psychologischen Elementen – den Teilnehmern vermittelt wurde, dass man sich als zurückhaltendere Person nicht zu einem expressiven Anwalt oder Anwältin wandeln muss, sondern durch welche Strategien man eigene Zurückhaltung und Unterschätztwerden knallhart als Vorteil im Berufsleben ausspielen kann.

 

An diese Vorträge schloss sich dann eine Mittagspause an. Hierbei wurde gleich ein (gewollter) Nebeneffekt des Fortbildungskonzeptes sichtbar: Die Teilnehmer hatten durch die verschiedenen Seminare gleich einen guten Gesprächseinstieg untereinander, sodass das Eis zum Netzwerken recht schnell gebrochen war. Kanzleiorganisation erklärt!

Nachmittags schlossen sich zwei weitere Vorträge an. Der eine behandelte die Stress-Vorbeugung durch gezielte Körperübungen für Anwält:innen. Verrückt, dass es sowas gibt, oder? Im anderen Workshop berichteten erfahrene selbständige Rechtsanwaltsfachangestellte, wie man überhaupt eine Kanzlei organisiert. Von Aktenordnung über Buchhaltung war hier alles dabei. Dass man in den ersten Jahren als Anwalt oder Anwältin vor allem vieles von den Kolleg:innen, die Rechtsanwaltsfachangestellte sind, lernt, wurde hier deutlich, denn nahezu bei jeder Folie wurden die Smartphones in die Höhe gehalten, um die Folien abzufotografieren. Eine Sache, die übrigens gar nicht nötig gewesen wäre, denn: Alle Teilnehmer bekommen im Anschluss an das YLC alle Präsentationen gestellt. Somit können auch die Teilnehmer, die den jeweils zeitgleich laufenden Workshop besucht haben, von den Inhalten profitieren.

 

Vor der Aftershowparty: Umgang mit Mandat und Mandant erlernen oder erfahren, wie man gründet?

Als letzte Einheit des Tages gab es eine wirklich schwierige Auswahl zu treffen: Wollten Berufseinsteiger eher alles im Umgang mit Mandat und Mandant erlernen? Oder sich vielleicht detailliert anhören, wie man sich mit seiner eigenen Kanzlei selbständig macht? Wir vom katzenkönig entschieden uns für letzteres und bekamen vom Referenten alles aufgetischt, was man sich zum Thema Gründung nur so fragen könnte. Vom Thema Startkapital, Gründungsvertrag und Partnerwahl über Versicherungen, Beitragszahlungen und Büroräume oder Personalrekrutierung bis hin zum Thema Mandantenakquise konnte man alles erlernen – und fragen! Denn was das YLC besonders ausmacht, ist, dass die Referent:innen im Regelfall nur wenig älter als die Teilnehmer:innen sind. Sie kennen die Wünsche und Nöte, Sorgen und Fragen zum Berufseinstieg noch von sich selbst aus der Vergangenheit. Außerdem entsteht dadurch nicht das klassische Professor – Studierenden-Verhältnis, welches von Über- und Unterordnung geprägt ist. Ganz im Gegenteil kann man jederzeit die Referent:innen alles fragen. Besonders aufgefallen ist uns durchweg die Ehrlichkeit von Referent:innen und Teilnehmer:innen. Das schafft Vertrauen und so hat zum Beispiel der Referent zum Thema selbständig machen auch ganz transparent erklärt, wieviel er nun verdient und auch ab wann man als selbständiger verdient und wann man Durststrecken durchleiden muss.

Nach diesen Highlights wartete dann ein paar Stunden später auf alle Teilnehmer:innen und Referent:innen die große Aftershowparty. Was als entspannter Bar-Abend begann, wandelte sich mit der Zeit zu einer handfesten Club-Nacht, die sich noch fast bis in den Morgen zog.

 

Nach der Party ist vor der Party: Zweiter Veranstaltungstag

Auch am zweiten Veranstaltungstag hatte man die Qual der Wahl: Zunächst bei der Frage, ob man sich mit Burn-Out-Prävention beschäftigen wollte oder mit Mitarbeitergewinnung, -verwaltung, -bezahlung, -kündigung usw. Wir entschieden uns für letzteres und erlebten ein wahres Feuerwerk an Tipps und How-To´s bezüglich Mitarbeitenden. Ob es um Rechtsanwaltsfachangestellte oder Anwälte, Bewerbungs- oder Kündigungsgespräche, Bezahlung oder Abgaben und Delegieren oder selber machen ging. Mit viel Humor wurde hier einfach alles besprochen! Der unserer Meinung nach beste Workshop des Events behandelte auch Fragen, wie gut die Examina für welche Einstiegsgehälter sein müssen und warum man sich einfach auf bestimmte Stellen bewerben sollte, auch wenn man nicht zwingend die Anforderungen erfüllt. Daran schlossen sich zwei Workshops an, in denen man entweder erlenen konnte, wie man sich selbst zur Marke macht oder wie man am effizientesten Meetings abhält. Dabei lernten wir zum Beispiel, durch welche Strategien man die Personen, die einem stets in Mandantengesprächen die gesamte Lebensgeschichte erzählen wollen, in den Griff bekommt. Aber auch hinsichtlich der Frage, wie man Meetings kurz und bündig hält, ohne dass diese in unproduktive Arbeitszeitverbrenner münden und wie man professionell und freundlich die Informationen in Erfahrung bringen kann, die man wirklich braucht.

 

Letzte Workshops und Abschluss

Es folgten schließlich die letzten Workshops des YLC2024. Wir hatten noch einmal die Wahl zwischen dem Vortrag „Glaubwürdig, emphatisch und siegessicher zu jeder Zeit, an jedem Ort“ und „die Kanzlei als Beichtstuhl – oder die Kunst des Zuhörens“. Wir entschieden uns für den letzteren und lauschten interessanten Ausführungen zur Kommunikation im Anwaltsalltag.

 

Kosten

Ohne Moos nix los. Das trifft auch auf eine solche Veranstaltung zu, die natürlich bei so vielen Referent:innen und Organisation auch bezahlt werden will. Dafür bekommt man jedoch ein All-inclusive Paket mit Vorträgen, kompletter Verpflegung, und 2 Abendveranstaltungen. Die Preise unterscheiden sich je nach Mitgliedschaften in und beginnen bei knapp 190 Euro. Für Referendar:innen und Forumsmitglieder ist das Event am günstigsten. Für fast 500 Minuten an Vorträgen und Workshops finden wir die Preise günstig.

 

Katzenkönig-Empfehlung:

Nirgends wird man für den Preis mehr Expertise auf einem Mal finden und erlernen können, als hier. Vergleichbare Karrierefortbildungen auf dem Markt sind teurer. Zwar kann man nicht an jedem Vortrag teilnehmen und nicht jeder Vortrag ist etwas für einen, doch die Auswahlmöglichkeit hat auch große Vorteile: So kann man sein individuelles Fortbildungsseminar zusammenbauen und rausgeschmissenes Geld vermeiden. Hier weiß man immer, was man bekommt. Das Event ist aber noch nichts für Studierende. Es eignet sich gut für Referendar:innen, die sich in der Anwaltsstation befinden oder kurz vor dem Berufseinstieg sind. Für Jurist:innen, die das zweite Examen schon haben, ist das Kosten-Nutzen Verhältnis sehr günstig.

FORUM Junge Anwaltschaft

Das FORUM Junge Anwaltschaft ist die Stimme und Interessenvertretung der jungen Anwaltschaft im DAV und darüber hinaus. Unsere Zielgruppe sind die Kolleginnen und Kollegen, Referendarinnen und Referendare sowie Assessorinnen und Assessoren.

Alle Infos zum Young Lawyers Camp findet auf der Website.

Bildrechte: © Liza Holiarchuk

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Julius Zapfe
Der Autor studiert Jura in Potsdam und ist Mitglied der Studierendenredaktion beim katzenkönig.
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