Wie sinnvoll ist ChatGPT im Jurastudium?

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Erfundene Urteile und hoher Energieverbrauch – wir haben ChatGPT unter die Lupe genommen.

Die Digitalisierung hat längst auch die juristische Ausbildung erreicht. Ob Anki oder Jurafuchs, digitale Tools versprechen, Studierende effizient und flexibel zu unterstützen.

Doch immer wieder wird vor allem über ein bestimmtes Tool gesprochen: ChatGPT. Welche Gefahren birgt die Nutzung? Was bringt mir ChatGPT überhaupt und wie setze ich es sinnvoll ein? Darüber wollen wir sprechen. Und wen fragt man da am besten? Ich dachte mir, fragen wir doch mal ChatGPT selbst:

Hey ChatGPT, wie kannst du mich im Jurastudium unterstützen?

 

 

Hey! Ich kann dich auf ganz unterschiedliche Weise im Jurastudium unterstützen – egal ob du gerade am Anfang stehst oder schon tief in der Examensvorbereitung bist. Hier sind ein paar Dinge, bei denen ich dir helfen kann:

Lernhilfe & Stoffaufbereitung

  • Zusammenfassungen: Ich kann dir die wichtigsten Punkte aus Urteilen, Gesetzestexten oder Lehrbüchern zusammenfassen.
  • Definitionen & Schemata: Ich gebe dir verständliche Definitionen (z. B. für "Anfechtung", "Rechtswidrigkeit" etc.) und prüfungsrelevante Aufbauschemata.
  • Erklärungen komplexer Themen: Ich erkläre dir abstrakte juristische Konzepte, wie z. B. "mittelbare Täterschaft" oder die "Konkurrenzlehre", so dass sie auch wirklich hängenbleiben.

 

Klausur- & Hausarbeitsvorbereitung

  • Gutachtenstil üben: Ich kann dir zeigen, wie du richtig im Gutachtenstil formulierst – oder deine eigenen Entwürfe durchsehen.
  • Klausurfälle gemeinsam lösen: Wir können zusammen fiktive oder echte Fälle durchgehen, und ich helfe dir beim Aufbau.
  • Hausarbeiten: Ich kann dir beim Strukturieren helfen, Literaturhinweise geben (wenn du willst, mit Webzugriff), und Feedback zu deinem Text geben.

 

Achtung: Bei diesem Teil der Antwort ist bereits Vorsicht geboten! Für Hausarbeiten und Falllösungen eignet sich ChatGPT nur sehr bedingt. Mehr dazu unten.

 

Prüfungsvorbereitung & Lernstrategien

  • Examensplan erstellen: Ich kann dir helfen, einen realistischen Lernplan zu entwickeln, abgestimmt auf deinen Zeitrahmen.
  • Lernkarten/Quizfragen: Ich erstelle dir Karteikarten oder kurze Quizfragen zum Wiederholen.
  • Methodentraining: Z. B. Subsumtion, Auslegung von Normen, Argumentationsaufbau.

 

Sprachliche Unterstützung

  • Lateinische Begriffe erklären: Von „ex nunc“ bis „condictio indebiti“ – ich erkläre dir, was dahintersteckt.
  • Juristische Fachsprache üben: Ich helfe dir, dich schriftlich und mündlich präziser und juristischer auszudrücken.

 

Die Antwort war bereits sehr aufschlussreich. Mein Eindruck: Primär eignet sich ChatGPT zur Organisation. So kann es individuell angefertigte Lernpläne erstellen, Lernmaterialien zusammenfassen und aufbereiten und als spaßige Lernhilfe fungieren. Es ist eher das „wie“ als das „was“ bei dem ChatGPT helfen kann. Auf inhaltliche Richtigkeit ist kein Verlass, doch bei dem drum herum kann euch ChatGPT sehr gut unterstützen.

Der Umgang mit ChatGPT will jedoch gelernt sein – besonders im Jurastudium.

 

Tipps, wie man das Beste aus dem Tool herausholt

1. Fragen präzise formulieren und möglichst einen klaren Rahmen schaffen: Je klarer und konkreter die Fragestellung, desto besser die Antwort. Je mehr die Frage auch mit zusätzlichen Infos eingegrenzt wird, desto weniger muss ChatGPT das Internet durchsuchen, wobei immer wieder Fehler passieren können. Wenn ihr euch also beispielsweise gerne eine Norm erklären lassen würdet, dann nehmt den Normtext am besten schon direkt mit in die Frage auf.

2. Mit Beispielen arbeiten: Wenn du eine bestimmte Schreibweise möchtest, gib ein Beispiel oder eine Vorlage an, je mehr du ChatGPT bereits lieferst, desto präziser wird auch die Antwort.

3. Try & Error gehört dazu: Oft braucht es mehrere Versuche, bis eine Antwort wirklich brauchbar ist – also nicht frustrieren lassen und immer wieder verschiedene Arten der Fragestellungen ausprobieren.

4. Antworten kritisch prüfen: Keine Antwort einfach übernehmen – sondern immer mit Gesetz, Lehrbuch oder Kommentar gegenchecken.

5. Verstehen statt nur kopieren: Nutze die Antworten, um Inhalte besser zu verstehen, nicht um sie blind zu übernehmen.

 

Risiken

So hilfreich die Vorschläge auch klingen – es gibt gute Gründe, beim Einsatz von ChatGPT im Jurastudium wachsam zu bleiben:

1. Erfundene Inhalte: ChatGPT liefert Antworten, selbst dann wenn es keine gibt – das kann zu erfundenen Urteilen oder falschen Aussagen führen.

2. Nicht geeignet für wissenschaftliches Arbeiten: Es fehlen Quellenangaben, belastbare Literatur und methodische Genauigkeit.

3. Juristische Falllösung mit Vorsicht: Der Gutachtenstil und die juristische Methodik lassen sich mit ChatGPT üben, aber nicht verlässlich anwenden.

4. Plagiatsrisiko: Unkritische Übernahme von Texten kann als Täuschung gewertet werden – das ist ernst zu nehmen.

5. Datenschutzbedenken: Persönliche oder prüfungsrelevante Informationen sollten nicht leichtfertig eingegeben werden.

6. Eigenständigkeit bleibt zentral: Der juristische Beruf erfordert selbstständiges Denken, kritisches Hinterfragen und methodisches Arbeiten – KI kann das nicht ersetzen. Ein Übermäßiges Nutzen von ChatGPT kann dazu führen, die Eigenständigkeit zu verlernen, die ihr früher oder später brauchen werdet.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, den ich nicht unerwähnt lassen möchte: Der Energieverbrauch von Künstlicher Intelligenz ist immens. Laut Informatiker Dieter Kranzlmüller verbraucht eine einzelne ChatGPT-Anfrage etwa 6,8 Wattstunden – eine Google-Suche hingegen nur 0,3 Wattstunden. Schon heute ist der IKT-Sektor (Informations- und Kommunikationstechnik) für 2–4 % der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich – ähnlich wie der Flugverkehr. Mit zunehmender Nutzung von KI wird dieser Anteil noch steigen. Von einer übermäßigen Nutzung von ChatGPT ist also auch unter diesem Gesichtspunkt dringend abzuraten. (Quelle: klickkomplizen.de) Wenn wir über die Umweltauswirkungen von ChatGPT sprechen, sei vielleicht auch noch erwähnt: Höflichkeitsfloskeln gegenüber der KI mögen zwar nett gemeint sein, tragen aber ebenfalls zur hohen Umweltbelastung bei – also lieber weglassen.

 

Fazit

ChatGPT kann das Jurastudium bereichern auf jeden Fall – durch kreative Lernmethoden, hilfreiche Formulierungshilfen und effiziente Wiederholungen. Aber es ersetzt keine juristische Ausbildung, keine wissenschaftliche Genauigkeit und vor allem kein eigenes Denken! Wer ChatGPT bewusst, verantwortungsvoll, punktuell und kritisch nutzt, kann daraus durchaus einen Mehrwert ziehen – als Ergänzung, nicht als Ersatz.

Nutzt ihr ChatGPT für euer Studium oder kennt ihr andere KIs die wir mal unter die Lupe nehmen sollten? Schreibt uns gerne!

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Siri Wenig
Die Autorin arbeitet in der Redaktion des JurFuture-Magazins.
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