Zum Inhalt springen
Ausbilder Rechtsanwalt und Notar Dr. Frank Burmeister berichtet.
Zum Beruf des Rechtsanwalts kam Frank Burmeister dank „Liebling Kreuzberg“, jener zum Kult gewordenen ARD-Serie, in der sich der legendäre Manfred Krug ab Mitte der 1980er Jahre als hemdsärmeliger Advokat in die Herzen der Fernsehnation spielte. Doch zunächst stieß die Entscheidung Burmeisters bei seinen Eltern auf wenig Gegenliebe, immerhin bedeutete sie den Abbruch eines bereits laufenden Studiums der Elektrotechnik an der TU Hamburg. Der Vater Ingenieur, weit und breit kein Anwalt in der Familie, doch er „habe die Entscheidung zum Jura-Studium nie bereut“, erzählt Dr. Frank Burmeister, heute Partner bei Hengeler Mueller im Frankfurter Büro. Noch als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für öffentliches Recht und Europarecht an der Hamburger Universität tätig, bewarb er sich zum Berufseinstieg in Düsseldorf – für das öffentliche Recht. Wieder kam es anders. Aus Düsseldorf wurde Frankfurt, aus Rechtsfragen zu EU-Richtlinien und Verordnungen wurden Unternehmenskäufe, Übernahmen oder Umstrukturierungen. „Als man mich fragte, ob ich nicht lieber M&A hiermachen wollte, war mir das dann auch egal“, scherzt Burmeister rückblickend, „ich kannte ja beide Städte nicht“. Der Hengeler-Partner ist als Rechtsanwalt zugelassen und als Notar bestellt, macht längst Gesellschafts- statt Gemeinschaftsrecht.
Seit zwölf Jahren bildet er nun auch Nachwuchstalente für die Kanzlei aus. Ja, bestätigt der erfahrene Ausbilder, der Markt habe sich verändert. Gute Referendare und überdurchschnittliche Bewerber seien fordernder geworden, die Kanzleilandschaft insgesamt transparenter. Das sorge auch unter den Großen der Branche für mehr Wettbewerb und mache sie für potentielle Bewerber vergleichbarer. Ergo gehörten im engen Markt für Top-Absolventen kanzleieigene Programme zur Examensvorbereitung oder Sprachkurse längst zum nachgefragten Repertoire. Ein Großteil der Suche nach den größten Talenten laufe „mehr vor Ort an Lehrstühlen, Universitäten oder auf Bewerber-Messen“, berichtet er. Für Hengeler Mueller wirbt er vor allem mit der „sehr hohen Kollegialität“ im Hause und „guter Arbeitsatmosphäre in Teams, ohne, dass untereinander Ellbogenmentalität herrscht.“
Ein weiteres Plus sei die „sehr breite Ausbildung“ mit „Mandaten und Rechtsfragen auf höchstem Niveau“. „Wer sich juristisch austoben will“, erklärt Frank Burmeister, „der ist bei uns an der richtigen Adresse.“ In der Tat kann sich die Ausbildung für Referendare sehen lassen und genießt auch unter Mitbewerbern in der Branche einen sehr guten Ruf. Neben einer Reihe fachgebietsbezogener Veranstaltungen, examensrelevanter Zusatzangebote und Erfahrungsaustauschen bietet sie für Referendare Sprachkurse in „legal English“ sowie die Möglichkeit, an zwei fixen Terminen im Jahr, für drei Wochen in die befreundete Kanzlei Slaughter and May nach London zu wechseln. Möglich sind darüber hinaus aber auch Referendar-Stagen in den Hengeler- Büros in Brüssel, London oder Shanghai. Alle Associates unterliegen dem Rotationsprinzip. Das bedeutet, dass sie nach spätestens 18 Monaten einem anderen Partner unterstellt werden. Zudem gibt es die verpflichtende „HM Akademie St. Gallen“, die neben wirtschaftsrechtlichen
auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Soft-skills vermitteln soll. Im „Mainstream-Bereich“ des Wirtschaftsrechts verfolge Hengeler Mueller den Ansatz, dass es weniger auf eine frühzeitige Spezialisierung der Kandidaten in bestimmten Rechtsbereichen ankomme, als vielmehr darauf, „das juristische Handwerkszeug zu beherrschen“, erläutert Frank Burmeister. Es sei mehr ein „training on the job“, das sich bewährt habe und praktiziert werde.
Worauf achtet er selbst bei den Nachwuchs-Kandidaten? „Nun, der- oder diejenige muss in der Lage sein, das durch überdurchschnittliche
Examina dokumentierte juristische Können schriftlich und mündlich auch so darzubieten, dass es für den jeweiligen Empfänger verständlich ist“, sagt Frank Burmeister – das könne, müsse aber nicht zwingend immer der Mandant oder die Mandantin und der oder die juristische Laie sein. Auch soziale Kompetenz und die Fähigkeit im Team zu arbeiten, seien angesichts der Größe vieler Mandate gewichtige Auswahlkriterien, daneben Einsatzwille, Empathie und Begeisterungsfähigkeit. „Man muss koordinieren und Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden können“, erläutert der Praktiker. Dabei sei „Dienstleister-Mentalität“ gefragt, denn letztlich gehe es um Service für die Mandant:innen
Arvid Morawe, inzwischen Senior Associate, berichtet:
An der Bucerius Law School in Hamburg hatte sich Arvid Morawe beworben, weil er „einen kleinen Tritt in den Hintern brauchte, also ein etwas strafferes Programm“. Heute, ein erfolgreiches Jura-Studium später, sitzt der gebürtige Berliner in einem Konferenzraum des Frankfurter Büros von Hengeler Mueller, 25. Etage aufwärts und hat die imposante Skyline des Bankenviertels im Blick. Bereits als Schüler habe er sich viel mit Politik und Philosophie beschäftigt, sei dann aus „Interesse am Liberalismus“ den Jungen Liberalen in Berlin beigetreten. „Da waren viele Juristen dabei, und ich fand es sehr interessant, wie strukturiert sie an Probleme herangegangen sind und wieviel sie dabei mit Sprache gearbeitet haben.“ Um sicher zu sein, absolvierte Arvid Morawe nach seinem Wehrdienst zunächst ein Praktikum in einer mittelständischen Kanzlei in Berlin. „Mich haben vor allem die Zusammenhänge an den Schnittstellen zwischen Wirtschaft und Recht interessiert“, sagt der 30-Jährige heute.
Gesellschaftsrecht, M&A und Finanzierungsberatungen waren denn auch Schwerpunkte seiner das Studium begleitenden Praktika und Stationen, etwa bei Gleiss Lutz, der Deutschen Bank, als Student an der Fordham University School of Law in New York oder bei einer Hamburger Kanzlei mit Schwerpunkt Schiffsfinanzierungen. Nach einem „guten“ ersten Examen ging es weiter ins Bundeskanzleramt, genauer, in das Referat für Wirtschaftsrecht, wo sich Arvid Morawe erstmals mit Wettbewerbspolitik und Mittelstandsthemen vertraut machen konnte. Spezialisiert hat er sich mittlerweile auf Gesellschaftsanwaltsstation und Kapitalmarktrecht. Zurzeit promoviert er an der Universität Frankfurt im GmbH-Recht. Inzwischen ist er Senior Associate bei Hengeler Mueller. Seine Zukunft sieht Arvid Morawe „klar in einer großen Kanzlei“, vorerst jedenfalls. Auch, wenn es „natürlich immer eine Option bleibt, sich als Anwalt selbstständig zu machen.“
Bei Hengeler sind Referendare und wissenschaftliche Mitarbeiter grundsätzlich einem Partner und einem Tutor – einem berufserfahrenen Associate – zugeordnet. „Das System ist aber fließend“, berichtet Arvid Morawe. „Letztlich ist es mandatsabhängig ein Pool an Leuten, für die man arbeitet.“ Die spezialisierten Teams beratender Anwälte bei Hengeler Mueller – in Frankfurt sind es insgesamt rund 100 – bestehen in der Regel aus zwei, maximal drei Mitarbeitern. Gerade über den Tutor oder die Tutorin lasse sich viel über die tatsächliche Arbeit des Anwalts erfahren, erzählt Arvid Morawe, zumal der Unterschied in Alter und Ausbildungsstand in der Regel noch nicht so deutlich sei, wie bei langjährigen Partnerinnen oder Partnern. Der Berufseinsteiger ist an Due-Diligence-Prüfungen zur Bewertung von Risiken bei Unternehmenskäufen ebenso beteiligt, wie an der Dokumentation von Transaktionen, Fragen der Finanzierung oder dem Vorbereiten von Schriftsätzen und Vollmachten. An Abwechslung im Arbeitsalltag fehlt es ihm bei Hengeler nicht – im Gegenteil wechselten die Herausforderungen bei jedem der Mandate. „Ich finde die Professionalität in einer Großkanzlei sehr angenehm“, sagt Morawe. „Man kann hier auch mit den Partnern immer fachlich auf Augenhöhe diskutieren.“ Sein Eindruck sei bislang, „dass es in dieser Kanzlei immer um die Sache geht und nicht um persönliches Geplänkel.“
Was hat Arvid Morawe bisher angetrieben? War es das Geld? „Klar, das will man natürlich auch, aber das ist kein absolutes Ziel, weil es nicht oder jedenfalls nur sehr kurzfristig motiviert“, sagt er ohne längeres Zögern. „Mir ging es vor allen Dingen darum, bei den großen, den spannenden Sachen dabei zu sein, nah am Puls“. Hier habe man bei Mandaten die Chance „das ganze Bild zu sehen.“ Bei der Wahl zwischen dem Verzicht auf eine Mittagspause zugunsten von Mehrarbeit, schlage sein inneres Pendel allerdings klar in Richtung „Lebensqualität“ aus. Privat geht er gerne und oft ins Theater, joggt oder liest. Und wie steht es um die Freizeit? Übermäßig lange Arbeitszeiten? Nein, jedenfalls für Referendare sei das bei Hengeler Mueller kein Thema, sagt er. Und: „Natürlich arbeiten Anwälte auch mehr als die Referendare.“
Habt ihr Erfahrungen oder Tipps, die das Jurastudium bereichern? Schreibt uns an: magazin-jurfuture@anwaltverein.de oder bei Instagram.
Die Kategorie bündelt Beiträge zum Thema Ausbildung.
Im Fokus: die vielfältige Praxis als Rechtsanwält:in und wie der Berufseinstieg so läuft.
Die Kategorie bündelt Beiträge, die dir für deinen persönlichen Weg Denkanstöße geben können.
Die Kategorie bündelt Beiträge zur Verfassung des juristischen Kosmos.