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Name: EDMC – ELSA Deutschland Moot Court
Rechtsgebiet: Zivil- und Zivilprozessrecht
Dauer: November bis Juli
Sprache: Deutsch
Der ELSA Deutschland Moot Court (EDMC) ist ein bundesweit ausgetragener zivilrechtlicher Moot Court. Im Rahmen des Wettbewerbs übernehmen Jurastudierende die Rollen der Prozessparteien und führen eine simulierte Gerichtsverhandlung anhand eines fiktiven zivilrechtlichen Falls durch. Der EDMC zählt zu den größten zivilrechtlichen Moot Courts in Deutschland und bietet Studierenden die Möglichkeit, ihre juristischen Kenntnisse sowie ihre rhetorischen und prozessualen Fähigkeiten in einem praxisnahen Umfeld zu erproben.
Der Wettbewerb ist mehrstufig aufgebaut und gliedert sich in Lokal-, National- und Bundesentscheid. Die Lokalentscheide werden von den jeweiligen ELSA-Fakultätsgruppen an den Universitäten organisiert und finden in der Regel während des Wintersemesters statt. Die erfolgreichen Teams qualifizieren sich für den Nationalentscheid, bei dem sie gegen die Siegerteams der übrigen Standorte antreten. Den Abschluss bildet der Bundesentscheid am Bundesgerichtshof in Karlsruhe, für den sich die beiden besten Teams des Nationalentscheids qualifizieren. Dort verhandeln sie ihren Fall vor Richter:innen des Bundesgerichtshofs sowie am BGH zugelassenen Rechtsanwält:innen.
Ein besonderes Merkmal des EDMC ist, dass der Wettbewerb überwiegend in deutscher Sprache durchgeführt wird und sich die Fälle ausschließlich auf das deutsche Zivil- und Zivilprozessrecht beziehen. Dadurch ist eine Teilnahme bereits in den frühen Semestern des Jurastudiums möglich, auch wenn der Wettbewerb ebenso Studierende höherer Semester herausfordert.
Im Vergleich zu vielen internationalen Moot Courts ist der zeitliche Aufwand überschaubar. Die Vorbereitung konzentriert sich auf die einzelnen Wettbewerbsphasen, sodass eine Teilnahme in der Regel auch parallel zum regulären Studium realisierbar ist.
Trotz des geringeren Zeitaufwands können Teilnehmende viele wertvolle praktische Erfahrungen sammeln. Sie lernen im Team Sachverhalte zu bearbeiten und zu analysieren, eine Klageschrift bzw. Beklagtenschrift zu verfassen, mündlich zu verhandeln und das Zivilrecht weiter zu vertiefen. Es ist daher eine spannende Erfahrung, die auch Abwechslung zum theoretischen Juraalltag bringt.
Die Teilnahme am ELSA Deutschland Moot Court ist mit vergleichsweise geringem organisatorischem Aufwand verbunden. Voraussetzung ist lediglich eine Mitgliedschaft bei ELSA sowie, dass das Erste Juristische Staatsexamen noch nicht abgelegt wurde. Die Anmeldung erfolgt über die jeweilige lokale ELSA-Fakultätsgruppe.
Auch die Durchführung des Wettbewerbs ist klar strukturiert. Die Lokalentscheide werden von den ELSA-Gruppen an den einzelnen Universitätsstandorten organisiert. Ab dem Nationalentscheid übernimmt ELSA Deutschland die Koordination des weiteren Wettbewerbs. Insgesamt erwies sich die Organisation während aller Wettbewerbsphasen als reibungslos und gut strukturiert, sodass sich die Teilnehmenden auf die inhaltliche Vorbereitung konzentrieren konnten.
Schon seit längerer Zeit stand für mich fest, dass ich die Möglichkeit nutzen wollte, an einem Moot Court teilzunehmen. Viele Wettbewerbe sind jedoch mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden. Der EDMC ließ sich dagegen gut in mein Semester integrieren und bot die Möglichkeit, praktische Erfahrungen zu sammeln, ohne dafür ein ganzes Semester oder die vollen Semesterferien einzuplanen.
Die Teilnahme erfolgte in Zweier-Teams. Nach der Auslosung erhielten wir Anfang Dezember die Klägerakte – damit begann für uns die intensive Vorbereitungsphase. In regelmäßigen Treffen arbeiteten wir den Sachverhalt auf, teilten die rechtlichen Fragestellungen untereinander auf und diskutierten unsere Argumente. Dabei konnten wir zahlreiche Inhalte aus dem Studium, etwa das Verbrauchsgüterkaufrecht oder das AGB-Recht, unmittelbar anwenden und vertiefen.
Für die Klageschrift standen uns 15 Tage zur Verfügung. Anschließend begann bereits die Vorbereitung auf die mündliche Verhandlung. Wir entwickelten mögliche Gegenargumente, verteilten unsere Redebeiträge und übten das freie Plädieren. Dabei profitierten wir besonders von der Unterstützung zweier Kommilitonen, die bereits am Soldan Moot Court teilgenommen hatten und ihre Erfahrungen mit uns teilten. Im Vergleich zu anderen Moot Courts gab es bei dem EDMC jedoch leider keine Pre-Moots. Wir konnten die Verhandlung daher nicht vorher simulieren, sondern mussten alles auf das Finale setzen.
Kurz vor dem Wettbewerb nahmen wir außerdem an einem Rhetorikseminar teil, in dem das Auftreten vor Gericht vermittelt wurde. Eine Woche später fand schließlich das Finale des Lokalentscheids im Amtsgericht statt. Vor drei Richterinnen und Richtern – Professorinnen, Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitenden unserer Universität – verhandelten wir den Fall rund 40 Minuten lang. Erst dort zeigte sich, wie gut sich die Vorbereitung in der Praxis umsetzen ließ. Anscheinend hat sich die Arbeit gelohnt, da mein Team diese Runde gewonnen hat.
Rückblickend war diese Zeit eine willkommene Abwechslung zum universitären Alltag. Besonders bereichernd war die enge Zusammenarbeit im Team und die Erfahrung, juristische Fragestellungen nicht nur theoretisch zu lösen, sondern einen Fall aus anwaltlicher Perspektive zu bearbeiten.
Die Gewissheit, dass man das ganze nicht alleine, sondern mit Unterstützung des Teampartners durchstehen muss, stärkt in diesen Momenten auch unheimlich.
Mit dem Einzug in den Nationalentscheid ging es für unser Team im Mai nach Frankfurt am Main. Dort trafen die zwölf besten Teams aus ganz Deutschland aufeinander – von Kiel bis München waren viele Städte vertreten. Anders als in der Lokalrunde mussten wir diesmal sowohl eine Klageschrift als auch eine Klageerwiderung anfertigen. Entsprechend standen auch zwei mündliche Verhandlungen auf dem Programm, wodurch sich alle Teams sowohl auf Kläger- als auch auf Beklagtenseite beweisen konnten.
Neben dem Wettbewerb bot das Wochenende zahlreiche Gelegenheiten zum Austausch. Zwischen den Verhandlungen und bei den Abendveranstaltungen kamen wir mit Studierenden aus ganz Deutschland ins Gespräch und konnten Kontakte über die eigene Universität hinaus knüpfen.
Die mündlichen Verhandlungen am Samstag und Sonntag wurden von erfahrenen Rechtsanwält:innen, Richter:innen sowie Doktorand:innen begleitet. Besonders bereichernd war der direkte Austausch mit den Juror:innen, von denen viele selbst einmal am EDMC teilgenommen hatten. Dadurch entstanden interessante Einblicke in deren vielfältige Karrierewege, aber auch abseits des Juraalltags inspirierende Gespräche. Netzwerken stand im Vordergrund und wurde das Wochenende großgeschrieben.
Die Teilnahme am Elsa Moot Court hat mir sehr viel Positives gebracht. Ich hatte dabei das Gefühl meiner beruflichen Perspektive etwas näher zu kommen, mich aber auch herauszufordern. Der EDMC bietet sich hierbei besonders an, weil man in kurzer Zeit das Verfassen von Klageschrift und mündlicher Verhandlung miteinander verknüpfen kann und seinen Studienalltag so gut untergebracht bekommt. Vor allem aber bearbeitet man Sachverhalte, von denen man im Studium schon mal etwas gehört hat, ohne sich ein komplett neues Rechtsgebiet eigenständig anzueignen.
Auch die mündlichen Verhandlungen haben einem ein neues Selbstbewusstsein verliehen, weil man souverän ohne Patzer auftreten musste. Die Teilnahme ist daher eine tolle Erfahrung für jeden, der einen neuen Einblick in den juristischen Alltag bekommen möchte, sich mit typischen Sachverhalten des Lebens auseinandersetzen will, aber auch ein Interesse für das deutsche Zivilrecht hat. Probiert es daher gerne aus, traut euch und habt Spaß dabei!
Alles weitere rund um Moot Courts findet ihr hier:
Der European Law Moot Court: Europarecht hautnah erleben
Der Helga Pedersen Moot Court - Im Studium vor dem EGMR stehen
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Zwischen Fallanalysen und Plädoyers - Ein Erfahrungsbericht zum Soldan Moot Court 2025
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