Effektiv Vorlesungen besuchen? Tipps für Erstsemester!

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Mit diesen einfachen Tricks könnte eure Vorlesung auch so aussehen. © Pexels
Zu Beginn des Semesters sind viele Jurastudierende noch hochmotiviert. Doch leider nimmt dieser Enthusiasmus mit den folgenden Wochen immer weiter ab. Die Vorlesungssäle werden leerer und anstatt fragender Hände sieht man immer mehr Smartphones. Um die 90 Minuten der Vorlesungszeit nicht nur körperlich anwesend zu sein, sondern den Stoff effektiv aufzunehmen und dauerhaft zu behalten, sind hier einige Tipps, wie euch das gelingen kann.

Vorab: Ihr solltet Vorlesungsbesuche nicht nur für euer gutes Gewissen wahrnehmen. Mit den nötigen Tipps können sie eurem Lernalltag tatsächlich sehr viel Fortschritt bringen.

Vorbereitung – gut vorbereitet ist halb gelernt

Geht niemals unvorbereitet in die Vorlesung! Sorgt dafür, dass ihr alle bereitgestellten Materialien griffbereit habt. Idealerweise habt ihr die Folien oder Skripte bereits ausgedruckt, heruntergeladen oder euch zumindest einen groben Überblick verschafft, welche Themen in der jeweiligen Sitzung behandelt werden. Vielleicht stoßt ihr dabei schon auf Fragen oder Aspekte, die euch besonders interessieren, dann – notiert sie euch. So könnt ihr sie direkt im Anschluss an die Vorlesung ansprechen und gezielt vertiefen.
Eine gute Vorbereitung hat gleich mehrere Vorteile: Ihr könnt dem Vortrag leichter folgen, bleibt konzentrierter und seid weniger anfällig für Ablenkungen. Außerdem lassen sich Mitschriften deutlich einfacher und strukturierter anfertigen. Und nicht vergessen: Führt immer die notwendigen Gesetzestexte mit euch, damit ihr während der Vorlesung direkt im Normtext nachschlagen könnt. So lernt ihr nicht nur passiv, sondern arbeitet aktiv am Verständnis des Stoffes mit.

Während der Vorlesung – Fokus statt Stress

Pünktlichkeit mag banal klingen, ist aber ein echter Gamechanger. Wer rechtzeitig im Hörsaal sitzt, zeigt nicht nur Respekt gegenüber der Lehrperson, sondern startet auch selbst entspannter und konzentrierter in die Veranstaltung. Kein gehetztes Ankommen, kein Suchen nach einem freien Platz – sondern direkt im Thema sein. Überlegt euch gut, wo und mit wem ihr sitzt. Umgebt euch mit Leuten, die wirklich Interesse am Stoff haben und euch nicht mit Ablenkungen runterziehen. Wenn jemand ständig quatscht oder stört, traut euch, den Platz zu wechseln. Dies ist kein einfacher Schritt und mag im Moment unangenehm wirken, zahlt sich langfristig aber definitiv aus. Wählt außerdem einen Sitzplatz, an dem ihr die vortragende Person gut hören und sehen könnt – am besten so, dass ihr bei Fragen direkt Blickkontakt herstellen könnt. Das erleichtert nicht nur die aktive Teilnahme, sondern hilft auch, dranzubleiben. Ganz wichtig: Seid im Moment. Lasst euch nicht von eurem Smartphone, Chats oder Spielen ablenken. 90 Minuten sind absolut machbar, wenn ihr euch bewusst auf das Geschehen konzentriert. Sollte die Aufmerksamkeit wirklich mal nachlassen – steht kurz auf, atmet frische Luft, sammelt euch, und kommt mit neuem Fokus zurück.
All diese kleinen Veränderungen, haben eine große Wirkung: Wer aufmerksam und präsent in der Vorlesung ist, nimmt nicht nur mehr mit, sondern spart sich später jede Menge Nacharbeit.

Mitschrift mit Köpfchen

Beim Mitschreiben gilt ganz klar: Weniger ist mehr. Viele Studierende versuchen, jedes Wort mitzu notieren – und verlieren dabei genau das, worum es eigentlich geht: das aktive Zuhören. Macht euch lieber kurze Randnotizen oder schreibt nur Stichpunkte auf. So bleibt ihr konzentriert, könnt auf Fragen reagieren und versteht den Stoff wirklich. Ob ihr dabei lieber analog oder digital arbeitet, ist Geschmackssache. Notiz-Apps wie GoodNotes oder Notability sind praktisch, weil ihr Inhalte schnell strukturieren und ergänzen könnt. Wer lieber auf Papier schreibt, profitiert oft vom besseren Erinnerungsvermögen durch das Handgeschriebene – probiert einfach aus, was euch liegt.
Ein guter Trick, um komplizierte Themen im Gedächtnis zu behalten: Verknüpft sie mit kleinen Anekdoten oder witzigen Kommentaren eurer Dozent:innen. Wenn ihr später darüber stolpert, erinnert ihr euch sofort an die Situation – und damit auch an den Inhalt.
Legt euch außerdem ein System aus Abkürzungen und Signalwörtern zurecht. Klassiker wie „e. A.“ für eine Ansicht oder „P:“ für Problem sparen Zeit und halten eure Mitschriften übersichtlich. Farbmarkierungen helfen zusätzlich, Wichtiges von Nebensächlichem zu trennen. Achtet dabei besonders auf Hinweise der Lehrenden - Oft lassen sich daraus klare Signale erkennen, was prüfungsrelevant ist und welche Fehler viele Studierende machen.
Kurz gesagt: Schreibt klug, nicht viel. So bleibt der Kopf frei fürs Wesentliche: das Verstehen.

Nachbereitung & Organisation

Die Nachbereitung ist der Schritt, in dem aus losem Wissen echtes Verständnis wird.

Stellt euch die Vorlesung wie einen großen Lego-Baukasten vor: Während der Veranstaltung sammelt ihr viele einzelne Bausteine – Informationen, Beispiele, Lösungsansätze, welche ihr in der Nachbereitung zu einem sinnvollen Ganzen zusammensetzt.

Wartet damit nicht zu lange! Idealerweise bearbeitet ihr den Stoff innerhalb von 48 Stunden nach der Vorlesung – je früher, desto besser. Dann sind die Inhalte noch frisch im Kopf, und ihr könnt sie gezielt ins Langzeitgedächtnis übertragen. Wenn ihr beim Nacharbeiten merkt, dass ihr bei bestimmten Themen noch unsicher seid, greift zu einem passenden Lehrbuch oder Kommentar. Aber: Kauft nicht gleich alles, was empfohlen wird. Schaut erst in der Bibliothek eures Vertrauens vorbei oder nutzet die digitalen Angebote eurer Uni. Plattformen wie juris, nomos eLibrary oder beck-online bieten oft genau das, was ihr braucht – kostenlos oder über Uni-Lizenzen.
Verzettelt euch nicht mit seitenlangen Zusammenfassungen, die nur die Folien abbilden. Nutzt lieber die vorhandenen Materialien, wiederholtz aktiv und übertragt das Gelernte direkt auf Fälle oder Beispiele. So trainiert ihr Anwendung und Verständnis gleichzeitig. Andere interessante Lernmethoden könnt ihr außerdem in dem Beitrag Mythos Lernmethoden: Was sagt die Wissenschaft? finden.
Kurz gesagt: Eine gute Nachbereitung heißt nicht, alles noch einmal zu schreiben, – sondern das Puzzle zu vollenden.

Zum Schluss: Finde deinen eigenen Weg!

Kleiner Tipp zum Abschluss: Das Jurastudium folgt bundesweit einem einheitlichen Prüfungsstoff. Wenn ihr also merkt, dass euch Vorlesungen persönlich wenig bringen oder die An- und Abreise schlicht zu viel Zeit kostet, ist das kein Weltuntergang. Ihr könnt die Inhalte genauso gut eigenständig erarbeiten – Hauptsache, ihr bleibt dran und versteht die Lerninhalte wirklich.
Dieser Beitrag gibt Tipps, wie ihr das Beste aus euren Vorlesungen herausholen könnt. Natürlich spielt auch der individuelle Stil eurer Professor:innen eine große Rolle – Manche gestalten ihre Veranstaltungen lebendig und interaktiv, andere eher theoretisch.

Am Ende gilt: Findet heraus, was für euch funktioniert. Ob im Hörsaal oder im Selbststudium – entscheidend ist, dass ihr euren eigenen Lernrhythmus kennt und ihn konsequent verfolgt.

Für weitere Tipps, schaut hier gerne vorbei:

Mythos Lernmethoden: Was sagt die Wissenschaft?

Sketchnotes – der clevere Weg durch das Lernchaos

Gut für Jura lernen: 5 Lernmethoden für ein Jurastudium ohne Burn-out

Zeitmanagement im Jurastudium

 

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Greta Brenzel
Die Autorin arbeitet in der Redaktion des JurFuture-Magazins.