Uni Passau startet neuen Bachelor-Studiengang "Legal Tech"

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Das ist einzigartig in Deutschland - die Uni Passau bietet einen ganz neuen Studiengang an: "Legal Tech (LL.B.)".
Ab dem Wintersemester 20/21 bietet die juristische Fakultät der Uni Passau den Studiengang „Legal Tech (LL.B.)“ an. Der Bachelor-Studiengang ist in Deutschland bisher einzigartig. Unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Beurskens, dem Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht und Wirtschaftsrecht, können sich ab November 50 Studierende in 8 Semestern zum „Legal Engineer“ ausbilden lassen.

Absolventen sollen technisch und juristisch versiert sein

Das Konzept des neuen Studienganges ist interdisziplinär. Die Studierenden erhalten einerseits eine gründliche juristische Ausbildung, indem sie gemeinsam mit den klassischen Rechtswissenschaftlern grundlegende Rechtsvorlesungen besuchen. Zusätzlich nehmen sie an Kursen der Wirtschaftswissenschaften und –Informatik teil. Der besondere Schwerpunkt liegt allerdings schon ab dem zweiten Semester auf den digitalen Rechtsdienstleistungen. So werden etwa Grundkenntnisse der Software-Entwicklung und IT-Sicherheit vermittelt, Algorithmen, Mass Data und Netzwerke stehen im Vordergrund. Der Studiengang verspricht zudem viele praktische Bezüge sowie die Möglichkeit, sich frühzeitig mit Praktikern zu vernetzen. Das Angebot richtet sich an technikbegeisterte Jurastudierende und kann auch parallel zum klassischen Studiengang Rechtswissenschaften absolviert werden.

 

Die steigende Nachfrage nach Legal Tech bedienen

Mit dem Bachelor in Legal Tech spannt die Universität Passau den Bogen zwischen einer soliden juristischen Ausbildung und den zunehmend nachgefragten digitalen Kompetenzen, die Absolventen und Absolventinnen des klassischen, examensorientierten Jurastudiums bisher meist vermissen lassen. Denn die traditionelle Juristenausbildung sieht bis heute kaum oder gar keine digitalen Inhalte vor. Stattdessen müssen die jungen Juristen und Juristinnen ihre Kompetenzen auf diesem Gebiet meist nach dem Studium im Rahmen von zusätzlichen, überwiegend kostenpflichtigen Weiterbildungsangeboten erwerben. Und das obwohl die Legal Tech-Branche seit Jahren enorme Erfolge zu verzeichnen hat.

Einer Studie des FFI Verlags zufolge sehen 66% der befragten Juristen und Juristinnen in digitalen Rechtsdienstleistungen und Legal Tech die Chance, kostengünstiger und effizienter zu arbeiten, über die Hälfte befürworten eine Digitalisierung ihres Arbeitsplatzes um wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch kein Legal Tech ohne das entsprechende Know-How. 68% der Befragten bezeichneten die steigenden Anforderungen an IT-Kompetenzen als die größte Herausforderung für die Digitalisierung der Anwaltsbranche. Die Universität Passau könnte mit ihrem Legal Tech-Bachelor demnach eine Nische auf dem juristischen Arbeitsmarkt bedienen, für die jetzt schon eine enorme Nachfrage besteht.

 

Ein ganz neuer Ansatz

„Juristen und Technik haben traditionell eine schwierige Beziehung“, sagt Studiengangsleiter Prof. Dr. Michael Beurskens im Interview mit der Uni Passau. Das klassische Jurastudium behandle keine technischen Fragen, das Thema werde derzeit einzig in Masterstudiengängen und Weiterbildungsangeboten aufgegriffen. Der Legal Tech-Bachelor solle aber gerade ein grundständiges Studium sein, das ohne Vorkenntnisse besucht werden könne. Ziel sei es, die Absolventen und Absolventinnen ebenso auf dem Gebiet der Wirtschaftsinformatik, wie auch zu guten Juristen und Juristinnen auszubilden.

 

Bleibt Jura auf der Strecke?

Dass der verlagerte Schwerpunkt zu Defiziten in der juristischen Ausbildung der Studierenden führen könnte, sieht Beurskens hingegen nicht gegeben. Zwar entfallen einige juristische Vorlesungen zugunsten von Informatikveranstaltungen, im Großen und Ganzen bekämen die Studierenden aber die gleichen Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt, die auch „echte“ Juristen erhielten.

Der Studiengang wurde zudem von vornherein so konzipiert, dass er problemlos parallel zum klassischen Studium der Rechtswissenschaften belegt werden kann. So bleiben den Absolventen und Absolventinnen auch innerhalb der traditionellen juristischen Berufe keine Türen verschlossen.

Beurskens sieht die Zukunft der Legal Tech-Absolventen allerdings eher bei Startups, die sich auf digitale Rechtsdienstleistungen spezialisiert haben, sowie in großen Kanzleien, die schon jetzt dringenden Bedarf an doppelt qualifiziertem Personal haben, um ihre technischen Prozesse zu optimieren und zukunftsfähige digitale Lösungen zu finden.

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Denise Dahmen
Die Autorin war Volontärin in der Anwaltsblatt-Redaktion und Mitglied der Redaktion von katzenkönig, dem Magazin des DAV für Studierende und Referendare.