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Das Lernen von zu Hause bietet einige Vorteile: Gerade beim Auswendiglernen kann die Ruhe zu Hause hilfreich sein, um sich Dinge laut vorzusprechen und selbst zu erklären. Darüber hinaus habt ihr am eigenen Schreibtisch niemanden links oder rechts von euch sitzen, mit dem ihr euch vergleichen könntet. Gerade, wenn das Stresslevel und der Druck hoch sind, kann das eine angenehme Abwechslung zu der stressigen Atmosphäre in der Bibliothek während der Klausurenphase sein.
Gerade die Ruhe und die Möglichkeit, Pausen sinnvoll zu nutzen, haben Follower:innen des JurFuture-Instagram Accounts bei unserer Umfrage zu dem Thema als Gründe angegeben, warum sie lieber zu Hause lernen. Dementsprechend lautet auch das Ergebnis unserer Instagram-Umfrage: 61 % der Teilnehmenden lernen lieber zu Hause als in der Bibliothek. Doch von denen, die lieber in der Bibliothek lernen, gibt der Großteil an, die Ablenkungen wären dort zu groß. Wie lässt sich das ändern?
Im ersten Schritt könnt ihr euch überlegen, warum ihr in der Bibliothek gut lernen könnt. Liegt es daran, dass ihr euer Handy im Schließfach lassen könnt und durch sozialen Druck weniger dazu verleitet seid, eure Zeit auf Social Media zu verbringen? Oder liegt es daran, dass euch die Bibliothek eine Tagesstruktur gibt und ihr Zeit mit euren Freund:innen verbringen könnt?
Diese Erkenntnisse könnt ihr nutzen, um eure persönliche Lernzeit zu Hause daran anzupassen. Ist es das Handy, das euch ablenkt, könnt ihr versuchen, es in einen anderen Raum eurer Wohnung zu legen und dadurch Ablenkungen zu minimieren. Im ersten Schritt solltet ihr auf eurem Handy den Nicht stören-Modus oder den Flugmodus aktivieren, damit euch keine Benachrichtigungen ablenken. Ihr könnt euch auch eine Handybox basteln, in die ihr euer Handy legt, sodass ihr es nicht direkt greifbar neben euch liegen habt. Außerdem gibt es Apps, mit denen ihr euch dazu motivieren könnt, euer Handy während eurer Lernphasen nicht zu nutzen, wie zum Beispiel die App Forest oder eine App, mit der ihr die Pomodoro Technik anwenden könnt. Aber dazu später mehr.
Falls euch das Gefühl hilft, dass ihr jemanden neben euch sitzen habt, der ebenfalls lernt, könnt ihr euch ein „Study with me“ Video auf YouTube anmachen und vor euch platzieren. Ihr könnt euch ein Video mit einem schönen Ambiente raussuchen und eure Lerneinheiten dadurch ein wenig romantisieren. Außerdem veranstalten Youtuber:innen regelmäßig Livestreams, in denen sie sich beim Lernen filmen. Ihr lernt dadurch in Echtzeit gemeinsam mit den Menschen, die sich den Livestream anschauen, was ebenfalls eine gewisse Struktur und Verbindlichkeit fördern kann. „Study with Me“ Videos können also ebenfalls eine Möglichkeit sein, um das Lernen zu Hause effektiver zu gestalten[1].
Die JurFuture-Community auf Instagram empfiehlt zudem, sich einen festen Lernplatz einzurichten. Sucht euch also einen Platz, den ihr auch mit dem Lernen verbindet, nicht etwa das Bett oder die Couch.
Fehlt euch beim Lernen zu Hause die Struktur, könnt ihr folgendes ausprobieren: Anstatt euer Haus am Morgen in Richtung der Bibliothek zu verlassen, könnt ihr es mit einem kleinen Spaziergang versuchen. Dadurch habt ihr euer Haus schon einmal verlassen und könnt bei frischer Luft den Kopf ein wenig freibekommen. Die Bewegung macht unseren Körper wacher, und das macht sich auch im Gehirn bemerkbar, denn eine erhöhte Sauerstoffversorgung steigert die Arbeitsfähigkeit unserer Gehirnzellen. Auch beim Stressabbau kann Bewegung helfen, da dadurch Botenstoffe ausgeschüttet werden, die Stress entgegenwirken und dabei helfen, uns ausgeglichener zu fühlen[2]. Außerdem haben Studien gezeigt, dass Bewegung positive Auswirkungen auf unser Gedächtnis und unsere Kreativität hat, wodurch wir uns länger Informationen merken können[3].
Ein Tipp: Nehmt eure Karteikarten mit auf einen Spaziergang. Dadurch kombiniert ihr Bewegung mit Auswendiglernen und könnt euch, anders als in der Bibliothek, die Dinge laut vorsagen und erklären. Angesichts der positiven Effekte von Bewegung auf das Gedächtnis kann das Auswendiglernen im Gehen euch dabei helfen, euch Dinge schneller zu merken.
Ebenso wichtig wie Bewegung sind genügend Pausen. Das gilt natürlich sowohl für das Lernen von zu Hause als auch in der Bibliothek. Falls ihr zu Hause lernt, können euch kleine Auszeiten dabei helfen, euren Tag zu strukturieren und neue Energie zu tanken.
Ihr könnt zum Beispiel die Pomodoro-Technik nutzen. Diese sieht vor, dass ihr nach einer 25-minütigen Lernphase eine fünfminütige Pause einlegt. Natürlich könnt ihr die Dauer der Lernphasen und der Pausen auch variieren, wichtig ist nur, dass ihr regelmäßige Ruhephasen einlegt.
Im Idealfall verknüpft ihr eure Pausen wieder mit ein bisschen Bewegung, um neue Energie zu tanken und eurem Körper eine Auszeit vom Sitzen am Schreibtisch zu geben. Dadurch grenzt sich die Pause auch nochmal deutlich von dem ab, was ihr während der Arbeitsphase macht, wodurch der Erholungseffekt größer werden kann.
Außerdem hilft es, wenn ihr bereits vor der Pause plant, was ihr danach tun werdet. So könnt ihr vermeiden, dass ihr danach in ein Loch fallt, weil ihr nicht wisst, was als Nächstes ansteht.
Ein weiterer Punkt, der euch dabei helfen kann, von zu Hause aus zu lernen, ist, Freund:innen miteinzubinden. Zum einen könnt ihr euch zu gemeinsamen Lerngruppen zusammensetzen. Zum anderen könnt ihr euch zu einer gemeinsamen Mittags- oder Kaffeepause verabreden. Auch das gibt eurem Tag Struktur, und zugleich könnt ihr euch ein bisschen vom Lernen ablenken und euren Kopf auf andere Ideen bringen.
Egal, wo ihr lernt: Setzt euch realistische Lernziele! Denn ihr tut euch selbst keinen Gefallen damit, wenn ihr euch zu viel vornehmt und dann am Ende des Tages frustriert seid, weil ihr eure To-Do-Liste nicht abhaken konntet. Doch bis ihr dahin kommt, gut einzuschätzen, wie viel ihr an einem Tag schafft, braucht es Zeit und ein gutes Maß an Selbsteinschätzung. Seid da nicht zu streng mit euch.
Euren Lernplan könnt ihr euch zudem in bestimmte Zeiten einteilen und dadurch noch mehr Struktur für euren Tag gewinnen.
Es gibt einige Wege, wie ihr versuchen könnt, auch von zu Hause effektiv zu arbeiten, ohne dafür in die Bibliothek zu gehen. Aber jede:r lernt anders, also versucht herauszufinden, was für euch am besten funktioniert und richtet euch nicht danach, was für eure Freund:innen oder Kommiliton:innen am besten klappt.
JurFuture wünscht euch viel Erfolg bei den anstehenden Klausuren und falls ihr noch mehr Lerntipps habt, die ihr gerne mit den JurFuture Leser:innen teilen wollt, lasst es uns gerne wissen und schreibt uns per Instagram oder E-Mail.
Weitere Tipps für die Klausurenphase:
Mythos Lernmethoden: Was sagt die Wissenschaft?
Gut für Jura lernen: 5 Lernmethoden für ein Jurastudium ohne Burn-out
Der Umgang mit Stress im Jurastudium
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Instagram: jurfuture_dav
[1] Zu den positiven Effekten von Study With Me Videos: Liu, Tongxi/ Deng, Liping/ Zhou, Yujie (2026): Unpacking self-regulation and social interactions in “Study With Me” videos trough large-scale analytics, Computers & Education Vol. 241, No. 105488.
[2] Bundeszentrale für politische Bildung (2024): Bewegung an Schulen: Wie Bewegung den Lernprozess unterstützt, abrufbar unter: https://www.bpb.de/themen/bildung/dossier-bildung/550511/bewegung-an-schulen-wie-bewegung-den-lernprozess-unterstuetzt/ (zuletzt abgerufen am 06.02.2026).
[3] Oppezzo, Marily/ Schwartz, Daniel L. (2014): Give Your Ideas Some Legs: The Positive Effect of Waling on Creative Thinking, Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory and Cognition, Vol. 40, No. 4, 1142-1152.
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