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Das Studium kann oft überwältigend wirken, da es viele neue Dinge zu lernen gibt. Neben dem Lernstoff kommen häufig zusätzliche Herausforderungen wie die Wohnungssuche, die Organisation des Alltags und Probleme mit dem BAföG-Amt dazu. Besonders für Studierende, deren Eltern selbst keine akademische Ausbildung haben, können solche Themen eine große Belastung darstellen, da oft niemand zur Verfügung steht, an den man sich wenden kann. Ein Stipendium kann hier eine wertvolle Unterstützung bieten, da es nicht nur finanziell entlastet, sondern auch ein Netzwerk mit sich bringt, das in schwierigen Fragen hilfreich ist.
Viele Studierende wissen jedoch nicht, dass es diese Möglichkeit gibt, fühlen sich unsicher, sich zu bewerben oder wissen einfach nicht, wie der Bewerbungsprozess funktioniert. Gerade für Erstakademiker kann das Studium an sich schon eine große Herausforderung sein, sodass Stipendien oft noch nicht in den Blick geraten. Auch jemand der im Zweifelsfall über die Bewerbung drüber liest ist nicht immer vorhanden. Hinzu kommt der weit verbreitete Irrglaube, dass Stipendien nur etwas für Genies, Hochbegabte oder zukünftige Nobelpreisträger seien. Unsere innere Bremse sagt: „Das ist nichts für mich.“ Das ist ein Trugschluss! In der Regel haben wir alles, was es braucht – es fehlt lediglich an dem kleinen Funken Selbstvertrauen. Selbstvertrauen kommt, wenn man weiß, was einen erwartet. Deshalb haben wir hier alles Wichtige zusammengetragen, was du über Stipendien wissen musst.
Es gibt eine große Vielzahl an Fördermöglichkeiten, so z.B. Stipendien parteinaher Stiftungen, religiöse Stipendien aber auch politisch neutrale Stipendien. Neben allgemeinen Studienstipendien gibt es auch solche, die bestimmte Vorhaben fördern, so z.B. Promotionsstipendien oder Auslandsstipendien.
Hier eine kleine Übersicht der bekanntesten Stipendien:
Parteinahe Stiftungen: Heinrich-Böll-Stiftung (Grüne), Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD), Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU), Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FDP), Rosa-Luxemburg-Stiftung (Linke), Hans-Seidel-Stiftung (CSU).
Religiöse Stipendien: Avicenna-Studienwerk (Muslimisches Begabtenförderungswerk), Cusanuswerk e.V. (katholische Kirche), Evangelisches Studienwerk e.V. Villigst, Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (Jüdisches Begabtenförderungswerk).
Politisch neutrale: Studienstiftung des Deutschen Volkes, Deutschlandstipendium, Hans-Böckler-Stiftung (Deutscher Gewerkschaftsbund), Stiftung der Deutschen Wirtschaft.
Spezielle Stipendien: Erasmus, PROMOS, DAAD-Jahresstipendium.
Die Liste ist unvollständig und soll dir Anhaltspunkte geben, in welche Richtungen man denken kann, wenn man ein Stipendium sucht. Es gibt auch eine Suchmaschine für Stipendien, wenn du dich noch weiter informieren möchtest: www.mystipendium.de.
Ganz Wichtig bei der Auswahl eines Stipendiums ist ein hohes Maß an Identifikation mit den Werten dahinter, damit solltest du dich unbedingt am besten bereits vor deiner Bewerbung auseinandersetzen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, überhaupt in das Auswahlverfahren zu kommen. So ist es bei einigen Stipendien möglich, über einen Vorschlag der Schule oder Hochschule in das Auswahlverfahren aufgenommen zu werden. Ansonsten läuft es aber regelmäßig auch über die Selbstbewerbung. Hierbei ist oft eine Übersicht über bisherige Leistungen sowie ein Lebenslauf und ggf. ein Motivationsschreiben notwendig. Bei politischen oder religiösen Stipendien läuft die Auswahl der Stipendiaten dann meist über persönliche Auswahlgespräche. Bei der Studienstiftung hingegen, dem ältesten und größten deutschen Begabtenförderungswerk, gibt es ein etwas komplexeres Auswahlverfahren. Bewirbt man sich eigeninitiativ, so muss vor dem eigentlichen Auswahlverfahren noch ein Auswahltest absolviert werden, der von denjenigen, die vorgeschlagen wurden, nicht absolviert werden muss. Nach dem erfolgreichen Bestehen des Auswahltestes sieht das folgende Verfahren für alle gleich aus: Bei einem Auswahlseminar, das meist ein ganzes Wochenende in Anspruch nimmt, wird man einer Gruppe aus Bewerbern zugeordnet. Jeder Teilnehmer muss im Vorhinein einen Vortrag vorbereitet haben. Abwechselnd werden die Vorträge in der Gruppe präsentiert. Im Anschluss an jeden Vortrag folgt eine Gruppendiskussion, die von dem Vortragenden geleitet wird. Darüber hinaus werden zwei etwa 30-minütige Einzelgespräche geführt. Das Auswahlseminar findet für einige digital, für andere in Präsenz statt. Unabhängig von der Form wird dabei viel Wert auf den Austausch unter den Bewerbern gelegt und es ist sowohl digital als auch in Präsenz für viele eine tolle Erfahrung. Die Auswahlkommission besteht aus den verschiedensten Menschen, die diese Aufgabe ehrenamtlich wahrnehmen.
Gemeinsam haben alle Stipendien, dass Leistung und Motivation eine große Rolle spielen, wichtig ist aber auch zu betonen, dass Leistung allein nicht der alles entscheidende Faktor ist. Es wird darüber hinaus sehr viel Wert auf Engagement und Persönlichkeit gelegt. Ein 1,0-Abitur garantiert noch lange kein Stipendium und ein 1,5-Abitur ist auch kein K.O.-Kriterium. Die Prozesse sind darauf ausgelegt, etwas über deine Interessen und deine Persönlichkeit zu erfahren. Es geht dabei meist nicht um Perfektion, sondern um Potential, um aufrichtiges Interesse und Offenheit.
Die Frage nach dem idealen Zeitpunkt für eine Bewerbung lässt sich wohl nur mit dem allseits beliebten Juristensatz beantworten: Es kommt darauf an.
Es kommt vor allem darauf an, für welches Stipendium du dich bewerben möchtest. Hierfür unbedingt empfehlenswert: Warte nicht zu lange und informiere dich so früh wie möglich! Bei manchen Stipendien ist die Selbstbewerbung nur bis zum 3. Fachsemester möglich, das variiert aber. Der klassische Weg ist die Bewerbung direkt nach dem Abitur.
Der erste Tipp beginnt weit vor der Bewerbung. Soziales Engagement und gute Noten sind ein wichtiger Faktor und das solltest du im Hinterkopf haben. Wichtig dabei ist jedoch: Hab Spaß, an dem was du machst. Mach nichts, nur weil du denkst, dass es sich gut auf dem Lebenslauf macht. Das merkt man sofort. Stattdessen finde Dinge, die du gerne machst und über die du leidenschaftlich erzählen kannst.
Daran anlehnend auch schon der zweite Tipp: Sei offen und interessiert. Geh‘ offen in das Bewerbungsverfahren hinein. Freu dich darauf, die Menschen kennenzulernen und die Erfahrung zu durchleben.
Der dritte Tipp ist für all die Zweifler unter euch: Sei dir deiner Stärken bewusst. Hab Vertrauen in deine Fähigkeiten und mach dir klar, was du an tollen Eigenschaften mitbringst.
Zu guter Letzt: Hab Spaß und lass dich nicht entmutigen! Auch wenn es nicht klappen sollte, bedeutet das nicht das Ende der Welt, es gibt super viele andere Möglichkeiten, die du noch ausprobieren kannst und oft ist es auch einfach Glückssache, wie vieles im Leben. Die Gründe für eine Absage können zahlreich sein, das sollte dich aber niemals an deinen Fähigkeiten Zweifeln lassen. Der Mut, dich zu bewerben, unterscheidet dich bereits von vielen anderen und häufig kann eine Absage auch eine Zusage an anderer Stelle oder zu einer anderen Zeit bedeuten.
Auch und insbesondere dann, wenn du vielleicht der Erste aus deiner Familie bist, der überhaupt darüber nachdenkt, sich für ein Stipendium zu bewerben, soll dich dieser Beitrag ermutigen: Du gehörst genau da hin! Trau dich und es wird sich ganz sicher lohnen!!!
First of all: Die finanzielle Förderung. Klassischerweise erhält man eine einkommensunabhängige Studienkostenpauschale i.H.v. 300 €. Des Weiteren gibt es Bedarfsfördersätze, die sich an der Höhe des BaföG-Satzes orientieren. Auch für Auslandsvorhaben etc. kann man zusätzliche Förderungen erhalten. Das Tollste daran ist: Es muss kein Cent zurückgezahlt werden. Darüber hinaus gibt es oft eine ideelle Förderung bestehend aus verschiedenen Veranstaltungsangeboten: Seminare, Sprachkurse, Reisen u.v.m. Zu guter Letzt gehen Stipendien oft mit einem starken Netzwerk einher, neben Wohnungs-, Job-, Praktikums- oder Ehrenamtsbörsen werden dir meist Ansprechpartner zur Seite gestellt und durch Stipendiaten-Gruppen oder die Teilnahme an Veranstaltungen lernt man Studierende verschiedenster Fachrichtungen kennen.
Hier haben wir noch einen weiteren Beitrag zum Thema für euch, der euch noch ein bisschen tiefer ins Thema einführt: "Mit Stipendium Jura studieren: Alles, was du wissen musst" Inklusive Checkliste zur Stipendienbewerbung!
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