Zum Inhalt springen
Soziales Engagement bedeutet sich überwiegend politisch, gesellschaftlich oder kulturell einzubringen. Das beruht meist auf den Grundsätzen der Ehrenamtlichkeit und Freiwilligkeit und wird in der Regel nicht vergütet.
Die Möglichkeiten des Engagements sind äußerst vielfältig. Hierfür können bestenfalls verschiedenste Angebote der Universitäten genutzt werden. Dort findet man von politischen Dimensionen wie der Arbeit im Studentenparlament als Vertreter für die Studierendenschaft, über organisatorischer Planung im Fachschaftsrat bis hin zu Teilnahmen an beratenden Law Clinics unterschiedlichste Möglichkeiten. Wer Interesse hat, sollte hier aufmerksam bleiben, um mögliche Wahlen oder Bewerbungsfristen nicht zu verpassen.
Wer sich in der Freizeit jedoch nicht weiter mit universitären Angeboten beschäftigen möchte, hätte auch die Möglichkeit, einer politischen Partei beizutreten und dort seine eigenen Standpunkte zu vertreten. Andernfalls könnte man sich auch journalistisch in Redaktionen einiger Vereine engagieren. Thematisch könnte man in Organisationen wie ELSA oder als Ansprechpartner vor Ort bei JurFuture den Bezug zu juristischen Themen und dem Jurastudium beibehalten.
Wem alldas auch nicht zusagt, hätte weiterhin die Chance in Tierschutzorganisationen oder Klimaschutzvereinen seine Stimme zu vertreten. Kurz gesagt: Die Möglichkeiten sind grenzenlos. Jedes Interesse kann in soziales Engagement führen.
Nach aktueller Rechtslage müssen Studierende für die Zulassung zum Ersten Staatsexamen nachweisen, insgesamt drei Monate Praktikum absolviert zu haben. Circa fünf Jahre des überwiegend abstrakten Studiums sollen damit durch lediglich zwölf Wochen Praxis ausgeglichen werden. Genau hier zeigt sich ein grundlegendes Defizit des Jurastudiums: Die drei Monate Pflichtpraktikum geben nicht ansatzweise einen realistischen Einblick vom späteren Berufsalltag. Das Jurastudium bleibt in vielen Teilen zu abstrakt und zu wenig praxisorientiert. Hier fehlt es an weiterführendem Wissen – dem Umgang mit Menschen. Hinzu kommt, dass viele Studierende aufgrund des hohen Zeitdrucks und der Fokussierung auf die Examensvorbereitung praktische Lerninhalte zugunsten des reinen Theoriewissens zurückstellen. Genau wegen dieser Problematik hat die Bucerius Law School in Hamburg ab dem Wintersemester 2026/27 die Teilnahme an einer Law Clinic verpflichtend eingeführt, um vor allem die praktische Erfahrung sicherzustellen. Gerade an dieser Stelle kann soziales Engagement einen wichtigen Ausgleich schaffen und dem strukturellen Praxisdefizit des Jurastudiums effektiv entgegenwirken.
Engagement kann nahezu ein Sprungbrett ins Berufsleben darstellen. Und dies liegt vor allem daran, dass man in den offenen Austausch geht, neue Menschen kennenlernt und Netzwerke aufbaut, die man in dieser Form im reinen Studienalltag kaum finden würde. Viele Studierende berichten, dass genau diese persönlichen Kontakte später entscheidend waren – sei es auf der Suche nach Praktikumsplätzen, Referendariatsstellen, persönlichen Fragen rund um den Karriereweg oder Spezialisierungen. Oft ergeben sich daraus sogar langfristige Mentoring-Beziehungen, die weit über das Studium hinaus bestehen.
Darüber hinaus erweitert man spürbar seinen Horizont. Man lernt ganz neue Interessen kennen. Plötzlich könnten organisatorische Tätigkeiten, finanzielle Planung oder Öffentlichkeitsarbeit einen neuen Anknüpfungspunkt für die eigene Zukunft darstellen. Nicht zu unterschätzen ist auch der persönliche Gewinn: Man erlebt, dass man selbst etwas bewegen kann, Verantwortung übernimmt und aktiv seinen Beitrag zur Gesellschaft leistet. Diese positive Energie kann eine neue Motivation für das anspruchsvolle Studium freisetzen. Diese Aspekte sollten als Chance genutzt werden!
Junge Anwälte und Anwältinnen müssen sich zwangsläufig täglich mit gesellschaftlichen und politisch relevanten Fragen auseinandersetzen. Ganz gleich, ob als Rechtsanwalt, Notar oder auch im Gericht – der Kontakt zu Menschen ist dauerhaft gegeben. In Mandantengesprächen, Verhandlungen oder bei Anhörungen zieht man keinen Nutzen, den hundertsten Streitstand perfekt zu beherrschen, wenn man nicht in der Lage ist, auf sein Gegenüber einzugehen, dessen Ängste zu verstehen und Konflikte konstruktiv zu begleiten. Man lernt Verantwortung zu tragen, ein Team zu organisieren, sich mit anderen Menschen auszutauschen und lösungsorientiert zu denken. Engagement fördert soweit die persönliche Reife und unterscheidet einen damit von einem bloßen „Fachidioten“.
Vorab ist wichtig zu betonen, dass ehrenamtliche Tätigkeiten nur ausgeübt werden sollten, wenn man sich damit identifizieren kann und echtes Interesse daran hat. Dies sollte nicht nur für das eigene Gewissen oder einen attraktiven Lebenslauf getan werden. Das ist auf Dauer weder erfüllend noch glaubwürdig. Tatsächlich lässt sich nicht bestreiten, dass soziales Engagement neben dem Studium inzwischen fast schon vorausgesetzt wird. Viele Arbeitgeber achten darauf, ob Bewerber:innen über den fachlichen Tellerrand hinausblicken und praktische Erfahrungen abseits des Pflichtpraktikums gesammelt haben. Mit den richtigen Tätigkeiten, kann Ehrenamt den Lebenslauf definitiv noch weiter aufwerten und auch von anderen Bewerbungen positiv abheben. In manchen Fällen kann so auch über eher schlechtere Noten hinweggesehen werden, wenn auf dem entsprechenden Gebiet schon Erfahrungen gesammelt wurden.
Dabei gilt jedoch, dass man darauf achten sollte, dass das Ehrenamt auch zur Position passt, auf die man sich bewerben möchte. Solch eine Tätigkeit sollte nur dann hervorgehoben werden, wenn sie einen erkennbaren Bezug zu den beruflichen Zielen vermittelt. Es gilt also bewusst auszuwählen, was betont werden soll. Authentisches Engagement ist dabei langfristig wertvoller als dekorative Einträge ohne echten Bezug.
Bei einigen ehrenamtlichen Tätigkeiten ist Vorsicht geboten. So auch die Frage, ob eine Parteimitgliedschaft im Lebenslauf erwähnt werden sollte. Die richtige Entscheidung hängt stark vom Einzelfall ab. Ein solcher Hinweis kann durchaus Sympathie erzeugen, allerdings auch genau das Gegenteil generieren. Politische Zugehörigkeiten werden häufig als sehr persönlich wahrgenommen, weshalb man sich dieses Dilemma gut vor Augen führen sollte. Rechtlich handelt es sich für den Arbeitgeber um eine Tabu-Zone. Politische Zugehörigkeiten dürfen im Bewerbungsverfahren weder erfragt noch bewertet werden. Dennoch spielt die Wahrnehmung eine wichtige Rolle, besonders in juristischen Berufen, in denen Neutralität oder zumindest professionelle Distanz von Bedeutung ist. Grundsätzlich wird politisches Engagement durchaus geschätzt. Allerdings sollte eine Parteimitgliedschaft nur dann erwähnt werden, wenn man darin tatsächlich aktiv ist und relevante Aufgaben übernommen hat, etwa im Bereich der Organisation oder Öffentlichkeitsarbeit. Reiner Mitgliedsstatus ohne tatsächliches Engagement bietet keinen Mehrwert. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann stattdessen die ausgeübte Tätigkeit angeben, ohne die Partei selbst zu nennen. Beispielsweise: „Engagement in einer politischen Jugendorganisation“ oder „Mitwirkung in einem politischen Arbeitskreis“.
Zusammengefasst bietet soziales Engagement einen hervorragenden Weg, um sich persönlich weiterzuentwickeln und über die Theorie des Studiums hinauszuwachsen. Man erweitert seinen Blick auf die Praxis und sammelt wertvolle Erfahrungen, die im Studium oft zu kurz kommen. Zudem lernt man neue Menschen kennen, knüpft Kontakte und gewinnt Einblicke in neue Arbeitsweisen und Perspektiven jenseits des Hörsaals. Des Weiteren wird ehrenamtliche Unterstützung in nahezu allen Bereichen gesucht. Es lohnt sich daher auf vielen Ebenen: für die eigene Entwicklung, den beruflichen Werdegang und die Gesellschaft.
Weitere Themen zum Sozialen Engagement im Jurastudium findet ihr hier:
Habt ihr Erfahrungen oder Tipps, die das Jurastudium bereichern? Schreibt uns an: magazin-jurfuture@anwaltverein.de oder bei Instagram.
Die Kategorie bündelt Beiträge zum Thema Ausbildung.
Im Fokus: die vielfältige Praxis als Rechtsanwält:in und wie der Berufseinstieg so läuft.
Die Kategorie bündelt Beiträge, die dir für deinen persönlichen Weg Denkanstöße geben können.
Die Kategorie bündelt Beiträge zur Verfassung des juristischen Kosmos.