Sketchnotes – der clevere Weg durch das Lernchaos

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Jura und Zeichnen? – mit Sketchnotes zum Erfolg. Hier ein Beispiel von Juristin und Künstlerin Nicola Pridik. Disclaimer: So schick muss es nicht sein!
In kaum einem Studiengang muss man so viel lernen wie im Jurastudium. Das ist allen angehenden Juristinnen und Juristen zwar bereits vor Studienbeginn bewusst, trotzdem bleiben nur die wenigsten gelassen, wenn sie sich plötzlich mit der Masse an examensrelevanten Problemen konfrontiert sehen. Wie soll man es nur schaffen, das alles abrufbereit im Kopf zu haben? Sketchnotes helfen dir dabei, den Überblick über den Lernstoff zu behalten und komplizierte Sachverhalte zu durchschauen. Also ran an die Stifte!

Doppelt hält besser - der Nutzen von Sketchnotes im Jurastudium

Jede Person lernt anders. Eines haben aber die meisten gemein, mit Visualisierungen bleibt das Gelernte besser im Kopf. Ob es das simple Hervorheben von wichtigen Textstellen mithilfe von Textmarkern ist, das Nutzen von Pfeilen, Nummerierungen oder kleinen schematischen Darstellungen ist. Bei der Strukturierung von Notizen machen wir das ganz intuitiv. Umso mehr Sinne bei der Aufnahme von Informationen angesprochen werden, je größer die Vielfalt der wahrgenommenen Reize ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, sich auch später noch an das Wahrgenommene erinnern zu können.

Jeder weiß schließlich, dass für einen optimalen Lernerfolg das Gehörte auch geschrieben und selbst ausgesprochen werden sollte. Nicht ohne Grund raten die meisten Lehrenden dazu, nicht nur die Power Point-Folie abzuschreiben, sondern sich eigene Notizen zu machen. Wir aber raten dazu, die Notizen zusätzlich um kleine Zeichnungen zu ergänzen.

Sketchnotes bedeutet visuelle Notizen, also eine Kombination aus kleinen Skizzen und handschriftlichen Notizen. Das besondere daran ist, dass mit Hilfe von einfachen Symbolen und Zeichnungen Zusammenhänge dargestellt werden. Unser Gehirn nimmt mit Abstand den größten Teil der Sinneswahrnehmung visuell-optisch auf. Deshalb tun sich nicht nur Lehrende gut daran, in ihren Lehreinheiten Schaubilder zu nutzen, auch Studierende sollten sich für die richtige Visualisierung der eigenen Notizen Zeit nehmen. Wenn ein Wort nicht nur gelesen wird, sondern dazu ein passendes Bild angesehen wird, haben wir gleich zwei Anknüpfungspunkte, die das spätere Erinnern vereinfachen. Doppelt hält eben besser.

 

Sketchnotes auf Karteikarten

Wir lernen das Recht anzuwenden, wir lernen, wo wir eine Lösung für ein bestimmtes Problem im Gesetz und im Kommentar finden können, aber wir müssen eben doch mehr auswendig lernen, als uns lieb ist. Der Stapel aus hunderten kleinbeschriebenen Karteikarten, den sich fast alle Jurastudierende über die Jahre erarbeitet haben, eignet sich in der Regel aber nicht für eine schnelle Wiederholung. Die eigenen Notizen immer und immer wieder durchzugehen, ist eine der größten Hürden beim Behalten der Motivation in der Examensvorbereitung. Wenn du komplizierte Zusammenhänge aber nicht allein in Schriftform, sondern mit witzigen kleinen Bildern darstellst, fällt der abendliche Griff zu den Karteikarten nach einem langen Lerntag viel leichter.

Dabei ist auch völlig egal, wie gut du zeichnen kannst. Sketchnotes leben von einfachen Symbolen. Das Internet ist voll davon und viele Künstler*innen, wie beispielsweise die Diplomjuristin und Spezialistin für Rechtskommunikation Nicola Pridik bieten sogar die dazugehörigen Anleitungen an. Falls du dich beim Zeichnen mit Stift und Papier nicht wohl fühlst und deine Karteikarten sowieso viel lieber digital erstellst, kannst du auch dein Tablet oder den PC mit Grafiktablett nutzen. Wichtig ist aber immer, dass du mit den Visualisierungen etwas assoziierst. Verstehen musst nur du sie, aber das zu jeder Zeit.

 

Sketchnotes in der Klausur

Sketchnotes eignen sich zur Darstellung jedes Sachverhalts. Also auch zur Darstellung des Klausursachverhalts. Nicht ohne Grund heißt es Lösungsskizze. Immer wieder berichten Studierende, dass sie für das Erstellen einer Lösungsskizze keine Zeit haben und lieber sofort „drauf los schreiben“. Mit einer einfachen Darstellung der beteiligten Personen, der Streitgegenstände und der wichtigsten Normen am Rand, kann man aber nicht nur den Überblick behalten, sondern auch richtig gut assoziieren. Vielleicht erinnert die Skizze an einen ähnlich gelagerten Sachverhalt aus der Vorlesung. Wie war das nochmal?

Wer bereits in der Vorlesung und beim Lernen Visualisierungen anfertigt, stellt die wichtigen Verknüpfungen her, die es später für eine erfolgreiche Klausur braucht. Die 15 Minuten in die Erstellung einer kleinen Zeichnung vor dem Schreiben der Klausur zu stecken, lohnt sich meistens, insbesondere dann, wenn zum Ende der Klausur für das Überfliegen des Sachverhaltes keine Zeit mehr bleibt.

 

Ums selbst Zeichnen kommt man nicht herum

Du kannst nicht zeichnen? Egal, Sketchnotes haben ihren Effekt schon, wenn sie ganz einfach sind. Wichtig ist, dass du sie selbst anfertigst. Jeder weiß, dass es sich mit den eigenen Notizen und Karteikarten besser lernen lässt, als mit denen von Kommilitoninnen und Kommilitonen. Für ein gutes Verständnis von komplizierten Zusammenhängen genügt es, wenn du dir ein Schaubild einer anderen Person anschaust. Für das spätere Repetieren ist es aber notwendig, dass du wenigstens das Schaubild abzeichnest, besser noch, es durch eigene Assoziationen ergänzt oder komplett selbst entwickelst. Auch und gerade, wenn Dozent*innen keine Art von Visualisierung einsetzen, solltest du dein kreatives Vermögen mit einbeziehen. Bereits im Zeichenprozess verarbeitet dein Gehirn die Informationen, die du darstellen willst und baut Brücken. Denke daran: Du machst die Notizen nur für dich, nicht für Instagram. Sie sollen kein Kunstwerk sein, sie sollen einen Zweck erfüllen.

 

Sketchnotes sind dir zu aufwändig?

Wiederholung ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Examensvorbereitung. Aber seien wir ehrlich, unübersichtliche Notizen aus der Vorlesung des dritten Semesters schaut man sich in aller Regel nie wieder an und wenn doch, versteht man meistens nur noch die Hälfte. Die Zeit, die du also jetzt investierst, um kurze, übersichtliche Zeichnungen zu erstellen, sparst du beim Wiederholen.

Außerdem heißt es auch bei der Anfertigung von Sketchnotes: Weniger ist mehr. Wer zu viel zeichnet, handelt häufig kontraproduktiv im Hinblick auf das Behalten des Überblicks. Ein Wimmelbild sollte nicht dabei rauskommen. Die Binsenweisheit gilt allerdings nicht für den Umfang deiner Symbolbibliothek und die Wahl der Farben. Wenn immer dieselben Symbole und Farben genutzt werden, kannst du unter hunderten Skizzen, bald nicht mehr die richtige im Kopf wiederfinden. Je prägnanter deine Skizze also ist, desto besser prägt sie sich im Gedächtnis ein und lässt sich gedanklich zum passenden Inhalt zuordnen.

Es empfiehlt sich also nicht nur den schwarzen Kugelschreiber zu nutzen, sondern mindestens eine weitere Farbe, sei es auch nur grau, um durch Schattierungen Akzente zu setzen und somit deiner Zeichnung ansprechender zu gestalten. Zudem macht es Sinn Farben zur Einordnung zu benutzen: Rote Symbole fürs Strafrecht, blaue fürs Zivilrecht. Oder auch innerhalb eines Rechtsgebiets: grün im Sachenrecht, gelb im Familienrecht. Einfach genau so, wie es sich für dein Auge richtig anfühlt.

 

Fazit: Wir lieben Sketchnotes!

Ob es also die aufwendige Gesamtdarstellung deiner Lernziele zur eigenen Motivation, Sachverhaltsdarstellungen in der Klausur oder nur kleine Symbole am Rand deiner Vorlesungsnotizen sind, mit Sketchnotes lässt sich der Lernerfolg optimieren und der Lernalltag etwas lebendiger gestalten.

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