Referendariat: Erfolgreich starten, dank guter Vorbereitung

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Das Rechtsreferendariat will gut vorbereitet sein. Denn es gibt viele länderspezifische Unterschiede und nur wer sich frühzeitig mit der Organisation auseinandersetzt, kann sich stets die besten Plätze sichern.

Erster Vorbereitungsschritt: Das Bundesland auswählen

Als erstes gilt es, sich für ein Bundesland zu entscheiden, denn: Das Referen­dariat ist Ländersache. Wem ein gutes „Gehalt“ wichtig ist, der sollte nach Hessen gehen. Dort verdienen Referendar:innen mit 1.682,65 Euro brutto im Monat (ggf. zzgl. Familienzuschlag und ohne Zuverdienstgrenze; Stand: 01.01.2024)1 mit Abstand am meisten. Bayern ist keine gute Wahl, wenn man nicht gerne Klausuren schreibt, denn für das zweite Examen gilt es dort 92 schrift­liche Prüfungen zu überstehen. In Berlin kann man schon einmal 24 Monate auf einen Referendariatsplatz warten3, es sei denn, man ist „Landeskind“. Auch Bewer­bungs­fristen und die Dauer und Abfolge der Referendariatsstationen sind von Land zu Land verschieden. Angehende Referen­da­rinnen und Referendare sind daher gut beraten, sich genau vorzubereiten und zu organisieren.

 

Schritt zwei bei der Referendariatsvorbereitung: Die Bewerbung

Wer weiß, wo er sein Referendariat machen möchte, muss sich dort bewerben. Alle Hinweise und Unter­lagen zur Bewerbung finden sich auf den Inter­netseiten der Oberlan­des­ge­richte oder der Justiz­mi­nis­terien. Häufig gibt es die Möglichkeit, Ortswünsche anzugeben, um sich einem bestimmten Ausbil­dungs­ge­richt zuweisen zu lassen, auch wenn diese nicht immer Berücksich­tigung finden. Wer eine Wartezeit einplanen muss, sollte auch hier frühzeitig planen. So kann die Wartezeit am besten mit einem Master, Praktika oder einer Promotion überbrückt werden.

Spätestens nach Erhalt einer Zusage sollte man sich Gedanken zu den Kommentaren machen. Diese sind im Zweiten Examen als Hilfsmittel zugelassen. Will man sich die teure Anschaffung ersparen, muss man sich frühzeitig über Mietoptionen informieren, denn: Mietkommentare sind schnell vergriffen!

Mit Beginn der prakti­schen Ausbildung haben Referen­da­rinnen und Referendare die einmalige Möglichkeit, wertvolle Praxi­ser­fahrung zu sammeln und poten­tielle Arbeit­geber so richtig unter die Lupe zu nehmen. Die Stationen sollten genutzt werden, um sich auch über die späteren Berufswege klar zu werden. Dabei gilt: Je früher man sich an die Referendariatsvorbereitung setzt desto besser – nur Top-Einsteiger mit Spitzen­noten können sich alles offenhalten.

 

Der Ablauf des Referendariats

Das Referendariat besteht aus fünf Stationen: Zivil­recht, Straf­recht, Verwal­tungs­recht, die Ausbildung beim Rechts­anwalt und der Wahlstation. Um eine optimale Vorbe­reitung auf das Examen zu gewährleisten, finden parallel zu den ersten vier Stationen Seminare und Arbeits­ge­mein­schaften statt. Die Zivil­rechts- und die Straf­rechts­station bieten in der Regel den geringsten Gestal­tungs­pielraum. Das ändert sich jedoch mit der Verwal­tungs­station. Sie ist zwar grundsätzlich bei Kommunal- oder Landesbehörden zu absol­vieren, aber einige Bundesländer ermöglichen auch die Ausbildung bei Bundesbehörden. Es lohnt sich also, sich frühzeitig über alle Möglichkeiten zu informieren. In einigen wenigen Bundesländern ist es zudem möglich, die Verwal­tungs­station im Ausland bei einer deutschen Botschaft zu absol­vieren. Wer die Referendariatsstation bei einer Behörde lieber umgehen möchte, für den besteht in der überwie­genden Mehrheit der Bundesländer die Möglichkeit, während der Verwal­tungs­station für ein Semester an der Deutschen Universität für Verwal­tungs­wis­sen­schaften in Speyer zu studieren. Dies ist vor allem für dieje­nigen inter­essant, die eine Karriere im höheren Verwal­tungs­dienst anstreben.

 

Auch die Anwaltsstation sollte gut organisiert sein

Mit neun Monaten ist die Anwalts­station die längste. Mit entsprechender Vorbereitung ist es in fast allen Ländern möglich, einen Teil des Referendariats bei einer Kanzlei im Ausland oder auch in der Rechts­ab­teilung eines Unter­nehmens zu verbringen. Da die Station jedoch kurz vor dem Examen liegt, bieten viele Kanzleien die Möglichkeit die Mitarbeit im Laufe der Station zu reduzieren. Wer „taucht“, sprich nichts beim Anwalt macht, kann zwar mehr Lehrbücher lesen, verpasst aber wertvolle Praxis. Die Wahlstation bietet die meisten Freiheiten und kann vollständig im Ausland verbracht werden. Wie wäre es, drei Monate bei der Europäischen Union zu arbeiten oder bei einem Fernseh­sender? Auch die Vereinten Nationen oder inter­na­tionale Gerichte nehmen deutsche Referendare. Das sind nur einige von vielen Möglich­keiten, um das Referen­dariat spannend zu gestalten. Hier sind der Kreativität nur wenige Grenzen gesetzt. Eigenini­tiative und frühzeitige Vorbereitung zahlen sich beim Referendariat häufig aus.

Die mündliche Prüfung des zweiten Staats­ex­amens am Ende der Wahl­station ist – gefühlt – der Abschluss. Das Berufs­leben kann beginnen. Ein strate­gisch gut geplantes Referen­dariat kann sich dann als echter Karrie­re­vorteil erweisen.

 

Hilfreiche Links im Referendariat

Fußnoten

¹ https://ordentliche-gerichtsbarkeit.hessen.de/karriere/rechtsreferendarausbildung; https://www.talentrocket.de/karrieremagazin/details/gehalt-referendariat-jura

² https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayJAPO-62

³ https://www.berlin.de/gerichte/kammergericht/karriere/rechtsreferendariat/bewerbungsverfahren/wartezeit/

 

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht am 03.06.2020 und zuletzt überarbeitet am 22.04.2024.

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Berlin | Die Autorin studierte Jura an der Humboldt-Universität in Berlin und schrieb regelmäßig für Anwaltsblatt und Anwaltsblatt Karriere – das heutige katzenkönig.
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