Recherche zu Jura-Themen – Hilfreiche Tipps für den Studienbeginn

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Für die juristische Recherche sind unterschiedliche Medien nützlich.
Informationsbeschaffung ist im Jurastudium von Anfang an ein wichtiges Thema. Denn spätestens vor der ersten Klausur oder Hausarbeit wird klar: Es müssen Infos her, die über die Folien aus der Vorlesung hinausgehen. Optimalerweise liefern universitäre Veranstaltungen bereits eine erste Übersicht über die juristische Recherche. Doch zwischen Datenbanken, Lehrbüchern und Gesetzessammlungen können Studienanfänger:innen leicht den Überblick verlieren.

Beim ersten Kontakt mit juristischer Recherche tauchen zwangsläufig viele Fragen auf. Wo finde ich die passende Literatur für meine Zwecke? Welche Quellen eignen sich für Zitate im Rahmen von Hausarbeiten? Und wie gehe ich konkret vor, wenn ich ein juristisches Problem umfassend nachvollziehen will? All diese Informationen findest du in diesem Beitrag.

 

Juristisches Recherchieren – Wann wird es relevant?

Im Jurastudium sind Studierende darauf angewiesen, eigenständig zu recherchieren und sich Studienliteratur zu beschaffen. Sowohl um generell das eigene Wissen zu vertiefen als auch zum Nachschlagen spezifischer Probleme müssen sie dazu verschiedene Arten von Quellen konsultieren. Während AG-Leiter:innen und Professor:innen häufig Literaturempfehlungen aussprechen, ist es wichtig, dass Studierende sich ein eigenes Bild von der angebotenen Literatur machen. Dabei kommt es unter anderem darauf an, welches Ziel sie damit verfolgen.

 

Generelles Verständnis, Lernen und Nachschlagen

Beim Lernen für Klausuren lohnt es sich, auf verschiedene Medien zu setzen. Skripte fassen juristische Probleme und Schemata gut zusammen, die Auseinandersetzung mit tiefergehenden juristischen Problemen erfordert einen Blick in Lehrbuch oder Kommentar. Bei der Auswahl an Studienliteratur ist es wichtig, mit dem Schreibstil, aber auch dem Layout eines Werks zurechtzukommen. Deshalb empfiehlt es sich, in der Bibliothek oder Buchhandlung einfach mal verschiedene Lehrbücher und Skripte in die Hand zu nehmen und den eigenen Favoriten zu ermitteln. Daneben müssen von Anfang an Gesetzestexte her. Zu Beginn des Studiums genügen dazu meist kleinere, fachspezifische Gesetzessammlungen, spätestens für’s Examen sind Habersack und Co. gefragt.

 

Recherche im Rahmen von Hausarbeiten

Besonders relevant wird das Thema juristische Recherche bei Hausarbeiten. Hier müssen alle fremden Gedanken mit Zitaten belegt werden. Darunter fallen im juristischen Kontext insbesondere Definitionen, die sich häufig aus der Rechtsprechung ergeben. Generell ist bei Hausarbeiten eine breite Auswahl an unterschiedlicher Literatur heranzuziehen. Dabei sollten Primärquellen – also Quellen, in denen ein Gedanke zuerst festgehalten wurde – immer präferiert werden. Außerdem kommt es in der Regel gut an, eine Aussage mit mehr als einer Quelle zu belegen. Was die Zitierweise angeht, existieren je nach Universität oder Professor:in verschiedene Anforderungen. Oberstes Gebot ist hier einheitliches Zitieren. Das heißt, dass Zitate aus der gleichen Quellenart immer in der gleichen Form belegt werden. Außerdem ist darauf zu achten, dass wörtliche Zitate entsprechend gekennzeichnet werden.

 

 

Welche Arten von Quellen gibt es?

Wie bereits erwähnt wird zunächst zwischen Primär- und Sekundärquellen unterschieden. Primärquellen stellen den Ursprung eines bestimmten Gedankens dar. Im Bereich Jura handelt es sich dabei häufig um Rechtsprechung oder Gesetzestexte. Sekundärquellen basieren auf Primärquellen – so zum Beispiel, wenn Autor:innen eine Figur aus der Rechtsprechung kommentieren oder Informationen zu einem Thema zusammenfassen.

Abgesehen von dieser Unterscheidung existiert generell eine große Bandbreite an Quellen, aus denen juristische Informationen gezogen werden können: von Monografien – wissenschaftlichen Abhandlungen über ein bestimmtes Problem – über Zeitschriftenartikel bis hin zu Blogartikeln. Welche Quelle nützlich ist, hängt von der Situation oder Fragestellung ab. Einen Kommentar heranzuziehen, empfiehlt sich beispielsweise, wenn es um den konkreten Inhalt einer Norm geht. Zum Lernen und um das eigene Wissen zu vertiefen, bietet es sich an, neben Quellen zum Lernen der juristischen Theorie – darunter fallen vor allem Lehrbücher und Skripte – auch Fallbücher oder -skripte zu nutzen. Denn in der Klausur müssen Studierende Fälle selbstständig gutachterlich lösen – und hierbei ist Übung ein entscheidender Vorteil. Auch Altklausuren kommen dazu in Frage. Diese werden häufig von der Fachschaft Jura der jeweiligen Universität angeboten.

 

Welche Quellen sind seriös?

Dank des Internets besteht heute Zugriff auf eine Vielzahl an Quellen – doch nicht alle davon sind seriös. Bei der Frage, welche Quellen Studierende heranziehen sollten, ist zu unterscheiden: Soll die Quelle der generellen Informationsbeschaffung dienen oder geht es um konkrete Zitate für Hausarbeiten?

Skripte beispielsweise haben als Lernhilfen viele Vorteile, eignen sich aber nicht als Quelle für Hausarbeiten und Co. Genauso verhält es sich mit Websites bzw. Blogs wie die von JURA INDIVIDUELL oder JURACADEMY, die eine gute erste Übersicht über juristische Probleme bieten. Auch Wikipedia genügt nicht den wissenschaftlichen Ansprüchen für eine Hausarbeit, eignet sich aber gut für den Recherchestart, da die jeweiligen Beiträge auf andere Quellen verweisen. Foren, in denen juristische Probleme diskutiert werden, können ebenfalls ein hilfreicher Ausgangspunkt für die weitere Recherche sein, stellen aber keine gute Basis für Zitate dar. Wichtig bei diesen Arten der Informationsbeschaffung: Studierende sollten insbesondere privaten Meinungen im Internet nicht einfach vertrauen, sondern eine zweite Quelle, wie beispielsweise einen Kommentar, heranziehen, um die gefundene Aussage zu bestätigen.

Blogbeiträge und Newsartikel haben in bestimmten (Fall-)Kontexten im Rahmen von Hausarbeiten durchaus ihre Daseinsberechtigung – beispielsweise um eine Meinung oder ein aktuelles Ereignis zu belegen. Eine wissenschaftliche Bewertung lässt sich damit aber nicht vornehmen. Generell ist bei Internetquellen stark auf die Seriosität des Anbieters zu achten. Ein Indiz für wissenschaftlichen Anspruch der Veröffentlichung: Der Verfasser oder die Verfasserin belegt ihre Aussagen selbst umfassend mit unterschiedlichen, seriösen Quellen. Ein weiteres Problem bei Internetquellen ist, dass sich deren Inhalt schnell ändern kann. Bei Zitaten ist es daher wichtig, auch das jeweilige Aufrufdatum zu nennen.

Aus wissenschaftlichen Arbeiten lässt sich durchaus zitieren – dabei sollte es sich aber am besten nicht um Studienarbeiten, sondern um veröffentlichte Promotions- oder Habilitationsschriften handeln. Kein Problem besteht beim Zitieren von Primärquellen wie Gesetzen und Urteilen. Auch Lehrbücher, Kommentare und Aufsätze sind wichtige Quellen für Hausarbeiten. Einzig spiegeln diese nicht selten die subjektive Meinung der Verfasser:innen oder Herausgeber:innen wider – daher ist es auch hier sinnvoll, verschiedene Quellen parallel heranzuziehen.

 

 

Wo finde ich Informationen zu juristischen Themen?

Jetzt, wo das Grundlegende geklärt ist: Wie kommen Studierende denn nun am besten an juristische Informationen? Das kann auf unterschiedlichem Wege geschehen. An der Uni bietet sich die Recherche über die Bibliothek an. Daneben helfen verschiedene Datenbanken bei der Informationsbeschaffung – oft ist auch hier für Studierende ein Zugriff über die Uni möglich.

 

Klassiker: Die (juristische) Bibliothek

Starten wir ganz klassisch. Um einen Besuch in der universitären Bibliothek kommen Jurastudierende für Klausuren oder Hausarbeiten kaum herum. Häufig existieren an der jeweiligen Universität eigene Jurabibliotheken (auch Seminare genannt). Hier finden sich unter anderem Lehrbücher, Zeitschriften und Kommentare sowie Dissertationen zu den verschiedensten juristischen Themen. Am Anfang können die große Auswahl an Literatur und die Systematik der jeweiligen Bibliothek ein wenig überfordernd wirken. Doch wenn das Ordnungssystem einmal durchblickt ist, ist die Recherche ganz einfach.

Über eine Onlinesuche auf der jeweiligen Website lässt sich der Standort der gesuchten Quelle ermitteln. Hilfreich ist es hier, eine Filterfunktion, beispielsweise nach Veröffentlichungsjahr oder Art der Quelle, zu verwenden. Natürlich hilft auch das Bibliothekspersonal bei der Suche nach passender Literatur weiter. Literatur, die nicht in der Unibibliothek vorrätig ist, können Studierende per Fernleihe bestellen – was manchmal allerdings kostenpflichtig ist. Generell eignet sich die Bibliothek aufgrund der verfügbaren Literatur und der ruhigen Atmosphäre bestens, um Hausarbeiten zu schreiben oder zu lernen.

 

Online-Recherche über Datenbanken

Neben der Bibliothek ermöglichen Datenbanken wie juris oder beck-online bequem von zuhause aus den Zugriff auf verschiedene Medienarten. Beispielsweise lassen sich Gesetze, Urteile, Zeitschriftenartikel und Kommentare hier einsehen. Die Verlage C.H. BECK und Vahlen bieten daneben auf der Seite beck-eBibliothek explizit Studienliteratur an. Auch auf diesen Seiten bestehen verschiedene Filtermöglichkeiten. Über deine Universität erfährst du, inwieweit Zugriff auf derartige Datenbanken besteht. Nicht alle Quellen sind in diesen frei verfügbar, doch lässt sich mit dem kostenlosen Angebot in der Regel schon ein guter Überblick gewinnen.

Sehr empfehlenswert für die Recherche von deutscher Rechtsprechung ist die entsprechende Datenbank von dejure.org, welche zahlreiche Urteile über andere Quellen verlinkt. Wird nach der Entscheidung eines spezifischen Gerichts gesucht, kann die Recherche auch über spezifischere Websites erfolgen, wie beispielsweise die des Bundesverfassungsgerichts oder des Bundesgerichtshofs. Daneben existieren auch bundeslandspezifische Datenbanken. Eine Übersicht hierzu bietet das Justizportal des Bundes und der Länder. Europäische und internationale Rechtsprechung findet sich ebenfalls auf den Websites der jeweiligen Spruchkörper, wie zum Beispiel der Gerichte der Europäischen Union oder des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Gesetzestexte sind nicht nur auf den genannten Datenbanken verfügbar, sondern auch auf speziellen Websites wie gesetze-im-internet.de. Auf der Suche nach Entscheidungen oder Gesetzen kann auch eine einfache Suchmaschinensuche weiterhelfen.

 

So beginnst du mit der Recherche zu einem Jura-Problem

Kommen wir zum konkreten Vorgehen bei der juristischen Recherche. Sagen wir, in deiner Hausarbeit taucht ein bestimmtes juristisches Problem auf – oder du möchtest ein solches einfach generell umfassend nachvollziehen können. Wie gehst du am besten vor? Dieser Frage nähern wir uns am Beispiel eines klassischen Problems aus dem Jurastudium: der Abgrenzung von Raub und räuberischer Erpressung.

Zu Beginn deiner Recherche ist es sinnvoll, Schlagworte zum vorliegenden Problem in eine Datenbank wie beck-online einzugeben. In unserem Fall könnte das zum Beispiel „Abgrenzung Raub räuberische Erpressung“ oder „Verhältnis Raub räuberische Erpressung“ sein. Sofort erhältst du eine Auswahl an Literatur zu diesem bestimmten Thema. Lehrbücher und Kommentare, die in der Datenbank vorhanden sind, eignen sich, um sich zunächst einen Überblick über das Thema zu verschaffen. Außerdem verweisen diese in der Regel auf weitere Quellen wie Entscheidungen oder Aufsätze, mit deren Hilfe du dein Verständnis vertiefen kannst. So kannst du dich gewissermaßen von Quelle zu Quelle hangeln. Du könntest also zunächst Kommentare zu den Paragrafen, in denen diese Straftatbestände geregelt sind, konsultieren. Da es sich bei dieser Abgrenzung um ein bekanntes Problem handelt, lassen sich ebenfalls schnell viele Aufsätze dazu finden.

Liegt bereits ein Urteil zum Thema vor, liefert beck-online in der Spalte rechts neben dem Urteilstext weitere Quellen, die sich mit der Entscheidung befassen, sowie ggf. Entscheidungen weiterer Instanzen. Anhand der verschiedenen Sekundärquellen lassen sich auch unterschiedliche Meinungen zum jeweiligen Problem nachvollziehen. Wichtig wird dies beispielsweise, um eine Streitigkeit aus verschiedenen Blickwinkeln darzustellen.

 

Generell bleibt zu sagen: Lieber einmal mehr nachschlagen, um sicherzustellen, dass du dich auf eine verlässliche Information berufst und zu einer guten Lösung gelangst. Und: Wie so vieles im Studium ist juristische Recherche eine Frage der Übung. Mit der Zeit wirst du schneller werden und Quellen besser einordnen können. Nicht zuletzt kann es ein ziemlich gutes Gefühl sein, die richtige Quelle oder Information gefunden zu haben.

Schlagworte: Jurastudium

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