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Das Netzwerk Multikultureller Jurist:innen e. V. wurde 2020 gegründet und richtet sich an Studierende, Referendar:innen, Promotionsstudierende sowie Berufstätige. Durch Kooperationen, Öffentlichkeitsarbeit und den Dialog mit Institutionen will das NKMJ seine Vision einer vielfältigeren Rechtslandschaft und eines Rechtsstaats, der die Vielfalt der Gesellschaft widerspiegelt, aktiv nach außen tragen.
Wir sind das Netzwerk multikultureller Jurist:innen e. V. und verstehen uns als Plattform, die Juristinnen aus unterschiedlichen Karrierephasen miteinander vernetzt, einen Safe Space für gegenseitige Unterstützung schafft und Impulse für mehr Vielfalt in der Rechtswelt setzt. Unsere Vision ist es, multikulturelle Kompetenzen sichtbar zu machen und sie als wertvolle Zusatzqualifikation in der Gesellschaft zu verankern. Darüber hinaus verstehen wir uns als Plattform, die Stimmen bündelt und Perspektiven sichtbar macht, die im juristischen Diskurs bislang zu selten vertreten sind.
Der Slogan „Vielfalt stärken, Netzwerke aufbauen, Zukunft gestalten“ bringt den Kern unserer Arbeit auf den Punkt. Die juristische Arbeitswelt ist nach wie vor sehr homogen, deshalb möchten wir Diversität aktiv fördern.
Wir verstehen Multikulturalität als echte Zusatzqualifikation. Sie kann sich ganz unterschiedlich zeigen: etwa durch Mehrsprachigkeit, durch biografische Erfahrungen oder durch einen intensiven Kontakt mit verschiedenen Kulturen. Daraus entstehen Kompetenzen wie interkulturelle Sensibilität, Kommunikationsstärke und Perspektivenvielfalt, die in der anwaltlichen Praxis dringend gebraucht werden und für einen funktionierenden Rechtsstaat unerlässlich sind. Gleichzeitig erleben wir, dass viele multikulturelle Jurist:innen nicht aus Akademikerhaushalten stammen. Das führt häufig zu strukturellen Nachteilen im Studium und im Referendariat: fehlende finanzielle Ressourcen, erschwerter Zugang zu Praktika oder begehrten Referendarstationen und vor allem ein Mangel an informellen Netzwerken. Während andere bereits auf familiäre Vorbilder und persönliche Kontakte zurückgreifen können, fehlt diese Unterstützung vielen unserer Mitglieder.
Hier setzen wir mit unserer Netzwerkarbeit an. Wir wollen frühzeitig Räume für Austausch, Orientierung und gegenseitige Unterstützung schaffen und jungen Jurist:innen dadurch den Einstieg in die Juristerei erleichtern. Junge Jurist:innen sollen Fragen stellen können, Vorbilder kennenlernen und sich in einem Umfeld bewegen, in dem ihre Erfahrungen verstanden und wertgeschätzt werden.
Durch persönliche Kontakte entstehen Zugänge zu Praktika, Referendarstationen und Berufseinstiegen, die sonst oft informell vermittelt werden.
Neben der Weiterentwicklung unseres Podcasts haben wir kürzlich den NMKJ-Blog gestartet. Hier sollen künftig verstärkt fachliche Beiträge veröffentlicht werden, die multikulturelle Perspektiven in der Anwaltschaft und im juristischen Berufsalltag sichtbar machen.
Ein weiteres wichtiges Projekt ist die Fortführung und Erweiterung unseres NMKJ-Moot-Court-Programms. Nach dem erfolgreichen Auftakt erhoffen wir uns, das Format weiter auszubauen und noch mehr Studierenden praxisnahe Einblicke in juristische Arbeitsweisen, Teamarbeit und Argumentation zu ermöglichen.
Eine besondere Herzensangelegenheit bleibt unser Mentoring-Programm. Dieses haben wir zu Beginn des Sommersemesters 2026 deutlich erweitert: Neben Studierenden begleiten wir nun auch Referendar:innen individuell durch diese besonders anspruchsvolle Phase der juristischen Ausbildung.
Das Programm findet jedes Jahr im Sommersemester statt und richtet sich an Studierende der Rechtswissenschaft sowie an Referendar:innen. Erfolgreiche Bewerber:innen werden mit erfahrenen multikulturellen Jurist:innen zusammengebracht, die sie als Mentor:innen mehrere Monate begleiten. Als deutschlandweites Angebot findet das Programm online statt und wird durch ein Rahmenprogramm mit Veranstaltungen für Mentees und Mentor:innen ergänzt.
Die Mentor:innen unterstützen bei Studienentscheidungen, der Planung des Referendariats und bei den nächsten Karriereschritten. Mentees haben eine feste Ansprechperson, die eigene Erfahrungen teilt, verlässlich zur Seite steht und bei Fragen schnell erreichbar ist. Besonders wertvoll ist die gemeinsame multikulturelle Perspektive. Das Programm stärkt Orientierung und Selbstvertrauen und macht Ressourcen sichtbar. So schafft es neue Netzwerke, vermittelt Wissen aus erster Hand und eröffnet unseren Mitgliedern echte Chancen für ihre Zukunft.
Die Idee entstand aus dem Wunsch, ein praxisnahes, intensives Lernprojekt zu schaffen, das sich auch zeitlich gut mit Studium und Examensvorbereitung vereinbaren lässt.
In kurzer, konzentrierter Zeit entwickeln die Teilnehmenden im Rahmen eines Moot Courts im Zivilrecht Schriftsätze, argumentieren ihre Positionen und vertreten diese schließlich in einer mündlichen Verhandlung.
Was unser Format besonders macht, ist nicht nur die zeitliche Struktur, sondern auch der Fokus auf Wachstum, Mut und gemeinsames Lernen: Studierende und Referendar:innen erarbeiten nicht nur juristische Lösungen, sondern lernen, Verantwortung zu übernehmen, mit Unsicherheiten umzugehen und ihre rechtlichen Positionen überzeugend zu vertreten – Fähigkeiten, die im späteren Berufsleben extrem wertvoll sind.
Wir sind ein bundesweit aufgestelltes Netzwerk und in allen Regionen Deutschlands vertreten. Da unsere Mitglieder an unterschiedlichen Standorten leben und arbeiten, setzen wir bewusst auf eine starke digitale Vernetzung und treffen uns regelmäßig online, um Projekte abzustimmen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Strategien weiterzuentwickeln. Mindestens einmal im Jahr laden wir zu einem Fest nach Frankfurt ein. Das bietet dann die Möglichkeit, sich auch vor Ort mit den anderen Mitgliedern auszutauschen und sich kennenzulernen.
Mein Karriereweg wurde weniger durch glatte Etappenziele geprägt, sondern vielmehr durch das Überwinden unsichtbarer Barrieren.
Es fing oft subtil an mit dem vermeintlichen Kompliment, dass ich doch sehr gut Deutsch spreche. Ein Satz wie dieser soll eigentlich Anerkennung ausdrücken. Gleichzeitig lässt er jedoch immer mitschwingen, dass ich in den Augen des Gegenübers nicht ganz dazugehöre. Solche Momente ziehen sich wie ein roter Faden durch die Biografie vieler multikultureller Jurist:innen.
Besonders prägend war die soziale Konditionierung, die bereits in der Schule begann und sich im Studium fortsetzte. Uns wurde oft ungefiltert vermittelt, dass wir zwar hart arbeiten können, am Ende aber der Name auf dem Türschild über den Erfolg entscheidet. Solche Aussagen säen unberechtigte Selbstzweifel und suggerieren, dass Exzellenz allein nicht ausreicht, wenn die Herkunft nicht in ein bestimmtes Raster passt.
Diese Erfahrungen haben mich jedoch nicht entmutigt, sondern meinen Ehrgeiz geweckt. Sie sind der Hauptgrund für mein Engagement beim NMKJ. Ich möchte zeigen, dass juristische Brillanz keine Frage der Etymologie des Nachnamens ist. Mein Weg ist geprägt von der Entscheidung, diese Zweifel nicht als meine eigenen zu akzeptieren. Ich nutze sie stattdessen als Ansporn, um die Rechtslandschaft inklusiver und gerechter zu gestalten.
Wir wünschen uns ein Justizsystem, eine Anwaltschaft und öffentliche Institutionen, die die gesellschaftliche Vielfalt nicht nur abbilden, sondern als Stärke begreifen. Multikulturalität sollte künftig selbstverständlich als Zusatzqualifikation wahrgenommen werden, die die juristische Arbeit bereichert und die Qualität rechtlicher Entscheidungen verbessert.
Konkret bedeutet das für uns, dass mehrsprachige Kompetenzen, interkulturelle Erfahrungen und unterschiedliche biografische Perspektiven stärker anerkannt und systematisch in Ausbildung, Einstellung und Karriereentwicklung einbezogen werden. Denn eine vielfältige aufgestellte Justiz wäre besser in der Lage, komplexe Lebensrealitäten zu verstehen, Vertrauen in den Rechtsstaat zu stärken und gerechte Lösungen zu finden.
Gleichzeitig wünschen wir uns transparentere und fairere Zugangswege in Kanzleien, Behörden und Gerichten. Auswahl- und Beförderungsprozesse sollten stärker auf Leistung, Potenzial und Vielfalt ausgerichtet sein und strukturelle Barrieren abbauen.
Mitglied zu werden ist ganz einfach. Der Mitgliedsantrag steht auf unserer Website zum Download bereit[1]. Der ausgefüllte und unterschriebene Antrag ist an info[at]nmkj.de zu senden. Voraussetzung für die Mitgliedschaft ist die Identifikation als multikulturell. Dazu zählen Personen, die sich aufgrund einer eigenen oder familiären Zuwanderungsgeschichte neben der Kultur der deutschen Mehrheitsgesellschaft mindestens einer weiteren Kultur zugehörig fühlen. Hinweise darauf können eine andere Sprache, Religion, Traditionen oder bestimmte Bräuche sein.
Mitglieder können sich auf vielfältige Weise einbringen. Möglich ist ein Engagement in den Ressorts Mentoring, Public Relations, Social Media und Events. Ebenso kann man im Vorstand Verantwortung übernehmen oder eigene Ideen außerhalb der Ressorts anstoßen. Auch punktuelle Unterstützung ist willkommen, etwa bei Veranstaltungen, Moderationen oder in der Begleitung des Mentoring-Programms.
Wir freuen uns über jede helfende Hand und über Engagement mit Herz!
Das Interview für das JurFuture-Magazin wurde schriftlich von Greta Brenzel und Johanna Buck geführt.
[1] Hier geht's zum Mitgliedsantrag: https://nmkj.de/mitglied-werden/
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