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Mit Stipendium Jura studieren – ist das überhaupt realistisch? Langwierige Bewerbungsprozesse und hohe Anforderungen können auf Studienanfänger:innen ziemlich abschreckend wirken. Außerdem ist es nicht ganz einfach, sich zwischen den vielen Stipendiumsangeboten zurechtzufinden. Doch auch ohne 1,0er-Abi ist es möglich, im Studium finanzielle oder ideelle Förderung zu erhalten. Und auf Fragen, die bei der Beschäftigung mit dem Thema Stipendium auftauchen, findest du hier erste Antworten.
Ein Stipendium für dein Studium hat viele Vorteile. Anders als bei Studienkrediten muss bei einem Stipendium die Fördersumme nicht zurückgezahlt werden. Das schafft viel Leichtigkeit und ermöglicht einen schuldenfreien Start ins Berufsleben. Außerdem kannst du dich ganz auf dein Studium konzentrieren, ohne nebenbei einem Nebenjob nachzugehen.
Attraktiv ist neben der finanziellen Förderung im Rahmen eines Stipendiums außerdem die Zugehörigkeit zu einem Netzwerk – auch über die Stipendiendauer hinaus. Beim Karrierestart kann sich dieses als hilfreich erweisen. Daneben bieten insbesondere die großen Stipendiengeber oft ein breites Bildungsprogramm an: von Podiumsdiskussionen über Mentoring bis hin zu Sprachkursen. Diese sogenannte ideelle Förderung kann dir helfen, dich neben dem Studium weiterzubilden und Klarheit über deine Ziele zu erlangen.
Mehr als 2.300 Stipendiengeber gibt es in Deutschland – große und kleine, mit speziellen Zielgruppen oder großflächig aufgezogenen Programmen. Eine personalisierte Suche kannst du zum Beispiel unter www.mystipendium.de durchführen. Im Folgenden findest du einen ersten groben Überblick über die wichtigsten Förderer für ein Stipendium als Jura-Student:in.
Am bekanntesten ist wohl die Förderung durch eines der 13 großen Begabtenförderungswerke, die häufig partei- oder konfessionsnah sind. Hierzu zählen:
Stipendien dieser Institutionen sind mit einer umfassenden ideellen Förderung verbunden und relativ begehrt. Eine entsprechende Förderung macht sich gut im Lebenslauf, gibt aber auch Hinweise auf die politische bzw. weltanschauliche Einstellung.
Auch einige private Akteure bieten Stipendien für Studierende an. Im Bereich Jura ist ein Stipendium einer Kanzlei hier besonders interessant. Beispielsweise fördert Linklaters Studierende mit seinem Stipendienprogramm unter anderem durch Büchergutscheine und Mentoring, bietet eine Förderung von 1.000 Euro für ein Jahr plus ideelle Förderung. In diesem Rahmen können bereits erste Kontakte im Arbeitsumfeld einer Großkanzlei gesammelt werden.
Außerdem in Frage kommt eine Förderung durch das Deutschlandstipendium. Die Fördersumme von 300€ monatlich wird hälftig vom Bund und hälftig von privaten Stifter:innen getragen. Neben dem Deutschlandstipendium kannst du, im Gegensatz zu den Stipendien der Begabtenförderungswerke, auch BAföG beziehen. Dieses Stipendium wird über die Hochschulen ausgeschrieben.
Speziell für Auslandsaufenthalte können Studierende sich beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) um ein Stipendium bewerben. Für Studienanfänger:innen mit vorausgehender Berufserfahrung bietet sich das Aufstiegsstipendium des Bundesministeriums für Bildung und Forschung an. Die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB) vergibt dieses Stipendium.
Außerdem gibt es spezielle Förderungen für bestimmte Zielgruppen wie Studierende mit Migrationshintergrund oder Spitzensportler:innen. Generell lohnt es sich, bei deiner Suche auch kleinere Stiftungen und Stipendiengeber zu berücksichtigen. Diese bleiben manchmal sogar auf einigen Stipendien sitzen, weil es nicht genug passende Bewerber:innen gibt. Nutze zur Recherche also am besten eine Stipendien-Datenbank, die eine spezialisierte Auswahl ermöglicht.
Nicht nur die Kosten der allgemeinen Lebensführung im Studium können durch ein Stipendium finanziert werden. Die Bandbreite der Stipendiumsangebote ist groß. Das Online-Stipendium und Karrierenetzwerk e-fellows.net bietet Stipendiat:innen zum Beispiel unter anderem Zugang zu Datenbanken und die Möglichkeit, an verschiedenen Veranstaltungen teilzunehmen. Andere Stipendiengeber fördern explizit Auslandspraktika und -semester oder Druckkosten für die Dissertation. Auch ein Promotionsstipendium für Jura-Studierende oder die Finanzierung eines LL.M. kommen in Frage.
Wie hoch fallen die Stipendienleistungen nun aus, wenn es um die finanzielle Förderung des Studiums an sich geht? Das kommt – wie so oft – darauf an. Die großen Begabtenförderungswerke unterstützen Studierende mit einer Studienkostenpauschale von 300 Euro plus einem an das BAföG angelehnten Grundstipendium. Dieses ist abhängig vom eigenen Einkommen und Vermögen bzw. dem der Eltern und beträgt für Studierende maximal 752 Euro pro Monat (Stand 2021). Dafür ist es nicht möglich, neben dieser Förderung noch BAföG zu beziehen. Es gibt allerdings zusätzlich eine Familienzulage und Beiträge zu Versicherungen.
In der Regel dauert die Förderung durch ein Stipendium mindestens ein Jahr bzw. zwei Semester. Sie kann bis zum Ende der Regelstudienzeit andauern.
Die Voraussetzungen für ein Stipendium unterscheiden sich je nach Förderinstitution. Oft werden gefordert: überdurchschnittliche bzw. sehr gute Noten, Identifikation mit den Anschauungen und Zielen der jeweiligen Institution und ein wie auch immer geartetes soziales Engagement. Ob als Fußballtrainerin, in der Nachbarschaftshilfe oder einer Naturschutzorganisation, darauf kommt es meist gar nicht so sehr an. Wichtig ist vor allem, dass dein Profil insgesamt zum Stipendiengeber passt.
So setzt die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung beispielsweise eine „liberale, weltoffene Einstellung“ voraus. Für ein Stipendium beim Cusanuswerk hingegen ist die katholische Konfessionszugehörigkeit unumgänglich. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die der Partei DIE LINKE nahesteht, sieht sich unter anderem als „Ort kritischer Analyse des gegenwärtigen Kapitalismus“ und fordert von ihren Stipendiat:innen Engagement im Sinne der Stiftung. Weniger relevant sind solche politischen Einstellungen für Stipendien von Förderern, die nicht Parteien oder Konfessionen nahestehen.
Einige der Begabtenförderungswerke haben sich auf die Fahne geschrieben, Benachteiligungen ausgleichen zu wollen und bevorzugen daher bei gleicher Leistung beispielsweise Personen aus Nichtakademikerhaushalten oder Studierende mit Migrationshintergrund. Auch das Deutschlandstipendium berücksichtigt soziale oder persönliche Umstände der potenziellen Stipendiat:innen.
Stipendien, die Studierende größtenteils ideell fördern, haben in der Regel weniger hohe Anforderungen als die der großen Begabtenförderungswerke. Kanzleien als Stipendiengeber fordern meist überdurchschnittliche Noten und die Begründung der Motivation in einem Anschreiben. Wie bereits erwähnt können je nach Institution und Zielgruppe des Stipendiums außerdem bestimmte Voraussetzungen wie ein Migrationshintergrund oder finanzielle Bedürftigkeit bestehen.
Außerdem wichtig zu beachten für alle, die mit einem Stipendium Jura studieren möchten: Häufig ist Bedingung, dass dein Studium sowohl Vollzeit- als auch Erststudium ist. In der Regel sollte eine Bewerbung zum Studienbeginn erfolgen – Kanzleien vergeben Stipendien andererseits zum Teil erst an Studierende ab dem vierten Semester. Auch hierbei gibt es also große Unterschiede.
Du hast ein passendes Stipendium gefunden? Dann geht es jetzt an die Bewerbung. Die notwendigen Bewerbungsunterlagen sind auf den Websites der Stipendiengeber zu finden. Für eine Bewerbung bei einem der großen Begabtenförderungswerke benötigst du in der Regel: ein Motivationsschreiben, Gutachten von Professor:innen bzw. Lehrer:innen, Zeugnisse und Leistungsnachweise, deinen Lebenslauf, deine Immatrikulationsbescheinigung bzw. Hochschulzulassung, Nachweise über dein soziales Engagement und eine Passkopie. Meist kannst du dich zweimal jährlich in einem bestimmten Zeitraum bewerben. Da es ein wenig Zeit in Anspruch nehmen kann, bis du ein Gutachten von Professor:in oder Lehrer:in erhältst, plane hierbei lieber großzügig.
Für das Deutschlandstipendium solltest du dich direkt bei deiner Hochschule nach den notwendigen Bewerbungsunterlagen erkundigen, da die Hochschulen für die Stipendienvergabe zuständig sind. Andere Stipendiengeber fordern zum Teil lediglich Motivationsschreiben, Zeugnisse und Lebenslauf.
In der Regel ist es möglich, sich selbst um ein Stipendium bei einer entsprechenden Institution zu bewerben. An ein Stipendium bei der Studienstiftung des deutschen Volkes gelangen die meisten Studierenden hingegen durch einen Vorschlag von Schulleitungen, Hochschulseite oder Partnerinstitutionen. Doch auch hier ist eine Selbstbewerbung – verbunden mit einem Auswahltest – möglich.
Nachdem die erforderlichen Unterlagen bei der Institution eingegangen sind, werden diese zunächst geprüft. Bei manchen Stipendiengebern brauchst du nichts weiter zu tun, als auf eine Rückmeldung zu warten.
Begabtenförderungswerke, die höher dotierte Stipendien vergeben, haben allerdings einen mehrstufigen Bewerbungsprozess. Wenn deine schriftlichen Unterlagen überzeugen, wirst du entweder zu einem Auswahlgespräch oder zu einem Assessment Center eingeladen, bei dem du von dir und deinen Fähigkeiten überzeugen musst. Im Rahmen eines solchen Assessment Centers werden unter anderem Gruppendiskussionen durchgeführt. Außerdem finden Einzelgespräche statt, die sich um dein Studienvorhaben und gesellschaftliches Engagement drehen.
Teilweise ist dem Assessment Center oder Auswahlworkshop auch ein Auswahlgespräch vorgeschaltet – der Bewerbungsprozess läuft also dreistufig ab. Durch das Auswahlgespräch wird in diesem Fall bestimmt, ob der oder die potenzielle Stipendiat:in am Assessment Center teilnehmen wird oder nicht. Nach der Teilnahme am Auswahlgespräch, Assessment Center oder beidem trifft dann im besten Fall die heiß begehrte Zusage bei dir ein.
Wie wahrscheinlich es ist, als Stipendiat:in aufgenommen zu werden, hängt ganz vom Stipendiengeber an. Bei den großen Begabtenförderungswerken liegt die Chance auf ein Stipendium nach Angabe von myStipendium.de nur bei ca. 10 Prozent. Einfacher ist es, ein Stipendium mit vorwiegend ideeller Förderung zu bekommen oder sich von einer kleineren Stiftung fördern zu lassen. Generell gilt: Lass dich von diesen Zahlen und den teilweise hohen Voraussetzungen nicht abschrecken – gesucht werden engagierte und leistungsfähige Studierende, aber keine Übermenschen!
Wenn du dich um ein bestimmtes Stipendium bewerben möchtest, solltest du dir diese Fragen stellen:
Behalte außerdem in Hinterkopf, dass du dich, zum Beispiel bei Überschreitung der Regelstudienzeit, ggf. um eine Anschlussfinanzierung kümmern musst. Wenn ansonsten alle Fragen (positiv) beantwortet wurden, bleiben nur noch zwei Dinge zu tun: Daumen drücken und eventuell schon mal auf ein Auswahlgespräch oder Assessment Center vorbereiten. Viel Erfolg!
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