LL.M. in Südamerika – ein neues Rechtssystem, eine neue Welt

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Der LL.M. in Südamerika – Studium und Praxis
Ein LL.M. in Südamerika ist nicht die offensichtliche Wahl. Juristische Bildung auf hohem Niveau verbindet man meist mit dem Norden des Kontinents, als exotisches Ziel liegt Südafrika weiterhin im Trend. Warum also für den LL.M. nach in Südamerika?

Südamerika ist vielfältig und hat Jurastudierenden eine Menge zu bieten, wenn sie sich darauf einlassen. Anders als in Ländern wie Kanada oder China, sind südamerikanische Universitäten noch nicht so stark international ausgerichtet. Wer sich für einen LL.M. dort entscheidet, hat die Chance unter Einheimischen zu leben und mit ihnen zu studieren.

 

Erste Hürde: die Bewerbung für den LL.M.

Das Wintersemester startet auf der Südhalbkugel im März bzw. April, das Frühjahrssemester im August bzw. September. Die Bewerbungsfristen unterscheiden sich dabei von Universität zu Universität. Jede Universität hat außerdem eigene Anforderungen an die Bewerbung; der Nachweis ausreichender Sprachkenntnisse in Spanisch oder Portugiesisch ist Pflicht. Anders als in anderen Ländern bieten die meisten Universitäten in Brasilien, Argentinien und Chile Masterstudiengänge nur in der Landessprache an.

 

Frühzeitige Planung zahlt sich aus

Ein LL.M.-Studium in Südamerika bedarf einer guten Planung, mit der frühzeitig begonnen werden sollte. Um ein Jahr oder länger in Südamerika zu bleiben, ist ein Studentenvisum notwendig. Der Aufwand dafür ist nicht unerheblich: Immatrikulationsbescheinigung, Führungszeugnisse und Versicherungsnachweise sind nur einige der benötigten Nachweise. Aber der bürokratische Aufwand lohnt sich. In Argentinien zahlt man mit diesem Visum die günstigeren Flugpreise, die auch für Einheimische gelten, und kann so seine neue Heimat erkunden.

 

Die Finanzierung für den LL.M. muss stehen

Generell sollte die Finanzierung des Aufenthalts nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Wer damit rechnet, weniger Geld zu benötigen als in Deutschland wird enttäuscht – Zimmerpreise in den Metropolen sind oft vergleichbar mit Mietpreisen in deutschen Städten. Darüber hinaus fallen Studiengebühren an, die von Universität zu Universität und Programm zu Programm variieren. Der DAAD bietet Auslandstipendien und es empfiehlt sich, sich bei Stiftungen um Stipendien zu bewerben.

 

LL.M. in Südamerika: Die Praxis studieren

Bei einem Blick auf die Kursprogramme fällt auf, dass die Mehrheit der Masterstudiengänge in Teilzeit angeboten wird. Das liegt zunächst daran, dass es keine oder wenige staatliche Fördermöglichkeiten für Studierende gibt und fast alle Südamerikaner neben dem Studium arbeiten. Zudem sind die einheimischen Studierenden bereits im Berufsleben angekommen . Während deutsche Juristinnen und Juristen einen Master gerne nutzen, um nach dem Ersten Staatsexamen die Wartezeit für das Referendariat zu überbrücken oder einmal über den Tellerrand hinauszuschauen und neue (Rechts-) Kulturen kennenzulernen, ist er in Südamerika ein klassischer beruflicher Weiterbildungsstudiengang. Das Jurastudium gliedert sich dort in drei Abschnitte: ein ca. 4-5 jähriges Studium an einer Universität, anschließend eine ca. 1-2 jährige Spezialisierung. Erst danach kommt für Einheimische ein Master in Betracht. Das Angebot der maestería richtet sich somit oft explizit an abogados, also Anwälte und Anwältinnen. Daher überrascht es auch nicht, dass Vorlesungen und Seminare oft erst nach 17 Uhr anfangen.

Es ist also möglich, den Master gleich doppelt zu nutzen. Viele deutsche Firmen haben Niederlassungen in südamerikanischen Ländern, aber auch die Außenhandelskammern bieten Praktikumsmöglichkeiten und auch das Goethe-Institut ist vor Ort vertreten. Wer das nationale Recht in der Praxis erleben möchte, kann in einer Anwaltskanzlei mitarbeiten. In Brasilien ist der Deutsche Anwaltverein Brasilien dafür eine gute Anlaufstelle. Einige Universitäten ermöglichen auch internationalen Studierenden bei einem Gerichtspraktikum das Rechtssystem von innen kennenzulernen.

 

Der Studienalltag in Südamerika

Das Studium selbst ist anders als in Deutschland. Statt in riesigen Hörsälen findet ein Großteil des Unterrichts in kleinen Gruppen statt. Dadurch ergeben sich schneller angeregte Diskussionen und die Beziehung zwischen Studierenden und Dozenten ist enger. Andererseits ist das System verschulter. Der Dozent führt durch die Vorlesung und diktiert schon mal genaue Formulierungen. Die profesores sind nicht nur klassische Hochschullehrer, sondern auch Praktikerinnen und Praktiker, die im Anschluss an ihre normale Arbeit Jura unterrichten.

 

Und was kann man neben dem Studium erleben?

Ein Studienaufenthalt in Südamerika verspricht aber nicht nur akademische Erfahrungen. Der viertgrößte Kontinent bietet landschaftlich alles: tropische Regenwälder im Landesinnern, Traumstände im Westen am Atlantik und im Osten am Pazifik, Wüsten und mit den Anden die längste Gebirgskette der Welt. Die Reiseziele werden also nicht ausgehen. Aber auch in den großen Städten gibt es für Kunst- und Kulturinteressierte einiges zu erkunden. Wer offen ist, kann auch mit Einheimischen ins Gespräch kommen. Viele von ihnen haben europäische Wurzeln und möchten mehr über Deutschland und Europa erfahren. Andererseits hat man die Chance, „den Süden“ aus einer anderen Perspektive kennenzulernen und am Lebensgefühl teilzuhaben.

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Lisa Gut
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