LL.M. in Kanada - Die Alternative zu den USA

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Für den LL.M. nach Kanada
Den LL.M. in Kanada zu machen, ist im Vergleich zu den USA nicht nur die günstigere Variante, das Land hat auch sonst unheimlich viel zu bieten. Für den LL.M. sollte man Kanada auf jeden Fall auf dem Schirm haben.

Ein Hauch von Freiheit

Wer für den LL.M. Kanada bereist, hat den Eindruck, dass Montréal eine sehr lebenswerte Stadt mit einer besonderen Atmosphäre ist. Dass es genial sein muss, einmal in Vancouver gleichzeitig am Ozean und an Bergen zu wohnen. Und überhaupt strahlt dieses riesige Land Kanada bei dem Gedanken an weite, verlassene Berg- und Seenlandschaften nicht nur einen Hauch Abenteuer und Freiheit aus, sondern bietet für ausländische Studierende eine überschaubare Anzahl von LL.M.-Programmen, die sämtlich etwas günstiger sind als in den USA.

 

Im LL.M. neue Rechtssysteme erforschen

Vorherrschend ist das common law, wobei Québec als ehemals französische Provinz ein gespaltenes Rechtssystem hat. Da eine Bewerbung an einer Uni allein Kosten von an die 200 Dollar verursacht, bewirbt man sich vielleicht nicht ganz so wahllos. Das nimmt sicherlich einige Zeit in Anspruch, aber mit ein wenig Geschick sind die Bewerbungsunterlagen für den LL.M. in drei bis vier Monaten zusammen. Die Empfehlungsschreiben sind wahrscheinlich am zeitaufwändigsten. Aber sind erst einmal Professoren gefunden, genügen zwei bis drei Schreiben für mehrere Universitäten. Diese sollen nur allgemein zum Ausdruck bringen, warum man als Student für einen LL.M. geeignet ist. Das spezielle Programm braucht nicht zwingend spätere Berufsabsichten berücksichtigen. Natürlich ist es von Vorteil, wenn die Kurse interessant klingen und die Universität einen bekannten Namen und guten Ruf hat. Das etwas höhere Gehalt, das vor allem Großkanzleien bieten, zahlen sie aber grundsätzlich für den Titel und nicht für die Universität.

Stipendien helfen bei der Finanzierung des LL.M. im Ausland

Man muss auch damit rechnen, dass Kurse nicht statt­finden, obwohl die Programm­be­schreibung im Internet zuvor mit ihnen gelockt hat. Damit muss man sich abfinden. Ein LL.M. in Kanada hat in erster Linie den Mehrwert, sich in der engli­schen Fachsprache zurecht­zu­finden und einen Mandanten mit common law-Hinter­grund viel besser verstehen zu können. Spätestens, wenn die Bewerbung abgeschickt ist, wird man sich damit beschäftigen müssen, wie man ein Jahr LL.M.-Studium in Kanada bezahlen möchte. Denn auch wenn die Studiengebühren nicht ganz so horrend sind wie an US-ameri­ka­ni­schen Universitäten, muss man auch in Kanada immerhin umgerechnet stolze 20.000 Euro aufbringen. Wer nicht auf eines der raren DAAD-Stipendien bauen kann, wird mit ein wenig Recherche aber auch heraus­finden, dass beispiels­weise einige größere Kanzleien in Deutschland kleinere Teils­ti­pendien ausge­schrieben haben. Die eine finan­ziert sich dann über ein Stipendium der kanadi­schen Universität und einen Bildungs­kredit der Deutschen Bank, der andere über Erspar­nisse und einen Bildungs­kredit über das Bundes­ver­wal­tungsamt bei der KfW. Risiko gehört dazu, aber wer sich für einen LL.M. entscheidet und infor­miert, muss sich davon noch nicht abschrecken lassen.

 

Vor Ort bekommt man Unterstützung

Viele kanadische Universitäten stellen ihren LL.M.-Gästen aus dem Ausland auf Wunsch „Buddys“ zur Seite, Studenten, für die die jeweilige Uni Heimat ist und die sich deshalb mit den adminis­tra­tiven Gepflo­gen­heiten genauso gut auskennen wie mit dem Wohnungs­markt. Eine schöne Wohnung oder ein Zimmer zu finden ist sicherlich etwas Glück, hängt aber vor allem vom Geldbeutel ab und den Ansprüchen, wie viele Minuten man bereit ist, mit der U-Bahn zu fahren. 500 kanadische Dollar (rund 350 Euro) für ein Zimmer plus 500 bis 600 Euro für übrige monat­liche Ausgaben sind aber noch nicht völlig schockierend, wenn man bisher nur in Deutschland studiert hat.

 

Im Ausland zu studieren kann ein ganz neues Erlebnis sein

Apropos studieren. Ist schließlich Geld und alles andere organi­siert, findet man sich eines Tages schließlich in wunderschönen alten Universitätsgebäuden wie in Montréal oder in hochmo­dernen Bauten wie auf dem Campus in Vancouver wieder. Wie vielleicht in ameri­ka­ni­schen Filmen oder Serien gesehen, sitzt man plötzlich selbst in vergleichs­weise sehr kleinen Vorle­sungen, in denen man mitar­beiten muss, in denen die Atmosphäre zwischen Studie­renden und Professor aber auch sehr persönlich ist. Dazwi­schen beschäftigt einen eine Menge an Lektüre. Das ist sicher anspruchsvoll, aber man wird sich daran gewöhnen.

 

Vor allem ist man beim LL.M. in Kanada Teil einer großen Community

Nebenbei organi­sieren die Unis oft zu Beginn Exkur­sionen, bei denen man ziemlich schnell andere Studie­rende kennen­lernt. Man trifft sich am Woche­nende, probiert ein Restaurant, eine Bar aus oder besucht einfach die üblichen Touris­te­nat­trak­tionen. In Montréal gehören aber auch die vielen Open-Air-Festivals dazu, die im Sommer statt­finden und zur Hälfte kostenlos sind.

 

Auf den LL.M.-Titel muss man schon mal warten

So vergeht ein Jahr in Kanada sehr schnell. Den LL.M.-Titel darf man erst mit Übergabe der Urkunde führen. Das wird zum Teil erst zwei bis drei Monate sein, nachdem das Programm offiziell schon zu Ende ist. Einige Dinge werden sicher jeden enttäuschen, aber vielleicht lässt gerade dies das LL.M.-Studium zu einer wertvollen Erfahrung werden.

 

Interviews

Die Erwar­tungen: Das Beste aus allen Welten für die Karriere sichern

Ein Gespräch mit Susann Lehmann. Sie war LL.M.-Studentin an der McGill University in Montréal, danach Referen­darin in Berlin.

Warum hast Du dir die McGill Universität ausgesucht?

Ich mag die Stadt Montréal. Vor vier Jahren war ich schon einmal im Urlaub hier. Die Leute sind wahnsinnig nett und es gibt unglaublich viele Möglich­keiten, auszu­gehen. Außerdem ist McGill einfach ein Name, der für gute Ausbildung und Lehre steht. Ich dachte mir, dass man mit so einer Wahl nichts falsch machen kann. Ich wollte sowieso ins Ausland gehen, hatte meine spätere Berufswahl aber mit im Blick.

Wie bist du den Bewerbungsprozess angegangen?

Ich habe die Bewerbung im August begonnen, da der Bewer­bungs­schluss bereits im Dezember war. Damals stand ich kurz vor dem ersten Examen. Weil ich mich auf einen „thesis-LL.M.“ beworben habe, musste ich zusätzlich einen „research proposal“ einreichen. Auf drei bis fünf Seiten war darzu­stellen, worüber man seine Master­arbeit schreiben will. Die Uni möchte sehen, dass man recher­chieren und schreiben kann. Das research proposal hat einige Zeit in Anspruch genommen. Ich konnte mich erst nach den Klausuren im Oktober damit ausein­ander setzen. Den Toefl konnte man glücklicher­weise auch im Dezember nachreichen. Es war schon viel zu tun, aber meine Freunde haben mich auch unterstützt. Es ging schon.

Hat sich der Aufwand gelohnt?

Ja. Mit den meisten Kursen bin ich sehr zufrieden. Es gibt auch viele Anwälte, die hier Kurse geben und das ist alles wirklich sehr gut und praxisnah. Auch abgesehen vom Studium. Man lernt einfach so viele Leute kennen, es ist fantas­tisch. Ich hatte wirklich eine ganz, ganz tolle Zeit hier.

Weißt du schon, wo du später arbeiten möchtest?

Ich würde gern ins Bank- und Kapital­markt­recht gehen. Mein „research proposal“ habe ich über Banken­re­gu­lierung geschrieben. Ich wollte ins Securities Law gehen und habe mit meinem Super­visor zusammen jetzt als Thema meiner Master­arbeit die neue Regulierung zu Derivaten ausgewählt. Ich denke, es verschlägt mich später nach Frankfurt, aber über Kanzleien im Einzelnen habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.

 

Der LL.M. ist eine gute Grundlage für weitere Spezia­li­sie­rungen

Ein Gespräch mit Rechtsanwältin Alexandra Hagelüken, Partnerin bei Clifford Chance in Frankfurt/ Main. Sie hat ebenfalls einen LL.M. an der McGill University in Montréal gemacht.

Wieso haben Sie den LL.M. erst nach dem Zweiten Staatsexamen gemacht?

Ich hatte mich damals entschieden, erst einmal alles in einem Rutsch fertig zu machen. Macht man das Referen­dariat unmit­telbar nach dem Ersten Examen, steht man noch im Stoff und das war ein echter Vorteil. Für die, die nach dem ersten Examen gegangen waren, entstand eine viel größere Pause, teilweise noch mit Wartezeit. So mussten sie noch einmal neuen Anlauf nehmen. Hingegen konnte ich nach dem LL.M. direkt in den Beruf starten. Darüber war ich dann auch froh, als ich andere deutsche Kollegen sah, denen es relativ schwer fiel, nach dem sehr gutem Ausbil­dungs­system in Kanada sich noch einmal zwei Jahre im Referen­dariat mit deutschem Recht zu beschäftigen. Also ich fand den Zeitpunkt nach dem Zweiten Staats­examen viel besser.

Wie war das Studieren in Montréal?

Es war einfach super. Der Uni-Campus befindet sich mitten in der Stadt. Es sind wunderschöne, alte Gebäude. Alles ist sehr kompakt, wie eine kleine Stadt für sich. Auch die juris­tische Fakultät ist in einem älteren Gebäude unter­ge­bracht. Unter den Studenten gab es viele Südameri­kaner, Franzosen, wir hatten eine tolle Stimmung. Die Stadt Montréal selbst hat diese Mischung aus Englisch und Französisch, dazu gibt es sehr viele Einwan­derer. Die Stadt liegt auf einem Berg und ist sehr schön. Man muss den sehr kalten Winter aushalten. Aber das hat mich nicht gestört und ich fand die Stadt unheimlich lebenswert.

Inwieweit hat der LL.M. Ihnen inhaltlich genützt?

Ich hatte mich im Rahmen meines LL.M. viel mit Gesell­schafts­recht beschäftigt. Als ich im Verlauf meines beruf­lichen Werde­ganges noch einen engli­schen Solicitor gemacht habe, konnte ich etwas auf das Common Law und Invest­ment­recht zurückgreifen.

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Marieke Greif