LL.M. in Irland – Studium am Trinity College Dublin

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Auch nach der Uni hat Dublin einiges zu bieten: Zum Beispiel ein Guiness in der berühmten Temple Bar.
Du hast dich für einen Master of Laws entschieden, möchtest in einem englischsprachigen Land, aber auch innerhalb der EU studieren? Da gibt es nur eine Möglichkeit: Irland – und am besten in der Hauptstadt Dublin. Am Trinity College Dublin (TCD) kannst du deinen LL.M. absolvieren, den altehrwürdigen Campus bestaunen und dich auf die Spuren von Oscar Wilde begeben.

Das Trinity College Dublin ist eine der ältesten Universitäten Europas. Die juristische Fakultät bietet vier verschiedene LL.M. Programme an. Doch wie läuft der Master an einer der renommiertesten Fachhochschulen der Welt ab? Was sind die Zulassungsvoraussetzungen und wie hoch ist das Arbeitspensum? Was kann man in Dublin während seiner Freizeit unternehmen und erweckte Kultautor Bram Stoker seinen berühmten Dracula erstmals im Campuspub seiner Alma mater zum Leben? Hier erfährst du alles über den LL.M. am TCD – vom Bewerbungsprozess bis zur Absolventenfeier.

 

Bewerbungszeitraum

Das einjährige Masterprogramm am Trinity College Dublin fängt jährlich zum Wintersemester an. Es werden neben dem General LL.M. drei weitere Spezialisierungen angeboten: International and Comparative Law, International and European Business Law und Intellectual Property and Information Technology Law. Die Bewerbungsfristen starten zu Beginn des jeweiligen Jahres und laufen bis zum 31. Mai, was dir die Chance eröffnet, dich noch kurzfristig bis drei Monate vor Studienbeginn zu bewerben. Insbesondere für Interessierte, die im Frühjahr das erste oder zweite juristische Staatsexamen ablegen und sich im Vorfeld noch nicht mit dem LL.M. und der Bewerbung auseinandergesetzt haben, bietet dies eine Möglichkeit, direkt loszulegen/weiterzumachen und nicht erst eine ein- bis zweijährige Bewerbungs- und Vorlaufphase abzuwarten.

 

Bewerbungsverfahren – Bewerbungsunterlagen und Sprachnachweise

Die Bewerbung erfolgt vollständig über ein Online-Portal. Bewerbungsvoraussetzung ist zunächst ein akademischer Abschluss. Dazu zählt neben den beiden juristischen Staatsprüfungen auch der Bachelor of Laws (LL.B.). Du hast davor kein „reines“ Jura oder im Ausland studiert? Kein Problem, denn auch ein rechtswissenschaftlich interdisziplinärer Bachelor genügt. Zwar gibt es hinsichtlich der Abschlussnoten keine konkreten Vorgaben, aber natürlich gilt: je höher gepunktet, desto besser. Das heißt aber nicht, dass Kandidatinnen und Kandidaten ohne Prädikat nicht angenommen werden! Daneben müssen ein „Personal Statement“, das ist ein kurzes Motivationsschreiben (max. 500 Wörter) und zwei Empfehlungsschreiben eingereicht werden. Diese können von Professorinnen und Professoren, aber auch von Praktikerinnen und Praktikern stammen – wichtig ist, dass die ausstellende Person Volljuristin oder Volljurist ist. Dabei kannst du auswählen, ob du die fertigen Schreiben selbst im Bewerbungsportal hochlädst oder die Daten der Personen angibst, sodass die Universität diese kontaktieren kann. Außerdem ist ein Sprachnachweis einzureichen. Derzeit werden TOEFL (online oder in Person), IELTS, das Cambridge Certificate, der Pearson Test of English und der Duolingo English Test akzeptiert. Da Sprachtests teuer sein können und nicht jeder Nachweis auch an anderen Universitäten Gültigkeit entfaltet, solltest du vorab, falls du dich noch anderweitig bewerben möchtest, recherchieren, ob dein Sprachnachweis mehrfach einsetzbar ist. Zusätzliche Qualifikationen (Praktika, Arbeitserfahrung, gewonnene Preise und Auszeichnungen, Stipendien, ehrenamtliches Engagement, etc.) wirken sich positiv aus, sind aber kein Muss.

Die Bewerbungsvoraussetzungen können sich natürlich ändern – deswegen empfehlen wir dir, dich rechtzeitig auf der Webseite zu informieren.

 

Erste Schritte

Nachdem du deine Zusage erhalten hast, werden dir sämtliche Informationen und Log-in Daten für die Trinity Plattform (my.tcd.ie) übermittelt. Du kannst dich auch in deinen neuen Uni-E-Mail-Account einloggen, um keine Updates zu verpassen. Der tcd-Account dient später als Notenportal und dort kannst du überprüfen, ob noch Gebühren ausstehen. Lern-und Kommunikationsplattform ist „Blackboard“, die du schon vom heimischen Schreibtisch aus einsehen kannst.

 

Kurswahl

Interessanter ist hingegen die Kurswahl, die du im Juli vornimmst. Es gibt einen variierenden Pool aus gut fünfzig verschiedenen Kursangeboten, von „Chinese Legal System in Comparative Perspective“, „Contemporary Issues in Refugee Law“, „Corporate Governance in the EU“ bis zu „Cyber Security Law and Policy“ und vielen mehr. Pro Semester müssen jeweils drei Kurse absolviert werden. Zwar gibst du zunächst nur Präferenzen an, die Universitätsverwaltung ist aber bemüht, möglichst jeden Wunsch zu erfüllen. Unabhängig vom gewählten LL.M. Programm stehen die angebotenen Kurse allen zukünftigen Studierenden zur Wahl zur Verfügung. Wer sich für einen spezialisierten LL.M. entschieden hat, muss pro Semester mindestens zwei Kurse innerhalb des gewählten Rechtsgebietes belegen. Zusätzlich wählst du bereits zu diesem Zeitpunkt ein Überthema für deine Masterarbeit aus circa 12 weitgefächerten Möglichkeiten. Dabei geht es nicht um die konkrete Arbeit (hier auch Dissertation genannt), sondern um die Vorgabe einer groben Richtungsentscheidung zum Thema deiner Wahl.

 

Aufbau des Studiums

Das Masterstudium ist in zwei Semester – das Wintersemester „Michaelmas Term“ und das Sommersemester „Hilary Term“ unterteilt. Ende August/Anfang September wird das erste Semester mit einer Orientierungswoche und Veranstaltungen zum Kennenlernen von Campus, Bibliothek, Mitstudierenden, Aufbau und Ablauf des Programms oder auch „dating in Ireland“ eingeleitet. Das erste Semester ist Mitte Dezember abgeschlossen und das zweite Semester beginnt knapp einen Monat später. Zwar endet das Masterprogramm offiziell im September, der Hilary Term (sprich, die Vorlesungen) hören jedoch schon Ende April auf. Die Masterarbeit ist bis zum 30. Juni einzureichen.

Jeder Kurs bringt 10 ECTS, d.h. bei drei Kursen musst du auf 30 ECTS pro Semester kommen. Die Masterarbeit zählt 30 ECTS. Insgesamt sind also 90 ECTS für den Master zu sammeln. In jedem Kurs wird pro Woche eine zweistündige Vorlesung gehalten, auf das Semester verteilt fallen 22 Stunden pro Kurs an. Die Kurse werden in der Regel von zwanzig bis vierzig Studierenden besucht und, abhängig von Professorin oder Professor, als Frontalunterricht oder in wechselseitiger Seminarform gehalten. Derzeit wird zur Wissensüberprüfung meistens ein Essay am Ende des Semesters gefordert (zwischen 5000 und 6000 Wörtern), das online einzureichen ist. Da die Corona-Beschränkungen aber wegfallen, kann es auch wieder zu Präsenzklausuren kommen.

Die Masterarbeit soll im besten Fall während des Programmes nebenherlaufen. Effektiv beginnen die meisten Studierenden mit der Recherche und dem eigentlichen Schreiben im zweiten Semester und oftmals erst nach Abgabe der Essays Anfang Mai. Damit man die Abschlussarbeit aber nicht gänzlich aus den Augen verliert, gibt es während des gesamten Masters mehrere Gruppentreffen mit der betreuenden Dozentin oder dem betreuenden Dozenten und es sind regelmäßig Leseproben einzureichen. Studierende mit ähnlichen Themen sollen sich in Kleingruppen gegenseitig unterstützen.

 

Die Notengebung

Die Noten für Essays und Masterarbeit werden circa einen Monat nach Abgabe veröffentlicht, liegen aber bis zum offiziellen Abschluss (graduation) im November zur Überprüfung unabhängigen Gremien vor. Eine Änderung ist jedoch unwahrscheinlich. Das prozentuale Notensystem ist in fünf Notenkategorien von der höchsten Stufe „First Class Honours“ 100-70% bis zu „Fail“ ab 39%.

 

Ist der LL.M. zu schaffen?

Meiner Erfahrung nach, und ohne dem Klischee der von oben herab blickenden Jura-Studierenden entsprechen zu wollen, sind der Aufwand und die Anstrengung, die für den LL.M. aufzuwenden sind, im Vergleich zum deutschen Jura-Studium und den Examina überschaubar. Wer rechtzeitig mit den Essays beginnt, kommt nicht in Zeitdruck. Ein Nebenjob, Hobbys und Freizeitaktivitäten sind zeitlich gut mit dem LL.M. vereinbar. Mit den Bibliotheken und dem Postgraduate Readingroom bietet die Fakultät entspannte Lern- und Arbeitsbereiche.

 

Finanzielles

Der Vollzeit-Master kostet für Studierende aus einem EU-Mitgliedsland derzeit 10.714 Euro, für internationale Studierende 20.810 Euro. Gerade nach dem Brexit schwenken vor allem deutsche LL.M. Interessierte auf Irland um, um die nun für sie geltenden internationalen Studiengebühren in Großbritannien zu vermeiden. Wer rechtzeitig angenommen wurde, kann sich zeitnah für allgemeine oder universitätsinterne Stipendien bewerben.

Allerdings sollten die Nebenkosten (Verpflegung, Unterkunft, kulturelle Aktivitäten, Ausgehen) nicht unterschätzt werden. Dublin ist eine der teuersten Städte Europas und das zeigt sich vor allem an den Mietpreisen. Wer einen Platz im Studentenwohnheim (auf dem Campus oder einem der etlichen von yugo angebotenen Wohnheime in der Stadt) ergattert, muss sich, je nach Wohnungsart, auf 800-1500 Euro pro Monat einstellen. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, eine etwas günstigere WG zu finden. Eine eigene Mietwohnung ist bei derzeitigem Wohnungsmarkt, gepaart mit Studierendenbudget eher unrealistisch. Fünf bis sieben Euro in der „Dining Hall“ oder „Buttery“ (die Mensa am TCD) oder für ein Pint am Abend sind an der Tagesordnung. Tipp für Sparfüchse: Zahlt am Campus alles mit eurem Studierendenausweis, ihr bekommt Rabatt. Außerdem solltet ihr ansonsten überall nach einem „study discount“ fragen!

 

Studierendenleben

Der Master sollte nicht nur zur Vermittlung und Vertiefung juristischer Kenntnisse und zur Verbesserung des eigenen „legal English“ genutzt werden. Ein LL.M. dient auch dazu, neue, internationale Kommilitoninnen und Kommilitonen kennenzulernen und Freundschaften zu schließen. So kannst du nicht nur deinen fachlichen, sondern auch deinen sozialen Horizont erweitern. Du wirst Erfahrungen aller Art sammeln, dich weiterentwickeln und einfach mal Spaß haben, bevor der Ernst des Lebens beginnt.

Das Trinity College bietet durch zahlreiche Societies (climbing society, horse racing society, law society, international society, …) die Möglichkeit, nicht nur Interessen nachzugehen, sondern sich auch fachübergreifend mit (internationalen) Studierenden zu vernetzen. Teilweise werden auch gemeinsame Ausflüge und Barabende unternommen. Daneben gibt es etliche Sportclubs, denen du beitreten kannst. Das universitätsinterne Fitnessstudio und das Schwimmbad mit Sauna stehen dir kostenlos zur Verfügung – die Badekappe ist allerdings verpflichtend. Einmal jährlich findet der Trinity Ball, ein riesiges Festival, am Campus statt. Nicht zu vergessen ist das Campus-Pub, Pavillion („Pav“), in dem sich nach mehr oder weniger erfolgreichen Unitagen noch ein Guinness genehmigt werden kann. Und nein, Stoker schrieb Dracula erst lange nach seinem Abschluss.

Die bereits 1592 gegründete Universität ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Du kannst dich also insbesondere in den sonnigen Monaten – ja, auch die gibt es in Irland – auf Touristen am zentral gelegenen Campus einstellen. Auch die historische Bibliothek auf dem altehrwürdigen Universitätsgelände, das „Book of Kells“, sollte einmal besucht werden. Trick 17: Als Studentin oder Student hast du freien Eintritt und kannst sogar noch eine Person gratis mitnehmen.

 

Leben in Dublin und Irland

Die irische Hauptstadt hat aber mehr als das Trinity College zu bieten, denn die halbe Million Einwohner muss, wie die dutzenden durch die Stadt flatternden Möwen, auch bespaßt werden. Die irische Trinkkultur gilt als gefestigt, es gibt unzählige (Irish) Pubs und Bars. Neben der bekannten „Temple Bar“, im gleichnamigen Stadtteil, solltest du „the Church“ (eine ehemalige Kirche, die in eine Bar umfunktioniert wurde) oder „the Bank“ (ein prächtiges ehemaliges Bankengebäude) besuchen. Auch das Nachtleben ist trotz der Sperrstunde ab 3 Uhr unterhaltsam. Außerdem kannst du dir beispielsweise im Guinness Store House oder in einer der Whiskey Destillerien erklären lassen, wie das jeweilige Getränk gebraut wird und den Geschmack direkt bei einem Tasting überprüfen. Kulturell sind die Nationalgalerie Irlands, das EPIC Museum, die unzähligen Kirchen und auch das Schloss, in dem im Dezember ein Weihnachtsmarkt stattfindet, zu empfehlen. Wer sich traut, kann auch das ehemalige Gefängnis Kilmainham Gaol besuchen. Sonntags empfiehlt sich ein Spaziergang durch den botanischen Garten oder den Merrion Square Park, wo dich neben von Kleinkünstlern ausgestellten Gemälden auch „der echte“ Oscar Wilde im Empfang nimmt. Wer eine Runde joggen oder zahme Hirsche und Rehe streicheln möchte, der sollte den Phoenix Park aufsuchen. Wem das noch immer zu wenig Natur ist, der kann sich auf einen Ausflug zur Halbinsel Howth oder dem Sandymount Beach (beides am Stadtrand gelegen) freuen. Etwas mau ist der öffentliche Nahverkehr mit Bussen und zwei Straßenbahnlinien ausgestaltet. Allerdings ist fast alles zu Fuß erreichbar und trotz zunächst abschreckend wirkendem Linksverkehr, erfüllt auch ein Fahrrad seinen Zweck. Achtung: Die Busse halten nicht, ihr müsst den Fahrerinnen und Fahrern erst winken!

Neben Dublin bietet Irland noch andere sehenswerte Städte wie Galway, Cork, Limerick oder auch das nordirische Belfast. Wenn du schon einmal auf der grünen Insel bist, solltest du auch die atemberaubende Natur genießen, und dir die Cliffs of Moher, den Nationalpark in den Wicklow Mountains, den Ring of Kerry oder den Giant’s Causeway nicht entgehen lassen. Du wirst neben dem LL.M. Studium ausreichend Zeit für Kurzreisen finden.

 

Ist der LL.M. am Trinity College Dublin zu empfehlen?

Wo und ob du einen Master of Laws machen möchtest, ist eine persönliche Entscheidung – die Antwort musst du selbst finden. Zwar sind die Lebenshaltungskosten in Dublin sehr hoch, dafür sind die Studiengebühren im Vergleich zu sämtlichen anderen englischsprachigen Ländern geringer. Das war für mich ein entscheidender Faktor für das Trinity College. Mein Jahr in Dublin und am TCD, in dem neue Freundschaften entstanden, das Schlendern über einen historisch einmaligen Campus zur Normalität und mein Interesse für neue Rechtsgebiete geweckt wurde, war ein unvergessliches Erlebnis!

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Tamara Wendrich
Die Autorin hat Jura an der Freien Universität Berlin studiert und nach dem ersten Staatsexamen einen LL.M. am Trinity College Dublin absolviert. Sie schreibt regelmäßig für den katzenkönig.
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