LL.M. in China – Erfahrungen und Wissenswertes

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LL.M. - Juristischer Master in China
Ein LL.M. im Ausland ist nicht nur eine internationale Referenz in eurem Lebenslauf, sondern bereichert auch euer Jurastudium mit wertvollen Erfahrungen und Kompetenzen. Alles Wissenswerte über den juristischen Master in China erfahrt ihr hier.

Beeindruckende Berglandschaften auf dem Land, ein Gebirge aus Wolkenkratzern in den Millionenstädten andererseits. Das bevölke­rungs­reichste Land der Erde ist facettenreich. Heute zieht es nicht mehr nur Touristen und Unternehmer nach China, sondern vermehrt auch Studierende aus aller Welt. Die Univer­sitäten haben auf das interna­tionale Interesse reagiert und bieten eine Vielzahl von Studien­gängen komplett auf Englisch an.

 

Die Bewerbung für den LL.M. ist unkompliziert

Der Weg zum LL.M. an einer chinesischen Universität ist nicht so weit, wie er auf den ersten Blick erscheint. Die Semester­zeiten ähneln denen in Deutschland, sodass der Wechsel nach China problemlos möglich ist. Auch die Bewerbung hält kaum Überra­schungen bereit. Die meisten Univer­sitäten verlangen ein Motiva­ti­ons­schreiben und Zeugnisse. Als Nachweise über ausrei­chende Englisch­kenntnisse wird ein TOEFL- oder IELTS-Test verlangt.

 

Wie läuft die Finanzierung des LL.M. in China?

Nach der Zusage gilt es, sich rechtzeitig über die Finanzierung des LL.M. Gedanken zu machen. Die Studien­ge­bühren variieren von Universität zu Universität und Programm zu Programm, liegen aber zwischen 2.000 bis 8.000 Euro. Der DAAD bietet Ausland­sti­pendien und es lohnt sich, bei Stiftungen nachzu­fragen.Wer Glück hat, kann auch ein Stipendium direkt von einer chinesischen Universität erhalten.

 

Vor der Abreise

Zu beachten ist auch, dass für den Aufenthalt in China ein Visum benötigt wird. Mit der Zusage einer chinesischen Universität erhält man das meist problemlos. Das Visum kann entweder direkt bei chinesischen Vertre­tungen in Deutschland beantragt werden oder man kann einen Visa-Service nutzen, der die Unterlagen gleich auf Vollstän­digkeit prüft. Als Teil der Vorbereitung auf den Auslands­auf­enthalt empfiehlt es sich, einen Sprachkurs zu absolvieren. Englisch ist zwar Unterrichts­sprache und die jungen chinesischen Mitstu­die­renden sprechen die Sprache ebenfalls. Allerdings trifft das nicht auf weite Teile der älteren Genera­tionen zu, sodass für das Leben außerhalb der Universität Chinesisch-Kenntnisse unverzichtbar sind. Viele Master­stu­dierende haben bereits während des Studiums angefangen Chinesisch zu lernen; mal aus Interesse an der Sprache, mal mit festem Blick auf einen Auslands­auf­enthalt in der Zukunft. Wer sich kurzfristiger entscheidet, findet an den Sprachen­zentren deutscher Univer­sitäten und Volkshoch­schulen ein breites Angebot an Chinesisch-Kursen.

 

Dann kann es mit dem LL.M. losgehen

In China selbst kann man seine Kenntnisse – egal auf welchem Stand sie sind – schnell weiter verbessern. Die Univer­sitäten bieten Sprachkurse für interna­tionale Studierende an. Auch Sprach­un­terricht bei einem privaten Lehrer ist eine Option. Die Unterrichts­kosten sind gering und die Fortschritte schneller. Sind die bürokra­tischen Hürden gemeistert, der lange Flug geschafft und man endlich in China angekommen, wartet der erste Kultur­schock. Anders als deutsche Univer­sitäten ähneln die Univer­si­täts­gelände in China oft kleinen Städten. Auf dem Campus gibt es neben Univer­si­täts­ge­bäuden, Wohnheimen, Mensen und Biblio­theken, auch Restaurants, Supermärkte, und Sportplätze – alles, was man zum Leben braucht. Interna­tionale Studierende sind meist in eigenen Wohnheimen unterge­bracht.

 

Wohnraum ist in China knapp

Während man sich dort mit einem anderen Studie­renden ein Zimmer teilt und das schon gewöhnungs­be­dürftig finden mag, teilt man sich beim LL.M. in chinesischen Wohnheimen mit bis zu acht Studierenden ein Zimmer. In den Wohnheimen ist es enger als gewohnt, aber Anschluss zu finden und Freund­schaften zu schließen, ist leicht. Außerdem sind die Zimmer mit ca. 150 – 300 Euro sehr preiswert und damit oft deutlich günstiger, als eine private Unterkunft in der Stadt. Das gilt insbesondere für die großen Städte wie Hong Kong, wo Wohnraum knapp und teuer ist.

 

Ein LL.M. aus China ist international anerkannt

Chinas Univer­sitäten genießen interna­tional einen guten Ruf. Neben chinesischen Dozenten halten Gastdo­zenten aus aller Welt dort Vorlesungen. Auch Arbeitgeber wissen einen LL.M. aus China zu schätzen. Bis zum Abschluss wird von den Studie­renden jedoch einiges verlangt. Das Studium für den LL.M. besteht vor allem aus Vorlesungen. Nur Mitschreiben reicht hier aber nicht. Auch schriftliche Hausaufgaben sind Teil des Studien­pro­gramms und während des Semesters werden Tests geschrieben. Anders als an deutschen Univer­sitäten, wo Wissen nur in den Abschluss­klausuren abgefragt wird, ist es in China nötig, immer am Ball zu bleiben und mitzuar­beiten.

 

Das Kulturprogramm bleibt nicht auf der Strecke

Ein Master­studium in China verspricht aber nicht nur akademische Erfahrungen. Die Volksre­publik ist eines der größten Länder der Erde und bietet Studie­renden unzählige Reiseziele für die Wochenenden und Semester­ferien. In den großen Städten gibt es immer etwas zu erleben. Trotz sprach­licher Hindernisse wird man von Einhei­mischen herzlich empfangen. Wer offen ist und sich von unbekannten Bräuchen nicht abschrecken lässt, kann unter seinen chinesischen Mitstu­die­renden Freunde finden. Gemeinsam mit Einhei­mischen die neue Umgebung zu erkunden ist eine bereichernde Erfahrung.

 

China ist ein Land voller Gegensätze – beeindruckend ist es allemal und für einen LL.M. ein reizvoller Gastgeber.

 

Interviews

Die einzige Deutsche

Rechts­an­wältin Christiane Kühn ist Senior Associate bei der Luther Rechts­an­walts­ge­sell­schaft in München. Ihren „Master of Law“ mit Schwerpunkt im interna­tionalen Wirtschaftsrecht erwarb sie an der City University of Hong Kong.

Wieso haben Sie sich für ein Master­studium in Hong Kong entschieden?

Ich kannte die Stadt von einer Urlaubsreise und war direkt begeistert. Da ich nach dem ersten Staats­examen gern einen LL.M. machen wollte, habe ich mich erkundigt, welche Möglich­keiten es in Hong Kong gibt. Dabei habe ich das LL.M.- Programm der City University of Hong Kong entdeckt. Das Programm hat mich überzeugt, die Stadt wollte ich seit meiner ersten Reise noch intensiver kennen­lernen – so war die Entscheidung für eine Bewerbung schnell getroffen. Als mir die School of Law sogar noch ein Stipendium gewährt hat, war auch die Finanzierung geregelt.

Was macht das Studium in Hong Kong aus?

Die Stadt, die Uni und ihre Menschen. Ich wurde überall herzlich empfangen und war damals sozusagen ein Exot, weil ich die einzige Deutsche im aktuellen Programm war. Die übrigen Kommilitonen kamen aus Peking oder aus Hong Kong. Rechtlich und kulturell trafen dort völlig verschiedene Welten aufeinander. Hong Kong ist deshalb genau die richtige Stadt, wenn man nicht in einer „deutschen Community“ im Ausland studieren möchte. Und das Freizeit­angebot vor Ort lässt wirklich keine Wünsche offen. Hong Kong liegt direkt am Meer und hat neben einigen Shopping- und Partymeilen wöchentliche Pferde­rennen und sogar wunder­schöne Wanderwege zu bieten. Da ist für jeden etwas dabei.

Wie hat sich der LL.M. auf Ihre Karriere ausgewirkt?

Verhand­lungs­si­cheres Englisch ist ein Muss, wenn man interna­tional arbeiten möchte. Nach meinen Aufenthalt in Hong Kong, konnte ich meine fließenden Englisch­kenntnisse direkt bei Luther in der täglichen Mandats­arbeit nutzen. Neben meinen Kenntnissen im interna­tionalen Wirtschaftsrecht habe ich vor Ort auch sehr viel über die asiatische Kultur gelernt. Das hilft mir heute bei der Beratung deutscher Mandanten, die in Asien tätig sind. Beispielsweise, wenn es um Vertrags­ver­hand­lungen über den Verkauf von Investi­ti­ons­gütern nach Asien geht. Dabei ist ein gewisses Verständnis für die asiatische Kultur ein enormer Vorteil. Dies gilt natürlich auch für den umgekehrten Fall, die Beratung asiatischer Mandanten in Deutschland.

Den Anderen verstehen lernen

Peter Lohr absolvierte den Master „Rechts­ver­glei­chende Studien zum deutschen, europäischen und chinesischen Recht“ an der Tongji University Shanghai. Der Doppel­master ist ein Koopera­ti­ons­programm mit der Humboldt-Universität zu Berlin.

Wieso hast Du Dich für einen LL.M. in China entschieden?

Für die grenzüber­schreitende Zusammen­arbeit ist das Verstehen der jeweiligen Marktbe­din­gungen und somit auch des Rechts­rahmens unerlässlich. Da ich gerne wirtschaftsnah arbeiten möchte und China ein bedeutender Handels­partner ist, habe ich mich für dieses Studium an der Humboldt-Universität Berlin und der Tongji Universität Shanghai entschieden. Es bietet die Gelegenheit mich konzen­triert mit beiden Rechts­systemen in ihrer jeweiligen Heimat auseinander zu setzen.

Wie gefällt Dir das Studium dort?

Die Verkehrs­sprache ist Englisch und für zukünftige Aufgaben eine gute Übung, jedoch sprechen einige Professoren auch ganz gut Deutsch. Kleine Kurse mit häufig weniger als zehn Personen führten zu einer guten Lernat­mo­sphäre und Kontakt mit den Lehrenden, welche meist Vorträge mit zugehöriger Hausarbeit als Prüfungs­leistung forderten. Fachkurse unter teilweiser Beteiligung von Praktikern und abwechs­lungs­reiche Nebenkurse brachten mich nicht nur fachlich weiter. So gab es neben dem im ersten Semester obliga­to­rischen Sprachkurs auch ungewöhnliche Angebote wie chinesische Musik. Stets war ich mit Menschen aus aller Welt zusammen und diese bunte Mischung macht für mich das Studium noch nützlicher und reizvoller.

Und das Leben in China?

Shanghai ist sehr modern und der Lebensstil sehr westlich. Es wird nie langweilig. Mit chinesischen Studenten kam ich schnell in Kontakt und auch in kleineren Läden versuchte man mit mir häufig ins Gespräch zu kommen. Versteht man sich nicht auf Chinesisch, dann musste Englisch helfen. Notfalls waren Hände und Füße, sowie Handy mit Wörterbuch die besten Helfer und eine nützliche Erfahrung. Die gefürchtete schlechte Luft empfand ich als kein Problem, obwohl europäische Grenzwerte nur selten eingehalten werden. Probleme wegen ihr hatte ich jedoch nie und genoss in den Sommer­monaten häufig blauen Himmel und die schönen, grünen, großen Parks in Shanghai.

 

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Lisa Gut
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