LL.M. in Belgien und den Niederlanden – die europäische Variante

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LL.M. in Belgien und den Niederlanden: Was erwartet euch?
Raus aus Deutschland, die eigenen Sprachkenntnisse vertiefen und in einem internationalen Umfeld studieren – wie wäre es dafür mit einem LL.M. in Belgien oder den Niederlanden? Bei einem flüchtigen Blick auf die Europakarte werden die zwei kleinen Nachbarn Deutschlands schnell mal übersehen, doch sie haben viel zu bieten für Masterstudierende.

Vielzahl an Programmen und Sprachen

Wer sich für ein LL.M.-Studium in Belgien oder den Niederlanden interessiert, wird bei der Recherche schnell feststellen, wie groß die Auswahl an Programmen ist. Fast alle sind stark interna­tional oder europa­rechtlich ausgerichtet – kein Wunder, schließlich sind Brüssel als inoffi­zielle Hauptstadt der EU und die wichtigen europäischen Institu­tionen in Luxemburg und Strasbourg nur ein paar Autostunden entfernt. Sobald die Entscheidung für ein Programm gefallen ist, muss die Bewerbung gemeistert werden. Die meisten Programme bieten Kurse auf Englisch an, daneben gibt es Programme in französischer Sprache sowie Mixpro­gramme auf Englisch, Französisch und Nieder­ländisch. Interes­sierte haben hier die Möglichkeit, gleich mehrere Sprachen zu lernen oder zu vertiefen. Als Sprach­nachweis genügt in der Regel ein TOEFL- oder IELTS-Test, daneben verlangen die meisten Univer­sitäten für die Bewerbung ein Motiva­ti­ons­schreiben.

 

Niedrige Studiengebühren überzeugen im internationalen Vergleich

Um sich vorab einen persön­lichen Eindruck von den zukünftigen Studie­renden zumachen, ist in vielen Bewerbungs­ver­fahren ein Bewerbungs­ge­spräch vorgesehen - entweder vor Ort oder via Skype. Studien­beginn ist in beiden Ländern für das Herbst­se­mester im September, für das Frühjahrs­se­mester im Februar. Interes­sierte sollten daher unbedingt die von Deutschland abweichenden Bewerbungs­fristen im Auge behalten. Bevor es losgeht, gilt es, sich um die Finanzierung zu kümmern. Im Vergleich zu beliebten Ländern wie England, das mit hohen Studien­ge­bühren abschreckend wirken kann, oder den skandi­na­vischen Ländern, in denen die Lebens­hal­tungs­kosten deutlich höher sind als in Deutschland, sind die Kosten in Belgien und den Niederlanden gemäßigt. Für EU-Studierende liegt die Gebühr in den Niederlanden bei etwa 2.100 Euro, während in Belgien meist nur Kosten in Höhe von 500 bis 900 Euro pro Jahr anfallen. Die Lebens­hal­tungs­kosten variieren von Stadt zu Stadt, liegen aber insgesamt nur etwas über dem deutschen Durchschnitt. Mehr ausgeben wird man trotzdem – es locken Wochen­end­ausflüge in andere Städte oder ans Meer.

 

Ein guter Start: Unterkunft und Einführung

Die Wohnungssuche aus der Ferne ist immer schwierig. Daher ist das Wohnheim auch für einen LL.M.-Aufenthalt eine gute Möglichkeit, unkompliziert eine günstige Unterkunft zu bekommen und vom ersten Tag andere Studierende kennen­zu­lernen. Die Miete lässt sich nicht pauscha­li­sieren, sondern variiert von Stadt zu Stadt; mit 200 bis 500 Euro pro Zimmer sollte man planen. Wohnheim­plätze sind begehrt, so dass es sich empfiehlt, sich direkt mit der Zusage um einen Platz zu bemühen. Nachdem die organi­sa­to­rischen Hürden überwunden sind, zeigen sich die belgischen und nieder­län­dischen Univer­sitäten gleich zu Beginn von ihrer besten Seite. Einfüh­rungs­wochen mit Rahmen­programm sind üblich, damit die Studie­renden die Universität, ihren neuen Studienort und ihre Kommilitonen und Kommilitoninnen kennen­lernen. Wer in Belgien studiert, wird in dieser Zeit auch „baptême“ beobachten können: Die Einfüh­rungs­rituale in die Studen­ten­ver­bin­dungen erinnern an amerika­nische Highschool-Filme, sind für Belgien aber typisch und wichtig. Um einhei­mische Studierende kennen­zu­lernen, ist der Eintritt in eine Verbindung ein guter Weg, aber kein Muss.

 

Persönlicher Lehrstil und Feierabendbier mit dem Prof

Die Atmosphäre an der Universität ist anders als an deutschen Univer­sitäten. Das Studium ist verschulter, dafür gibt es im Master keine Massen­vor­le­sungen mit über 400 Leuten mehr. Studierende und Dozenten sprechen sich mit Vornamen an, mündliche Mitarbeit ist ausdrücklich gewünscht. Wer eine gute Endnote will, muss sich also in den Gruppen­ar­beiten und Präsen­ta­tionen im Semester genauso engagieren, wie sich auf die Abschluss­klausur vorbereiten. Eine Besonderheit in den Nieder­landen: Pro Semester gibt es zwei Blöcke, jeder Kurs dauert also nur sechs bis acht Wochen. Abgeschlossen wird das Studium mit einer Master­arbeit, deren Thema sich am Stoff des LL.M.-Programms orientiert. Die Besonderheiten enden aber nicht mit den Lehrver­an­stal­tungen. Typisch für die Niederlande ist es, nach den Kursen gemeinsam mit den Kommilitonen und dem Dozenten etwas trinken zu gehen. Bekannt als „borrel“ gehören diese Feierabend­drinks in ungezwungener Atmosphäre mit kleinen Snacks ebenso zum Studien­alltag.

 

International, selbst in Kleinstädten

Neben Deutschen zieht es Studierende aus der ganzen Europäischen Union, aber auch den USA oder Russland in die Benelux­staaten, sodass dort ein ähnlich interna­tionales Umfeld herrscht wie in den großen Metropolen. Darin liegt der besondere Reiz eines Studiums in Belgien oder den Nieder­landen: Man kann hier Freund­schaften mit Mitstu­die­renden aus der ganzen Welt schließen und von renommierten Dozenten unterrichtet werden – und danach mit dem Fahrrad in 20 Minuten im Stadtzentrum sein und in Studen­tenbars den Tag ausklingen lassen.

 

Welche Universitäten einen LL.M. anbieten

 

Interviews

Mit Recht neue Fachrichtungen kennenlernen

Annekathrin Markert absolvierte den Master „Law, Markets and Behaviour“, ein Kooperationsprogramm der beiden Universitäten Amsterdams

 

Warum hast Du Dich für einen LL.M. an der Universität Amsterdam entschieden?

Während der Vorbereitungen zum ersten Examen stand für mich fest, dass ich anschließend ins Ausland möchte, um andere, aber mit Recht verbundene Fachrichtungen kennenzulernen und um rauszukommen und mich somit auch persönlich weiterzuentwickeln.

Ich habe mich in Stockholm und Amsterdam beworben und, obwohl beide Städte wunderschön sind, für letzteres entschieden, da mir persönlich das Programm vielfältiger erschien.

 

Wie lief der Bewerbungsprozess ab?

Ich habe ein Jahr vor Studienbeginn mit der Planung und den Bewerbungen begonnen. Verlangt wurden insbesondere Empfehlungsschreiben von Professoren, IELTS/TOEFL-Test, eine eigene wissenschaftliche Arbeit aus dem bisherigen Studium und ein Motivationsschreiben. Im Anschluss fand ein Auswahlgespräch via Skype statt.

 

Wie gefällt Dir das Studium in den Niederlanden?

Das Studium ist in Perioden mit einer jeweiligen Dauer von vier bis sieben Wochen untergliedert. Am Ende jeder Periode schreibt man Klausuren, zwischendurch einige Paper, außerdem werden Präsentationen gehalten. Daher empfinde ich das Studium als sehr verschult, aber durch Besuche in Kanzleien, Banken und der niederländischen Kartellbehörde wiederum als praxisnah. Mein Programm heißt Law, Markets and Behaviour, ist interdisziplinär in die Richtungen Recht, Wirtschaft und Psychologie ausgerichtet. Wir sind nur 25 Leute, zur Hälfte Niederländer. Das Verhältnis zu den Professoren ist ein sehr freundschaftliches und gemeinsame Drinks und Snacks nach Seminaren oder Bootstouren sind keine Ausnahme.

 

Und außerhalb der Uni?

Zwar musste ich mich zuerst einmal an das holländische Wetter gewöhnen, aber Amsterdam ist wunderschön, hat alle Vorteile einer großen Stadt zu bieten und ist dabei relativ überschaubar, man kann prima überall mit dem Fahrrad hinfahren. Die Niederlande sind nicht sehr groß, womit man gute Möglichkeiten hat, andere interessante Städte wie Den Haag, Delft oder Rotterdam oder auch ländliche Umgebungen zu besuchen.

 

Das LL.M.-Studium als Weg der Spezialisierung

Rechtsanwältin Laura Sproten arbeitet bei Kocks & Partners in Brüssel und absolvierte berufsbegleitend den Master „Intellectual Property Law“ an der Universität Leuven.

 

Sie machen den LL.M. berufsbegleitend – wieso jetzt?

Nach meinen ersten praktischen Einsichten in die anwaltliche Tätigkeit wuchs mein Interesse an einer Spezialisierung in diesem Bereich. Glücklicherweise unterstützt mein Arbeitgeber eine Weiterbildung und bot mir die Chance, neben meiner Tätigkeit als Rechtsanwältin das LL.M.-Studium zu absolvieren. Die Nachfrage der Mandanten nach einer fundierten anwaltlichen Beratung und Vertretung im Bereich der intellektuellen Eigentumsrechte steigt stetig an. Das berufsbegleitende LL.M.- Studium bietet nun die Möglichkeit, den Mandanten von Kocks & Partners neben unseren Schwerpunkten im Wirtschafts- und Unternehmensrecht, auch auf diesem Gebiet eine umfassende Beratung und Vertretung bieten zu können. Möglich machen dies unter anderem auch die stets im Abend stattfindenden Vorlesungen.

 

Weshalb gerade an der Universität Leuven?

Die Katholische Universität Leuven ist eine der ältesten Universitäten Belgiens und vor allem auf dem Gebiet der Rechtswissenschaften eine renommierte Ausbildungsstätte. Der LL.M. „Intellectual property law“ kann in drei Sprachen absolviert werden: Englisch, Französisch und Niederländisch. Es ist mir daher neben der fachlichen Spezialisierung auch möglich, meine Sprachkenntnis in den Studiensprachen zu perfektionieren. Diese Sprachenvielfalt führt auch zu einer sehr internationalen Zusammensetzung der Kommilitonen in diesem Studiengang – ein Umstand, der durch die Durchführung der Vorlesung in der „Außenstelle“ der Universität Leuven im Herzen von Brüssel sicher noch verstärkt wird.

 

Können Sie Kenntnisse aus dem LL.M. bereits in Ihrem Arbeitsalltag verwerten?

Es war mir bereits mehrfach möglich, das im Rahmen meines LL.M.-Studiums erworbene Wissen praktisch anzuwenden; dies vor allem auch, da die Lehre an der Universität Leuven durch viele Gastdozenten äußerst praxisnah gestaltet ist. Mehrere Mandate aus dem Patent-, Marken- oder Urheberrecht konnte ich aufgrund meines Studiums bereits tiefgreifender und zielgerichteter bearbeiten – ein Umstand der vor allem unseren Mandaten zu Gute kommt.

 

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Lisa Gut