LL.M. - FAQ: Alles über den Master of Laws

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Ein LL.M. machen? Hier gibt’s Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Master of Laws (LL.M.).
LL.M. im Ausland? Aber wie organisiert man so einen Jura-Master? Bewerbung, Stipendium, Fachbereich – Wir klären alle Fragen rund um den Master of Laws (LL.M.).

Was ist ein LL.M.?

Ein LL.M., oder auch Legum Magister, ist ein Hochschulabschluss, den Jurastudierende nach ihrem grundständigen Studium im In- oder Ausland erwerben können. Der Master of Laws ist international anerkannt und kann besonders für die Bewerbung in großen internationalen Kanzleien ein echter Karriere-Push sein.

 

Soll ich einen LL.M. machen?

Diese Frage ist sehr individuell zu beantworten. Natürlich gibt es viele Argumente, die für einen LL.M. sprechen. Zum Beispiel hast du die Chance, eine Fremdsprache meisterlich zu lernen oder ein fremdes Rechtssystem genauer kennenzulernen.

Außerdem kann der LL.M. als Zusatzqualifikation deine Karrierechancen verbessern. Besonders Großkanzleien und größere Sozietäten legen Wert auf internationale Erfahrungen und Fremdsprachenkenntnisse. Dein LL.M. könnte bei deiner Bewerbung also unter allen Kandidaten als Alleinstellungsmerkmal für dich sprechen. Außerdem hast du mit einer LL.M.- Erfahrung bei jedem Vorstellungsgespräch sofort etwas ganz Besonderes zu erzählen.

Aber natürlich geht es beim LL.M. nicht nur darum, deinen Lebenslauf aufzupolieren, sondern vor allen Dingen um die unvergesslichen Erfahrungen, die du machen wirst und nicht zuletzt darum, eine Menge Spaß zu haben.

Ob ein LL.M. das Richtige für dich ist, kannst nur du beantworten. Bist du an internationalem Recht interessiert und möchtest du deine Karriere bi- oder multilateral gestalten? Siehst du dich selbst in einer großen, internationalen Kanzlei? Dann könnte der LL.M. etwas für dich sein.

 

Wo soll ich den LL.M. machen?

Zwar gibt es auch in Deutschland ansprechende LL.M. Programme, häufig ist der LL.M. aber gerade die Chance, einmal im Ausland zu studieren. Besonders beliebt sind dabei englischsprachige Länder, zum Beispiel die USA oder England. Mit dem Case-Law-System kannst du so auch gleich noch ein ganz anderes Rechtssystem kennenlernen.

Bei der Entscheidung ist einiges zu bedenken. Alle Standorte haben ihre Vor- und Nachteile. Stelle dir die folgenden Fragen: In welchem Land/ in welcher Stadt möchte ich meinen LL.M. machen? Welches Fachgebiet interessiert mich? Was möchte ich neben dem Fachgebiet von der Erfahrung im Ausland lernen?

Wichtige Kriterien können zum Beispiel auch der Ruf der fraglichen Uni und entstehende Kosten wie Studiengebühren sein. Häufig haben besonders beliebte Standorte wie Unis in den USA auch die höchsten Gebühren. Wer nach einer günstigeren Alternative sucht, wird besonders in osteuropäischen Ländern fündig. Hier sind nicht nur die Studiengebühren sondern auch die Lebenshaltungskosten erschwinglicher. Am wichtigsten bei deiner Entscheidung ist aber, dass das LL.M. Programm inhaltlich zu dir und deinen Vorstellungen passt.

 

Was sind die Voraussetzungen für einen LL.M.?

Die Voraussetzungen für einen LL.M. sind je nach Land und Uni sehr unterschiedlich. Informiere dich auf den Websites des jeweiligen Instituts.

  • Abschluss: Auf jeden Fall brauchst du den richtigen grundständigen Abschluss: Examen oder Bachelor of Laws (LL.B.) Manchmal genügt auch ein Abschluss in einem vergleichbaren Fach, manche Unis verlangen aber auch spezialisierte Vorkenntnisse.
  • Zeugnisse: Noten sind für deine Bewerbung meist das Wichtigste. Die Anforderungen können sehr unterschiedlich sein, aber fast immer wird ein bestimmter Schnitt verlangt, der mit Zeugnissen nachgewiesen werden muss. So konnte man in den vergangenen Jahren an Top-Universitäten wie Cambridge und Oxford nur mit einem Schnitt von 9-11 Punkten auf einen LL.M.-Platz hoffen. Weniger angesehene Unis sind allerdings nicht ganz so anspruchsvoll. In den USA ist es sogar ungewöhnlich, dass eine Mindestnote verlangt wird, trotzdem ist auch hier die Punktzahl ein ganz entscheidender Faktor für die Bewerbung.
  • Empfehlungsschreiben: Gerade an amerikanischen Unis ist es üblich, dass ein oder bestenfalls sogar mehrere Empfehlungsschreiben von Professoren deiner Bewerbung beiliegen. Manche Unis akzeptieren auch Empfehlungen von Anwälten oder Richterinnen, bei denen du ein Praktikum gemacht hast. Das Schreiben muss dann natürlich auf Englisch sein, oder eine Übersetzung des Originalschreibens beiliegen.
  • Sprache: Wenn du deinen LL.M. im Ausland machen willst, musst du Kenntnisse der jeweiligen Landessprache bereits vor dem LL.M. nachweisen. Deshalb sind auch Programme in englischsprachigen Ländern so begehrt. Deine Sprachkenntnisse kannst du mit einem TOEFL- (Test of English as a Foreign Language), einem IELTS- (International English Language Testing System) oder einem Cambridge-Test nachweisen. Wie gut deine Sprachkenntnisse sein müssen, ist von Uni zu Uni unterschiedlich.

 

Wie läuft ein LL.M. ab?

Grundsätzlich kannst du deinen LL.M. nach dem Bachelor of Laws, dem ersten oder dem zweiten Staatsexamen machen. Die meisten Studierenden entscheiden sich aber dafür, nach dem ersten Staatsexamen mit dem LL.M. zu starten.

In der Regel dauert der Jura-Master zwei bis vier Semester, allerdings kann das von Programm zu Programm variieren. Manche LL.M. Programme können auch in Teilzeit absolviert werden, sodass viele Studierende die Zeit nutzen, um nebenher zu arbeiten, oder das Land zu erkunden.

Der Master of Law besteht zumeist aus einer Mischung aus Vorlesungen, Hausarbeiten und Praxis. In einem Land mit Case-Law-System kommen außerdem häufig Fallstudien hinzu. Viele Programme sehen studienbegleitende Praktika vor. Gerade am Anfang kann man auch häufig Sprachkurse belegen.

Die Prüfungen, die für das Erreichen des Mastergrades abgelegt werden müssen, können in Klausuren oder wissenschaftlichen Seminararbeiten bestehen. Häufig sind auch Referate oder Vorträge gefragt.

 

Wie organisiere ich den LL.M.?

Planung ist alles, wenn es um deinen LL.M. geht. So ein Auslandsstudium zu organisieren kann aufwendig und zeitraubend werden. Fang deshalb rechtzeitig an, dich über den LL.M. zu informieren.

Schritt 1 - Information: Verschaffe dir einen Überblick über die Angebote der verschiedenen Unis. Informiere dich dafür auf den Websites der Universitäten. Häufig gibt es auch Beratungsangebote, die du wahrnehmen kannst. Grenze die Suche nun nach und nach ein.

Schritt 2 - Zeitplan: Wenn du dich für ein Programm entschieden hast, oder mehrere in Betracht ziehst, erstelle einen genauen Zeitplan mit Bewerbungs- und Abgabefristen, damit du keinen Termin mehr verpasst. Überlege dir, was du bis zur Bewerbung noch alles erledigen musst, etwa ein Motivationsschreiben verfassen oder einen Praktikumsnachweis beantragen.

Schritt 3 - Bewerbung: Deine Bewerbung sollte unbedingt vollständig sein. stelle deshalb sicher, dass du bis zum Bewerbungsschluss alle erforderlichen Unterlagen beisammen hast. Besonders für die Empfehlungsschreiben und Sprachtests solltest du genug Vorlaufzeit einplanen. Gegebenenfalls musst du auch Dokumente beglaubigen lassen. Und auch die Bewerbung an sich kann aufwendig sein. Nimm dir dafür die nötige Zeit.

Folgende Unterlagen brauchst du für deine Bewerbung:

  • Anschreiben
  • Lebenslauf
  • Zeugnisse und Leistungsnachweise
  • Kopie persönlicher Dokumente z.B. Reisepass
  • Sprachtest
  • Empfehlungsschreiben
  • Motivationsschreiben oder Bewerbungs-Essay

Finanzierung: Um Stipendien oder Darlehen kannst du dich kümmern, wenn du eine Zusage bekommen hast, aber es schadet nicht, dich vorher schon einmal über deine Möglichkeiten zu informieren und einen Finanzierungsplan aufzustellen. Welche Kosten werden im Falle einer Zusage auf dich zukommen? Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es?

Zusage: Glückwunsch! Du hast einen Platz für dein gewünschtes LL.M. Programm ergattert. Nun stürze dich in die Planung. Wichtige ToDos bis zu deiner Abreise:

  • Ein Visum beantragen
  • Krankenversicherung klären
  • Immatrikulation an deiner Gast-Uni
  • Für ein Stipendium bewerben
  • Eine Wohnung suchen

 

Wie kann man einen LL.M. finanzieren?

Ein LL.M. im Ausland ist häufig eine kostspielige Angelegenheit. Einerseits fallen an vielen ausländischen Unis Studiengebühren an. Andererseits kommen auch noch Lebenshaltungskosten, sowie Kosten für Lernmaterialien, Flug und Visum hinzu.

Studiengebühren können von Land zu Land sehr stark variieren. In den USA sind die Gebühren besonders hoch (zwischen 4.000 und 30.000 USD). Billiger kommt man in den osteuropäischen Ländern weg. In den skandinavischen Ländern sind dafür die Kosten für die Deckung des täglichen Lebensbedarfs besonders hoch. Auch hier wird es billiger, wenn man sich in Richtung Osteuropa orientiert. Zum Glück stehen für den LL.M. zahlreiche Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung.

  • Stipendien: Stiftungen, sowie religiöse- oder staatliche Einrichtungen stellen Stipendien oder Zuschüsse für Auslandsstudien zur Verfügung. Beachte, dass man sich auf diese Stipendien rechtzeitig bewerben muss. Bekannte Stipendien-Geber sind zum Beispiel DAAD, Fulbright oder ERASMUS. Mit überdurchschnittlichen Noten hast du gegebenenfalls sogar die Chance auf ein Stipendium deiner Gast-Uni selbst.
  • Darlehen und Studienkredite: Außerdem ist es möglich, sich zwecks Kredit-Vergabe an private Banken zu wenden. Achte darauf, dass dein Kredit auch explizit als Studienkredit ausgewiesen ist. Besonders beliebt sind Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und des Bundesverwaltungsamts. Diese Angebote haben meist einen besseren Zinssatz als übliche Kredite. Es kann auch praktisch sein, den Kredit auf eine bestimmte Summe festzulegen, die in monatlichen Raten ausgezahlt wird. So verlierst du nicht den Überblick über dein Budget.
  • Jobs und familiäre Unterstützung: Sofern es das Studienpensum erlaubt, kann der LL.M. zumindest teilweise auch durch Nebenjobs finanziert werden. So hast du obendrein noch die Chance, das juristische Arbeiten ganz praktisch in einem anderen Land kennenzulernen. Achte darauf, dass dein Visum eine Arbeitserlaubnis beinhaltet. Um LL.M. und Studium unter einen Hut zu bringen, kann man sich bei vielen Programmen auch für ein Teilzeit-Studium entscheiden. Viele Studierende bekommen auch von Zuhause finanzielle Unterstützung oder kombinieren mehrere der genannten Finanzierungsmethoden.

Eins ist auf jeden Fall klar: Ein LL.M wird dein Leben verändern und dich um eine wertvolle Erfahrung bereichern. Ein paar Erfahrungsberichte zum LL.M im Ausland findest du bei uns. Zum Beispiel zum LL.M in Südamerika, China oder Kanada.

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Denise Dahmen
Die Autorin war Volontärin in der Anwaltsblatt-Redaktion und Mitglied der Redaktion von katzenkönig, dem Magazin des DAV für Studierende und Referendare.
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