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Die Gründer des Berliner Startups Legalbase bieten seit Herbst 2015 über ihre Online-Plattform einen Anwalt-Suchservice, bei dem die registrierten Anwältinnen und Anwälte dem Mandanten nach ihren konkreten Leistungen vorgeschlagen werden. Das Prinzip ist einfach und benutzerorientiert: Der Mandant wählt die gewünschte und konkret beschriebene Rechtsdienstleistung, etwa die Prüfung von Gewerbepflichten oder den Widerruf der Lebensversicherung, beantwortet einige Fragen, lädt gegebenenfalls zu prüfende Dokumente hoch und bekommt dann zu den Anforderungen passende Anwältinnen und Anwälte vorgeschlagen.
Bei der Auswahl kann der Benutzer frei nach seinen Prioritäten vorgehen: Steht der zeitliche Faktor im Vordergrund, kann die Anfrage zum Beispiel binnen 14 Tagen beantwortet werden, preislich beginnen die Vorschläge bei 600 Euro – und zur Person des Anwalts oder der Anwältin werden ausführliche Angaben gemacht, so wie man sie auch auf der herkömmlichen Kanzleiwebsite finden würde. Ratsuchende können nun ein solches „Rechtsprodukt kaufen“, sodass eine Mandatsvereinbarung zwischen Mandant und Anwalt zustande kommt.
„Wir erwarten deutliches Wachstum. Dabei setzten wir besonders auf den unerschlossenen Teil des Rechtsmarktes, auf die rechtsberatungsbedürftigen Fälle, die durch vom Markt wahrgenommene Zugangshürden wie beispielsweise Intransparenz von Preis und Leistung bisher nicht beim Anwalt landen.“, so Dr. Daniel Biene, CEO und Mitbegründer von Legalbase. Gerade für Berufseinsteiger bietet das eine hervorragende Möglichkeit, sich auf dem Markt zu etablieren, denn zufriedene Mandanten haben die Möglichkeit, die Rechtsdienstleistung zu bewerten und so eine für andere Nutzer übersichtlich erkennbare positive Reputation zu schaffen.
Heute ist Legalbase bei weitem nicht mehr allein auf weiter Flur. Plattformen zur Mandatsakquise, wie Advocado oder Anwalt.de gesellen sich zu Hauf zu dem Startup.
Einen ganz anderen Ansatz zur Automatisierung von Rechtsdienstleistungen verfolgt das Bremer Start-up Rightmart. Hier geht es um die Prüfung von Ansprüchen der Mandanten durch eine Software. Über die Homepage wurden bereits im ersten Monat 1.500 Hartz-IV-Bescheide geprüft: Mandanten geben die in ihrem Bescheid enthaltenen Angaben in die Maske der Website und bekommen in Echtzeit eine Berechnung ihrer Ansprüche und damit die Möglichkeit, die Erfolgsaussichten eines Widerspruchs abzuschätzen. So verringert sich für den Mandanten das Kostenrisiko und die Bereitschaft, bei guten Erfolgschancen Klage zu erheben, steigt.
Rightmart öffnet so den Zugang zu anwaltlicher Unterstützung gerade für jene, für die es um ihre Existenzgrundlage geht und die aus ebendiesem Grund kein Kostenrisiko in Kauf nehmen können. Gleichzeitig entfällt durch die automatische Vorprüfung ein mühseliger Datenabgleich in den Fällen, in denen die Bescheide bereits rechtmäßig ergangen sind.
Mit ähnlichen Konzepten arbeiten inzwischen auch andere Verbraucherrechtler, die Plattformen wie flightright.de und geblitzt.de ins Leben gerufen haben.
Auch die Gründer von My-Right.de haben eine Marktlücke erkannt und daraus ein Geschäftsmodell entwickelt. Als Reaktion auf den VW-Abgasskandal sammeln sie Klagen der betroffenen Autobesitzer gegen den VW-Konzern und bieten kostenlose Hilfe. Hierbei gehen sie mit Unterstützung der US-amerikanischen Kanzlei Hausfeld wie ein Inkassounternehmen vor, um die abgetretenen Ansprüche auf Schadensersatz durchzusetzen. Alle Analyse- und Prozesshandlungen sind für den Nutzer zunächst kostenfrei, bei erfolgreichem Vergleich oder Prozess erhält er den entsprechenden Schadensersatzbetrag ausgezahlt, abzüglich 35 Prozent Provision für My-Right.de.
Den Umgang mit Personalressourcen hat das Unternehmen Perconex ins Visier genommen. Über seine Website bietet das Unternehmen zum einen die Vermittlung von Anwälten aller Senioritätsstufen durch Headhunter oder von Projektjuristen im Rahmen von Interim-Management. Zum anderen bietet das Unternehmen auch die Möglichkeit des Outsourcing juristischer Tätigkeiten für Kanzleien. So wird beispielsweise bei großen Datenmengen Dokumentensichtung mit entsprechender Review-Software angeboten. Auch das Vertragsmanagement kann ausgelagert werden, ein Team von externen Juristen überprüft dann die Verwaltung und Fristwahrung der laufenden Verträge. Ebenso wird eine Optimierung des Workflows der Kanzlei von Perconex angeboten. Hierbei geht es vor allem um die einfacheren juristischen Tätigkeiten, die koordiniert und von den Juristen des Unternehmens effizient bearbeitet werden. Ziel ist es, den Kanzleianwälten die Konzentration auf ihre Kernkompetenzen zu ermöglichen, während darum herum anfallende Arbeit ausgelagert wird. Software wird hier vor allem zur Strukturierung und effizienten Gestaltung von Kanzleiprozessen genutzt.
Wird in einem Rechtsstreit bald ein Computer das letzte Wort haben können? Die Forschungen im Bereich der künstlichen Intelligenz machen auch vor der Rechtsbranche nicht halt. IBM arbeitet derzeit an „Ross“, einem digitalen Anwalt, basierend auf dem Supercomputer „Watson“. Die Funktionsweise von Ross ist so angelegt, dass dem Computer rechtliche Fragen in einfachem Englisch gestellt werden und Ross anhand der eingespeisten Dokumente als Antwort taugliche Passagen zum Beispiel in einem Urteil findet, die zur Thematik passen. Damit löst Ross keine Fälle und ist weit davon entfernt Rechtsfortbildung zu betreiben. Doch als Recherche-Tool kann Ross einem Anwalt dennoch Arbeit abnehmen. Das mühsame Durchsuchen von Dokumenten und das Filtern von aktueller Rechtsprechung sind Aufgaben, die der Computer durchaus übernehmen kann – in einer Geschwindigkeit, die von Menschen auch im Team nicht zu leisten ist.
Ähnliche Möglichkeiten der Textanalyse und Informationsextraktion bietet auch Leverton. Die Software scannt Verträge und ermöglicht gezielten Zugriff auf einzelne Informationen im Rahmen einer Due-Diligence-Prüfung. Leverton kann in bisher 20 Sprachen genutzt werden, was das Auslesen und die Übersetzung von Schlüsseldaten in fremdsprachigen Verträgen erleichtert. Die entsprechenden Aufgaben fallen so nicht mehr in die Arbeitszeit eines Anwalts, die anwaltliche Tätigkeit beginnt vielmehr direkt bei der rechtlichen Bewertung der Fakten. So hat die Software also nicht das letzte Wort, kann aber die entscheidenden Schlüsselwörter für den Anwalt finden.
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