Zum Inhalt springen
Englisch begegnet uns längst nicht mehr nur im Urlaub, sondern immer selbstverständlicher im Alltag, in der juristischen Ausbildung und Praxis. Begriffe wie common und case law, barrister und solicitor sind vielen bereits aus Film und Fernsehen bekannt. Doch was macht eigentlich Legal English so besonders und müssen wir jetzt alle wieder unsere Vokabelhefte rausholen?
Die Globalisierung endet nicht in der Wirtschaft oder Politik, auch die juristische Arbeit ist davon betroffen. Aufgrund einer steigenden Entwicklung supranationaler Rechtsfragen und einer Ausweitung des Europarechts auf die Mitgliedstaaten gewinnt Legal English immer weiter an Bedeutung.
Legal English ist kurz und bündig die englische Fachsprache des Rechts. Es geht dabei jedoch nicht nur darum, deutsche juristische Begriffe ins Englische zu übersetzen. Die Dogmatik dahinter ist viel komplexer. Viele Begriffe haben im englischsprachigen Rechtssystem eine ganz eigene Bedeutung und lassen sich nicht eins zu eins gleichsetzen.
Heißt das nun, dass Jurastudierende neben dem deutschen Rechtssystem, noch eine komplette Sprache und englischsprachige Systeme dazulernen müssen? Nein, natürlich nicht. Trotzdem ist eine fremdsprachliche Qualifikation verpflichtender Bestandteil der juristischen Ausbildung. Nach § 5a Abs. 2 S. 2 DRiG ist der erfolgreiche Besuch einer fremdsprachigen rechtswissenschaftlichen Veranstaltung oder eines rechtswissenschaftlich ausgerichteten Sprachkurses nachzuweisen. Wie dieser Nachweis konkret ausgestaltet ist, regelt das jeweilige Landesrecht.
Wie der Fremdsprachenachweis konkret erbracht werden muss, unterscheidet sich von Universität zu Universität. Während an einigen Unis klassische Fremdsprachenkurse angeboten werden, die mehr oder weniger etwas stumpf sein können, bieten andere Unistädte speziellere Angebote, wie weiterführende Zertifikate, praxisnahe Lehrveranstaltungen oder Moot Courts an, in denen Studierende aktiv werden und dem tristen Vorlesungsalltag ein wenig entkommen können. So gibt es beispielsweise Veranstaltungen zu Contract Law, International Business Law oder Legal Writing, die dazu dienen, die Sprachkenntnisse zu erweitern. Dies wird zum Beispiel in Greifswald, Kiel oder Bochum angeboten.
Auch gibt es verschiedene Schwerpunktbereiche, die sich mehr mit Legal English auseinandersetzen und internationale Texte und Verträge behandeln. Alles im Bereich rund um Rechtsvergleichung, Internationales Recht und Europarecht stellt hier einen Bezug dazu her.
Ein Weg, sein Legal English praktisch zu verbessern, sind Auslandssemester oder ein Master of Laws im englischsprachigen Ausland. So bekommt man direkt die Möglichkeit, Legal English im juristischen Alltag anzuwenden. Dies erfolgt auch noch auf einem deutlich höheren Niveau als in der deutschen juristischen Ausbildung, da an der Wurzel angesetzt wird und man dem Ursprung verschiedenster Rechtsysteme tiefer auf die Spur kommen kann.
Diese Kombination aus Sprachkenntnissen, fachlicher Spezialisierung und internationaler Erfahrung ist dabei eine spannende Zusatzqualifikation, die im Kontext der zunehmenden Globalisierung einen Vorteil auch in der Juristerei schaffen kann.
Spätestens beim Schritt in die anwaltliche Praxis zeigt sich, wie wichtig es ist, über solche Kenntnisse zu verfügen. Nicht nur in internationalen Kanzleien gehören englischsprachige Verträge, ausländische Mandanten oder sogar supranationales Recht dazu. Auch Unternehmen arbeiten zunehmend mit internationalen Geschäftspartner:innen und grenzüberschreitenden Fragen.
Auch hier geht es nicht zwangsläufig darum, das englische Rechtssystem bis ins kleinste Detail zu verstehen oder komplexe juristische Texte auf Englisch zu verfassen – dafür gibt es Spezialisten. Es kann aber erforderlich sein, einen englischsprachigen Vertrag zu verstehen, internationale Mandate zu übernehmen oder sich in englischsprachige Fachliteratur und Rechtsprechung einzuarbeiten.
Wie relevant Legal English ist, lässt sich an unterschiedlichen Kanzleitypen sehen. In international ausgerichteten Großkanzleien gehört Englisch zum Alltagsgeschäft. Aber auch außerhalb solcher Großkanzleien, können mittelständische Kanzleien ebenso mit ausländischen Geschäftspartnern zu tun haben. Gerade Arbeitsrecht im internationalen Kontext oder IP-Recht (Intellectual Property Law, Recht des geistigen Eigentums) spielen eine präsente Rolle.
Legal English trifft wie festgestellt, Großkanzleien in Frankfurt genauso wie das Ein-Mann-Büro in einer Kleinstadt. In welchem Umfang man tatsächlich damit zu tun hat, hängt zwar stark von dem jeweiligen Rechtsgebiet ab. Ganz ausblenden lässt sich diese Thematik jedoch nicht und man sollte keineswegs die Augen davor verschließen.
Das Jurastudium bleibt in Deutschland vor allem auf das deutsche Recht ausgerichtet, was auch nicht falsch ist. Das bedeutet trotzdem nicht, dass das Recht an der Landesgrenze enden muss. Im Zuge der Globalisierung ist es sinnvoll, sich bereits während des Studiums mit englischen Inhalten vertraut zu machen.
Legal English kann man vielfältig erleben – ob in Moot Courts, Fachsprachenkursen oder während des Schwerpunktseminars. Man sollte dabei stets seinen Interessen folgen, die Dimension der Internationalisierung jedoch nicht aus den Augen verlieren.
Vielleicht ist deshalb die wichtigste Frage nicht, ob man Legal English irgendwann brauchen wird, – die Antwort ist eindeutig ja – , sondern ob man die Möglichkeit im Studium schon nutzt, um es später in der Praxis etwas leichter zu haben und kein Geld für teure Englisch-Lernprogramme auszugeben.
Weitere spannende Artikel rund um die Internationalisierung des Rechts und des Jurastudiums
LL.M. – FAQ: Alles über den Master of Laws
Habt ihr Erfahrungen oder Tipps, die das Jurastudium bereichern? Schreibt uns an: magazin-jurfuture@anwaltverein.de oder bei Instagram.
Die Kategorie bündelt Beiträge zum Thema Ausbildung.
Im Fokus: die vielfältige Praxis als Rechtsanwält:in und wie der Berufseinstieg so läuft.
Die Kategorie bündelt Beiträge, die dir für deinen persönlichen Weg Denkanstöße geben können.
Die Kategorie bündelt Beiträge zur Verfassung des juristischen Kosmos.