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Die Studierenden lernen im Studium der Rechtswissenschaften, wie das deutsche Rechtssystem und seine Rechtsprechung funktionieren. Es bereitet zum Beispiel auf die Aufgabe als Richter:in oder Rechtsanwält:in vor. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Interpretation der verschiedenen Gesetzestexte.
Da sie einer bestimmten juristischen Logik folgen, sind sie für Laien schwer verständlich. Studierende lernen, sie im Kontext zu betrachten und anzuwenden. Rechtsgebiet für Rechtsgebiet arbeiten die Studierenden während ihres Studiums durch. Sie lernen die Eigenheiten der Gesetze kennen.
Im klassischen Jurastudium absolvieren die Studierenden das erste und zweite juristische Staatsexamen. Wer beide Examen besteht, darf sich Volljurist oder Volljuristin nennen.
Seit der Bologna-Hochschulreform bieten Universitäten und Hochschulen vermehrt Bachelor-Studiengänge der Rechtswissenschaften an. Sie haben in der Regel einen Schwerpunkt wie beispielsweise das Wirtschaftsrecht. Die Absolvent:innen von Bachelor-Studiengängen tragen den Titel „Bachelor of Laws“ (LL.B.). Wer den Bachelor in der Tasche hat, kann noch ein Masterstudium absolvieren. Sind Studierende auch hier erfolgreich, erhalten sie den Titel „Master of Laws“ (LL.M.).
Und was kann man aus zwei guten Ideen machen? Eine einzelne, noch bessere! So bieten inzwischen auch Universitäten einen in den Staatsexamensstudiengang integrierten Bachelor of Laws an. Mit einem geringen Mehraufwand hat man so im besten Fall nach 6 Semestern den Bachelor, und nach 10 das Erste Staatsexamen in der Hand!
Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, schaut doch mal in unser letztes Print- Heft des katzenkönigs. (Auch im Archiv auf der Website, Ausgabe 2/2023) Hier haben wir ein Interview mit Unis geführt, die den integrierten Bachelor of Laws anbieten und klären, was es damit auf sich hat!
Die Art des Abschlusses entscheidet über die möglichen Berufe: Arbeitgeber:innen in der freien Wirtschaft bevorzugen Bewerberinnen und Bewerber, die im Studium einen ökonomischen Schwerpunkt hatten. Entsprechende Bachelor- oder Master-Abschlüsse mit wirtschaftlichem Schwerpunkt sind da im Vorteil. Richter:in und Staatsanwält:innen können jedoch nur Personen werden, die beide juristischen Staatsexamina haben. Gleiches gilt für den Beruf der Notar:in. Hier ergibt sich ein weiterer Vorteil des integrierten Bachelors of Law in der späteren Berufswahl: Holt ihr euch den Abschluss während des Studiums und zieht danach bis zum Staatsexamen durch, könnt ihr, was die späteren Berufe angeht, aus den Vollen schöpfen: Alles ist dann möglich!
Absolventinnen und Absolventen der Bachelor-Studiengänge ohne Staatsexamen arbeiten häufig als Unternehmensberater:in, Wirtschaftsprüfer:in oder Insolvenzverwalter:in.
Studierende der klassischen Jura-Studiengänge können als Volljurist:innen theoretisch Richter oder Richterin werden. Es ist meist ein Prädikatsexamen nötig, um Teil der Richterschaft oder der Staatsanwaltschaft zu werden. Das bedeutet: Die Absolventen und Absolventinnen müssen ihre Staatsexamina mit mindestens 9 von 18 Punkten abschließen. In manchen Bundesländern werden aber auch geringere Anforderungen an die Absolvent:innen gestellt, um in das Richteramt zu gelangen.
Auch internationale Kanzleien verlangen für freie Stellen meist ein Prädikatsexamen. Die Stellen sind begehrt, bieten sie doch internationale Kunden und Kundinnen sowie attraktive Einstiegsgehälter. Ein Master of Laws mit wirtschaftlichem Schwerpunkt und ein sehr gutes Englisch verbessern die Chancen zusätzlich.
Um Jura studieren zu können, ist im Regelfall die allgemeine Hochschulreife nötig. Schülerinnen und Schüler erhalten diese mit dem Abitur oder einem gleichwertigen Abschluss. Die Wahl bestimmter Schulfächer beeinflusst die Einschreibung hingegen nicht. Aber auch Schüler:innen mit einem Fachabitur haben in vielen Bundesländern gute Chancen!
Jedenfalls ist es im Studium ein Vorteil, lateinische Grundbegriffe zu kennen: Zwar ist das Latinum keine Pflicht, aber angehende Jurist:innen verstehen Gesetze leichter, wenn die vielen lateinischen Fachbegriffe der Rechtswissenschaften bereits bekannt sind. Habt aber keine Sorge, auch wenn ihr von Latein nichts versteht, werdet ihr an die Fachbegriffe im Recht schrittweise herangeführt.
Der Numerus Clausus, kurz NC, bezeichnet die Zulassungsbeschränkung eines Studiengangs. Klingt kompliziert, ist aber einfach. Der NC ergibt sich aus der Abiturnote der letzten Person, die die Uni für das jeweilige Fach zulässt.
Liegt der NC für ein Fach bei 2,0, bedeutet das, dass nur Bewerberinnen und Bewerber mit den Noten 1,0 bis einschließlich 2,0 zugelassen wurden. Das heißt: Je mehr Menschen sich bewerben, desto niedriger ist in der Regel der NC. Es ist also generell ein Vorteil, gute Noten vorweisen zu können. Gibt es mehr Studienplätze als Bewerbungen, entfällt oft der NC.
Ein guter Notenschnitt im Abitur ist zudem notwendig, um Jura in einer Großstadt wie Hamburg, Berlin oder München zu studieren. Dort gibt es eine große Nachfrage nach Studienplätzen. In Berlin beispielsweise lag der Numerus Clausus (NC) an der Freien Universität zum Wintersemester 2023/2024 bei 1,6. Die Bewerber:innen sollten also einen Notenschnitt von 1,5 oder besser haben, damit sie hier einen Platz bekommen.
Der NC kann ist aber nicht immer das einzige Kriterium. So können einem auch ein FSJ, ein Jahr im Bundesfreiwilligendienst, die Absolvierung von freiwilligem Wehrdienst, oder andere Engagements positiv auf den NC angerechnet werden. Im Regelfall verbessern solche Tätigkeiten den NC um je 0,1 Noten.
Aber gute Noten im Abitur sind keine zwingende Voraussetzung für das Studium der Rechtswissenschaften. Es gibt in Deutschland Universitäten, die regelmäßig alle Bewerber:innen zum Studium zulassen. Ein Beispiel dafür ist die Uni Bayreuth. Dort ist es möglich, Jura ohne Zulassungsbeschränkung zu studieren.
Neben formalen Voraussetzungen sind auch persönliche Voraussetzungen relevant. Menschen mit einem Talent für das analytische und logische Denken haben gute Aussichten auf ein erfolgreiches Jurastudium. Ein ausgeprägtes Gefühl für Sprache und Freude am Aufbau einer Argumentationsstruktur helfen den Student:innen der Rechtswissenschaften ebenfalls.
Im klassischen Jurastudium absolvieren die Studierenden zuerst das Grundstudium. Während dieser Zeit belegen die Student:innen die Pflichtfächer Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht. Das Zivilrecht regelt Streitigkeiten unter Bürgern, zum Beispiel, wenn jemand eine Rechnung nicht bezahlen möchte. Wenn der Staat hingegen eine:n Bürger:in eines Verbrechens beschuldigt, fällt das Verfahren unter das Strafrecht. Im Öffentlichen Recht sind alle Regelungen zwischen Staat und Bürger:innen festgeschrieben. Das ist zum Beispiel das Verwaltungsrecht. Dazu gehören auch die Grundrechte. Um das Grundstudium abzuschließen, legen die Studierenden eine Zwischenprüfung ab.
Darauf folgt das Hauptstudium, das einerseits dazu dient, das Wissen aus dem Grundstudium zu vertiefen. Andererseits wählen die Student:innen Schwerpunktfächer und spezialisieren sich so. Je nach Uni gibt es unterschiedliche Möglichkeiten zur Spezialisierung. Während des Hauptstudiums machen Studierende außerdem Praktika. Das Hauptstudium endet mit dem ersten juristischen Staatsexamen.
Nach dem ersten Staatsexamen dürfen sich die Absolvent:innen Juristin oder Jurist nennen. Um sich als Volljurist:in zu qualifizieren, treten sie ein Rechtsreferendariat an. Als Referendar:innen arbeiten sie auf verschiedenen Positionen, um praktische Erfahrung zu sammeln. Mit dem Ende des Referendariats schreiben sie das zweite Staatsexamen und beenden so ihre Ausbildung. Im Gegensatz zum ersten Staatsexamen gibt es in einigen Bundesländern im zweiten Staatsexamen keinen selbstgewählten Schwerpunktbereich. Auch die Zahl der Klausuren ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich: Sie schwankt je nach Ort zwischen sieben und neun Klausuren. In fast allen Bundesländern gehört ein zehnminütiger Aktenvortrag zur mündlichen Prüfung. Für den Vortrag haben die Studierenden in der Regel eine Stunde Zeit, sich vorzubereiten.
Für alle Studiengänge gibt es eine Regelstudienzeit, die festlegt, wie lange die Student:innen bis zu ihrem Abschluss brauchen. Dies basiert auf dem Arbeitsaufwand, den die Studierenden im Studium haben.
Die Regelstudienzeit für Jura variiert beim Bachelor und Master je nach Universität. Meist liegt sie aber bei zehn Semestern. Sechs Semester dauert der Bachelor. Der Master nimmt anschließend normalerweise vier Semester in Anspruch.
Examensstudiengänge sind anders aufgeteilt. Die ersten vier Semester gehören in der Regel zum Grundstudium, darauf folgen oft sechs Semester Hauptstudium. Je Nach Universität kann es hierbei jedoch leichte Abweichungen geben.
Allerdings nehmen sich viele Student:innen ein bis zwei Semester Zeit, um das erste Staatsexamen vorzubereiten. In dieser Zeit absolvieren sie ein sogenanntes Repetitorium. Darin wiederholt am alle Inhalte, die man im Studium bereits einmal gelernt hat. Die durchschnittliche Studienzeit liegt deshalb bei elf Semestern, also bei etwa fünfeinhalb Jahren. Auch für das zweite Staatsexamen nutzen viele Jurastudent:innen ein Semester für die Vorbereitung. Weitere Prüfungsanläufe wegen einer nicht bestandenen Prüfung verlängern das Studium zusätzlich.
In Deutschland gibt es viele Unis, die einen Jurastudiengang anbieten. Hochschulrankings können helfen, das große Angebot zu überschauen. Das CHE Hochschulranking ist eines der bekanntesten Rankings. Es ermöglicht einen fachbezogenen Vergleich zwischen Universitäten. So können Bewerber:innen erkennen, welche juristische Fakultät am besten abschneidet.
Allerdings sollten Bewerber:innen darauf achten, welche Bewertungskriterien herangezogen werden. Diese können sie damit abgleichen, was ihnen an einer Uni oder Hochschule besonders wichtig ist. Erst durch das Verständnis der Methodik ist es möglich, das Ergebnis richtig zu interpretieren.
Neben Rankings sind die Schwerpunktbereiche der Universitäten ein entscheidender Faktor bei der Auswahl. Denn die juristischen Fakultäten bieten selten exakt dieselben Möglichkeiten der Vertiefung an. Um die Auswahl zu erleichtern, hat die Anwaltsblatt-Redaktion die wichtigsten Unis und deren Schwerpunkte zusammengefasst.
https://www.youtube.com/watch?v=4KRr7-IY7Zo
Überarbeitungsstand: 07.03.2025
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