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In wirtschaftlich ausgerichteten Kanzleien gehören Groß- oder standardisierte Mandate zum täglichen Geschäft. Damit solche Fälle gut laufen, sollten die anwaltlichen Arbeitsprozesse effizient sein. Doch wer gewährleistet das eigentlich? Hier kommen Teamleitung und Projektmanager:innen ins Spiel: Positionen, die neben der juristischen Expertise auch einen teamübergreifenden Überblick und zwischenmenschliches Feingefühl erfordern.
„Ich habe das aktuelle Arbeitspensum meiner Teammitglieder im Kopf und weiß, wem welche Arbeit besonders gut liegt“, sagt Mira Dorn, Leiterin eines jungen sechsköpfigen Teams aus Wirtschafts-, Diplom- und Volljurist:innen der Kanzlei CMS Hasche Sigle. Fristenmanagement, Arbeitsverteilung bei Schriftsatzeingängen und Koordinierung von Gerichtsterminen gehören zu ihrer täglichen Arbeit in wirtschaftlichen Massenverfahren. „Es fallen aber auch jeden Tag Dinge an, mit denen man nicht gerechnet hat“, so die Wirtschaftsjuristin. Dann muss sie schnell reagieren. Etwa wenn die Einwahldaten für die virtuelle Gerichtsverhandlung nicht funktionieren oder binnen weniger Stunden eine Schriftsatzerwiderung organisiert werden muss. Ebenso wenn zwischenmenschliche Fragen für eine harmonische Zusammenarbeit zu klären sind.
„Ich habe den Anspruch an mich, dass mein Team sich wohl und fachlich gut aufgehoben fühlt“, sagt Dorn. Bevor sie die Teamleitung übernahm, hat sie, wie ihre Teammitglieder selbst, Schriftsätze erstellt und die jeweiligen Verfahren bis zum Tag des Prozesses begleitet – nur die Vertretung in der mündlichen Verhandlung konnte sie ohne Anwaltszulassung nicht wahrnehmen. „Meine Erfahrung hilft mir, Bearbeitungszeiten realistisch einzuschätzen und zu planen.“
Dorns juristischen Fähigkeiten sind auch weiter gefragt: Ergeht ein neues EuGH-Urteil ist sie für ihr Team die Ansprechpartnerin. Sie gibt dann vor, wie der Schriftsatzvortrag künftig angepasst werden muss. Einheitliche Richtlinien hierfür bespricht sie im standortübergreifenden Call mit den Leiter:innen der anderen Teams.
Dorns Arbeit erfordert einiges Fingerspitzengefühl. Großprojekte wie Dorn sie betreut, haben oft auch politisch motivierte Hintergründe. Durch ihr rechtsvergleichendes Studium hat Dorn ein Gespür für Reibungspunkte. Sie ist sich bewusst, dass das deutsche Recht und die deutsche Arbeitsweise nicht die einzigen sind: „Gerade die unterschiedlichen rechtlichen Perspektiven machen die Zusammenarbeit mit ausländischen Kolleg:innen besonders spannend und lehrreich.“
Ihr Werdegang hat es Dorn ermöglicht, früher in das Berufsleben zu starten, als es die hiesige Volljurist:innenausbildung zulässt. Als junge Wirtschaftsjuristin muss sie sich von Zeit zu Zeit gegenüber Anwält:innen behaupten, die sich überrascht zeigen, dass sie ihre Arbeit „trotzdem“ gut macht. Daher war die Einführung eines Karrieremodells für Wirtschaftsjurist:innen in ihrer Kanzlei ein wichtiges Zeichen für sie: „Die Förderung von konkreten Entwicklungsmöglichkeiten mit festen Karriere- und Gehaltsschritten zeigt Wertschätzung.“
Eine Wertschätzung, die sie auch von ihrem Team erfährt, das sich auf sie verlässt und ihr vertraut – und die sie ebenso erwidert: „Es macht mir Spaß zu sehen, wie wir immer weiter zusammenwachsen, rechtlich komplexe Fragestellungen aufnehmen und lösen. Das macht mich stolz.“
„Die Zusammenarbeit mit dem gesamten Team ist Kernelement meiner Tätigkeit“, sagt Sylwia Luszczek. Sie ist für Legal Operations innerhalb des standortübergreifenden Fonds-Teams der Kanzlei YPOG zuständig: Die Vereinheitlichung von Arbeitsabläufen, Technologieeinsatz und Mandatskommunikation gehören zu den Aufgaben der Legal Project-Managerin.
„Ich habe einen Überblick über die Arbeitsprozesse der jeweiligen Teams, kann gegebenenfalls auf Unterschiede hinweisen und Vorschläge zur Harmonisierung und Optimierung unterbreiten“, so Luszczek. Ihr Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Investoren-Onboarding, ein Prozess, bei dem kleine und große Investor:innen verbindliche Investitionsangebote für einen der von Luszczeks Kanzlei vertretenen Fonds abgeben. „Wir sind eine junge Kanzlei, noch nicht alle Prozesse sind festgelegt“, sagt die Legal Project-Managerin, „hier kann ich Initiative zeigen.“
Inhaltlich übernimmt sie im Prozess die Prüfungen der Investor:innen nach Investmentrecht der Einhaltung der Vorschriften zur Geldwäscheprävention (Anti-Money- Laundering-Prüfung) sowie steuerrechtlicher Vorgaben: „Die Investoren kommen aus der ganzen Welt, je nach Herkunftsland und Rechtsform des Investors kann sich der Nachweis der Zeichnungsberechtigung komplex gestalten.“ Die Prüfung erfolgt in enger Abstimmung mit den Anwält: innen der Kanzlei, denen die darüber hinausgehende Rechtsberatung und Vertragsprüfung vorbehalten sind.
„Meine Arbeit ist sehr dynamisch“, sagt Luszczek, „ich bin immer im direkten Austausch mit den anwaltlichen Kollegen, den Inverstoren, unseren Mandanten und deren Geldwäschebeauftragten.“ Die Kommunikation erfolgt per E-Mail, Telefon oder Onlinekonferenz, mal auf Deutsch, meist auf Englisch. Der direkte Kontakt reizt sie: „Es ist keine Backoffice-Tätigkeit. Ich bin mit dafür verantwortlich, den Mandanten und Investoren komplexe Rechtsprobleme und Prozesse verständlich zu erläutern.“
Eine Besonderheit bei der Mandatsbearbeitung in ihrer Kanzlei liegt im Einsatz einer modernen Legal Tech-Plattform, über die die Mandant:innen und Investor: innen relevante Informationen übermitteln und die Kapitalsammlung transparent einsehen können. Auch hier vergleicht Luszczek den Softwareeinsatz in den verschiedenen Teams: „Bei Anpassungsbedarf unterstütze ich bei der internen Erarbeitung von harmonisierten Lösungen und entsprechenden Leitfäden.“
Dass ihre Tätigkeit von ihren anwaltlichen Kolleg:innen als Bereicherung und Entlastung wahrgenommen wird, motiviert Luszczek: „Ich kann frei denken und werde nach meinen Ideen gefragt.“
Die beiden Juristinnen haben ihren Platz in der jeweiligen Kanzlei gefunden. Dort, wo ihre Abweichung von der klassischen Jurist:innen Laufbahn nicht als Minus gesehen, sondern als zusätzliches Potential erkannt wird.
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