Rhetorisches Spektakel: Das Jura-Slam-Finale 2025 in Berlin

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© Andreas Burkhardt Personen (von links nach rechts): Allan Böhner, Julia Pröhl, Alisa Kludssuweit, Clemens Voth, Timo Wunderlich, Dr. Dietmar Kurze, Svenja Kantelhardt, Silvia C. Groppler, Alina Habert, Esma Özoglu, Catharina Rabenschlag, Elina Matthes, Marcel Neuhaus, Helmut Linke, Jasmin Bauer, Furkan Akgün
Am 18. November fand das alljährliche Jura-Slam-Finale des DAV zum nun neunten Mal statt. Das Finale wurde traditionell im SO36 in Berlin-Kreuzberg ausgetragen und bot ein Programm, das kaum abwechslungsreicher hätte sein können. Die Palette der Beiträge reichte dabei von Deutschrap über Comedy bis hin zu Politik.

Von Greifswald bis nach Freiburg: Jura-Slammer:innen aus ganz Deutschland

Die verschiedenen Slammer:innen reisten aus jeder Ecke der Bundesrepublik nach Berlin. Das Publikum erwartete damit ein vielfältiges Line-up. Eine Erwartung, die sich auf der Bühne eindrucksvoll bestätigte. Der Abend wurde, wie auch schon im Vorjahr, mit viel Witz und Begeisterung durch Alina Habert von den „Kiezpoeten“ moderiert.

Slammerfilet, Harvey Specter und die vier Auslegungscanones?

Die vorgetragenen Jura-Slams hätten nicht unterschiedlicher sein können. Timo von der Universität Bielefeld reimte dabei in langen Ketten, gespickt mit einer Portion Wortspiele über sein „Slammerfilet für Feinschmecker.“ Der Einstieg in den Abend war damit gelungen und die Stimmung im SO36 ausgelassen. Auch Furkan als Repräsentant für Berlin wusste in seinem schonungslos authentischen Deutschrap über Vorstellungen nach dem zweiten Staatsexamen, sowie hochnäsige Jurastudenten, zu begeistern. Dagegen ließ es Marcel etwas humorvoller angehen und spottete scherzhaft über die vier Auslegungscanones. Womit er den Saal zum Lachen brachte.

Anklage gegen das Jurastudium“ – ernste Töne auf der Slam-Bühne

Der Abend kannte auch nachdenkliche Momente. Elina aus Leipzig präsentierte ihre Anklageschrift gegen das Jurastudium.

Jasmin aus Freiburg klagte dagegen bewegend über den Druck der juristischen Ausbildung und die damit verbundenen Folgen. Sie erzählte offen von Gesprächen mit ihrer Mutter über das Examen, vom Schicksal eines Kommilitonen und davon wie sehr das Jurastudium den Alltag teilweise beherrscht.

Am Ende kamen Elina und Jasmin in ihren Monologen darauf zurück, dass sie dennoch auch emotional mit dem Studium verbunden sind und auch viel Freude am Studium haben.

„Wer schützt eigentlich die Schwächeren?“

Es blieb vorerst bei ernsteren Tönen. Esma aus Bocholt berichtete dabei über ihre Erfahrung aus dem ersten Semester, über einen Fall des Bundesverfassungsgerichts. In diesem legitimiert das Bundesverfassungsgericht ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen an Schulen. Esma legt dabei den Widerspruch offen, dass ein Kreuz aus Holz im Klassenzimmer zur Schau gestellt werden darf, eine Lehrerin aber kein Kopftuch tragen dürfe. Am Ende appelliert sie dabei an alle Zuhörer im Saal, dass es bei Jura nicht nur um Paragraphen und das „Recht auf Papier" geht, sondern um das reelle Leben und die Frage „Wer schützt eigentlich die Schwächeren?“. Auch dieser Beitrag wusste zu begeistern, aber auch noch mehr zum Nachdenken anzuregen.

Vom Examenskandidaten auf Koks zum größten Drogendealer Hamburgs?

Svenja aus Hamburg hatte direkt zwei Texte im Angebot, um das Publikum zu unterhalten. In ihrem ersten Beitrag schilderte sie einen klassischen Bib-Tag mit ihrem Kommilitonen David, der auf Koks ist. David stört sie bereits den ganzen Tag und als dieser sein Bein zu weit in ihren Bereich streckt, schneidet sie ihm kurzerhand das Bein ab – gerechtfertigt durch das BGB.

Im nachfolgenden Text befindet sie sich während ihres Referendariats bei einer Hausdurchsuchung der Polizei beim größten Drogendealer in ganz Hamburg. Schlecht geschützt durch eine viel zu kleine kugelsichere Weste, stürmt sie mit der Polizei das Haus und trifft auf David. Ohne zweites Bein rutschte er gezwungenermaßen auf die schiefe Bahn. Svenja unterhielt mit einer Menge Witz und Humor. Der Saal brach mehrfach in Gelächter aus und Svenja überzeugte auf voller Linie.

Das Finale: Wer entscheidet den Jura-Slam 2025 für sich?

Auch wenn jeder Slam voll und ganz überzeugen konnte, musste doch eine Gewinnerin oder Gewinner gekrönt werden. Wer durfte das Preisgeld von 1.000 € mit Nachhause nehmen?

Als Bewertungsmaßstab wurde die Lautstärke des jeweiligen Applauses bei Namensaufruf zur Hand genommen. Dabei wurde es ganz schön laut. Besonders knapp war es an der Spitze, sodass ein Stechen zwischen Svenja, Esma und Elina entscheiden sollte. Letztendlich konnte Svenja am meisten überzeugen, ihr Applaus war dabei der lauteste. Im Anschluss wurde das Preisgeld sowie Urkunden überreicht. Der Abend klang dann standesgemäß bei Getränken und guten Gesprächen aus.

Poetry Slam 2026 - Der Countdown läuft!

Nach diesem spektakulären Abend ist nur eines sicher: Der DAV Jura-Slam 2026 wird mindestens genauso begeistern. Deshalb freut euch schon auf das nächste Finale am 17. November 2026. Du hast selbst das Gefühl, deine Gedanken und Worte müssen auf die Bühne? Dann ist der Jura-Poetry Slam 2026 genau der Ort für dich. Mach ganz einfach bei einem Vorentscheid in deiner Umgebung mit oder veranstalte ganz einfach einen selbst. Wer sich noch unsicher ist kann sich auf unserem Instagram Kanal ein Interview mit Svenja anschauen.

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Kurt Wippel