Jura: Im Examen durchgefallen – was nun?

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Im Jura-Examen durchgefallen? Kein Weltuntergang! Wir verraten euch, welche Möglichkeiten und Alternativen ihr jetzt habt.
Beim Examen in Jura durchzufallen erscheint wie das Ende der Welt – Doch das ist es nicht! Wie es danach für euch weitergehen kann und welche Möglichkeiten ihr jetzt habt, erfahrt ihr hier!

Alle Jurastudierenden wissen es: Der Weg zum Staatsexamen ist lang und steinig. Die monatelange, intensive Vorbereitung erweist sich oft als kräftezehrend und stressig. Leistungs- und Notendruck sind enorm. Schon früh im Studium, spätestens aber im Repetitorium hört man dann auch davon, dass bei jeder Kampagne, also Prüfungsrunde, bis zu 33 Prozent der Prüflinge durchfallen. Aber wer würde diese Möglichkeit nicht am liebsten erst einmal weit von sich weisen? Ich! Ich werde nicht zu diesem unglücklichen Drittel gehören, denn ich werde bestehen… Es ist eine beängstigende Vorstellung, nach über vier Jahren Studium schließlich ohne Abschluss dazustehen und im juristischen Examen durchzufallen. Nichtsdestotrotz für etwa einen von Dreien wird diese reine Vorstellung bittere Realität. Doch was ist eigentlich dran an der Behauptung, wer beim Staatsexamen durchfällt stehe vor dem Nichts? Wie geht es eigentlich weiter, wenn das Unvorstellbare eingetreten ist?

 

Prüfung im Examen nicht bestanden: Schock, Panik, Enttäuschung, Reflexion

Ob ihr den schriftlichen Teil des Staatexamens bestanden habt, erkennt ihr meist schon an der Form des Umschlags, in dem die ersehnten und zugleich gefürchteten Ergebnisse des Jura-Examens verschickt werden. Denn wer hier durchgefallen ist, bekommt vom Prüfungsamt seine eingereichten Unterlagen zurückgesandt und muss sich zur mündlichen Prüfung gar nicht mehr vorstellen. Häufig sind die Prüfungsergebnisse am Stichtag aber auch online abrufbar. Überlegt euch, ob ihr bei dieser Gelegenheit lieber für euch alleine sein möchtet, oder ob ihr euch jemanden zur seelischen Unterstützung an eurer Seite wünscht. Denn eines ist klar: Zu erfahren, dass man nach jahrelangem, intensivem Lernen im Jurastudium und einer kräftezehrenden Klausurphase nicht bestanden hat, ist ein riesiger Schock!

Die Nachricht, beim Staatsexamen durchgefallen zu sein, will verarbeitet werden. Nehmt euch deswegen ruhig ein wenig Zeit für euch selbst. Enttäuschung, Wut oder sogar Verzweiflung zu empfinden, ist in dieser Situation ganz normal. Viele Kandidat*innen fühlen sich überfordert, weil sie für einen solchen Fall nicht geplant haben. Auch wenn alle negativen Gefühle natürlich erlaubt sind, solltet ihr euch jedoch auch vor Augen führen, dass ein Misserfolg kein Weltuntergang ist und schon gar nicht bedeutet, dass ihr ein schlechter Jurist oder eine schlechte Juristin seid! Das juristische Staatsexamen ist sehr anspruchsvoll und so konzipiert, dass nur wenige Spezialfähigkeiten innerhalb eines extrem knapp bemessenen Zeitraums abgefragt werden. Nicht umsonst existiert im Staatsexamen eine Durchfallquote von bis zu 30%.

Ihr seid damit nicht alleine. Es kann außerdem die unterschiedlichsten Gründe dafür geben, dass es dieses Mal nicht geklappt hat. Viel mehr als eure juristischen Fähigkeiten, fallen Glück, Tagesform und das Wohlwollen deiner Korrekturperson ins Gewicht. Manche Expert*innen gehen so weit zu behaupten, ob man das erste Staatsexamen bestehe, hänge zu bis zu 60% von anderen Umständen, als dem eigenen Wissensstand ab. Also Kopf hoch! Der erste Prüfungsversuch war eine Enttäuschung, aber beim nächsten Mal kann es durchaus ganz anders laufen.

 

Das Juraexamen nicht bestanden: Diese Alternativen gibt es

Sobald ihr diese böse Überraschung einigermaßen verdaut habt, ist es an der Zeit, euch aufzuraffen und zu überlegen, wie es jetzt weitergeht. Denn auch wenn ihr glaubt, vor dem Nichts zu stehen, habt ihr jetzt eine Vielzahl an Möglichkeiten:

 

Einen neuen Karriereweg einschlagen?

Auch wenn es sich nach Aufgeben anhört, du solltest dir anschauen, welche Chancen du außerhalb des Volljurist*innen-Daseins noch hast. Denn ist das Juraexamen nicht bestanden, so tun sich dennoch einige Alternativen auf. Die Examensvorbereitung ist lang und kräftezehrend. Sich hier ein zweites Mal durchzukämpfen kann für diejenigen abschreckend wirken, die ihre berufliche Zukunft sowieso nicht unbedingt in den klassischen juristischen Berufen sehen. Sich seinen eigenen Weg zu suchen, heißt nicht, dass man aufgibt, auch wenn dieser Weg nicht zum Staatsexamen führt. Egal wie es für euch weitergeht, ihr habt für euren ersten Examensversuch mit Sicherheit viel gelernt und wichtige Erfahrungen für die Zukunft gesammelt. Ihr könnt stolz auf euch sein, egal ob bestanden oder nicht.

Doch natürlich müsst ihr euch nicht gänzlich von der Juristerei abwenden. Habt ihr zum Beispiel schon einmal vom Bachelor of Laws gehört? An vielen Universitäten ist es mittlerweile möglich, einen Bachelorabschluss in Jura zu machen. Manchmal als endgültiges Studienziel, oft aber auch als Station auf dem Weg zum juristischen Staatsexamen. Dabei werden euch viele Kurse aus eurem vorherigen Studium angerechnet, sodass sich eure weitere Studienzeit verkürzt. Und wenn ihr den Bachelor of Laws erst einmal in der Tasche habt, stehen euch viele Master-Studiengänge offen, auch in nicht-juristischen Bereichen. Natürlich könnt ihr dann auch noch einen zweiten Anlauf für das Staatsexamen machen. Viele Kandidat*innen können den nächsten Versuch entspannter angehen, wenn sie bereits einen Hochschulabschluss sicher haben. Darüber hinaus habt ihr viele weitere berufliche Optionen nach dem Bachelor of Laws.

 

Wo studiert man den Bachelor of Laws?

Dies sind nur einige Städte, in denen du Jura als Bachelorstudiengang studieren kannst:

  • Berlin
  • Potsdam
  • Göttingen
  • Hamburg
  • Erfurt
  • Köln
  • Tübingen
  • Wiesbaden
  • Münster
  • Bonn
  • Frankfurt (Oder)
  • Bayreuth

 

Jura im Ausland studieren

Wenn euch Jura am Herzen liegt, ihr aber trotzdem keine Lust habt, die Strapazen des Examens noch einmal auf euch zu nehmen, könnt ihr es auch mit einem Studium im Ausland versuchen. In Österreich und der Schweiz gibt es deutschsprachige juristische Studiengänge, deren Abschlüsse euch auch hierzulande als fähige Jurist*innen ausweisen. Zwar bleibt euch auch hier die Tür zum Richteramt versperrt, in der Wirtschaft oder in beratenden Berufen, könnt ihr jedoch durchaus Fuß fassen. Der Vorteil dieser Variante liegt häufig im Studienaufbau. In Linz etwa, könnt ihr Jura als Diplomstudiengang studieren, was es euch ermöglicht, die anstrengenden Abschlussprüfungen über mehrere Semester zu staffeln. Ihr müsst also nicht alles auf einmal bewältigen.

Wenn euch ein Umzug nach Österreich oder in die Schweiz nicht zusagt, könnt ihr euch auch nach Fernstudiengängen umsehen. Der Nachteil an diesem Werdegang ist natürlich, dass noch einmal drei bis vier Jahre Studium auf euch warten. Außerdem sind ausländische Jura-Studiengänge oft mit zusätzlichen Kosten verbunden.

Wenn ihr aber einen Narren an den Rechtswissenschaften gefressen habt, lohnt es sich durchaus, sich noch einmal über die Möglichkeiten zu informieren, im Ausland Jura zu studieren.

 

Der zweite Examsversuch im Jurastudium

Bei all den Möglichkeiten, solltet ihr trotzdem nicht vergessen, dass euch noch ein weiterer Versuch für das erfolgreiche Bestehen des Staatsexamens bleibt. Dass es beim ersten Mal nicht geklappt hat, heißt nicht, dass ihr es jetzt nicht doch noch schaffen könnt. Immerhin seid ihr jetzt sowohl mit dem Ablauf als auch mit den Anforderungen bereits vertraut. So könnt ihr viel entspannter in die zweite Runde gehen.

Wenn ihr euch für einen zweiten Examensversuch entscheidet, solltet ihr noch einmal ein halbes, besser aber noch ein Jahr Vorbereitungszeit für den nächsten Anlauf einplanen. Ein Tipp: Entscheidet euch sofort, wann ihr das nächste Mal starten wollt und markiert euch die Frist für die Anmeldung zur Examensprüfung rot im Kalender. Dadurch festigt ihr euren Entschluss und arbeitet ab jetzt auf ein absehbares Ziel hin. Aber Achtung: Auch wenn es erst in einem Jahr soweit ist, jetzt ist keineswegs die Zeit für Entspannung. Ihr habt euch fürs Kämpfen entschieden und ihr habt viel zu tun!

 

Schritt 1: Fehleranalyse: Was lief beim ersten Examensversuch falsch?

Als Erstes solltet ihr euch mit dem Prüfungsamt in Verbindung setzen, damit ihr einen Termin zur Einsichtnahme in eure Klausuren bekommt. Die Anmerkungen eurer Korrekturperson sind der erste Schritt zu einer umfassenden Analyse eures ersten Examensversuchs. Findet heraus, ob ihr von euren Klausuren Fotos oder Kopien machen dürft. So könnt ihr euch ganz in Ruhe zu Hause damit auseinandersetzen.

Auch wenn es sicher nicht einfach ist, sich seine eigenen Fehler vor Augen zu führen, solltet ihr die Chance nutzen und ganz genau schauen, wo bei der ersten Runde eure Probleme lagen. Wurde ein Thema abgefragt, das ihr nicht ausreichend vorbereitet hattet? Lag es an mangelndem Zeitmanagement und fehlender Schwerpunktsetzung? Oder hat die Aufregung und Nervosität verhindert, dass ihr euch richtig konzentrieren konntet?

Nur wer ehrlich zu sich selbst ist und seine eigenen Schwächen aufdeckt, kann es beim nächsten Mal besser machen. Tipp: Wenn es euch schwerfällt, selbst ein objektives Urteil zu fällen, könnt ihr auch eure Kommilitoninnen und Kommilitonen um ihre Meinung bitten. Vielleicht haben sie einen ganz anderen Blick auf eure Arbeit als ihr selbst.

 

Schritt 2: Der Schlachtplan für den zweiten Versuch

Nachdem ihr euch mit euren Klausuren auseinandergesetzt habt, solltet ihr eine ungefähre Vorstellung davon haben, wo ihr ansetzen müsst, um eure Chancen für den zweiten Examensersuch zu verbessern. Erarbeitet jetzt eure nächsten Schritte, indem ihr zum Beispiel einen Lernplan erstellt.

Es lohnt sich außerdem immer auch an eurer Lerntechnik zu feilen. Überdenkt eure bisherige Taktik, denn gegebenenfalls könnt ihr sie noch verbessern. Habt ihr etwa vor dem ersten Examensversuch wirklich genug Übungsklausuren geschrieben? Vielleicht müsst ihr dieses Mal mehr Zeit dafür einplanen. Ihr könnt euch auch überlegen, ob ihr euch eine Lerngruppe zur Examensvorbereitung suchen möchtet. Eine solche Gruppe hilft nicht nur bei der Wiederholung des juristischen Stoffes, sondern auch dabei, die Motivation und den Spaß am Lernen nicht zu verlieren.

Wenn ihr euch zusätzlich zur Lerngruppe noch professionelle Unterstützung wünscht, könnt ihr euch über Crashkurse oder Einzelrepetitorien informieren. Für beides gibt es viele kommerzielle Anbieter, aber auch die meisten Fakultäten bieten immer wieder Jura-Crashkurse zu einzelnen Rechtsgebieten an. Ihr seid also keineswegs auf euch allein gestellt. Denkt immer daran, dass euch auch eure Verwandten, Freund*innen und Kommilitoninnen und Kommilitonen bei den Vorbereitungen unterstützen können, sowohl inhaltlich als auch seelisch. Es kommt ein weiteres anstrengendes Jahr auf euch zu, aber euer Traum, Volljuristin oder Volljurist zu werden, ist es wert, dafür zu kämpfen. Wichtig ist, dass ihr jetzt nicht den Mut und das Vertrauen in eure juristischen Fähigkeiten verliert. Auch wenn es ihr das Juraexamen im ersten Versuch nicht bestanden habt, so könnt ihr es immer noch schaffen!

 

... und was, wenn auch der zweite Versuch daneben geht?

 

Ihr habt das Jura-Examen endgültig nicht bestanden?

Trotz aller Bemühungen kann es passieren, dass auch der zweite Versuch das Jurastudium mit einem erfolgreichen Staatsexamen abzuschließen, schiefläuft und ihr nun endgültig durchgefallen seid. Das ist dann zwar ein trauriges Ende eurer Bemühungen Volljuristin oder Volljurist zu werden, aber lange kein Weltuntergang. Ihr solltet euch zu eurem Kampfgeist gratulieren, denn immerhin habt ihr bis zum Ende nicht aufgegeben. Diese Eigenschaft wird euch sicher auch in eurer zukünftigen Laufbahn von Nutzen sein. Denn es gibt durchaus erfreuliche Perspektiven für euren Werdegang.

Trotz des versemmelten Examens müsst ihr der Juristerei nicht den Rücken kehren. Eine Ausbildung zum Rechtspfleger oder zur Rechtsanwaltsfachangestellten kommt in Frage. Oder ihr wendet euch einem Beruf zu, in dem euch eure während des Jurastudiums errungenen Fähigkeiten zugutekommen. Immerhin habt ihr hier gelernt, euch hervorragend auszudrücken, zu argumentieren und verschiedene Positionen zu vertreten. Ihr wisst wie unser Rechtsstaat aufgebaut ist und kennt euch mit wissenschaftlichem Arbeiten aus. Diese Fähigkeiten bleiben, egal ob ihr einen Abschluss habt oder nicht und sie sind gute Voraussetzungen für ein weiteres Studium oder eine Ausbildung. Vertraut darauf, dass ihr euren Weg finden werdet!

Das Staatsexamen nicht zu bestehen, ist natürlich ein großer Schock und kann auch eine herbe Enttäuschung sein. Doch das Ende bedeutet es nicht. Auch für eine oder einen durchgefallenen Jurastudentin oder Jurastudenten geht das Leben weiter. Ob mit Jura oder ohne. Gelernt fürs Leben hat man in den Jahren auf jeden Fall. Für einen Fehlversuch oder das Durchfallen beim juristischen Staatsexamen gibt es viele Gründe, dass man ein hoffnungsloser Versager ist, gehört aber nicht dazu.

Dieser Artikel erschien zuerst am 04.06.2020.

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Denise Dahmen
Die Autorin war Volontärin in der Anwaltsblatt-Redaktion und Mitglied der Redaktion von katzenkönig, dem Magazin des DAV für Studierende und Referendare.
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