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Die Konferenz der Justizminister:innen ist ein Gremium, bei dem sich die Justizminister:innen und Senator:innen der Länder gemeinsam über aktuelle justiz- und rechtspolitische Themen austauschen. Neben den Anliegen der Justiz soll dabei auch der Rechtsstaat im Fokus stehen.
Dazu gehört auch die Zukunft der juristischen Ausbildung, schließlich ist sie von enormer Bedeutung für die Justiz und den Rechtsstaat von Morgen.
Die juristische Ausbildung steht seit langer Zeit in der Kritik. Veraltete Strukturen, mangelnde Digitalisierung, enorme Mengen an Prüfungsstoff, mentaler Druck und viele weitere Gründe werden angeführt.
Dabei ist die Qualität der juristischen Ausbildung von großer Bedeutung: Die Zukunft des Rechtsstaats ist auf qualifizierte Jurist:innen angewiesen, die nicht allein fachliche Kompetenzen mitbringen, sondern denen auch die Bedrohung des Rechtsstaats bewusst ist und die dies nicht ignorieren. Gleichzeitig denkt ein Großteil der Rechtsreferendar:innen darüber nach, das Referendariat aufgrund des enormen mentalen Drucks abzubrechen.[1] Es droht also ein Verlust vieler qualifizierter Jurist:innen.
Im Rahmen der JuMiKo wurde der Bericht des Ausschusses der JuMiKo zur Koordinierung der Juristenausbildung mit dem Titel „Juristin und Jurist der Zukunft“ vorgestellt.[2] Der Bericht untersucht die Attraktivität der juristischen Ausbildung, zukünftige Kompetenzanforderungen sowie zentrale Herausforderungen der juristischen Ausbildung, wie die Digitalisierung. Grundlage für den Bericht bilden Befragungen von Studierenden, Lehrenden und Berufsträger:innen. Dabei herausgekommen sind mehrere Handlungsempfehlungen.
Unter anderem empfiehlt der Ausschuss, die Anforderungen an die Zwischenprüfung anzuheben, um dadurch schon zu Beginn des Studiums stärker zu selektieren. Studierende sollen dadurch möglichst früh erkennen, ob sie für das Jurastudium geeignet sind.
Grundsätzlich ist es sicherlich gut, wenn man früh erkennt, ob das Studium für einen selbst das Richtige ist oder nicht. So kann man sich einiges an Stress ersparen und hat genügend Zeit, um den richtigen Weg für einen selbst zu finden. Gleichzeitig ist eine verpatzte Klausur noch längst kein Urteil darüber, dass man eine schlechte Juristin/ein schlechter Jurist ist. In der Praxis bedeutet der Vorschlag des Ausschusses jedoch: Mehr Stress in den Prüfungsphasen und höherer Leistungsdruck. Eigentlich genau das, was versucht wird zu lindern. Anstatt den Leistungsdruck weiter zu forcieren, könnten die Universitäten verstärkt auf Beratungsangebote setzen, um den Student:innen dabei zu helfen, ihren Weg zu gehen. Dabei könnten bereits existierende Beratungsangebote bekannter gemacht werden. Das ist auch mit Blick auf das Referendariat ein wichtiges Thema, denn hier sind existierende Beratungsangebote weitestgehend unbekannt.[3]
Ein zweiter Vorschlag des Ausschusses ist die Steigerung der Resilienz der Studierenden. So haben vor allem die lehrenden Personen, die von der Kommission befragt wurden, ausgesagt, dass das „Durchhaltevermögen“ der Studierenden gesunken sei.
Jedoch könnte man auch die Frage stellen, ob eine Werteverschiebung über die Generationen hinweg hin zu dem Anspruch nach mehr Work-Life-Balance, die zunehmenden Forderungen nach einer Reformierung des Jurastudiums begründen könnte und nicht das mangelnde Durchhaltevermögen.
Positiv hervorzuheben ist, dass sich der Ausschuss dafür ausspricht, die Lehrenden an Universitäten für psychischen Stress zu sensibilisieren. Zu diesem Punkt gibt es jedoch keine konkreten Vorschläge bezüglich der Umsetzung. Auch wenn die Universitäten am Ende selbst entscheiden können, ob und wie sie dies umsetzen, so wäre eine Auseinandersetzung mit konkreten Vorschlägen durch die JuMiKo sicherlich ein bedeutender Schritt.
Vermisst werden jedoch zum Beispiel Vorschläge zur Verbesserung der bestehenden Notenunterschiede zwischen Männern und Frauen im 1. Staatsexamen.[4]
Im Beschluss zur Zukunft der volljuristischen Ausbildung sprechen sich die Justizminister:innen dafür aus, dass der Bericht des Ausschusses bereits „eine sachgerechte Grundlage für eine sinnvolle Weiterentwicklung der Juristenausbildung“[5] darstelle. Dabei begrüßen sie eine Umsetzung der Empfehlungen durch die Länder und die Universitäten. Auch wenn die Vorschläge nicht falsch sind, so schleicht sich der Eindruck ein, dass Aspekte wie die Sensibilisierung für psychischen Leistungsdruck und die Steigerung der Resilienz am Ende nur eine Symptombekämpfung sind.
Es braucht jedoch eine echte Reform der juristischen Ausbildung, wenn man die Ursachen bekämpfen möchte und sich die Lage der Studierenden wirklich verbessern soll.
Wie Dr. Sylvia Ruge, Hauptgeschäftsführerin des DAV, auf dem Deutschen Anwaltstag 2026 sagte: Wichtig wäre es zum Beispiel den Prüfungsstoff zu reduzieren, anstatt ihn stetig zu erweitern. Dadurch könnte man eine der vielen Ursachen für den Leistungsdruck und den Stress im Studium bekämpfen und gleichzeitig zeigen, worum es auch später im Beruf geht. Es geht nämlich nicht darum, die meisten Meinungsstreite und Prüfungsschemata auswendig zu kennen, sondern das Gesetz methodisch sauber auf neue Fälle anzuwenden.
Wie genau die Zukunft der juristischen Ausbildung aussehen wird, ist noch ungewiss, doch dass das Interesse an diesem Thema aktuell auch medial so groß ist, ist ein gutes Zeichen. Denn auch wenn wir alle am Ende dieses System in der Hoffnung durchlaufen, damit am Ende unsere juristischen Träume und Hoffnungen zu erfüllen, so braucht es auch Menschen, die das System von innen heraus und natürlich auch von außen kritisieren. Durch den gemeinsamen Diskurs können wir hoffentlich Schritt für Schritt etwas verändern. Doch dafür müssen auch Politiker:innen die Lage der angehenden Jurist:innen ernstnehmen .
Weitere Beiträge zur Reformbedürftigkeit des Jurastudiums:
"Future Skills" im Jurastudium
Digital Literacy – Wo die Reform des Jurastudiums stockt
Fußnoten
[1] https://bundesfachschaft.de/psychischer-druck-im-juristischen-vorbereitungsdienst/
[2] https://www.justiz.nrw.de/sites/default/files/imported/files/2024-06/Endfassung-Bericht-Juristin-und-Jurist-der-Zukunft-15_03_2024.pdf
[3] https://jurfuture-dav.de/magazin/mentaler-druck-referendariat/
[4] https://jurfuture-dav.de/magazin/geschlecht-benotung-staatsexamen/
[5] https://www.justiz.nrw.de/sites/default/files/2026-06/TOP%20I.17.pdf
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