Zum Inhalt springen
Der Begriff Interdisziplinarität beschreibt die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen. Im juristischen Bereich sind besonders die Verknüpfung mit den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie den Wirtschaftswissenschaften verbreitet.
Dabei geht es nicht allein um den inhaltlichen, sondern auch um den methodischen Austausch. So bereitet das Jurastudium zum Beispiel kaum auf das empirische Arbeiten vor. In den Politikwissenschaften spielt dies jedoch eine zentrale Rolle. Durch interdisziplinäre Studiengänge kann man somit unterschiedliche wissenschaftliche Herangehensweisen kennenlernen und anwenden.
Ein bedeutender Vorteil vieler interdisziplinären Studiengänge ist der Erwerb eines Bachelorabschlusses. Durch die Einführung des Bachelor of Laws in vielen Bundesländern ist dies jedoch nun auch bei einem klassischen Jurastudium der Fall. Der einzige Unterschied bei einem interdisziplinären Bachelorstudium – man schließt mit einem Bachelor of Arts oder Bachelor of Science ab. Dies ermöglicht breitere Optionen für weiterführende Masterstudiengänge, wie etwa in den Wirtschafts- oder Sozialwissenschaften, die man mit einem Bachelor of Laws (LL.B.) nicht hätte. Man ist somit nicht auf einen juristischen Master oder das Staatsexamen festgelegt und erfährt trotzdem eine juristische Grundausbildung.
Ein interdisziplinärer Studiengang ermöglicht es euch, euren fachlichen Horizont zu erweitern. Ihr vertieft euer Wissen nicht nur im juristischen Bereich, sondern eignet euch zusätzliche Inhalte und Methoden eines weiteren Faches an.
So können etwa empirische Forschungsmethoden aus den Sozialwissenschaften später auch in der empirischen Rechtsforschung Anwendung finden. Gleichzeitig kann auch die juristische Methodik des klar strukturierten Gutachtenstils in anderen Disziplinen beim Angehen von Problemen und ihrer systematischen Lösung hilfreich sein.
Juristische Grundkenntnisse sind zudem in der Politik- oder Wirtschaftswissenschaft immer ein klarer Vorteil, denn auch dort ergeben sich oft juristische Fragen.
Viele Themengebiete – gerade auch in der kritischen Rechtswissenschaft erfordern eine interdisziplinäre Betrachtung. Und genau an dieser Schnittstelle könnt ihr ansetzen. Denn gesellschaftliche Themen, wie etwa soziale Gerechtigkeit, spielen im Jurastudium eine große Rolle.
Interdisziplinäre Studiengänge ermöglichen es euch zudem über den Tellerrand der klassischen juristischen Berufe zu schauen und alternative Berufsfelder zu entdecken - zum Beispiel durch Praktika bei Nichtjurist:innen. Denn oft seid ihr bei der Auswahl der Praktika in interdisziplinären Studiengängen freier als im „klassischen“ Jurastudium- aber das kann je nach Universität variieren.
In vielen interdisziplinären Programmen, wie z.B. in Münster, besteht nach dem Bachelorabschluss die Möglichkeit in das klassische Jurastudium mit Staatsexamen zu wechseln. Das ist besonders für unentschlossene Studienanfänger:innen eine tolle Möglichkeit, die einen druckfreien Studienstart ermöglicht. Zudem kann man sich dann im Verlauf des Bachelors entscheiden, ob man Staatsexamen schreiben und somit den juristischen Berufsweg einschlagen möchte.
Wichtig: Die Entscheidung zwischen zwei Fächern kann im Studienverlauf auch eine Herausforderung darstellen. Insbesondere, wenn man das Gefühl hat, keines der Fächer „vollständig“ zu studieren. Doch oft hilft es, einfach auszuprobieren und dabei auf sich selbst und die eigenen Interessen zu hören.
Ebenfalls gut zu wissen ist, dass man selbst im Fall eines nicht bestandenen Staatsexamens oft noch einen interdisziplinären Bachelor aufnehmen kann. Beispielsweise beim Studiengang Politik und Recht kann man sich in dem Fall den juristischen Teil des Studiums anrechnen lassen, sodass lediglich noch die politikwissenschaftlichen Prüfungsleistungen erbracht werden müssen.
Die Frage, welche Nachteile ein interdisziplinärer Studiengang im Vergleich zum klassischen Jurastudium mit sich bringt, lässt sich nur individuell und abhängig von den eigenen Zielen beantworten. Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Studiendauer: Wer nach dem interdisziplinären Bachelorabschluss noch das Staatsexamen ablegen möchte, muss in der Regel etwa zwei zusätzliche Semester einplanen (die genaue Dauer kann variieren). Wer also das Ziel hat, möglichst schnell das Studium abzuschließen und als Anwält:in zu arbeiten, für den ist das klassische Jurastudium vermutlich der passendere Weg.
Interdisziplinäre Studiengänge sind eine tolle Gelegenheit den eigenen Horizont zu erweitern und juristisches Denken mit anderen Disziplinen zu verknüpfen. Sie eröffnen zudem neue berufliche Perspektiven und zeigen: Der Weg in die juristischen Berufe muss nicht zwingend über das klassische Jurastudium führen.
Insgesamt bieten interdisziplinäre Studiengänge viel Flexibilität und Raum für die individuellen Interessen. Die Studienlandschaft ist sehr breit aufgestellt und wer Interesse an einem interdisziplinären Studiengang hat, wird bei dem Angebot sicherlich etwas finden, was den eigenen Interessen entspricht.
Habt ihr Erfahrungen oder Tipps, die das Jurastudium bereichern? Schreibt uns an: magazin-jurfuture@anwaltverein.de oder bei Instagram.
Die Kategorie bündelt Beiträge zum Thema Ausbildung.
Im Fokus: die vielfältige Praxis als Rechtsanwält:in und wie der Berufseinstieg so läuft.
Die Kategorie bündelt Beiträge, die dir für deinen persönlichen Weg Denkanstöße geben können.
Die Kategorie bündelt Beiträge zur Verfassung des juristischen Kosmos.