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Anspruchsvolle Klausuren, komplexe Fragestellungen, Konkurrenzkampf und konstanter Druck gehören bei vielen Jurastudenten zum Alltag. Das Studium fordert einem viel ab. Welchen Platz haben Freundschaften in einer Welt, der nachgesagt wird voller Einzelkämpfer und Ellenbogen zu sein?
Jura studieren bedeutet für die Meisten sehr viel Arbeit. Häufig vergeht kaum ein Tag an dem man nicht irgendwie mit Jura beschäftigt. Freundschaften können das Studium auf so vielen Ebenen erleichtern und schöner machen. Angefangen damit, dass das Jurastudium in vielen Städten ein unglaublich überfülltes und daher sehr anonymes Studium ist. Ersti-Jahrgänge mit mehreren hundert Leuten sind keine Seltenheit. In dieser Masse an Menschen kann man sich schnell mal sehr verloren fühlen. Freundschaften können dem entgegenwirken. Sie geben Halt und Sicherheit. Auch der Austausch von Erfahrungen kann helfen, mit dem psychischen Druck besser umgehen zu können. Doch nicht nur das, gemeinsame Erfahrung und Austausch verbinden auch und schweißen zusammen. Lerngruppen, in denen man sich schwierige Themen zusammen erarbeitet und Study-Dates in denen man gemeinsam das Lernen romantisiert können motivieren und entlasten. Wichtig ist jedoch auch, gemeinsam Pausen einzulegen, sei es die Essenspause in der Mensa, ein gemütlicher Kaffee nach der Uni, sportliche Pausen, Kino- oder Konzertbesuche.
Das ist ja alles schön und gut soweit aber wie findet man nun gute Freundschaften im Jurastudium?
Nun zu aller Erst natürlich: In der Ersti-Woche! Kaum eine Gelegenheit eignet sich besser, um neue Menschen kennenzulernen. Dort werden verschiedene Aktivitäten unternommen und es gibt meist mehrere Social Events, auf denen man einfach ins Gespräch kommen kann. Das Beste an der Ersti-Woche ist auch, dass meist alle in derselben Situation sind. Jeder würde gerne Menschen kennenlernen, viele sind neu in der Stadt und haben noch gar keine Kontakte. Das macht es deutlich einfacher auf Menschen zuzugehen. Es kostet oft Überwindung zunächst fremde Menschen anzusprechen, jedoch sollte man dort einfach im Kopf haben: So geht es vermutlich allen.
Aber auch wenn die Ersti-Woche schon lange zurückliegt ist das kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken. Neben den überladenen Vorlesungen gibt es meist kleinere Veranstaltungen, wie AGs oder Wahlkurse, in denen man aufgrund der kleinen Gruppengröße einfacher in Kontakt kommen kann.
Wem es schwer fällt, im Uni-Kontext auf Menschen zuzugehen und ins Gespräch zu kommen, der findet möglicherweise in Hochschulgruppen, im Hochschulsport, der Hochschulpolitik oder in studentischen Initiativen und ehrenamtlichen Engagements eine tolle Möglichkeit um mit Gleichgesinnten zusammenzukommen und neue Menschen kennenzulernen. Initiativen wie ELSA oder JurFuture bieten außerdem häufiger Stammtische an, zu denen man einfach dazukommen kann. Dort kommt man meist automatisch und in entspannter Atmosphäre ins Gespräch.
Freundschaften sind eine totale Bereicherung – keine Frage. Gerade im Jurastudium werden sie jedoch auch vor viele Hürden gestellt und bringen Herausforderungen mit sich. Angefangen beim Faktor Zeit: Der Arbeitsaufwand kann gerade in Klausurenphasen sehr hoch sein, sodass kaum Zeit für andere Dinge bleibt. Dadurch können Freundschaften vernachlässigt werden oder Schwierigkeiten entstehen. Auch der starke Druck und Konkurrenzgedanken sind für viele Freundschaften ein belastender Faktor. Daneben können unterschiedliche Ambitionen und Studienpläne zu Konflikten oder dem Verlaufen der Freundschaft führen. Die Abbrecherquote im Jurastudium ist hoch und auch geschobene Klausuren können schnell dazu führen, dass man sich in ganz unterschiedlichen Phasen des Studiums wiederfindet. Hat man anfangs noch jede Vorlesung zusammen bestritten, so kann man nach einigen Semestern schon ziemlich auf sich alleine gestellt sein. Wie so oft im Leben ist hier vor allem eins wichtig: Gute Kommunikation. Bedürfnisse und Schwierigkeiten gut zu kommunizieren ist in langanhaltenden Freundschaften unerlässlich. Wichtig ist auch, bei all dem Druck und der Menge an Stoff die gelernt werden muss: Pausen müssen sowieso sein. Nehmt euch also bewusst Zeit für Freundschaften und unternehmt Dinge ohne schlechtes Gewissen, an diesem Tag nicht zu lernen, denn der Ausgleich ist es, der euch in schwierigen Phasen die nötige Kraft gibt, das enorme Pensum zu bewältigen. Es ist auch wichtig mal nicht über Jura zu sprechen und andere Gemeinsamkeiten zu finden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Freundschaften im Jurastudium eine große Bedeutung haben. Trotz der Herausforderungen, die das Studium mit sich bringt, sind Freundschaften ein unverzichtbares Element, das dazu beiträgt, den Studienalltag zu bereichern. Egal was ihr über Jurastudenten bisher gehört habt, geht offen an die Sache heran und macht euch euer eigenes Bild, es begegnen euch im Studium nicht nur Einzelkämper, sondern auch viele nette, offene und hilfsbereite Menschen. Es ist wichtig, aktiv Zeit in soziale Beziehungen zu investieren und ein Gleichgewicht zwischen dem akademischen und dem persönlichen Leben zu finden. Eine gute und wertschätzende Kommunikation, auch in schwierigen Phasen, ist dabei der Schlüssel zu langen und guten Freundschaften.
Habt ihr Erfahrungen oder Tipps, die das Jurastudium bereichern? Schreibt uns an: magazin-jurfuture@anwaltverein.de oder bei Instagram.
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