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Name: Frankfurt Investment Arbitration Moot Court
Rechtsgebiet: Investment Arbitration (Investitionsschiedsgerichtsbarkeit)
Zeitraum: Januar bis Juni
Sprache: Englisch
Es geht um Schiedsverfahren, genauer gesagt um Investitionsschiedsverfahren. Dabei verklagt in der Regel ein ausländischer Investor einen Staat, weil dieser durch bestimmte Maßnahmen die Investition beeinträchtigt haben soll. Ich fand die Materie sehr interessant, weil das einfach nicht das Gängigste ist. Vor allem im deutschen Jurastudium, bei uns an der Uni lernt man eigentlich gar nichts über Schiedsverfahren. Gerade deshalb fand ich das sehr spannend.
Neben dem normalen Weg vor die staatlichen Gerichte gibt es auch private Verfahren zur Streitbeilegung, das sind dann die Schiedsverfahren. Dort verhandelt man anstelle von staatlichen Gerichten vor Schiedsgerichten. Diese fällen einen Schiedsspruch, der verbindlich und endgültig ist und ausgeführt werden muss. Meistens wird der Weg des Schiedsverfahrens gewählt, weil es schneller geht als vor ordentlichen Gerichten. Ein Schiedsverfahren kann aber nur durchgeführt werden, wenn es eine Schiedsvereinbarung gibt. Diese wird meist im Voraus vereinbart und regelt auch die Schiedsrichterwahl. Oft debattiert man beim Moot Court zum Beispiel darüber, ob die Vereinbarung wirksam ist oder ob man überhaupt vor das Schiedsgericht ziehen kann.
Die Teams bestehen meist aus vier Personen plus Coaches. Gegen Ende des Jahres wird der Fall, also die „Case Study“, veröffentlicht. Darin steht, worum es geht, wer die Parteien sind, welche Probleme zu behandeln sind und welcher Hintergrund besteht. Danach beginnt die intensive Teamarbeit, wir haben uns den Fall untereinander aufgeteilt, jede Person war für bestimmte Problemstellungen verantwortlich. Ab Januar wird es richtig intensiv. Dann beginnt die tiefgehende Arbeit an der Case Study, und man muss sich zunächst viel Wissen selbst aneignen. Wir haben viele Fälle gelesen, recherchiert und dann geübt. Wir haben verschiedene Kanzleien und Institutionen kontaktiert, um sogenannte „Mock Pleadings“ zu machen, also Übungsrunden, in denen wir unsere Argumente vor echten Anwältinnen und Anwälten als Schiedsrichter präsentiert haben. Die haben uns Feedback gegeben, Zwischenfragen gestellt. Das war ein gutes Training und so sind wir Schritt für Schritt besser geworden. Ungefähr im Mai, finden dann die sogenannten Pre-Moots statt. Das sind Übungswettbewerbe, welche der Vorbereitung dienen und noch keine Auswirkungen auf die Bewertung haben. Das große Finale findet dann in Frankfurt statt, meist im Juni, und dauert mehrere Tage. Man kann sich das ein bisschen wie beim Fußball vorstellen: Gruppenphase, Viertelfinale, Halbfinale, Finale.
Ja, teilweise schon. Der Moot Court ist komplett auf Englisch, das ist schon die erste Herausforderung. Wir studieren ja sonst auf Deutsch, da muss man also erst einmal umdenken. Aber methodisch hilft das Studium: der Gutachtenstil, die juristische Argumentation, das strukturierte Vorgehen, das braucht man alles auch im Moot Court.
Was aber wirklich anders ist, ist das Arbeiten mit Case Law. Im deutschen Recht haben wir das kaum, wir zitieren vielleicht mal BGH-Entscheidungen, aber das hat nicht denselben Stellenwert. Im Moot Court arbeitet man dagegen ständig mit Fällen, die prägend sind. Das war anfangs ungewohnt, aber sehr spannend. Der Sitz (seat) unseres Schiedsverfahrens lag in England, wir mussten jedoch nach den VIAC-Schiedsregeln verfahren. Dadurch arbeiteten wir gleichzeitig mit englischen Vorschriften und internationalen Grundlagen wie den IBA-Guidelines. Diese internationale Vielfalt an Rechtsquellen war total neu für mich. Im deutschen Jurastudium lernt man so etwas kaum.
Auf jeden Fall ab dem dritten Semester. Wir haben auch alle im dritten Semester angefangen, genauso wie die Coaches vom Jahr davor. Das dritte Semester ist gut geeignet, aber man darf nicht unterschätzen, dass ein Moot Court viel Zeit erfordert. Viele nehmen sich dafür ein Freisemester. Bei unserem Moot Court musste man keinen Schriftsatz abgeben, sonst wäre es noch zeitaufwendiger gewesen. Für Studierende aus dem ersten Semester würde ich es nicht empfehlen, da man sich erst mit dem deutschen Rechtssystem zurechtfinden muss. Man sollte schon ein gewisses Verständnis vom Rechtssystem haben und eine gewisse juristischen Denkweise mitbringen.
Es ist definitiv zeitintensiv aber auch unglaublich bereichernd. Gerade am Anfang braucht man Zeit, um sich in die Case Study einzuarbeiten. Das ist eine ganz andere Materie, und dazu kommt noch das Legal English. Bei uns waren es im Durchschnitt fünf bis zehn Stunden pro Woche. Ich persönlich war eher bei fünf Stunden, andere bei zehn. Unsere Coaches haben uns sehr unterstützt und viel konstruktives Feedback gegeben. Wir hatten auch externe Helfer aus Kanzleien und wir haben uns wirklich immer zusammen mit denen hingesetzt, am Anfang zweimal, dann, als es wirklich kurz vor knapp war, ab Ende Mai, haben wir uns wirklich jede Woche dreimal gesehen. Und wir hatten natürlich noch die Mock-Pleadings. Das nimmt alles Zeit in Anspruch, das sollte man bedenken. Es ist nicht ohne, muss ich sagen, aber es macht total viel Spaß.
Wir brauchen vor allem Leute die begeistert sind, die Spaß an der Sache haben. Das sagt sicherlich jeder, aber es ist wirklich so. Man muss motiviert sein, Lust haben etwas Neues zu lernen und natürlich die trivialen Sachen: Man sollte gut Englisch sprechen, aber man muss kein Native Speaker sein. Ich habe durch den Moot Court gelernt, über meinen Schatten zu springen und selbstbewusster auf Englisch zu sprechen. Unsere Coaches haben auch von Anfang an gesagt, wir sprechen nur Englisch und das hat mir total geholfen. Irgendwann musste man gar nicht mehr umschalten, sondern das kam total natürlich, weil man ja ein Jahr lang so viel Englisch gesprochen hat. Auf den Veranstaltungen waren auch Teams aus aller Welt, dort konntest du dich auch nur auf Englisch unterhalten. Und natürlich musst du Zeit haben und multitaskingfähig sein. Wir hatten zum Beispiel neben dem Moot Court auch noch unsere Semesterabschlussklausuren. Da haben wir dann schon mal entschieden: „Okay, wir machen jetzt zwei Wochen keinen Moot Court und konzentrieren uns auf die Klausuren, danach steigen wir wieder ein.“ Das ist wirklich wichtig, wenn man beides gleichzeitig macht – man darf den Moot Court nicht priorisieren, weil er ja nur ein Beiprodukt ist, das durch das Jura-Studium entsteht. Das Studium muss immer die Priorität haben. Außerdem ist es wichtig, weltoffen zu sein. Man ist viel unterwegs, auf internationalen Veranstaltungen, trifft Leute aus der ganzen Welt – da sollte man schon jemand sein, der aus sich herauskommt und Lust hat, diese Kontakte zu knüpfen. Das war’s, glaube ich, erstmal. Wir freuen uns auf jeden Fall über jede Bewerbung!
Klar. Wir führen die Gespräche auf jeden Fall teilweise auf Englisch, um zu sehen, wie sicher die Bewerberinnen und Bewerber in der Sprache sind. Uns geht es am Ende aber vor allem darum, dass die Chemie stimmt.
Man muss sich vorstellen: Man arbeitet ein Jahr lang eng zusammen, fährt gemeinsam zu Wettbewerben, wohnt teilweise zusammen. Da ist es wichtig, dass man sich gut versteht, sich aufeinander verlassen kann und auch in stressigen Phasen harmoniert.
Wir achten also nicht nur auf die fachliche, sondern auch auf die menschliche Seite.
Nein, wir mussten gar nichts selbst bezahlen. Wir wurden von verschiedenen Kanzleien, Institutionen und Organisationen gesponsert. Da wir ein reines Frauenteam waren, hatten wir sogar besonders gute Unterstützung. Nur die Verpflegung vor Ort haben wir manchmal selbst übernommen, aber auch da war vieles durch die Veranstaltungen abgedeckt.
Schöne Frage! Ich muss sagen und ich glaube, da spreche ich auch für meine Teamkolleginnen, weil wir uns darüber oft ausgetauscht haben, gerade während der Klausurphasen hat man ja immer wieder so kleine Zweifel. Zumindest ging es mir so, ich habe mich manchmal gefragt: Okay, ist das jetzt wirklich das Leben, das ich mir ausgesucht habe? Aber ich muss sagen, dieser Moot Court hat meinem Jurastudium und auch mir selbst nochmal richtig Leben eingehaucht. Ich hatte plötzlich wieder so viel Freude an dem, was ich tue. Es gab Momente, in denen ich dachte: Wow, ich habe mich bewusst für dieses Studium entschieden, und das ist etwas Großes. Natürlich ist jedes Studium anspruchsvoll, aber Jura verlangt einem wirklich viel ab, mental, zeitlich, inhaltlich. Und der Moot Court hat mir nochmal die positive Seite gezeigt. Im Jurastudium ist ja sonst alles sehr theoretisch. Beim Moot Court bekommt man dagegen einen kleinen, aber sehr intensiven Einblick in die Praxis - insbesondere in die Bereiche Schiedsverfahren, Arbitration und Dispute Resolution. Das war unglaublich bereichernd. Ich kann manchmal gar nicht in Worte fassen, wie sehr mich diese Erfahrung geprägt hat. Ich erzähle das auch wirklich jedem, der mich darauf anspricht, weil es einfach etwas Einmaliges war, das ich so gar nicht erwartet hatte. Man lernt unglaublich viel, über die Welt, über andere, aber vor allem über sich selbst. Ich bin persönlich sehr gewachsen und habe viel Selbstvertrauen gewonnen, nicht nur im Englischen, was ich ja schon erwähnt habe. Auch allgemein: Man spricht viel, hält Vorträge, argumentiert, steht vor einer Jury. In Frankfurt, aber auch in Wien und Mailand, sitzt man vor echten Schiedsrichtern, also Menschen, die in dem Gebiet wirklich Expertise haben. Und irgendwann steht man da mit echtem Selbstbewusstsein und ist überzeugt von dem, was man sagt. Und genau das war für mich das Beeindruckendste, dieses gewonnene Selbstbewusstsein. Außerdem habe ich unglaublich viele neue Leute kennengelernt, aus der ganzen Welt. Ich habe Freundschaften geschlossen, wirklich enge Freundschaften, mit Teilnehmerinnen aus anderen Teams, aus Singapur, Indien, Nepal und vielen anderen Ländern. Es war faszinierend zu hören, wie unterschiedlich Rechtssysteme funktionieren, und gleichzeitig zu sehen, wie viel uns verbindet. Diese internationalen Begegnungen waren wahnsinnig bereichernd. Und es war nicht nur lehrreich, sondern auch einfach schön. Wir waren vier Mädels im Team, sind zusammen gereist, haben tagsüber die Wettbewerbe und abends tolle Dinge unternommen. Wir sind in so kurzer Zeit unglaublich zusammengewachsen, bis heute stehen wir jeden Tag in Kontakt, besuchen uns gegenseitig, unternehmen was zusammen.
Und ganz nebenbei lernt man auch fachlich enorm viel, vor allem, was juristisches Arbeiten, Argumentationsaufbau und Methodik angeht. Das kann ich wirklich nur jedem empfehlen.
Ja, auf jeden Fall. Das möchte ich sogar besonders betonen. Ich habe Leute aus der ganzen Welt kennengelernt und es waren meistens Anwältinnen und Anwälte aus großen, internationalen Kanzleien. Wir haben so viele unglaublich nette und interessante Persönlichkeiten getroffen, wirklich beeindruckende Menschen. Wir haben ganz viele Fragen gestellt, einfach Dinge, die uns wirklich interessiert haben und sie haben immer offen, freundlich und mit großem Interesse geantwortet. Es war eine sehr wertschätzende Atmosphäre. Viele dieser Kontakte habe ich bis heute, zum Beispiel über LinkedIn. Einige haben uns sogar ihre Visitenkarten gegeben. Eine Anwältin aus Brasilien meinte: „Wenn ihr mal nach Brasilien kommt, Mädels, schreibt mir unbedingt!“, das war so herzlich. Auch in Mailand waren Anwältinnen und Anwälte dabei, die ebenfalls unglaublich offen und freundlich waren. Die meinten: „Wenn ihr mal etwas braucht oder euch bewerben wollt, meldet euch ruhig.“ In Wien war es ähnlich, die Jurymitglieder aus den Kanzleien waren sehr konstruktiv, haben uns hilfreiches Feedback gegeben und kamen nach den Plädoyers sogar auf uns zu, um zu sagen: „Das war wirklich stark!“ Solche Begegnungen waren unglaublich motivierend. Diese Menschen haben einem nicht nur fachlich, sondern auch menschlich viel mitgegeben. Und, wie du gesagt hast, für die Zukunft ist das natürlich auch wertvoll. Viele dieser Personen haben beeindruckende Karrieren hinter sich, sie arbeiten in Großkanzleien oder haben eigene Institute gegründet. Das sind wirklich wertvolle Kontakte, mit denen man unbedingt in Verbindung bleiben sollte.
Ich muss ehrlich sagen, es ist gar nicht so einfach, loszulassen.
Ich habe immer noch meinen Ordner mit all meinen Reden, und ich habe ihn bis heute nicht angerührt. Ich denke mir: Wenn ich den aussortiere oder wegwerfe, weiß ich gar nicht, wie ich damit umgehen soll. Das Erlebnis war einfach sehr prägend. Für mich war es etwas durchweg Positives und wenn man so etwas erlebt hat, möchte man das nicht einfach beenden.
Deshalb fand ich die Idee, als Coachin mitzumachen, perfekt: Ich kann alles noch einmal erleben, aber diesmal aus einer anderen Perspektive, ohne den ganzen Stress, den man als Teilnehmerin hat. Ich kann das Team begleiten, unterstützen und trotzdem wieder Teil dieser besonderen Atmosphäre sein. Und ehrlich gesagt, ich freue mich auch einfach darauf, viele bekannte Gesichter wiederzusehen, Menschen, die ich während des Moot Courts kennengelernt habe und die ich lange nicht gesehen habe.
Also ja, man kann einfach nicht so leicht loslassen. (lacht)
Also, was ich bis jetzt sagen kann: Es ist wirklich ein großer Unterschied, vor allem, was die Verantwortung betrifft.
Als Teilnehmerin war man Teil eines Teams, man hatte seine Aufgaben, seine Reden, seine Recherche. Aber jetzt als Coachin ist man auf einmal für alles verantwortlich. Wenn wir als Coaches nichts machen, gibt es kein Team, niemand, der die Humboldt dort vertritt. Wir müssen uns um alles kümmern: die Bewerbungen, die Fristen, die Organisation, die Sponsoren, die Vorbereitung der Mock Pleadings. Wenn wir das nicht koordinieren, passiert einfach nichts. Diese Verantwortung ist ganz neu und viel größer als zuvor. Und ich glaube, es wird auch spannend, diesen Rollentausch zu erleben. Als wir selbst damals im Januar die Fallakte zum ersten Mal gelesen haben, dachten wir nur: „Huch, sind wir hier im falschen Raum?“ (lacht) Es war total überwältigend, und wir haben ständig unseren Coach gefragt: „Was bedeutet das?“ oder „Wie sollen wir das verstehen?“ Jetzt bin ich auf der anderen Seite und ich bin gespannt, ob ich die Fragen unseres Teams genauso zufriedenstellend beantworten kann. Man ist plötzlich in einer Position, in der andere auf einen schauen, erwarten, dass man etwas weiß, Orientierung gibt. Das ist eine große Umstellung und es kommt einfach viel Verantwortung hinzu.
Mit Freude, ganz ehrlich. Ich freue mich wirklich darauf.
Ich mag es einfach, anderen etwas zu erklären, Wissen weiterzugeben und Menschen zu unterstützen. Ich habe in der Vergangenheit schon häufiger unterrichtet oder Workshops gegeben, und das hat mir immer Spaß gemacht. Jetzt kann ich das mit einem Thema verbinden, das mir wirklich am Herzen liegt. Und auch wenn mein Wissen natürlich begrenzt ist, möchte ich gerne etwas davon weitergeben und gleichzeitig selbst weiterlernen
Das Interview für die JurFuture Redaktion führte Siri Wenig.
Der Helga Pedersen Moot Court - Im Studium vor dem EGMR stehen
Der European Law Moot Court: Europarecht hautnah erleben
FAQ: Alles Rund um den Moot Court – Und: 10 Gründe, wieso du dir das nicht entgehen lassen solltest.
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