FAQ: Wie wird man Anwalt in England?

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Die wichtigsten Eckpunkte der Juristenausbildung und zur neuen Ausbildungsreform in England klären wir bei katzenkönig. Habt ihr auch schon mal darüber nachgedacht, Anwalt oder Anwältin im Ausland zu werden?

Ob Großkanzlei, Boutique oder Einzel­anwalt, Arbeitsrecht, Wirtschaftsrecht oder Strafrecht: Auf katzenkönig dreht sich alles um den Anwaltsberuf – und den Weg dahin. Doch wie wird man anderswo Anwältin oder Anwalt, und kann man dort mit seiner deutschen Ausbildung Fuß fassen? katzenkönig.de nimmt die Juristen­aus­bildung im Ausland unter die Lupe.

 

 

Wie kann ich in England Anwalt oder Anwältin werden?

Anwältin oder Anwalt werden, ohne Jura zu studieren? Das geht in England! Um solicitor (Rechts­anwalt als Rechts­berater) oder barrister (Prozessanwalt) zu werden, braucht man ab September 2021 weder Jura noch irgendeinen anderen Studiengang absolviert zu haben (mehr zur britischen Ausbildungsreform im Anwaltsblatt).

Die neue Juristenausbildung in England besteht aus vier Bausteinen: Das wichtigste Element ist das Solicitors Qualifying Exam (SQE). Jede:r Absolvent:in muss diese Prüfung bestehen, egal welchen Ausbildungsweg sie oder er gewählt hat. Das SQE besteht aus zwei Teilen, die jeweils mit dem Ersten bzw. Zweiten Staatsexamen in Deutschland vergleichbar sind. Die angehenden Anwält:innen haben insgesamt sechs Jahre Zeit, um das gesamte Examen zu absolvieren. Außerdem ist die sogenannte „Qualifying Legal Experience“ (QLE) nötig: Das ist die berufspraktische Ausbildung, die zum Beispiel als trainee bei einem solicitor, als juristische Hilfskraft (paralegal oder apprentice) oder durch die Arbeit in einer Rechtsberatungseinrichtung oder einer universitären Law Clinic erfolgen kann.

 

 

Wie kann ich in England Jura studieren?

Trotzdem ist es natürlich mehr als ratsam, ein Studium der Rechts­wis­sen­schaft zu absolvieren - einen Job in einer Londoner Kanzlei landet man wohl kaum mit einem Kunstge­schichte-Studium.

Um Anwält:in zu werden, schließen die meisten Studierenden den Bachelor of Laws (in Oxford und Cambridge den Bachelor of Arts) ab. Es ist sehr unüblich, daran noch einen Master (LL.M.) oder sogar eine Promotion (Ph. D.) anzuschließen – das tun meist nur die, die in die Wissenschaft gehen wollen.

 

 

Welche Möglichkeiten gibt es für Deutsche, in England Anwalt oder Anwältin zu werden?

Wer als solicitor oder barrister zugelassen werden möchte, geht den gleichen Weg durch die Examen wie die englischen Studien­ab­sol­ven­t:innen. Für Fans des Common Law steht dank des weiten Zugangs zum Anwaltsberuf einer Karriere als Anwältin oder Anwalt in England dann nichts mehr entgegen. Der Brexit könnte die berufliche Rückkehr auf den Kontinent aber erschweren.

 

 

Wie teuer ist das Jura-Studium in England?

Die Ausbildung zur Anwältin bzw. zum Anwalt war bisher mit rund 17.000 britischen Pfund sehr teuer – obwohl nicht nur dieses Geld nötig war, sondern dazu noch schlicht Glück, um einen der heiß begehrten Ausbildungsplätze in einer Kanzlei zu erhaschen.

Mit der neuen Reform sollen die Kosten für SQE 1 und 2 nur noch bei rund 4.500 britischen Pfund liegen.

Die Lebenshaltungskosten sind in England ziemlich hoch. Gerade das Wohnen schlägt ordentlich zu Buche. Am preiswertesten sind WG-Zimmer, aber selbst die kosten beispielsweise in Manchester ca. 400 britische Pfund pro Monat, in London noch mehr. Aber auch Lebensmittel sind in England teuer – Sparsamkeit ist hier angesagt

 

 

Was ist der englische Anwält:innentitel in Deutschland wert?

Ziemlich viel für Kanzleien, die in internationalen Mandaten arbeiten. Natürlich hat der Brexit hier Spuren hinterlassen, weil Anwält:innen aus Großbritannien nicht mehr als europäische Anwält:innen die Tür zum deutschen Titel „Rechtsanwalt“ oder „Rechtsanwältin“ offen steht. Das ist aber vielleicht gar nicht so schlimm, denn: Der Anwaltsberuf darf als Solicitor auf jeden Fall in Deutschland ausgeübt werden. Beraten werden darf im Recht des Herkunftsstaats (Großbritannien) und im Völkerrecht. Dafür ist die Person ja auch ausgebildet worden. Und: Englische Anwält:innen üben einen Beruf aus, der seit der großen BRAO-Reform seit 1. August 2022 auch ausdrücklich sozietätsfähig ist – einer Karriere in einer internationalen Kanzlei steht damit nichts im Wege. Die deutschen Kolleg:innen freuen sich, wenn eine Person das Common Law und die englische Rechtsprache wirklich beherrscht. Das kann eine attraktive Nische sein.

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David Wienfort
Der Autor studierte Jura an der Humboldt-Universität in Berlin und schrieb regelmäßig für Anwaltsblatt und Anwaltsblatt Karriere – dem heutigen katzenkönig. © Sven Serkis, Berlin
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