Zum Inhalt springen
Juristisches sicheres Auftreten gehört zu den notwendigen Soft Skills im anwaltlichen Berufsleben. Universitäten vermitteln zwar das juristische Wissen, bieten allerdings selten Kurse an, um dieses professionell präsentieren zu lernen. Wer aber schon während des Studiums Praxiserfahrungen sammeln will, dem sind Moot Courts wärmstens ans Herz zu legen. Dabei erweiterst du deine eigenen juristischen, methodischen, sprachlichen und sozialen Fähigkeiten. Durch das Verhandeln vor einem fiktiven Gericht werden Jurastudierende vor praxistypische Herausforderungen gestellt. Wer diese annimmt, lernt Entscheidungs-, Reaktions- und Kommunikationsmuster zu entwickeln und zu verbessern. Die Teilnahme an einem Moot Court bringt Vorteile für Studium und Berufseinstieg. Hier findest du 10 Gründe, wieso du einen Moot Court machen solltest.
Moot Courts sind juristische Wettbewerbe, die schon während des Rechtsstudiums einen Einblick in die juristische Arbeitswelt ermöglichen. Es handelt sich um simulierte Gerichtsverhandlungen, bei denen ein fiktiver Fall aufgearbeitet und prozessual ausgetragen wird. Die teilnehmenden Universitäten bilden vorab unterschiedlich große Teams, innerhalb derer der Fall vorbereitet wird. Dabei müssen Argumentationen ausgearbeitet, Schriftsätze erstellt und als Höhepunkt die:der eigene Mandant:in in einer simulierten Verhandlung vertreten werden. Und wie in der Praxis eben auch, gewinnt am Ende eine Seite, also eine Universität.
Mittlerweile gibt es große, internationale Moot Courts, an denen mehrere hundert Universitäten teilnehmen, aber auch europa-oder deutschlandweite Wettbewerbe. Jeder Moot Court ist auf ein Rechtsgebiet abgestimmt, wobei von internationalem Verbraucherprivatrecht, über Völkerrecht und Europarecht bis hin zu deutschem Arbeitsrecht alles vertreten ist. Die internationalen Moot Courts sind dabei meist auf Englisch. Manche Moot Courts erstrecken sich über ein gesamtes Semester, anderen finden während der Semesterferien statt. Wenn dein Interesse geweckt ist, informiere dich darüber, an welchen Wettbewerben deine Universität teilnimmt, und was die Teilnahmevoraussetzungen sind – diese können je nach Universität variieren. Wichtig: viele deutsche Universitäten haben Sponsoren, sodass die Teilnehmenden nichts oder kaum etwas zahlen.
Das hängt vom jeweiligen Moot Court ab. Meistens wird schon vor Beginn das Team zusammengestellt. Dafür haben die teilnehmenden Universitäten unterschiedliche Bewerbungsphasen- und prozesse.
Der Fall wird bekanntgegeben und gleichzeitig erfährt jedes Team für welche Seite es zunächst „tätig wird“. Anders als ein Klausursachverhalt besteht der Moot Court Fall meist aus einer juristischen Akte, die es zu studieren gilt. In der Schriftsatzphase werden Argumentationsmuster erarbeitet, ein Schriftsatz erstellt und im „Editing“ final fertiggestellt.
Je nach Moot Court gibt es auch eine zweite Schriftsatzphase, in der das Team nun die Gegenseite vertreten muss.
Dann beginnt die „Verhandlungsphase“. Es geht nun darum, sich auf die mündliche Verhandlung vorzubereiten, bei der meist zwei Studierenden gemeinsam ein Mandat vertreten. In dieser Phase finden oft Probeverhandlungen bei Kanzleien oder im Rahmen von kleineren Vorbereitungswettbewerben (sogenannten pre-moots) statt. Dadurch bekommt das Team einen ersten Einblick in den Wettbewerb, lernt die Konkurrenz kennen, kann aber auch Freundschaften schließen und Kontakte knüpfen.
Den krönenden Abschluss bildet die simulierte Gerichtsverhandlung. Je nach Moot Court findet diese auch mal in Hong Kong, Wien oder Washington statt.
Mittlerweile gibt es etliche Moot Courts. Manche Universitäten bieten interne Moots an, die sich zur Vorbereitung auf einen größeren Wettbewerb eignen. Hier findest du fünf der gängigsten Moots:
Der “Vis Moot” ist einer der größten Moot Courts der Welt und simuliert ein Schiedsgerichtsverfahren. Der Fall spielt im internationalen Handels- und Verbraucherprivatrecht. Der Wettbewerb findet auf Englisch statt und dauert ein Wintersemester. Aufgrund seiner Größe gibt es ein Finale in Hong Kong (Vis Moot East) und in Wien, eine Universität kann aber an beiden teilnehmen. In den mündlichen Verhandlungen treten zunächst alle Universitäten in Kleingruppen an, wobei die besten im weiteren Verlauf knock-out Verhandlungen gegeneinander bestreiten und am Ende ein Sieger hervorgeht. Es gibt unzählige deutsche, aber auch nationale und internationale pre-moots. Die Schiedsrichter:innen sind meist hochkarätige Rechsanwält:innen, die auf dem Gebiet der Schiedsgerichtsbarkeit arbeiten, aber auch Schiedsrichter:innen oder Dozent:innen.
Hier geht`s zum Vis Moot
Der European Law Moot Court ist der größte internatinale Moot Court im Europarecht und wird in Zusammenarbeit mit dem EuGH organisiert. Ein Semester lang wird sich mittels eines aktuellen Falles auf ein simuliertes Gerichtsverfahren „vor dem EuGH“ vorbereitet. Der Wettbewerb findet auf Französisch und Englisch statt – den Sprachen des Gerichtshofs. Nach der Schriftsatzphase, werden die besten 48 Teams zu den mündlichen Verhandlungen eingeladen. Nach vier „Regional Finals“, an verschiedenen europäischen Universitäten, treten die Sieger:innen in Luxemburg vor den EuGH-Richter:innen gegeneinander an.
Hier geht`s zum European Law Moot.
Der “Jessup Moot” ist der älteste internationale Moot Court und wurde von der Harvard University gegründet. Dabei wird ein Verfahren vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag simuliert. Der Moot behandelt einen völkerrechtlichen Fall. Das Finale findet in Washington, D.C. statt. In Deutschland gibt es zunächst Vorentscheide an deutschen Universitäten und die beiden besten Teams werden in die nordamerikanische Hauptstadt zum Finale geladen, wo sie von IGH-Richter:innen, Dozenti:innen und Praktiker:innen geprüft werden. Die Vorbereitung findet während des Semesters statt.
Hier geht’s zum Jessup Moot.
Zivilrecht zum Anfassen. Der Soldan Moot Court ist ein nationaler Moot im anwaltlichen Berufs- und Zivilrecht. Er wird unter anderem auch vom DAV organisiert. Es wird anhand eines fiktiven Falles ein deutsches Gerichtsverfahren simuliert. Das Finale findet als Einzelrichterverhandlung in Hannover statt.
Hier geht’s zum Soldan Moot.
Das Arbeitsrecht ist im Studium nur zivilrechtliches Nebengebiet, dabei in der Praxis enorm wichtig. Daher hat das Bundesarbeitsgericht 2007/2008 beschlossen, einen nationalen arbeitsgerichtlichen Moot Court ins Leben zu rufen. Dieser findet alle zwei Jahre vor dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt statt. Die Vorbereitung beginn meist im Juli/August, das Finale wird in drei Runden im Januar ausgetragen.
Hier geht’s zum BAG Moot.
Du weißt jetzt, was ein Moot Court ist und welche es gibt - doch wieso solltest du überhaupt an einem Moot Court teilnehmen? Die Liste der Pro-Argumente ist lang. Hier findest du die 10 wichtigsten Gründe, warum sich ein Moot Court für dein Jurastudium und sogar dein Berufsleben lohnt.
Die Teilnahme an einem Moot Court geht mit einem verbesserten Verständnis deines eigenen Auftretens einher. Manche Teams haben die Chance, dies mit einem professionellen Coach zu trainieren (dem Team der Humboldt-Universität stand in der Vergangenheit John Faulk von Fireside Coaching zur Seite). Allein die Teilnahme an den weitverbreiteten pre-moots und das Feedback der eigenen Teamkolleg:innen helfen dabei, einen großen Sprung in Sachen Rhetorik und Körpersprache zu machen. Die Zeit, in der du deine Argumente präsentierst, ist begrenzt. Das zwingt dich dazu, dich auf das Wesentliche zu fokussieren und dir bewusst zu werden, welche Gewichtung verschiedenen Argumenten zukommt. Zudem kannst du jederzeit von den (Schieds-)Richter:innen mit Fragen unterbrochen werden. Dadurch lernst du mit Argumenten gekonnt zu jonglieren. Es gilt dabei, nicht in Panik zu verfallen, sondern auch unter Anspannung präzise zu antworten. Zudem lernst du, wie du bereits durch deine Körpersprache seriös und kompetent wirkst.
Zur Examensvorbereitung gehören unzählige schriftliche Probeklausuren. Dass einen Großteil der Endnote aber eine mündliche Prüfung ausmacht, gerät dabei oft in Vergessenheit. Die Examenskandidat:innen müssen sich meist in privaten Lerngruppen vorbereiten. Im Studium sind mündliche Prüfungen ebenfalls die Ausnahme. Durch die Teilnahme an einem Moot Court kannst du dich jedoch schon während des Studiums auf mündliche Prüfungsgespräche vorbereiten. Auch, wenn der juristische Inhalt abweicht, kannst du entspannt an deine mündliche Examensprüfung herangehen, denn du hast ja bereits im Moot Court verbales Auftreten gelernt. Dadurch fällt es dir leichter, mit unerwarteten Fragen umzugehen und dabei freundlich und kompetent zu bleiben. In einigen Bundesländern gehört bereits im ersten Examen ein Aktenvortrag zur mündlichen Prüfung. Für dich dann kein Problem mehr, denn du hast gelernt in kurzer Zeit eine Falllösung zu präsentieren. Eine bessere Vorbereitung auf deine mündliche Examensprüfung als den Moot Court kannst du kaum bekommen.
Um dich herauszufordern, werden von (Schieds-)Richter:Innen auch mal provokante und gemeine Fragen gestellt oder deine rechtlichen Ausführungen angezweifelt. Dabei nicht die Nerven zu verlieren und gereizt zu reagieren, ist nicht einfach. In solchen Situationen sachlich bleiben und professionell auftreten zu können ist einer der wichtigsten Soft Skills von Jurist:innen. Du lernst, dich nicht persönlich angegriffen zu fühlen und durch Emotionen leiten zu lassen. So bist du gewappnet für jedes noch so emotionale Gerichtsverfahren.
Ab dem ersten Semester lösen Jurastudierende Fälle und trainieren den Gutachtenstil. Die juristischen Sachverhalte sind dabei mal mehr, mal weniger umfangreich und erst im Rechtreferendariat müssen sich angehende Jurist:innen mit einer Akte auseinandersetzen. Wenn du schon vorher die Arbeitsweise von Volljurist:innen erproben willst, nimm an einem Moot Court teil. Der Fall besteht aus einer Akte: Kläger:innen- und Beklagtenaussagen, Gutachten, Zeug:innenaussagen, Beweismittel, alles ist dabei. Die Teilnehmer:innen arbeiten sich eigenständig durch die Akte und erarbeiten Argumente. Danach wird der Schriftsatz erstellt. Dabei kannst du auf dein Wissen zu Hausarbeitsrecherche zurückgreifen, dieses aber auch verfeinern. Der Umgang mit (internationalen) juristischen Datenbanken wird erlernt.
Auch sprachlich ist dies eine Herausforderung. So wie bei Hausarbeiten, steht nur eine begrenzte Seitenzahl zur Verfügung, um eine überzeugende Argumentation aufzubauen. Das Problem ist dabei nicht das Füllen der Seiten, sondern das „Editing“.
Vor allem englischsprachige Moot Courts helfen dir, dein „legal English“ zu verbessern und dich für den internationalen Rechtsmarkt vorzubereiten.
Da für beide Seiten Schriftsätze angefertigt werden müssen, lernst du Pro- und Kontra-Argumente von Beginn an zu berücksichtigen. Während sich eine Zeug:innenaussage zur Unterstützung der Kläger:in verwenden lässt, muss zeitgleich überleg werden, wie die Beklagtenseite sich dagegen wehren wird. Dabei werden Argumente oft im Dialog durchdekliniert um sich so mit den Schwachpunkten und Stärken vertraut zu machen. Das schärft deinen Verstand auch für den späteren Beruf.
Als Rechtsanwält:in wirst du dich immer wieder in neue Materien einarbeiten müssen. Diese Lebendigkeit zeichnet den Beruf aus. Die Teilnahme am Moot Court ist eine erste Möglichkeit, dich mit einem gänzlich unbekannten Rechtsthema auseinanderzusetzen. Das nimmt dir die Angst davor, dich im Berufsalltag mit bisher Unbekanntem zu befassen. Du stärkst dein Vertrauen in deine eigenen Fähigkeiten. Du verlässt den Moot nicht so, wie du ihn angefangen hast – du wirst dir Kompetenzen erarbeiten, ohne es zu merken.
Nicht zu unterschätzen ist der soziale Aspekt des Wettbewerbs. Während der Vorbereitungsphase werden die simulierten Verhandlungen oft bei namenhaften Kanzleien durchgespielt. Dabei treten Teams verschiedener Universitäten gegeneinander an. Auch während pre-moots treffen sich unzählige Teams von überall auf der Welt. Neben Feedback zum eigenen Auftreten, lernst du dabei erfahrene Anwält:innen kennen, kannst ganz dein nächstes Praktikum organisieren und Kontakte knüpfen. Aber auch zu anderen Teilnehmer:innen entstehen Freundschaften, die auch im späteren Berufsleben hilfreich sein können. Als ehemaliger Mootie weiß man sofort, an wen man den Mandanten verweist und kann sich sicher sein, dass aus dem Ausland auch so manches Mandat von Moot Court-Freund:innen weitergeleitet wird.
Durch das Jurastudium kämpft man sich alleine. Eher selten findet man universitäre Kurse in denen Teamarbeit gefragt oder gewünscht ist. Dabei kann es für die spätere Karriere elementar sein, sich in einem Team zurecht zu finden und mit Kolleg:innen zusammenzuarbeiten. Wer zu Schulzeiten schon Gruppenprojekte präferierte und sich in Lerngruppen wohlfühlt, für den ist ein Moot Court optimal. Aber auch für diejenigen, die noch nie im Team arbeiten mussten bietet sich ein Moot Court an, um herauszufinden, ob man den Anforderungen gewachsen ist.
Für viele Jurastudierende ist eine Freischussverlängerung wichtig und reduziert den Stress so schnell wie möglich das erste juristische Staatsexamen schreiben zu müssen. Für die Teilnahme an einem Moot Court, der während des Semesters stattfindet, gibt es in der Regel eine Freischussverlängerung. Teilweise darf man in der Zeit aber zum Beispiel keine anderen Prüfungsleistungen ablegen. Moot Courts, die in den Semesterferien stattfinden, führen nicht unbedingt zur begehrten Freischussverlängerung. Am besten informierst du dich vorab über die Regelungen deiner Universität.
Das Jurastudium ist langwierig und anstrengend. Vielen Studierenden fällt es nicht leicht, sich jahrelang für Bibliothek, Vorlesung und Tutorium zu motivieren. Da kann eine kleine Erfrischung nicht schaden. Eine Zeit lang raus aus dem Bekannten und rein ins Abenteuer. Das schärft nicht nur das juristische Denken, sondern vermittelt auch Weitblick, wie der spätere Arbeitsalltag als Jurist:in aussehen kann. Früher oder später müssen die meisten Rechtsanwält:innen ins kalte Wasser springen – da ist es von Vorteil eine solche Erfahrung schon während des Studiums zu machen. Natürlich kostet es Überwindung, sich auf ein unbekanntes Team, ein neues Rechtsgebiet und das Vortragen von Plädoyers einzulassen. Doch die Erfahrung wird nicht nur deinen Lebenslauf auf Papier, sondern auch deine persönliche, universitäre und juristische Entwicklung voranbringen.
Habt ihr Erfahrungen oder Tipps, die das Jurastudium bereichern? Schreibt uns an: magazin-jurfuture@anwaltverein.de oder bei Instagram.
Die Kategorie bündelt Beiträge zum Thema Ausbildung.
Im Fokus: die vielfältige Praxis als Rechtsanwält:in und wie der Berufseinstieg so läuft.
Die Kategorie bündelt Beiträge, die dir für deinen persönlichen Weg Denkanstöße geben können.
Die Kategorie bündelt Beiträge zur Verfassung des juristischen Kosmos.