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Obwohl das Jurastudium bei Vielen als „Einzelkämpferstudium“ bekannt ist, ist ein gutes Umfeld nahezu überlebenswichtig. Dabei geht es nicht nur um das gemeinsame Lernen, sondern auch die mentale Unterstützung während der Klausurenphase. Der beste Weg sich ein solches Umfeld aufzubauen ist die Ersti- / Orientierungswoche.
Wenn man ältere Studierende fragt, wann sie ihre Unifreunde kennengelernt haben, werden die meisten mit „in der Erstiwoche“ antworten. Die Studiengänge in der Rechtswissenschaft sind meistens sehr groß und bedingt dadurch eher anonym. Die Orientierungswoche bietet die beste Chance seine neuen Kommiliton:innen kennenzulernen.
Aber auch unabhängig davon ist es wichtig an so vielen Terminen der Erstiwoche teilzunehmen wie möglich. Dort werden wichtige Themen für eure Studienzeit angesprochen, wie zum Beispiel ein Auslandssemester, was man nie früh genug planen kann. Auch die Aktivitäten, die wenig mit dem Studium zu tun haben wie Campus-Rallys, Barabende oder die obligatorischen Bier/Flunky-Ball Spiele gehören zu einem gelungenen Start ins Studium dazu und zeigen euch, dass das Jurastudium und vor allem die Studierendenschaft nicht so streng ist, wie es manchmal von außen erscheint.
Wenn die Erstiwoche vorbei ist, beginnt für manche Studierende schon der Ernst des Lebens. Bereits in der ersten Vorlesungswoche verbringen manche lieber ihre Mittagspausen in der Bibliothek um den „ganzen Stoff“ nachzuholen, als die letzten Strahlen der Herbstsonne aufzusaugen und mit Kommiliton:innen die neue Uni zu entdecken. Lasst euch davon nicht ablenken. Es gibt keinen Grund, bereits in der ersten Woche die Bibliothek aufzusuchen, außer man versucht sich an einem frühen Burn-Out. Ihr werdet noch genug Zeit in der Bibliothek verbringen und dann vielleicht der freien Zeit hinterhertrauern, die ihr nicht genutzt habt.
Die Floskel „Mehr Schein als Sein“ spielt eine große Rolle im Jurastudium. Es ist schwierig sich nicht mit anderen zu vergleichen, vor allem weil viele Jurist:innen gerne mit ihren Noten, langen Lernphasen in der Bib und ihrem (vermeintlichen) Verständnis für die ganze Materie prahlen. Ich kann euch versichern, dass im Jurastudium immer gerne geredet wird, aber nicht viel dahintersteckt. Die meisten eurer Kommiliton:innen sind genauso planlos wie ihr und Big News: Das wird auch erstmal so bleiben.
Die Rechtswissenschaft ist riesig und bis es dann mal wirklich Klick macht, vergehen mehrere Semester, wenn nicht sogar Jahre. Also alles mit der Ruhe, das erste Semester ist nicht dazu da, Jura zu verstehen, sondern kennenzulernen.
Zu guter Letzt dann doch noch ein kleiner Lerntipp von mir. Es gibt eine Sache, die ihr für die erste Klausurenphase beherrschen müsst: den Gutachtenstil. Sinn und Zweck dieser doch sehr ungewöhnlichen Art zu schreiben sei mal dahingestellt. Viel auswendig lernen ist schön und gut, aber das wird euch in den Klausuren nicht helfen, wenn ihr den juristischen Schreibstil nicht beherrscht. Oftmals (keine Gewähr) ist es so, dass die Prüfer:innen in den Erstsemester-Klausuren vor allem auf die Anwendung des Gutachtenstils achten. Wenn es dann also zu eurer ersten Lernphase kommt, folgender Tipp: Verbringt nicht zu viel Zeit damit, Definitionen auf Karteikarten zu schreiben, sondern schreibt auch ein paar Mal einen Klausuren-Fall im Gutachtenstil auf. Dabei lernt ihr nicht nur die Schreibweise an sich, sondern arbeitet parallel dazu an eurem Zeitmanagement (was wichtiger ist als man denkt) und verinnerlicht wichtige Definitionen.
Aller Anfang ist schwer und dazu gehört auch das erste Semester im Jurastudium. Diese Tipps werden euch die ersten Wochen hoffentlich erleichtern. Es liegt aber noch ein langer Weg vor euch also immer dran denken: Jura ist ein Marathon, kein Sprint. Nehmt euch die Zeit, die ihr braucht, macht Pausen, trefft euch mit Freund:innen, sucht euch Aktivitäten außerhalb des juristischen Kosmos und habt vor allem Spaß.
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