Erste Probeklausur? Keine Angst - so bestehst du das Examen!

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Während des Studiums hangelt man sich von Klausur zu Klausur und von Hausarbeit zu Hausarbeit. Gänzlich neu für angehende Jurist:innen ist jedoch das Anfertigen von Probeklausuren bei Beginn der Examensvorbereitung. Man steht wohl nicht allein da, wenn man zugibt, darauf nicht vorbereitet zu sein – weder was den Lernstoff betrifft noch den psychischen Druck. Denn die Zeit sich zu überlegen, wie man das im Studium Gelernte nun in eine Examensklausur für das erste Staatsexamen verpacken soll, hat man während des Jurastudiums kaum. Überforderung ist da vorprogrammiert. Es gilt dennoch:

Keine Angst ...

1. … vor dem ersten Mal! (Probeklausuren gehören zum Lernen.)

Die erste Probeklausur kann furchterregend sein. Aber es gibt keinen Grund, die Nerven zu verlieren. Auch wenn es abgedroschen klingt: Jeder war schon einmal an diesem Punkt. Wer also seit Jahren in der Unibibliothek die unheilverkündenden Sachverhalte des Unireps bei dem:der Sitznachbar:in aus einem höheren Semester sieht und sich eingeschüchtert fühlt, sollte sich entspannen. Probeklausuren sind dazu da, das Scheitern zu lernen und trotzdem nicht aufzugeben. So hart es klingt, wer nicht darauf vorbereitet ist, an einer Klausur das eine oder das andere Mal zu verzweifeln, wird sich im Staatsexamen schwertun.

Die Probeklausuren sollen uns die Angst vor dem Staatsexamen nehmen, die manch einen plagen. Wird sie selbst dabei zur Last, tut sie nicht ihren Job. Das regelmäßige Schreiben von Klausuren ist erwiesenermaßen einer der besten Wege, sich zu verbessern und das erlernte Wissen ins Langzeitgedächtnis zu befördern. Zudem lernt man das juristische Handwerk auf eine Art und Weise, die ein auf Theorie basierender Lernplan nicht vermitteln kann. Also: Nutzt die Möglichkeit, an einem Klausurenkurs teilzunehmen. Dabei verlangt niemand, dass juristische Glanzleistungen ab Tag eins zustande kommen. Der:die Korrektor:in weiß viel mehr, was du gerade alles gleichzeitig leisten musst. Eine strenge Korrektur kommt dir auf lange Sicht zugute. Eine schlechte Note kann ein Segen sein. Für viele bedeutet das Umdenken – deswegen gilt, sich vor allem von jeglichem Perfektionsanspruch loszulösen und zu akzeptieren: Dies ist eine Lernphase.

Probeklausuren werden in der Regel im Universitätsrepetitorium und in kommerziellen Reps angeboten. Erkundige dich, wie du dich für den Klausurenkurs anmelden musst und ob dieser vielleicht sogar gratis angeboten wird. Falls dir kein solcher Kurs zur Verfügung stehen sollte, kannst du dich selbstverständlich auch auf anderem Wege um passende Sachverhalte bemühen (z.B. kaufst du dir ein Klausurenbuch mit Lösungen), an denen du dann selbständig übst – vielleicht könnt ihr euch dann in der Lerngruppe gegenseitig korrigieren. Allerdings solltest du beachten, dass der größte Mehrwert daraus gezogen wird, dass ein:e Korrektor:in dich abprüft, der:die für Korrekturen geschult ist. Nur so kannst du wirklich abschätzen, ob und inwieweit du dich verbesserst. Aber keine Sorge: Probeklausuren sollen DIR helfen, fürs Examen zu üben und fließen in der Regel nicht mit in deine Note ein. Falls du also einmal aus irgendeinem Grund nicht abgeben willst, steht dir das selbstverständlich frei.

 

2. … unvorbereitet zu sein! – 6 Tipps, wie du die Probeklausur erfolgreich meisterst.

Hierbei ist nicht nur die Herangehensweise an die Klausur gemeint. Klausurtechnik kann man vom Repetitor oder aus einem Lehrbuch lernen und diese ergibt sich irgendwann von selbst. Vor allem ist es wichtig, nicht zu viel zu erwarten. Die erste Probeklausur, die dem Examensstandard entspricht, kann eine:n Examenskandidat:innen erst einmal verunsichern. Schließlich wurde man nicht darauf vorbereitet, plötzlich sämtliches Wissen abzurufen, welches noch gar nicht vertieft erlernt wurde. Es ist also schwer, die Motivation für etwas zu finden, was einen schlaucht und vielleicht sogar nachts wachhält. Eine gute Vorbereitung bedeutet, sich auf etwas einzulassen, was neu ist und was schwierig bis unmöglich erscheint. Für selbstzweifelnde Examenskandidat:innen kann also die einzige logische Lösung nur sein, strukturiert heranzugehen. Im Zweifel erklärt einem nämlich niemand, wie man die ersten Examensklausuren stemmt. Zum Glück gibt es Tipps, die Hemmungen nehmen und das alles gar nicht so schlimm erscheinen lassen.

 

  1. Besorge dir das Papier („Klausurenblöcke“), welches auch im Staatsexamen verwendet wird.
    Dieses findest du entweder online oder auch in manchen Schreibwarengeschäften oder Buchhandlungen, vor allem, wenn es eine Abteilung „Recht“ gibt. Das richtige Papier hilft dir, dich auf Staatsexamensbedingungen einzustellen. Am besten planst du im Voraus, wie viel du die nächsten Monate benötigen wirst, sodass du am Tag der Klausur nicht ohne dastehst. Es sind die kleinen Dinge, die deinen Lernplan außer Balance bringen können. Wichtig kann für dich auch sein, dir gutes Schreibwerkzeug zuzulegen. Für viele ist das ein Füller, manche präferieren einen Kugelschreiber. Am besten probierst du es aus!
  2. Plane im Voraus, wann und wo du die Klausur schreiben möchtest.
    Ein fester Eintrag in deinem Wochenplaner wird dich motivieren, dich an deinen Lernplan zu halten und hält dich davon ab, spontan eine Klausur ausfallen zu lassen. Wenn der Klausurenkurs trotz Corona in Präsenz stattfindet, steht der Termin meistens schon vorher fest. Kannst du dir die Klausur selbst einteilen, suche dir einen Tag aus, den du fest für die Klausuren blockst. Die erste Probeklausur sollte dann auch an diesem Tag zu dieser Zeit geschrieben werden, da dies einen klaren Anfang schafft und dich auf das „neue Normal“ einstellt.
  3. Suche dir eine:n Partner:in.
    Vor allem in Coronazeiten kann es schwierig sein, sich zu Hause allein 5 Stunden lang zu konzentrieren. Wer sich das nicht zutraut, sollte in Erwägung ziehen, Lernpartner zu finden. Das kann selbstverständlich auch ein:e Nichtjurist:in sein, der:die einfach zusammen mit dir arbeitet. Eine „Aufsichtsperson“ gibt einem manchmal das Gefühl von Struktur, vor allem, wenn man mit Angst an das Klausurenschreiben herangeht.
  4. Sei gnädig mit dir selbst, wenn du nicht weiterweißt.
    Frustration ist Teil der Examensvorbereitung. Versuche, so gut du kannst durchzuhalten und stolz auf das zu sein, was du jetzt schon kannst. Deine erste Klausur wird im Zweifel nicht deine Beste sein – je eher du dich mit einem „Durchfallen“ abfindest, desto schneller kannst du dich an die nächste setzen.
  5. Schreibe die Klausur zu Ende.
    Aber keine Angst, du musst nicht zwei Stunden dasitzen und Däumchen drehen, wenn du nicht weiterweißt. Im Zweifel hast du keine Ahnung, wie die StPO Zusatzfrage zu lösen ist, oder wie man ein Versäumnisurteil prüft. Wichtig ist, dass ein „Abbruch“ nicht an deinem Selbstvertrauen nagt. Wenn dein Ergebnis auch nicht im Mindesten dem Anspruch der Lösungsskizze entspricht – schreibe ein Endergebnis auf, unterschreibe die Klausur und gib sie ab. Es wird dich überraschen, wie sich danach ein Gefühl der Zufriedenheit bei dir einstellen wird.
  6. Lasse die Klausuren nicht zu Minihausarbeiten ausarten.
    Selbstverständlich kann es passieren, dass du die eine oder andere Sache nachschlagen willst, ganz besonders bei Beginn deiner Examensvorbereitung. Das sollte allerdings nicht Überhand nehmen, weil du ansonsten zu viel Zeit und Energie in die eine Klausur steckst und trotzdem am Ende unzufrieden mit dem Ergebnis bist. Mache dir eine Notiz, das Thema in deinem Lernplan eventuell vertieft zu behandeln und mache allein weiter. Du wirst noch auf 100 weitere juristische Probleme stoßen, bei denen du ins Stocken gerätst. Die Balance musst du allerdings selbst finden – manch einer mag von einer ausgiebigen Recherche oder Nachbereitung der „missglückten“ Klausur profitieren. Behalte stets im Hinterkopf, dass du eine ähnliche Klausur in 6 Monaten schon weitaus besser bewältigen wirst – nur Geduld.

 

3. … trotz Prüfungsangst! (Mit ihr umzugehen kann man lernen)

Ob die Note „zählt“ oder nicht, spielt für manche gar keine Rolle. Prüfungsangst kann einen trotzdem von guten Ergebnissen abhalten. Für Studierende, die in erhöhtem Maße an Prüfungsangst leiden, können die Probeklausuren ganz besonders abschreckend wirken – dabei sind sie das beste Mittel, die Prüfungsangst in den Griff zu bekommen. Es ist verlockend, die Examensvorbereitung auf einem reinen Theorielevel zu absolvieren und sich von Stress und Prüfungssituationen möglichst fernzuhalten. Doch mag das zwar komfortabel sein, ist aber oft der falsche Weg. Am Ende der Reise steht nun mal das Staatsexamen und je eher man lernt, mit dem Druck umzugehen, desto besser. Skiprofis trainieren nun mal im Schnee und Schwimmer werden nass. So muss auch der:die Jurist:in für die Kür „Staatsexamen“ Klausuren bewältigen und das geht eben nur am Schreibtisch mit Stift und Papier.

Ist die Prüfungsangst ein andauerndes Problem, sollte schon früh in der Vorbereitung ein Konzept überlegt und Hilfestellungen in Anspruch genommen werden, die von Ratgebern bis über eine professionelle psychologische Unterstützung reichen können.

 

4. … vor deinen Studienkolleg:innen! (Jeder lernt anders für das Staatsexamen)

Das Klausurenschreiben ist kein Wettbewerb und erst recht kein Wettrennen, genauso wenig wie die Examensvorbereitung es insgesamt ist. Wenn du von Kolleg:innen mitbekommst, dass sie zwei Klausuren pro Woche schreiben und schon in den ersten 9 Punkte geschrieben haben, sieh’s gelassen. Oftmals ist das weder die ganze Wahrheit noch sollte es dich persönlich beeinflussen. Der Plan, den du dir aufgestellt hast, sollte dein Maßstab sein, nicht mehr und nicht weniger. Dann kommen auch die persönlichen Erfolgserlebnisse wie von selbst. Es müssen am Ende des Jahres keine 150 Probeklausuren geschrieben sein, um das Staatsexamen bewältigt zu bekommen. Jeder tickt anders und zieht einen anderen Wert aus der Übung. Führe dir vor Augen, dass jede nicht bestandene Klausur dich weiterbringt und jede angefertigte Lösungsskizze einen Lernerfolg mit sich zieht.

Ein wenig gesunde Konkurrenz kann zwar motivierend sein, es sollte dir aber nicht zur Last werden. Mach du dein Ding und lass dich von anderen inspirieren, nicht einschüchtern.

 

5. … vor der Korrektur! (Eine schlechte Probeklausur erhöht den Lerneffekt)

Wer schon durch das Grundstudium ein erhöhtes Stresslevel aufweist, muss leider feststellen, dass es in der Examensvorbereitung nicht leichter wird. Das flaue Gefühl in der Magengrube bei der Einsicht der Klausurbewertung ist im Zweifel auch noch bei der 10. Probeklausur vorhanden. Dabei gibt es nichts, wovor man sich fürchten muss: Eine enttäuschende Note hat in der Regel einen höheren Lerneffekt als eine Glanzleistung. Es ist zwar schwer, sich damit abzufinden oder sich gar darüber zu freuen, es ist aber essentiell, um herauszufinden, wo schwerpunktartig noch Lernbedarf besteht und wo Lücken noch bestehen oder schon geschlossen sind. Du hast fünf Klausuren hintereinander nicht bestanden? Auch das ist kein Grund, in Panik zu geraten, da es nichts Untypisches ist. Dieses Gefühl von Niederlage stellt sich im Laufe des Studiums bei jedem Jurastudierenden an der einen oder anderen Stelle ein. Arbeite die Klausuren ausgiebig nach und vermerke in deinem Lernplan, dass auf die Themengebiete ein besonderes Augenmerk gerichtet werden sollte. Warte ab – in ein paar Monaten triffst du auf eine Klausur der gleichen Thematik und weißt nun viel besser, wie du mit den Rechtsproblemen umgehen musst.

 

6. … nicht durchzuhalten! (Lernpausen sind genauso wichtig wie Probeklausuren)

Der „Marathon“ Examensvorbereitung, kann ganz schön auf die Stimmung drücken.

Zudem ist es ein großes zeitliches Opfer, ein oder zwei Probeklausuren in der Woche zu schreiben, die jeweils 5 Stunden in Anspruch nehmen. Du solltest also darauf achten, dass du nicht ausbrennst und nach ein paar Wochen das Handtuch schmeißt. Lernerfolge können manchmal lange auf sich warten lassen. Deswegen ist es ein guter Rat, sich nach der geschriebenen Probeklausur zu belohnen, indem der Rest des Tages freigehalten wird. Entspanne oder nutze den Tag höchstens zur lockeren Nachbereitung. Je nach Lernplan kann eine planmäßige wöchentliche Probeklausur die Woche also schön abrunden. Nach dem Abgeben darfst dich durchaus auf deinen wohlverdienten Lorbeeren ausruhen.

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