Zwischen Fallanalysen und Plädoyers – Ein Erfahrungsbericht zum Soldan Moot Court 2025

Bild Bielefeld
Die Mooties der Universität Bielefeld mit ihren Coaches: v.l.n.r.: Luca Krämer, Jonas Koschmieder, Jennifer Haak, Tiara Tariq, Linnéa Driesen, Felix Frerich © Universität Bielefeld
Moot Courts zeigen, wie sich Zivilrecht wirklich anfühlt – lebendig, anspruchsvoll und überraschend praxisnah. Wer wissen will, wie man vom ersten Fall zum sicheren Auftreten in der Verhandlung kommt und warum sich der Aufwand trotz Stress absolut lohnt, findet in Jennifers Bericht einen direkten, ehrlichen Einblick in den Soldan Moot Court.

Short Facts

Name: Hans Soldan Moot Court

Rechtsgebiet: Anwaltliches Berufs- und Zivilrecht

Zeitraum: Juli bis Oktober

Sprache: Deutsch

Durch Moot Courts erhalten Teilnehmende einen wertvollen Einblick in die anwaltliche Praxis. Zudem verbinden sie juristische Theorie mit praktischer Argumentation. Der Moot Court zur anwaltlichen Berufspraxis ist besonders reizvoll, denn Studierende können dabei deutsches Zivilrecht praxisnah erproben und ihr bereits erworbenes Wissen in realitätsnahen Situationen einsetzen. Als Teilnehmerin (sog. Mootie) habe ich beim diesjährigen Soldan Moot Court die Universität Bielefeld repräsentiert. Die Vorbereitung war intensiv, aber gleichzeitig geprägt von vielen schönen Momenten, spannenden Diskussionen und großartigen Menschen. Dieser Beitrag ist ein Rückblick auf die Moot Court Zeit und ein persönlicher Erfahrungsbericht. Wer sich also für die Teilnahme am Soldan Moot Court oder einem Moot Court generell interessiert, kann sich einen Eindruck von der Arbeit machen, die einem bevorsteht.

Mein Soldan Moot Court

Mit der Veröffentlichung des fiktiven Falls Anfang Juli begann für mich der Moot Court und es begannen die Klageschriftsatzphase und die ersten internen Crashkurse. Die Beklagtenschriftsatzphase setzte einen Monat später mit der Erwiderung auf den Klageschriftsatz eines anderen Teams ein. Diese Monate waren von regelmäßigen Treffen geprägt, in deren Rahmen wir recherchierten, diskutierten und unsere Ergebnisse gemeinsam in schlüssige Schriftsätze zusammenführten. Schon früh zeigte sich, dass gerade diese Form von Zusammenarbeit eine Schlüsselkompetenz ist, die im klassischen Jurastudium leider kaum vermittelt wird.

Nach Abgabe des letzten Schriftsatzes am 4. September 2025 begannen wir unmittelbar mit der Vorbereitung auf die mündlichen Verhandlungen. Wir führten nahezu täglich teaminterne Probeverhandlungen und lernten, wie Verhandlungen im Soldan Moot Court geführt werden. Wichtig sind eine sichere Körperhaltung, konstanter Blickkontakt zur vorsitzenden Person, eine präzise Ausdrucksweise und vor allem tragfähige juristische Argumente. Ziel ist es, die Redehoheit in der Verhandlung souverän zu behaupten, dabei den Redeanteil im Team geschickt zu koordinieren, Einwände gezielt aufzugreifen und das Gericht somit von der eigenen Position zu überzeugen. Anfangs war dies ungewohnt, doch durch konsequentes Training und laufendes Feedback gewannen wir an Erfahrung, Routine und Sicherheit.

Es folgten externe Probeverhandlungen in Kanzleien sowie Probeverhandlungen (sog. Pre-Moots) unter Leitung und Betreuung von Professor:innen der Universität Bielefeld. An den Wochenenden nahmen wir an Pre-Moots teil, unter anderem an der Freien Universität Berlin und der Bucerius Law School in Hamburg. Die Pre-Moots dienten der realitätsnahen Vorbereitung auf den Wettbewerb in Hannover. Sie umfassten zahlreiche Verhandlungen in kurzer Folge, begleitet vom Feedback erfahrener Praktiker:innen, die als Juror:innen fungierten. Abends boten Rahmenprogramme Gelegenheit zum Netzwerken.

Die intensive Vorbereitung forderte ihren Tribut, bereitete uns jedoch optimal auf den Wettbewerb in Hannover vor. Dieser fand vom 8. bis 11. Oktober 2025 statt und umfasste neben den Verhandlungen weitere Programmpunkte zum Netzwerken sowie Interviews zum Anwaltsrecht und Karriereperspektiven. Ein Highlight war der von der Bundesrechtsanwaltskammer ausgerichtete Bankettabend im Welfenschloss. Die Verhandlungen in Hannover waren im Bewusstsein ihrer unmittelbaren Relevanz für die Wertung mit großer Aufregung verbunden, aber dank unserer gründlichen Vorbereitung gut zu bewältigen. Der Soldan Moot Court endete mit der Finalrunde und der Verleihung zahlreicher Preise an die Teams.

Ich möchte insbesondere Studierende in höheren Semestern ermutigen, noch vor Abschluss des Studiums an einem Moot Court teilzunehmen.

Real Talk: Erwartungen vs. Realität

Schon zu Beginn meines Studiums wollte ich am Hans Soldan Moot Court teilnehmen. Besonders reizte mich, dass das deutsche Zivilrecht im Mittelpunkt steht, sodass sich die im Studium erworbenen Kenntnisse unmittelbar anwenden lassen. Zudem lässt sich dieser Moot Court weitgehend in der vorlesungsfreien Zeit des Sommersemesters absolvieren. Mir war bewusst, dass die Teilnahme wegen der zahlreichen auswärtigen Termine zeitintensiv sein würde, weshalb ich mich erst gegen Ende meines Studiums für eine Teilnahme entschied. Rückblickend war das die richtige Einschätzung, denn der Moot Court erwies sich als zeitaufwendiger, als ich zunächst erwartet hatte.

Die Schriftsatzphasen verliefen weitgehend überschaubar. Rückblickend ähnelte die Arbeit an den Schriftsätzen dem gemeinsamen Verfassen einer juristischen Hausarbeit. Zu Beginn war es ungewohnt, gemeinsam über Rechtsfragen und Formulierungen zu diskutieren, doch gerade durch den angeregten Austausch entdeckten wir immer wieder tiefergehende Probleme und neue Ansätze. Die zeitintensivere Phase begann mit den Probeverhandlungen. Interne und externe Probeverhandlungen sowie Pre-Moots an den Wochenenden ließen nur wenig Zeit für andere Aktivitäten. Mit guter Organisation ist dies zwar zu bewältigen, doch der zeitliche Aufwand sollte keinesfalls unterschätzt werden.

Im Verlauf des Moot Courts wurde deutlich, dass Feedback, wie im Jurastudium allgemein bekannt, naturgemäß individuell und subjektiv ist. Zwar wird den Juror:innen ein Bewertungsbogen zur Verfügung gestellt, der eine einheitliche Beurteilung unterstützen soll, dennoch erwies sich das erhaltene Feedback als perspektivabhängig. Was einzelne Juror:innen kritisierten, hielten andere an derselben Stelle für unproblematisch. Dadurch war es schwierig, Rückmeldungen eindeutig zu beurteilen und die richtigen Prioritäten für die Überarbeitung zu setzen.

Fazit

Meine Teilnahme am Moot Court hat wesentlich dazu beigetragen, dass ich mich im freien juristischen Sprechen deutlich sicherer fühle. Im Jurastudium hat die mündliche Argumentation oft nur nachrangiges Gewicht. In der Praxis ist sie jedoch entscheidend, um überzeugend aufzutreten und Gehör zu finden. Diese Fähigkeiten gehören zum grundlegenden Werkzeugkoffer berufstätiger Jurist:innen. Ein Moot Court ermöglicht es, solche Fähigkeiten frühzeitig und realitätsnah zu trainieren. Dabei gilt Learning by Doing: Der Einstieg ist mitunter ungewohnt und bisweilen anspruchsvoll, doch mit der Unterstützung der Coaches und des Teams gut zu bewältigen.

Ich möchte insbesondere Studierende in höheren Semestern ermutigen, noch vor Abschluss des Studiums an einem Moot Court teilzunehmen. Gerade mit Blick auf die mündliche Prüfung im ersten Staatsexamen haben mir die Erfahrungen aus dem Wettbewerb spürbar geholfen.
Insgesamt blicke ich mit Freude auf diese Zeit zurück und bin überzeugt, die gewonnenen Fähigkeiten direkt in meinem anstehenden Referendariat einsetzen zu können.

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Jennifer Haak
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