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„Bereits die Absolvent:innenbefragung 2020 hat aufgezeigt, dass der Prüfungsdruck, der mit der unmittelbaren Vorbereitung auf die Erste Juristische Staatsprüfung einhergeht, enorm ist. Knapp 60% der Befragten haben dort ihren psychischen Druck auf einer Skala von 1 bis 10 mit dem höchstmöglichen Wert angegeben." (Quelle: [BRF/Drost, Abschlussbericht Umfrage zum psychischen Druck (2022), S. 7)
Diese alarmierenden Zahlen machen deutlich, wie hoch die Belastung ist, der Studierende der Rechtswissenschaften ausgesetzt sind. Dieser enorme Druck ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Die Angst vor dem Scheitern ist für über Dreiviertel der Studierenden eine der Hauptursachen für Stress. Verstärkt wird diese Angst durch die hohen Erwartungen und den enormen Leistungsdruck. Darüber hinaus wird die Prüfungsvorbereitung selbst von 76% der Befragten als eine der größten Belastungen angesehen. Die intensive und umfangreiche Vorbereitung kostet nicht nur Zeit, sondern auch viel mentale und emotionelle Energie. Die Sorge, nicht genug zu lernen, ist für 70 Prozent der Studierenden ein weiteres Problem. Ein Teufelskreis aus Überforderung und Stress entsteht durch das ständige Gefühl der Unzulänglichkeit.
Die psychische Belastung im Jurastudium ist so hoch, dass von zehn Teilnehmer:innen sieben in der Befragung vom BRF angaben, das Studium wegen psychischer Belastung nicht weiterzuempfehlen. Die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit sind vielfältig und reichen von Schlaflosigkeit und Angstzuständen bis hin zu Depressionen, Burnout, Selbstwertstörungen, Identitätskrisen und Aufmerksamkeitsstörungen.
Viele Studierende greifen auf bewährte Methoden zurück, um den Stress zu bewältigen. Sport als Ausgleich ist eine gängige Strategie, die von ein bisschen mehr als der Hälfte der Studierenden genutzt wird. Regelmäßige körperliche Betätigung hilft, den Kopf freizubekommen und Stresshormone abzubauen. Soziale Kontakte zu pflegen, ist ebenfalls essenziell: Für jede:n Zweite:n ist auch das Treffen mit Freund:innen eine Methode zur Stressbewältigung. Soziale Unterstützung und Interaktion kann verhindern, dass man sich isoliert und überfordert fühlt. Nichtsdestotrotz nutzen in etwa ein Drittel der Studierenden auch den sozialen Rückzug als bewusste Strategie, um mit dem Druck umzugehen. Zeit alleine kann also auch helfen, die Gedanken zu ordnen und neue Kraft zu schöpfen.
Einer der Hauptstressfaktoren ist der ständige Vergleich mit den Kommiliton:innen. Oft steckt da nämlich sogar mehr Schein als Sein dahinter. Anstatt sich in den Wettbewerb zu stürzen, sollten Studierende lernen, sich auf ihre eigenen Ziele und Fortschritte zu konzentrieren. Dieser Ansatz hilft, den Druck zu reduzieren und den Fokus auf die eigenen Stärken und Schwächen zu legen. Hast du dich schon mal gefragt, ob es die Gewinnformel oder das Geheimrezept für ein erfolgreiches Examen gibt? Naja, die gibt es leider nicht. Jeder lernt schließlich ganz individuell und muss seinen eigenen Weg in der Examensvorbereitung gehen. Es kann zwar helfen, sich an anderen anfangs zu orientieren; auf lange Sicht solltest du aber unbedingt eine eigene Lernstrategie aufbauen!
Achtsamkeitsübungen und Meditation können ebenfalls helfen, den Geist zu beruhigen und die innere Balance wiederherzustellen. Durch regelmäßige Praxis können Stress und Angst effektiv reduziert werden. Hast du es schon mal mit Yoga als Stressbewältigung probiert? Yoga kann nicht nur entspannen, sondern auch für einen besseren Fokus sorgen, Nervosität bezwingen, die Konzentration steigern und für einen besseren Schlaf sorgen. Aber auch eine kurze Meditation, die du in deinen Lernalltag oder abends in deine Routine integrierst, kann dir dabei helfen, deinen Kopf frei zu bekommen.
In manchen Situationen oder Lebenslagen ist es auch wichtig, einmal professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Psychologische Beratung oder Coaching können wertvolle Unterstützung bieten und ganz individuelle, auf deine Lebenssituation zugeschnittene Bewältigungsstrategien entwickeln.
Dritte können dich außerdem unterstützen, deine Stärken besserer herauszuarbeiten und deine Schwächen zu analysieren, damit du besser mit der Menge an Stoff und dem Druck zurechtkommst. Wichtig ist vor allem ein gut durchdachtes Zeitmanagement im Jurastudium, um den Überblick zu behalten und den Lernstoff effektiv zu bewältigen. Viele Universitäten bieten diesbezüglich speziell für Jurastudierende zugeschnittene Zusatzveranstaltungen an. Informiert euch mal und geht hin. Es hilft wirklich :)
Setze dir auf jeden Fall realistische Ziele und gönne dir regelmäßige Pausen, um Erschöpfung zu vermeiden. Außerdem spielt Selbstfürsorge und Selbstakzeptanz eine große Rolle. Es ist wichtig, dass du dir selbst gegenüber freundlich und nachsichtig bist. Akzeptiere unbedingt, dass nicht jeder Tag gleich produktiv sein kann und dass es in Ordnung ist, auch mal Pausen einzulegen. Auch Jurastudierende sind Menschen und keine Maschinen. Selbstfürsorge ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit, um langfristig leistungsfähig zu bleiben – besonders in der Examensvorbereitung. Denn wie sagt man so schön: Das Jurastudium ist ein Marathon und kein Sprint. Und um das zu meistern muss es dir, deinem Körper und deinem Geist gutgehen.
Gib dir die Erlaubnis, Pausen zu machen und auf dich selbst zu hören – denn es geht beides: Erfolgreich Jurastudieren UND sich mental wohlzufühlen.
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