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Jura gilt nach wie vor als einer der elitärsten Studiengänge in Deutschland. Nicht ganz zu Unrecht, denn bei Durchfallquoten im ersten Examen von rund 25 Prozent kann man wirklich stolz auf sich sein, wenn man es geschafft hat. Allerdings sorgt dieses Image, zu dem auch einige Studierende, Lehrende und spätere Arbeitgebende beitragen, auch dafür, dass sich manch ein:e Studieninteressierte:r überlegt, ob das mit der Juristerei überhaupt die richtige Entscheidung ist. Dass der Zugang zum Studium abhängig von der sozialen Herkunft ist, zeigt das Ergebnis der Sozialerhebung des Deutschen Studierendenwerks von 2021: Danach kommen nur rund 36 Prozent der Jurastudierenden aus Familien ohne Hochschulerfahrung. Rechtswissenschaften sind damit nach Medizin und Kunst das Studienfach mit den meisten Akademikerkindern.
Welche Bedeutung die soziale Herkunft konkret für die Ausbildung hat, veranschaulichen die Kosten, die ein Jurastudium mit sich bringt: Zum einen ist da die vergleichsweise lange Ausbildungsdauer bis zum ersten Abschluss, also eine ganz schön lange Zeit ohne Gehalt aus einem Beruf. Spätestens in der Examensvorbereitung wird dann klar: Das Jurastudium stellt eine zeit- und kraftintensive Arbeitsbelastung dar. Nebenbei jobben zu müssen wird dann zur besonderen Herausforderung. Kommerzielle Repetitorien sind eine weitere finanzielle Belastung. Zwar bieten viele Universitäten mittlerweile mit ihren eigenen Examenskursen kostenlose Alternativen für Studierende an, aber auch Lehrbücher und Gesetzessammlungen, die man für die Vorbereitung und Prüfungen benötigt, schlagen mit dreistelligen Beträgen zu Buche. Dem Druck, das Studium in Regelstudienzeit abzuschließen, sind besonders Studierende mit finanziell schwächerer Herkunft ausgesetzt: Bei Überschreitung der Regelstudienzeit ist eine BAföG-Förderung grundsätzlich ausgeschlossen. Zu guter Letzt ist auch der Verbesserungsversuch für die Pflichtfachprüfung in vielen Bundesländern mit Kosten verbunden.
Neben den finanziellen gibt es auch ganz praktische Hürden, die nicht nur, aber vor allem für Erstakademiker:innen bestehen. Sie müssen Netzwerke, um beispielsweise an Praktikumsstellen oder juristische Nebenjobs zu kommen, aus eigener Kraft bilden. Zudem kann das Gefühl, nicht dazu zu gehören, eine mentale Barriere darstellen. Es gibt jedoch einige Angebote, die Studierende speziell aus Nichtakademikerfamilien in Anspruch nehmen können. Die Initiative „ArbeiterKind.de“ setzt sich für Chancengleichheit und den Bildungsaufstieg von Studierenden aus Familien ohne Hochschulerfahrung ein. Einige Universitäten bieten außerdem Buddy-Programme zwischen Studierenden höherer Semester und Studienfänger:innen. Diese könnte man auch an Schulen einführen, um so den Kontakt zu anderen nicht-traditionellen Studierenden herzustellen und die mentale Barriere durch Vorbilder an der Universität abzubauen. Langfristig müssen aber schon in der Grundschule durch gezielte Kultur- und Bildungsangebote Chancen für Nichtakademikerkinder geschaffen werden, damit sich die soziale Ungleichheit, die heute bereits beim Übergang zur Sekundarstufe besteht, nicht mehr durch den weiteren Bildungsweg zieht.
Vor allem sollten Studierende und Studieninteressierte aber nicht vergessen, dass ihre Erfahrungen und Sicht als Erstakademiker:innen wichtig sind. Ein Perspektivenpluralismus im Studium und besonders in der späteren Praxis ist, egal wo man am Ende arbeitet, von unschätzbarem Wert. Denn Rechtskenntnisse sind vor allem auch Herrschaftswissen – ihre Verbreitung in alle Teile der Bevölkerung ist also ganz im Sinne der Demokratie.
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