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Kennzeichnend für ein Ehrenamt ist, dass die ehrenamtlich tätige Person freiwillig und unentgeltlich gemeinnützige Arbeit leistet. Die Tätigkeit findet also neben Beruf oder Studium statt und wird grundsätzlich nicht vergütet. Ehrenamtliche Arbeit ist vielfältig und bietet unterschiedliche Vorteile. In diesem Beitrag erfährst du, welche das sind – und findest zudem Vorschläge für ein Engagement neben dem Jurastudium und weitere hilfreiche Infos zum Thema Ehrenamt im Jurastudium.
In erster Linie sollte ein Ehrenamt Spaß machen und Erfüllung bringen. Schließlich leistest du in deiner Freizeit zusätzliche Arbeit für eine gute Sache. Du solltest dir also sicher sein, dass du aufrichtiges Interesse an deiner Tätigkeit hast – auch, wenn Konflikte und kleinere Hindernisse nicht immer zu vermeiden sind. Dann kann ein Ehrenamt einen tollen Ausgleich zum lernintensiven Jurastudium darstellen. Außerdem ist es einfach sehr erfüllend, die Resultate seiner Arbeit direkt sehen zu können – sei es durch die Beratung eines Rechtssuchenden oder die Organisation eines Workshops.
Ehrenamtliches Engagement bietet außerdem die Chance, Gleichgesinnte zu treffen und so eventuell langfristige Freundschaften zu entwickeln. Auch kannst du bestimmte Soft Skills wie Organisationsfähigkeit oder Führungskompetenz verbessern und verschaffst dir optimalerweise bereits einen ersten Überblick über ein bestimmtes Berufsfeld. Ein weiterer Bonus: Ein Ehrenamt hebt dich bei potentiellen Arbeitgebern positiv hervor und ist häufig auch Voraussetzung für ein (Studien-)Stipendium. Ehrenamtliches Engagement zeugt von hoher Motivation, Offenheit und Verantwortungsbewusstsein.
In manchen Fällen besteht außerdem die Möglichkeit, sich eine studienbezogene ehrenamtliche Tätigkeit auf den Freischuss anrechnen zu lassen. Du kannst in diesem Fall den Freischuss für das Erste Staatsexamen also nach hinten verlegen. Ob und unter welchen Voraussetzungen das möglich ist, unterscheidet sich je nach Bundesland. Am besten fragst du also bei deinem zuständigen Landesjustizprüfungsamt nach.
Neben Freude, gutem Karma und einem positiven Eindruck kann eine ehrenamtliche Tätigkeit weitere Vorteile bieten. In dieser Hinsicht ist es hilfreich, wichtige Punkte schon vor Beginn des Ehrenamts mit der jeweiligen Organisation zu klären. Im Folgenden sind ein paar wesentliche Grundsätze zu Ansprüchen von ehrenamtlich tätigen Personen aufgeführt.
Viele Organisationen, die auf ehrenamtliches Engagement setzen, stellen auf Nachfrage ein Zeugnis über die Tätigkeit aus, das beispielsweise einer Bewerbung beigelegt werden kann. Ein Anspruch auf ein solches Zeugnis besteht aber nicht. Auch hier sollte dich offene Kommunikation aber an dein Ziel bringen – in den wenigsten Fällen wird dir eine Bescheinigung über dein Engagement verweigert werden.
Bei der regelmäßigen Ausübung eines Ehrenamts besteht für einige Engagierte kostenloser gesetzlicher Unfallversicherungsschutz. Hierfür kommt es sowohl auf die Tätigkeit als auch auf das Bundesland an, in dem diese ausgeübt wird – denn die Unfallkassen einiger Länder sehen in ihrer Satzung einen erweiterten Versicherungsschutz vor. Sind die Voraussetzungen erfüllt, ist der Schutz automatisch gegeben. Ehrenamtlich tätige Personen müssen sich also nicht individuell zur Versicherung anmelden. Einen ausführlichen Überblick über das Thema Versicherungsschutz im freiwilligen Engagement bietet eine Broschüre des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Für Schäden, die bei ehrenamtlicher Tätigkeit Dritten verursacht werden, besteht kein automatischer Versicherungsschutz. Hier ist eine private Haftpflichtversicherung sinnvoll, wenn kein umfassender Schutz über die jeweilige Organisation gegeben ist.
Auch ein finanzieller Ausgleich ist bei ehrenamtlicher Arbeit möglich. Eine solche Aufwandsentschädigung soll dabei deine Ausgaben abdecken und ist daher kaum mit der Entlohnung eines Nebenjobs zu vergleichen. Entschädigungen für den entstandenen Aufwand können entweder pauschal abgegolten oder konkret gegen Beleg erstattet werden. Bei konkreten Ausgaben für das Ehrenamt besteht ein Anspruch auf Aufwendungsersatz – eine Aufwandsentschädigung können Organisationen hingegen freiwillig zahlen.
Die steuerfreie Ehrenamtspauschale beträgt pro Person 840€ im Jahr. Bis zu diesem Betrag muss die Aufwandsentschädigung also nicht versteuert werden. Sogenannte Übungsleiter – also beispielsweise ehrenamtlich tätige Ausbilder:innen, Trainer:innen oder Dozent:innen – profitieren von einem jährlichen Steuerfreibetrag von bis zu 3.000€.
Die Bandbreite an unentgeltlichen Nebentätigkeiten ist groß – denn an vielen Stellen werden helfende Hände benötigt. Hier findest du einige Vorschläge für Ehrenämter, die dich als Jurastudent:in in besonderem Maße persönlich weiterbringen können. Einige dieser Tätigkeiten haben einen offensichtlichen Bezug zu Jura, andere kommen grundsätzlich auch für Studierende anderer Fachbereiche in Betracht.
Eine klassische ehrenamtliche Tätigkeit für Jurastudierende besteht in der Mitarbeit bei einer Law Clinic. Law Clinics bieten kostenlose studentische Rechtsberatung für bestimmte Zielgruppen an. An den meisten deutschen Universitäten mit dem Studiengang Rechtswissenschaften gibt es eine Refugee Law Clinic, die Geflüchtete beispielsweise im Asyl- und Aufenthaltsrecht unterstützt. Doch es existieren auch Law Clinics, die beispielsweise Senior:innen beraten oder zivil-, medien- oder unternehmensrechtliche Themenfelder abdecken.
Als Mitglied einer Law Clinic kannst du dich in Recherche und Mandant:innengesprächen üben und so erste Einblicke in die Rechtsberatung bekommen. Teilweise ist Voraussetzung, dass du bestimmte fachliche Kenntnisse vorweisen kannst – so zum Beispiel im Asylrecht. Doch auch organisatorische Mitarbeit ist gerne gesehen, beispielsweise in Sachen interner und externer Kommunikation.
Du interessierst dich für Umweltpolitik und möchtest dich mit anderen zusammen für mehr Klimaschutz engagieren? Dann könnte ein Engagement bei den Lawyers for Future oder bei GermanZero für dich interessant sein. Erstere sind ein Zusammenschluss von Jurist:innen, die sich hinter die Forderungen von Fridays for Future stellen und beispielsweise Informationsmöglichkeiten zu den Themen Recht und Klimaschutz anbieten. Zweiteres ist eine Organisation, die sich ebenfalls für eine schnelle Klimaneutralität einsetzt und bereits ein Gesetzespaket zur Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze der Erderwärmung erarbeitet hat. Beide Organisationen verbinden juristische Arbeit mit politischer Einflussnahme in Sachen Klimaschutz.
Die European Law Students‘ Association (ELSA) ist das weltweit größte Netzwerk von Jurastudierenden und jungen Jurist:innen. In Deutschland hat das Netzwerk an den verschiedenen Universitäten und Hochschulen über 12.000 Mitglieder. Ehrenamtliche Arbeit bei ELSA besteht vor allem in der Organisation von Projekten wie Moot Courts, Vorträgen und sozialen Events. Über die Ortsgruppe deiner Hochschule kannst du dich schnell mit anderen Studierenden und bei entsprechenden Veranstaltungen auch mit potenziellen Praktikums- oder Arbeitgebern vernetzen. Nebenbei verbesserst du deine Organisations- und Kommunikationsfähigkeiten.
Wer sich an der eigenen Hochschule in der Studierendenvertretung engagieren möchte, hat mehrere Optionen. Denn die studentische Selbstverwaltung wird durch verschiedene Gremien organisiert, deren genaue Ausgestaltung von Bundesland und Hochschule abhängig sind. Zum einen besteht in der Regel die Möglichkeit, sich für ein Mitgliedschaft im Studierendenparlament zur Wahl stellen zu lassen. Dieses verfügt unter anderem über den studentischen Haushalt. Weiterhin ist eine Mitarbeit im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) möglich – dem studentischen Gremium, das mit der Außenvertretung der Studierenden betraut ist.
Auch in der jeweiligen Fachschaft der Rechtswissenschaften bietet sich die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und sich für die Belange von Studierenden einzusetzen. Die Fachschaften streben die Verbesserung der Studienbedingungen auf Fachbereichs- bzw. Studienfachebene an und organisieren unter anderem soziale Veranstaltungen wie Einführungswochen für Erstsemester. Auch hier kannst du also zahlreiche Soft Skills verbessern. Ein weiterer Vorteil des Engagements in der studentischen Selbstverwaltung: Nach § 15 Abs. 3 Nr. 3 BAföG besteht in diesem Fall die Möglichkeit, länger BAföG zu beziehen.
Auch Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International haben an vielen Hochschulen eine aktive Hochschulgruppe. Diese informieren unter anderem über Missstände und organisieren Veranstaltungen wie Workshops und Podiumsdiskussionen. Wenn du dich für Menschenrechte stark machen möchtest, könnte ein entsprechendes Ehrenamt interessant sein.
Natürlich können diese Vorschläge nur einen kleinen Teil der ehrenamtlichen Tätigkeiten abbilden, die neben dem Studium möglich sind. Weitere Anregungen kannst du beispielsweise über ein Ehrenamts-Portal deiner Stadt bekommen. Falls du dir bezüglich der Aufgaben und Anforderungen nicht ganz sicher bist: In der Regel freuen sich entsprechende Organisationen über eine informelle Kontaktaufnahme per Mail oder Social Media.
Du hast grundsätzlich Interesse an einem Ehrenamt, aber bist dir unsicher, ob dir nicht alles irgendwann über den Kopf wächst? Zunächst einmal: Ehrenamtliche Arbeit kann sehr erfüllend sein, Spaß machen und dich Teil einer Gemeinschaft werden lassen. Trotzdem solltest du nicht deine gesamte Energie in das Ehrenamt stecken. Schließlich benötigst du neben Zeit fürs Studium auch noch Zeit für Hobbys, Familie und Freund:innen und eventuell einen Nebenjob. Bei der Planung deiner Zeit neben dem Studium ist es wichtig, dass du dich selbst und deine Prioritäten gut kennst: Ist es dir wichtig, dein Studium in Regelstudienzeit abzuschließen? Brauchst du viel Zeit für dich, um deine Batterien aufzuladen? Hat regelmäßiger Sport für dich einen hohen Stellenwert?
Wenn du weißt, wofür du deine Zeit verwenden möchtest – und wofür nicht –, kann es hilfreich sein, sich einen groben (Wochen-)Plan zu machen. Darin kannst du neben Uni-Zeit und sonstiger Arbeit auch deine Hobbys und Freizeitpläne festhalten. Plane dabei auch Pausen ein und übernimm dich nicht – denn oft kommt unerwartet doch noch etwas dazwischen.
Ein weiterer möglicher Ansatz ist es, mehr nach Energielevel als nach Zeit zu planen. Du kannst dich also fragen, welche Tätigkeiten dir Energie geben und welche dir Energie rauben und so versuchen, diesbezüglich weitmöglichst in Balance zu bleiben. Weiterhin lassen sich Aufgaben verschiedenen Zeitslots zuteilen, je nachdem, wann am Tag du am motiviertesten und konzentriertesten bist. Außerdem ist es hilfreich, regelmäßig zu checken, wie viel Energie du aktuell hast und ob du eventuell bereits kurz vor einer Überlastung stehst. Das Gute ist: Ein Ehrenamt, das dir Freude bereitet, kann dir viel Energie geben und auch über unvermeidliche Motivationstiefs im Studium hinweghelfen.
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