Digitale Modernisierung der Juristenausbildung - Digital Study 2019 von Lex Superior

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Geht euch ein Licht auf? Die Modernisierung der Juristenausbildung kann nicht funktionieren ohne den Fokus auf die Digitalisierung zu legen.
Neues Jahr neue Chancen - und die Hoffnung darauf, dass die juristische Ausbildung in Deutschland in den 2020er Jahren endlich den Sprung ins 21. Jahrhundert schafft. Das geht nicht, ohne einen Fokus auf Digitalisierung zu setzen.

Im juristischen Kontext heißt Digitalisierung vor allem die Chance auf inklusive und innovative Lernformen, einen leichteren Zugang zu Normen und Gesetzen (ganz ohne Schleppen) und eine veränderte Arbeitswelt mit neuen Spezialisierungsmöglichkeiten und moderneren Arbeitsabläufen, wie die elektronische Akte. Das Stichwort Legal Tech ist zwar in aller Munde aber nur in wenigen Köpfen wirklich verankert.

Wer gut auf diese Berufswirklichkeit vorbereitet sein möchte, sollte bereits während des Studiums und des Referendariats die Lernfühler ins Digitale ausstrecken und sein Skill Set schärfen. Wie gut die deutschen Universitäten ihre Studierenden auf diesem Weg unterstützen und was sich der juristische Nachwuchs von der digitalen Revolution für die eigene Zukunft wünscht, hat Lex superior in ihrer aktuellen Digital Study untersucht.

 

Digitalisierung und Recht – Basisdaten zur Digital Study 2019

Das junge Unternehmen hat sich dem digitalen Rechtsmarkt verschrieben und liefert Angebote für das juristische Lernen und Arbeiten von heute und morgen. Ihre Digital Study 2019 basiert auf einer Erhebung und einer Umfrage, an der über 1.800 Studierende, 700 Referendarinnen und Referendare sowie 14 juristische Fakultäten zwischen April und August 2019 teilgenommen haben.

Gefragt wurde nach den (Weiter-)Bildungsmöglichkeiten im Bereich Digitalisierung und Recht und ob diese von den Nachwuchsjuristinnen wahrgenommen und genutzt würden.

 

Welche Universitäten können im digitalen Zeitalter mithalten?

Aus den Ergebnissen der Erhebung hat Lex superior einen Digitalisierungsindex entwickelt, der besonders engagierte Hochschulen hervorhebt und somit Anreize zum Ausbau des digitalen Bildungsangebotes für die gesamte deutsche Hochschullandschaft liefern soll. Besonders hervorgetan hat sich die Humboldt-Universität zu Berlin, die es mit vielfältigen Kursen und Law Clinics sowie einer Forschungsstelle Legal Tech auf Platz eins des Rankings geschafft hat.

Positiv gewertet wurden auch das Engagement der Universität München sowie der Universität Münster - hier gibt es beispielsweise mit dem „unirep-online“ eine echte E- Learning-Alternative oder Open Access Podcasts zum flexiblen Lernen von überall.

An der privaten Bucerius Law School in Hamburg geht es besonders innovativ zu: Hier hat die Studie unter anderem die Einführung eines digitalen Fallbuchs und die Videokorrektur von Probeklausuren lobend hervorgehoben.

 

Online während der Klausur? Ergebnisse der Digital Study 2019

Eine ausführliche Analyse der Umfrage veröffentlicht Lex superior demnächst auf ihrer Website. Einen kleinen Vorgeschmack auf die teilweise überraschenden Antworten jedoch schon hier:

  • Der Studie fiel unter anderem auf, dass Studierende ihr Wissen über vier verschiedene Themenbereiche der Digitalisierung (Rechtsinformatik, Recht der Digitalisierung, Legal Tech und Legal Design) als eher gering einschätzten, sich aber signifikant mehr Wissen in allen Bereichen wünschten.
  • Damit korrespondiert, dass nach Wahrnehmung der Studierenden an ihren jeweiligen Universitäten sich lediglich keine bis zwei Lehrveranstaltungen Digitalisierungsthemen widmen würden. Mit diesem Angebot zeigten sich mehr als 70 Prozent der Befragten unzufrieden.
  • Thematisiert wurde auch der gewünschte Zugang zu Lernmaterialien an den Universitäten - hier zeigt sich ebenfalls ein klares Bild: über 96 Prozent der Studierenden wünschen sich einen digitalen Zugang zu Lernmaterialien, wie Skripten, Altklausuren und Fallsammlungen. Die Realität sieht an vielen Unis allerdings anders aus, denn häufig können solche Materialien nur Vorort ausgeliehen werden. Ist das noch zeitgemäß?
  • Auch die Referendarinnen und Referendare sind in der Digital Study zu Wort gekommen. Nach der Examensklausur am Computer gefragt, sprachen sich 76 Prozent von ihnen für die Möglichkeit aus, Zweitexamensgutachten nicht mehr per Hand schreiben zu müssen.

Unter den ErstexamenskandidatInnen gibt es für das Examen am Computer ebenfalls deutlichen Zuspruch, wenn auch etwas verhaltener als bei den ReferendarInnen. Möglicherweise muss man ein handschriftliches Examen erlebt haben, um die getippte Klausur wirklich zu schätzen zu wissen.

Erstaunlicherweise sind die Stimmen überwiegend ablehnend, wenn nach einem freien Internetzugang während der Klausuren gefragt wird - das geht vielen dann scheinbar doch zu weit.

Dennoch, das Zeichen ist gesetzt und es spricht eine klare Sprache: Die Digitalisierung ist im Recht angekommen und die Ausbildung braucht dringend passende Reformen. Also ab an die Tasten!

Hier findet ihr die ausführlichen Ergebnisse der Digital Study 2019.

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Sophia von Bültzingslöwen
Die Autorin studierte Jura an der Humboldt-Universität in Berlin und schrieb regelmäßig für Anwaltsblatt und katzenkönig.