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Nicht sportlich genug, um als Fußballspieler:in durchzustarten, aber dennoch interessiert, die Fußball-Leidenschaft mit der juristischen Karriere zu vereinen? Klingt vielleicht wie ein Traumgespinst, ist aber gar nicht so abwegig.
Die Fülle juristischer Problematiken macht auch vor Bundesligavereinen nicht Halt. Dabei war es für Vereine lange Zeit unüblich selbst Justiziar:innen anzustellen. Mit der wachsenden Anzahl an rechtlichen Themen, wird der Wunsch nach persönlichen Rechtsberater:innen jedoch immer höher, statt die Aufträge an externe Anwaltskanzleien abzugeben. Trotzdem sind diese Stelle eher rar gesät, denn das interessante Aufgabenfeld scheint für Viele trotz unterdurchschnittlicher Bezahlung (im Rechtsbereich) attraktiv zu sein. Das Aufgabenfeld kann sich über verschiedene Themenfelder erstrecken: Von Arbeits- und Wettbewerbs- über Verbands- und Vereins- bis hin zum Markenrecht. Aber auch Daten- und Jugendschutz sind Themen, denen sich Justiziar:innen eines Bundesligavereins widmen müssen. Aber auch hier bleibt man wohl kaum von den klassischen juristischen Tätigkeiten, wie zum Beispiel das Erstellen und Prüfen von Verträgen, verschont. Dabei muss es nicht zwangsläufig nur um klassische Arbeitsverträge gehen, sondern auch um Sponsor:innen- oder Dienstleistungsverträge. Langweilig wird's in diesem juristischen Nischenfeld bestimmt nicht.
Dass gerade bei der Bundeswehr viele juristische Themen wichtig sind, macht Sinn. Aber was genau macht ein:e Rechtsberater:in bei der Bundeswehr? Zum einen schult man als Rechtsberater:in militärische Vorgesetzte in Bereichen des Wehrrechts und des humanitären Völkerrechts. Aber auch bei Auslandseinsätzen gibt es rechtliche Fragen zum Einsatzrecht oder zur Planung militärischer Operationen. Zum anderen stehen auch typische juristische Tätigkeitsfelder auf der Tagesordnung: Vertragsangelegenheiten, Widerspruchsverfahren und Prozessvertretungen können zum Alltag dazu gehören. Auch eine Lehrtätigkeit kann zum Aufgabenbereich der Rechtsberater:innen bei der Bundeswehr dazu gehören: Wie sollen die zukünftigen Soldat:innen sonst über das Verfassungsrecht, das Befehlsrecht oder das Einsatzrecht Bescheid wissen?
Als Voraussetzungen für einen Job in der Rechtsberatung nennt die Bundeswehr auf ihrer Homepage vorzugsweise beide Staatsexamina mit einer Summe aus beider Gesamtpunktzahlen von 13 Punkten. Außerdem sollte man mindestens über gute englische und bestenfalls auch französische Sprachkenntnisse verfügen. Als Gegenleistung zu diesem umfangreichen Aufgabenbereich erhält man einen wirtschaftlich sicheren Arbeitsplatz und voraussichtlich eine Anstellung als Beamt:in.
Jura studieren und etwas Großes bewegen wollen? Kein Problem. Als Menschenrechtsexpert:in bei Amnesty International gibt es einen Job mit Mehrwert, bei dem man weiß, wofür man arbeitet.
Menschenrechte werden weltweit ständig verletzt: Massenverhaftungen, Folter, Verfolgung. Und genau für solche Menschenrechtsverletzungen sind Expert:innen gefordert, die diese aufdecken, dagegen vorgehen und vor allem darauf aufmerksam machen. Die Organisation Amnesty International setzt sich in vielen Ländern für gefährdete Menschen ein. Betroffen sein können solche, die aufgrund ihrer Herkunft, Ethnie, Religion oder ihres Geschlechts verfolgt werden. Aber auch Menschen, die sich für die Durchsetzung von Rechten einsetzen, wie Anwält:innen, Journalist:innen oder Umweltaktivist:innen. Zu den Erfolgen dieser Organisation zählen beispielsweise die Freilassung verschiedener Menschenrechtler:innen, dass Abtreibungsgesetze in der Slowakei nicht weiter verschärft wurden und Kinder mehr Ausbildungsmöglichkeiten erhalten. Amnesty International arbeitet als Nichtregierungsorganisation (NGO) unabhängig und finanziert sich lediglich durch Spenden und Mitgliedschaftsbeiträgen. Dementsprechend sollte man nicht auf Geld und Ruhm aus sein, wenn man sich für diesen Job interessiert. Es gibt neben Amnesty auch viele weitere Organisationen, in denen man hauptberuflich aber auch ehrenamtlich tätig werden kann. So auch das European Center for Constitutional and Human Rights, der Flüchtlingsrat Berlin, Human Rights Watch oder das Institut für Menschenrechte.
Eine andere Alternative zum klassischen Anwaltsberuf stellt eine Beamtenlaufbahn bei der Europäischen Union dar. Als Rechts- und Sprachverständige:r wirkt man unmittelbar an der Gestaltung der EU mit. Ziel ist es, dass neue Rechtsvorschriften in den verschiedenen EU-Staaten den gleichen Inhalt bekommen. Dazu ist es wichtig, Sachverhalte von EU-Vorschriften genau zu erfassen, um sie dann in anderen Sprachen wiedergeben zu können. Rechts- und Sprachverständige stellen also sicher, dass Rechtstexte den formalen Anforderungen entsprechen und Übersetzungen sprachlich als auch juristisch übereinstimmen. Der Aufgabenbereich beinhaltet jedoch eher weniger Übersetzungstätigkeiten, als mehr enge Zusammenarbeit mit der Übersetzungsabteilung und deren spätere Überprüfung. In diesem Job geht es nicht darum, seinen Kopf durchzusetzen, sondern diplomatische Lösungen zu finden. Themen erstrecken von Terrorbekämpfung über die Sanktionspolitik der EU bis hin zur Analyse deutscher Rechtsprechungen oder des Europäischen Gerichtshofs.
Das Jobprofil zeigt bereits, dass hier genau diejenigen richtig aufgehoben sind, die ihre Karriere international ausrichten wollen. Aber auch eine gute Bezahlung, eine Anstellung im öffentlichen Dienst und attraktive Arbeitszeiten können ausschlaggebende Gründe für diesen Alternativberuf sein. Dafür muss man als Bewerber:in natürlich auch einiges zu bieten haben: ausgezeichnete sprachliche Fähigkeiten, also perfekt in einer EU-Sprache und gute Kenntnisse mindestens zwei weiterer Sprachen. Vorteilhaft sind außerdem Erfahrungen mit der Ausarbeitung und Übersetzung von Rechtstexten. Auch sollte einen das umfassende Bewerbungsverfahren in verschiedenen Etappen nicht abschrecken: Zunächst muss der:die Bewerber:in in einer Online-Befragung und späterem Assessment-Center mit praxisbezogenen Übungen überzeugen. Dabei sollen Fähigkeiten wie Problemlösungskompetenz, Organisationsfähigkeit, Belastbarkeit, Teamfähigkeit usw. unter die Lupe genommen werden. Dann ist es aber noch lange nicht geschafft: Zunächst wird man auf eine Reserveliste genommen, aus der sich dann EU-Institutionen aussuchen können, wen sie zum Vorstellungsgespräch einladen möchten. Es geht also bei dem Auswahlverfahren nicht um die konkrete Bewerbung auf eine Stelle, sondern um die Aufnahme in einen “Bewerber:innen-Pool der Besten”. Das Auswahlverfahren dauert dabei mindestens ein halbes Jahr. Wer es aber nicht eilig hat, sprachbegabt ist und für einen Job bei der EU brennt, sollte sich diese Möglichkeit nicht entgehen lassen.
Was ist aber, wenn man nicht in strengen Hierarchien arbeiten und sich stattdessen lieber kreativ ausleben möchte? Auch für diese Jura-Studierenden gibt es eine spannende Alternative: Sich selbstständig machen und ein Jura-Start-Up gründen.
Start-Up-Gründungen sind derzeit total im Trend, was wohl im Kontrast zur veralteten Jura-Ausbildung steht. Trotzdem lassen sich beide Aspekte sinnvoll kombinieren. Wie das aussehen kann, gestaltet sich natürlich immer individuell. Start-Up-Gründungen haben aber eins gemein: Eine Idee. Die kann aus dem Legal Tech Bereich kommen, wie zum Beispiel Rückerstattungen als Entschädigungen bei Flug- oder Bahnreisen oder Online-Beratung zu Rechtsfragen. Es gibt aber auch ganz andere innovative Ideen, mit denen sich Jurist:innen bereits selbstständig gemacht haben: Eine Plattform, um medizinische Jobs zu vermitteln, Apps, die das Jura-Studium vereinfachen sollen oder Schönfelder-Tragetaschen aus alten Kaffeesäcken. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt . Wer ein eigenes Start-Up gründet, ist sein:e eigene:r Chef:in und das sollte ausgenutzt werden: Themen, die eine:n während des Studiums oder auch im Alltag stören, können aufgegriffen und mit innovativen Lösungsansätzen aus der Welt geschafft werden. Und genau das ist etwas, was eine eigene Start-Up-Gründung ausmacht: Man weiß worauf man hinarbeitet, was der Arbeit seinen Sinn verleiht und daraus resultiert eine Motivation, die wohl so hoch ist, wie in kaum einem anderen Jura-Beruf.
Aber auch diese Berufswahl hat seinen Preis: Von sicherer Bezahlung und einer sicheren Anstellung ist zu Beginn nur zu träumen. Außerdem kann man sich auf einen zeitintensiven Job einstellen: Denn mit der Umsetzung einer Idee und einer Unternehmensgründung ist es noch lange nicht geschafft. Man muss sich Gedanken über finanzielle Rücklagen machen, darüber, wie man am Markt mit seiner Idee auftreten und wie man überhaupt darauf aufmerksam machen möchte. Es ist für viele ein großer Schritt und ein Sprung ins kalte Wasser. Außerdem ist man stets dem Risiko ausgesetzt, dass man nicht weiß, ob man mit seiner Idee wirklich erfolgreich wird. Ob man mit seiner Idee durchstartet oder nicht: Leer geht man nie aus. Denn aus der Selbstständigkeit kann man viele Erfahrungen sammeln und herausfinden, was man kann und was man will. Und das geht vor allem schon während des Studiums: Denn um ein Start-Up zu gründen, braucht man kein abgeschlossenes Studium. Es lässt sich nebenbei aufbauen und weiterentwickeln. So kann man einige Rechtsthemen aus den Vorlesungen direkt in der Praxis kennenlernen: Unternehmensgründung, Verträge schließen, AGBs, Widerrufs- und Rücktrittsrecht.
Wer sich also nicht vor neuen Herausforderungen scheut, eine zündende Idee hat und sich vorstellen kann, sein:e eigene:r Chef:in zu sein, sollte sich nicht davor scheuen, ein Start-Up zu gründen.
Gerade noch studiert und plötzlich als Führungskraft durchstarten? Bei der Zollverwaltung gar kein Problem. Unter dem Deckmantel der Zollverwaltung kommen verschiedene Themenbereiche zusammen. Grundsätzlich ist die Zollverwaltung dafür da, die Erhebung von Zöllen und Verbrauchssteuern sicherzustellen. Dazu gehört auch, den Warenverkehr über Flug- und Seehäfen zu kontrollieren und kriminelle Handlungen, wie Geldwäsche zu verhindern. Die Zollverwaltung schützt die Wirtschaft vor Wettbewerbsverzerrungen, die Verbraucher:innen vor mangelhaften Waren aus dem Ausland und die Bevölkerung vor den Folgen grenzüberschreitender organisierter Kriminalität.
Daraus wird bereits ersichtlich, dass die verschiedenen Themenbereiche der Zollverwaltung juristischen Background besitzen. Es muss schließlich Regularien dafür geben, auf welche Dinge wieviel Zoll abzuführen ist und welche Handlungen unter Geldwäsche fallen. Gleichzeitig wird klar, dass genau diese Themen meist kein Gegenstand der juristischen Ausbildung sind. Das weiß diese:r Arbeitgeber:in zum Glück auch: Bei der Einstellung werden keine speziellen Vorkenntnisse erwartet, sondern in Fortbildungen vermittelt. Wie auch in anderen Berufen, wird man mit der Zeit mit seinen Aufgaben warm und lernt währenddessen, worauf es ankommt. Deshalb ist es auch gar nicht abwegig, schon als frische:r Jura-Absolvent:in als Führungskraft beim Zoll durchzustarten.
Neben zwei befriedigenden Staatsexamina sollte man vor allem Interesse an der Personalführung und Kommunikationskompetenz mitbringen. Als Führungskraft sollte man also klare Ansagen machen können und auch nicht davor zurückschrecken, Verantwortung zu übernehmen. Auch bei dieser Alternative zu klassischen Jura-Berufen kann man sich bei entsprechenden Voraussetzungen verbeamten lassen und wird tariflich bezahlt. Das Gehalt bemisst sich zudem nach Erfahrungsstufen und der Anerkennung anderer hauptberuflicher Erfahrungen. Außerdem werden flexible Arbeitszeiten und -orte angeboten sowie Entwicklungsmöglichkeiten zum Einstieg in höhere Führungsebenen.
Ewigkeiten Jura studieren und dann in den Journalismus einsteigen - wozu denn das? Als Jurist:in ist man jedoch in bestimmten Bereichen im Journalismus sehr gefragt. Denn wer Jura studiert hat, bringt die Fähigkeit mit sich, komplexe Sachverhalte zu erfassen, zu verkürzen und diese verständlich und vor allem richtig wieder zu geben. Gerichtsverhandlungen und Gesetzesänderungen müssen für Menschen außerhalb des Jurakontexts aufbereitet und verständlich gemacht werden. Juristische Journalist:innen machen es sich zur Aufgabe juristische Themen transparent zu machen, indem sie diese aufgearbeitet weitergeben.
Die journalistische Sprache sieht jedoch ganz anders aus, als der Stil, den wir im Studium lernen. In den Nachrichten will niemand abgehackte Sätze im Gutachtenstil lesen, sondern einen interessanten Text in verständlicher Ausdrucksweise. Um diese Schreibe Jurist:innen näher zu bringen, gibt es beispielsweise eine Zusatzausbildung an der Uni Münster. Sie richtet sich an Jura-Absolvent:innen aber auch Studierende, die sich für eine journalistische Tätigkeit interessieren. In einem Blockseminar gibt es Referent:innen aus verschiedenen Bereichen, die einen Überblick zur Schnittstelle zwischen Recht und Journalismus geben und Praxisübungen für angehende Journalist:innen bereit halten.
Wo man letztendlich als juristische:r Journalist:In landet, kann unterschiedlich aussehen: Redakteur:in im Rundfunk, Pressesprecher:in einer Kanzlei, der Staatsanwaltschaft oder eines Gerichts. Man kann freiberuflich tätig sein oder auch nebenberuflich journalistisch arbeiten. Wenn man schon während des Studiums an journalistischem Arbeiten interessiert ist, kann man Beiträge für Online-Magazine schreiben und nach dem ersten Staatsexamen ein journalistisches Volontariat starten. Eine andere Möglichkeit zum Reinschnuppern ist die Wahlstation während des Referendariats. Diese lässt sich beispielsweise in der Justizredaktion bei der ARD oder beim ZDF machen. Egal, wie man sich entscheidet: Wenn man im Journalismus tätig werden möchte, ist es sinnvoll schon früh Erfahrungen zu sammeln, zum Beispiel als Praktikant:in oder als freie:r Mitarbeiter:in. Der Journalismus bietet für (angehende) Jurist:innen die Möglichkeit, mal über den Tellerrand der klassische Ausbildung zu schauen und daran mitzugestalten, wie rechtliche Themen in der Außenwelt präsentiert werden.
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