Design Thinking: Mit Jura-Skills im Team punkten

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Design Thinking – Projekte realisieren mit vereinten Kräften
Im Jurastudium fehlt es oft an Interdisziplinarität. Genau hier setzt aber die Design Thinking-Methode an. Projekte sollen gerade durch Kompetenz-Vielfalt realisiert werden können. Für viele Unternehmen jetzt schon eine bahnbrechende Innovation. Auch junge Juristen und Juristinnen können ihren Teil in einem Fachbereich-übergreifenden Team beitragen, um Ideen Wirklichkeit werden zu lassen.

katzenkönig besucht Jurastudentin Lina Krawietz an der D.School in Babelsberg, wo sie täglich mit der Design Thinking-Methode Projekte für echte Auftraggeber realisiert. Das Besondere an der Methode: Sie arbeitet dabei in einem Team, das mit ganz verschiedenen Fachrichtungen besetzt ist. Dadurch soll eine möglichst breite Ideen-Vielfalt entstehen. Für Lina bedeutet es nach der langen Examensvorbereitung endlich wieder kreativ sein zu dürfen und in einem spannenden Team zu arbeiten.

 

Design Thinking: eine zukunftsweisende Methode

HPI School of Design Thinking © Kay Herschelmann

Irgendwo hier zwischen kreuz und quer im Raum verteilten Stellwänden, nur für Eingeweihte dechif­frierbaren Projekt-Fahrplänen und zahllosen Post-its und Mindmaps hat sich Lina Krawietz‘ Blick auf ihr Berufsleben grundlegend verändert. Wenn die 27-jährige Jura-Studentin mit strahlenden Augen durch die kunter­bunten Räume der HPI School of Design Thinking in Potsdam-Babelsberg streift und von ihrer Zeit zwischen erstem Staats­examen an der Uni Potsdam und bevorste­hendem Referen­dariat berichtet, hört sich das nach Aufbruch und Befreiung an: „Nach dem Examen habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, das wieder­zu­finden, was während des Studiums bei mir liegen geblieben ist: Kreativität, Teamwork und die Möglichkeit, ohne negative Konsequenzen Fehler machen zu dürfen.“

Gefunden hat sie weit mehr als das: Gleich­ge­sinnte, neue Berufsideen – und ganz viel Vertrauen in die eigene Zukunft. Zufällig wurde sie auf die sogenannte D.School aufmerksam, die zum Hasso-Plattner-Institut in Potsdam-Babelsberg gehört und als Schwester-Institut der Stanford D.School Studierende aus aller Welt mit der Kreativ-Methode des Design Thinking vertraut macht.

 

Problemlösung durch Kompetenz-Vielfalt

Was Anfang der 1990er Jahre von Vorden­kern wie David Kelley, Gründer der amerika­nischen Innova­ti­ons­agen­tur Ideo, in der Entwicklung neuer Produkt­designs Anwendung fand, hat seine Wurzeln im deutschen Bauhaus der 1920er Jahre. Schon damals versam­melten sich Vertreter aus Architektur, Theater, Musik und Gestaltung rund um ein Projekt – in der Überzeugung, dass sich durch ihre Kompetenz-Vielfalt die Problem­lö­sungs­kom­petenz erhöht.

Seither hat sich Design Thinking in Weltun­ter­nehmen wie Microsoft oder Siemens etabliert. Und auch unter Jung-Juristen wird die Weiter­bil­dungs­mög­lichkeit immer beliebter. Gemeinsam mit Studenten aller Länder und Fachbe­reiche bewerben sie sich an der D.School, um sich in ein oder zwei Semestern in der Methode zu üben und vielfältige Projekte für echte Auftraggeber auszuführen. Anfängliche Zweifel, was sie als Juristin zum Kreativ­prozess beitragen könne, verflüch­tigten sich bei Lina Krawietz schnell: „Gleich im ersten Projekt arbeitete ich mit einem bunt gemischten Team für eine NGO aus dem Asylrechts­bereich. Plötzlich passte alles zusammen: Meine Qualitäten als Juristin, z.B. die analytische Herange­hensweise, waren für andere sehr hilfreich. Und mir wurde klar, in wie viele Richtungen ich gehen könnte, ohne die klassischen Karrieren als Richterin oder Anwältin einzuschlagen. Ich konnte kaum Mittagessen gehen, ohne mit drei neuen Geschäftsideen zurück­zu­kommen.“

 

Design Thinking ist auch eine Chance für die Jura-Branche

Von Projekt­partnern wurde sie mit ihrem Team nicht nur nach Paris, Brüssel und Marseille eingeflogen. Durch einen Besuch im App-Haus in Berlin-Mitte ergab sich als angenehmes „Nebenprodukt“ des Studiums eine einjährige Tätigkeit als Werkstu­dentin für den World Player SAP, für den sie u.a. Design Thinking Workshops mit moderierte. Relevanz für die juristische Praxis? Design Thinking sei für alle Branchen und Themen geeignet, sagt Krawietz. „Das betrifft nicht nur das Thema Legal Tech. Jede Kanzlei sollte sich Gedanken machen, wie sie ihren Mandanten den Zugang zu ihren Dienst­leis­tungen erleichtern und Mitarbeiter besser in den Workflow einbinden kann.“ Sie erzählt von einer Berliner Steuer­kanzlei, die Design Thinking zum Grundprinzip ihres Kanzlei-Alltags erhoben habe. Das „Legal Design Lab“ in Stanford befasse sich gar ausschließlich mit der Entwicklung neuer Produkte für den Rechts­bereich. Bliebe noch ihr neuer Umgang mit „Fehlern“. Dass sich Juristen in der Praxis am Null-Fehler-Prinzip orientieren, sei notwendig, schließlich gehe es um das Schicksal von Personen oder Unternehmen, sagt die heutige Referendarin. „Gleich­zeitig ist es wichtig, sich als Mensch Zweifel und Fehler zuzuge­stehen, sie manchmal sogar als erwünscht anzusehen, um sich weiter­zu­ent­wickeln. „Vor der Zeit hier dachte ich, ich muss mich verformen, um in die juristische Welt zu passen. Heute, da ich intuitiv das mache, was ich wirklich will, kommt der berufliche Erfolg fast von allein.“

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