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Stress im Studium - das kennen wohl alle Jurastudierenden und Referendar*innen. Das Lern-Pensum, die anstehende Prüfung aber auch der anstrengende Alltag einer Referendarin oder eines Referendars können stressig sein. Leider kann sich dauerhafter Stress im Studium aber sehr negativ auf die Gesundheit auswirken. Deshalb ist es wichtig, etwas dagegen zu tun! Rechtsanwältin Tabea Lieberum zeigt, wie's geht.
„Der Angstzustand während der juristischen Ausbildung kommt aus der Zukunft“, sagt Tabea. „Wir fragen uns: ‚Werde ich die Klausur bestehen? Werden meine Noten ausreichen? Werde ich jemals einen Job finden?‘ Der Druck wird dabei durch Repetitor*innen und aufgeregte Kommilitoninnen und Kommilitonen noch verstärkt.“ Gleichzeitig sind wir mit Schuldgefühlen aus der Vergangenheit beschäftigt: „Wir fühlen uns schuldig, weil wir denken, nicht genug gelernt zu haben; weil wir etwas unternommen und nicht den Tag am Schreibtisch verbracht haben.“ Was oft fehlt, sei die Zeit im Hier und Jetzt ꟷ losgelöst von vergangenen und bevorstehenden Situationen und darum kreisende Gedanken.
Wie lassen sich diese Denkstrukturen durchbrechen? „Auf der Yoga-Matte ist man im Hier und Jetzt, kann Erholung und Kraft schöpfen“, sagt Tabea. „Im Yoga lernen wir auch, bewusst zu atmen.“ Eine bewusste Atmung helfe dich in den Moment zurückzuholen, nicht den immer gleichen Gedanken manisch im Kopf zu wälzen und nehme auch die stressbedingte Anspannung und Hektik aus den körperlichen Bewegungen. „Nur zwei Minuten die eigene Ein- und Ausatmung zu beobachten, genügt, um sich besser zu fühlen“, beruhigt Tabea. „Die kontrollierte Atmung verbessert die mentale und physische Gesundheit, sie reduziert Stresszustände, verbessert Immunfunktionen und führt zu Konzentration und Kreativität. Das, was wir auch im Studium oder Job erreichen wollen.“ Das Beste: Atmen lässt es sich überall – im Bus zur Uni, in der Bibliothek, während die Aufgabenzettel für die Klausur ausgeteilt werden. Um dem Stress langfristig vorzubeugen, sei es zudem wichtig, dass man sich neben der Ausbildung jeden Tag eine Pause, eine Ablenkung oder Zeit für ein Hobby gönne. „Bei einem Hobby ist es wichtig, dass man es mit Leichtigkeit ausübt – in der Freizeit sollte es nicht auch noch heißen ‚höher, schneller, weiter‘.“ Um Überlastungen vorzubeugen, sei es zudem wichtig, den eigenen Körper und seine Grenzen kennenzulernen. Hier müssen sich Studierende und Referendar*innen insbesondere von Kommilitoninnen und Kommilitonen abgrenzen, die beim regelmäßigen Bibliotheksmarathon das Bild vermitteln, es gehe nur um möglichst langes Durchhalten. Erscheinungen wie andauernde Angeschlagenheit, Schlappheit, wiederkehrende Erkältungen, Schlafprobleme, Tinitus, Verdauungsprobleme oder Unkonzentriertheit werden unter Juristinnen und Juristen als normal akzeptiert. „Dabei müssen wir lernen, auf die Signale des Körpers zu hören, um auf lange Sicht zu funktionieren.“
Energie lässt sich bewusst einteilen. Um Stresssituationen im Alltag von Juristinnen und Juristen zu meistern, hat Tabea ein paar Tricks, die sich schnell und einfach umsetzen lassen:
Routinen verringern die Stressanfälligkeit im Alltag. „Man sollte jeden Tag Zeit für sich selbst einplanen“, sagt Tabea. Und zwar gezielt für Sport, Hobby oder Meditation – Netflix auf dem Sofa zählt vielleicht nicht dazu. „Diese Auszeiten sollte man genauso ernst nehmen wie alle anderen Termine und sich nicht durch andere davon abhalten lassen.“ Wichtig ist außerdem der offene Austausch mit anderen. „Man sollte sich von dem Gedanken lösen, ein Super Hero sein zu wollen“, sagt Tabea. „Stattdessen tut es gut, auch negative Gefühle mit Freunden zu teilen und im geschützten Raum seine Verletzlichkeit zeigen zu können. Meist stellt sich heraus, dass es den anderen ganz ähnlich geht.“ Aber auch man selbst sollte sich eine gute Freundin, ein guter Freund sein: „Anstatt hart zu sich zu sein, sollte man sich fragen, was man einer guten Freundin in der gleichen Situation raten würde: Würde man ihr bei völliger Erschöpfung raten, auch die nächste Woche durchzupowern oder sie mit auf einen Spaziergang an der frischen Luft nehmen?“
Gestresst? Atme tiiiiiief ein, durch die Nase in den Bauch hinein. Atme langsam und bewusst aus, pffffffffff. Stell dabei beide Füße fest auf den Boden und spüre, dass du dich sicher auf stabilem Grund befindest. Eigentlich kann dir in diesem Moment nichts etwas anhaben, oder?
Anwaltsberuf und Yoga-Mindset passen nicht zusammen? Oh doch, sogar sehr gut. Tabea Liberum ist es gewohnt, als Rechtsanwältin und als Yogalehrerin gleichermaßen für „alternativ“ gehalten zu werden, da sie eine für beide Kreise ungewöhnliche Kombination lebt. „Dabei lässt sich aus beiden Disziplinen so viel für die jeweils andere ziehen“, sagt Tabea. „Bei Gericht ermöglichen mir meine Yogaerfahrungen, meinen Focus zu schärfen oder zwischenmenschliche Schwingungen mitzubekommen. Die juristische Präzision hilft, klare Anweisungen in den Yogakursen zu geben. Die räumliche Präsenz, die man sich dort vor großen Teilnehmergruppen verschaffen muss, schult wiederum sicheres Auftreten bei Gericht. Von Montag bis Donnerstag arbeitet Tabea als Rechtsanwältin. Nach der Arbeit tauscht sie Bürostuhl gegen Yogamatte, um Yoga zu unterrichten. Die Kolleginnen und Kollegen der Kanzlei Schmitz Knoth Rechtsanwälte, in der Tabea seit 2014 im Bereich Bank- und Kapitalmarkrecht und gewerblicher Rechtsschutz als Fachanwältin tätig ist, schätzen Tabeas Passion. Direkt nach Ihrer Ausbildung zur Yogalehrerin in Bali 2017 führte Tabea das Team wöchentlich zu einer morgendlichen Yogarunde zusammen oder gibt Tipps bei Kopfschmerzen.
Aktuell bietet sie Online-Kurse in Hatha Yoga oder Yin Yoga an unter https://www.momoyoga.com/tabealieberum. Für eine Schnupperstunde kannst Du dort kostenlos vorbeischauen.
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