Über die Vielfalt der juristischen Berufswelt: Buchrezension „Neue Briefe an junge Juristinnen und Juristen“

Buchcover: Neue Briefe an junge Juristinnen und Juristen
Lohnt sich der Griff ins Bücherregal? JurFuture liefert euch darauf eine Antwort. © Johanna Buck
In dem neu erschienenen Buch "Neue Briefe an junge Juristinnen und Juristen" geht es um die Bedeutung der eigenen Motivation im Jurastudium und vor allem um die Vielfalt der juristischen Berufswelt. Vom Bundesligaschiedsrichter bis hin zur Anwältin sind diverse juristische Berufe repräsentiert. JurFuture gibt euch einen Einblick in das Buch.

Das Jurastudium stellt Studierende früher oder später vor die zentrale Frage: Warum? Warum wähle ich dieses Studium? Warum sitze ich jeden Tag in der Bibliothek? Warum dauert dieses Studium so lange? Schlussendlich folgt die Frage: Warum lohnt sich dieser Weg und die ganze Arbeit? Doch eine Antwort auf diese Fragen zu finden, ist manchmal schwieriger als gedacht. Wer auf der Suche nach neuer Motivation ist, kann ins Bücherregal greifen und findet diese vielleicht in dem neu erschienenen Buch „Neue Briefe an junge Juristinnen und Juristen“ (Gostomzyk/Jahn/Becker-Toussaint (Hrsg.),C.H. Beck Verlag).

33 persönliche Briefe an junge Jurist:innen

Das Buch knüpft an das 2015 erschienene Werk „Briefe an junge Juristen“ an und vereint 33 persönliche Briefe von Jurist:innen aus unterschiedlichen Berufsfeldern. Sie reflektieren darin, wie das Jurastudium sie geprägt hat und geben Einblicke in ihren persönlichen Werdegang. Dabei bekommen die Leser:innen einen Einblick in die vielfältigen Berufsmöglichkeiten, die einem das Jurastudium eröffnet: Von der klassischen Tätigkeit als Anwältin oder Anwalt bis hin zum Bundesligaschiedsrichter und Journalisten. Das Buch richtet sich, wie bereits dem Titel zu entnehmen ist, an junge Juristinnen und Juristen. Dabei ist ganz gleich, ob man sich aktuell im Studium oder frisch im Berufsleben befindet, denn die Aussagen und Lehren des Buches sind auf viele Lebenssituationen übertragbar.

Jura bedeutet vor allem eins – nie aufzuhören nachzudenken. Ansonsten können Sie machen, was Sie wollen. Und das ist viel! (Angelika Nußberger, S. 114)

Zwischen Zweifeln und Motivation

Im Zentrum der Briefe steht die Suche nach der persönlichen Motivation. Denn wenn es im Jurastudium eine Sache gibt, die gebraucht wird, dann ist es ein persönlicher Antriebsgrund. Wer noch auf der Suche nach diesem Grund ist oder eine kleine Erinnerung an das persönliche „Warum“ braucht, der kann sich von den Briefen inspirieren lassen. Claudia Junker empfiehlt in ihrem Brief, sich hinzusetzen und sich über die persönliche Purpose Gedanken zu machen: „Warum studieren Sie Jura? Was möchten Sie bewegen?“ (S. 46).

Dass das Jurastudium einem viele Türen öffnet, ist vermutlich den meisten klar. Wie viele Türen es aber tatsächlich sind und welche verschiedenen Berufsfelder es gibt, wird in diesem Buch deutlich.  Denn die Autor:innen bilden ein breites Spektrum juristischer Berufe ab und zeigen, dass ihr tatsächlicher Berufsweg oftmals stark von ihren ursprünglichen Plänen abgewichen ist. Dies war auch bei Bijan Moni der Fall: Ursprünglich wollte er Diplomat werden, richtete sein Studium danach aus und wurde schließlich doch Rechtsanwalt und stand für die Gesellschaft für Freiheitsrechte bereits vor dem Bundesverfassungsgericht. Auch wenn konkrete Ziele gut und wichtig sind, zeigen die Briefe, dass einen das Leben doch manchmal mit etwas Unerwartetem überrascht, wofür es sich lohnt, offen zu bleiben.

Ebenfalls eine zentrale Rolle in den Briefen spielt das Thema Zweifel. Diese sind in der juristischen Ausbildung höchstwahrscheinlich unausweichlich, doch dieses Buch zeigt eine spannende Perspektive auf. Denn obwohl Zweifel oft verteufelt werden, sind sie doch menschlich und am Ende auch Teil dessen, was uns prägt. So betonen auch die Autor:innen, dass ihre Zweifel maßgeblich dazu beigetragen haben, dass sie ihren heutigen beruflichen Platz gefunden haben.

Auch die Vielfalt des Rechts wird deutlich hervorgehoben. Das bringt Angelika Nußberger, ehemalige Richterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, gut auf den Punkt: „Jura bedeutet vor allem eins – nie aufzuhören nachzudenken. Ansonsten können Sie machen, was Sie wollen. Und das ist viel!“ (S. 114) Vor allem kann man mit Jura etwas bewegen. So legt Roda Verheyen in ihrem Brief dar, warum Jura für sie ein Weg war, sich für mehr Klimaschutz einzusetzen. Das Buch ist also zugleich auch ein Appell für die kommenden Generationen, sich für Grundrechte und den Rechtsstaat einzusetzen.

Die Reform des Jurastudiums als möglicher Zusatzpunkt

Ein Thema was noch stärker berücksichtigt werden könnte, ist die Frage nach einer Reform des Jurastudiums. Dies ist wahrscheinlich eines der Themen, welches Studierende und junge Jurist:innen aktuell mit am stärksten beschäftigt und sich thematisch gut einfügen würde.

Auch wenn sich viele Themen in den verschiedenen Briefen wiedererkennen lassen, so setzt doch jeder Brief einen eigenen Schwerpunkt und bietet den Leser:innen somit viel Abwechslung. So ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man das eigene Interessengebiet in einem der Briefe wiederfindet.

Leseempfehlung?

Dieses Buch schafft etwas sehr Schönes: es motiviert. In den Briefen wird deutlich, dass die Autor:innen ihr Jurastudium nicht bereut haben, egal an welchem Punkt sie jetzt stehen und ob sie in einem klassisch juristischen Job arbeiten oder nicht. Diese positive Energie ist ansteckend! Die Analogie zu Rilkes „Briefe an einen jungen Dichter“ ist in diesem Fall somit sehr passend, denn auch dieses Buch ist eine Art Lebensratgeber, nur eben für Jurist:innen.

Gleichzeitig sollte die Perspektive des Buches realistisch eingeordnet werden, denn nicht alle Studierenden blicken so positiv auf ihre Studienwahl. Am Ende zählen immer noch die eigenen Erfahrungen. Wer jedoch Lust auf eine positive Sichtweise auf das Jurastudium hat und sich von dieser Energie anstecken lassen möchte, trifft mit diesem Buch eine gute Wahl.

Informationen zum Buch:

Neue Briefe an junge Juristinnen und Juristen. Hrsg. von Tobias Gostomzyk, Joachim Jahn, Hildegard Becker-Toussaint. München, C.H.Beck Verlag 2025. X, 204 S., Hardcover 24,90 €. ISBN 978-3-406-83646-6.

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Johanna Buck
Die Autorin arbeitet in der Redaktion des JurFuture-Magazins.
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