„Vor dem Gesetz sind alle gleich – im Hörsaal nicht?“

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Der BRF engagiert sich für ein flächendeckendes Informationsangebot ab Studienbeginn. So kann die Schieflage der Voraussetzungen durch beispielsweise Stipendienangebote ein Stück weit ausgeglichen werden.
Wird der Chancengleichheit in der juristischen Ausbildung genug Rechnung getragen? Eine Antwort auf diese Frage wollte der BRF auf der Auftaktveranstaltung der Fachschaftentour finden.

200 Erstsemester in H20. Jeder hat einen anderen Hintergrund, doch alle haben das gleiche Ziel: eine juristische Ausbildung zu absolvieren und am Ende ein Staatsexamen in den Händen zu halten. Und obwohl alle scheinbar dasselbe Studium erwartet, beginnt für manche ein Weg, auf dem die Hürden höher sind. Höher wegen der Hautfarbe, der Herkunft, dem Geschlecht, dem finanziellen Polster oder schlicht, weil sie nicht in der 3. Generation die juristische Ausbildung antreten. Zunehmend steht die Frage im Raum, ob der Chancengleichheit in der juristischen Ausbildung genug Rechnung getragen wird.

Eine Antwort auf diese Frage wollte der BRF e. V. am 26.11.2025 mit der Auftaktveranstaltung seiner Fachschaftentour unter dem Titel “Vor dem Gesetz sind alle gleich – im Hörsaal nicht?“ finden. Im Rechtshaus der Universität Hamburg fanden wir uns mit ausgewählten Podiumsgästen ein, um ausführlich über die Chancengleichheit in der juristischen Ausbildung zu diskutieren. Vertreten war dabei unter anderem Zahra Kahn, Jurastudierende im 9. Semester und Teil von ACCICE (kurz für access to justice), ein gemeinnütziges Unternehmen, mit dem Ziel den Zugang zum Recht und die rechtsstaatliche Teilhabe von marginalisierten Personen und Communities zu fördern. Hierfür entwickeln und implementieren sie Projekte entlang von mehreren Schlüsselfaktoren, die über den Zugang zum Recht entscheiden: Von Maßnahmen zur Reform der juristischen Ausbildung über Unterstützung für Law Clinics bis hin zu eigenen Kunst- und Forschungsprojekten, um Probleme im Rechtszugang sichtbarer zu machen.

Chancengleichheit in der juristischen Ausbildung bleibt ein kontroverses Thema.

Auf die Frage, ob der Zugang zur juristischen Ausbildung für alle gleich ist, antwortet sie klar mit „Nein.“ Diese Ansicht teilen die übrigen Podiumsgäste Bian Sukrow, Prof. Dr. Dana Valentiner und Prof. Dr. Heribert Hirte. Der Bedarf nach Reformen ist daher riesig. Die Stellschrauben sind dabei vielerorts nachzuziehen, beginnend bei einem umfassenden Literaturangebot in den Fachbibliotheken und endend beim Schaffen von diverseren Vorbildern. Auch die Probleme der first generational academics sind dabei zu berücksichtigen, um nachhaltig zu garantieren, dass der Rechtsstaat ein umfassendes Bild der Gesellschaft abbildet.

Chancengleichheit in der juristischen Ausbildung bleibt ein kontroverses Thema. Einerseits fehlt es an den notwendigen Voraussetzungen, das Prestige der juristischen Ausbildung aufzubrechen, andererseits verändert sich die Studienlandschaft durch Angebote wie die Law Clinics zunehmend mit mehr Diversität unter den Studienanfänger:innen. Auch der BRF e. V. hat diesen Aspekt bereits tief in seinem Grundsatzprogramm verankert – so engagiert sich der BRF für ein flächendeckendes Informationsangebot ab Studienbeginn. So kann die Schieflage der Voraussetzungen durch beispielsweise Stipendienangebote ein Stück weit ausgeglichen werden. Auch in der Ausgestaltung der Lehre gibt es Handlungsbedarf. Gendergerechte Sprache und antidiskriminierende Sachverhalte tragen langfristig dazu bei, dass die kommenden Generationen von Jurist:innen den Gleichheitsgedanken bereits verinnerlicht haben, sodass die Lehre automatisch einen positiven Wandel erlebt. Zuletzt sind Fakultäten auch in der Verantwortung, durch Gleichstellungsbeauftragte eine Anlaufstelle für sämtliche Gruppen zu schaffen, die während des Studiums Ungleichbehandlungen erfahren.

Die Forderung am Ende des Abends bleibt deutlich: Die Fakultäten stehen in der Pflicht, ihre Angebote auszubauen, sodass teure Lehrbücher und kostenintensive private Repetitorien nicht länger darüber entscheiden, wer erfolgreich eine juristische Ausbildung absolvieren kann.

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Fabian Steinke