breaking.through im Interview

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breaking.through ist seit 2018 ein Netzwerk von Juristinnen für Juristinnen, welches Mitgliedern die Chance gibt Einblicke in die verschiedenen Aspekte des Berufs zu sammeln und Vorbilder zu finden. Im Interview mit uns erzählen Gründerin Nadja Harraschain und Stellvertretende Geschäftsführerin Laura Nordhues über die Gründung von breaking.through und wo es noch hingeht, warum feministische Werte in der Anwaltschaft so wichtig sind und wie breaking.through Juristinnen auf ihrem Karriereweg unterstützen kann.

Können Sie uns kurz erzählen, wie Sie zur Gründung von breaking.through gekommen sind? Was war Ihre persönliche Motivation? Gibt es Erfahrungen in ihrer beruflichen Laufbahn, die Sie dazu inspiriert haben, ein Netzwerk für Juristinnen ins Leben zu rufen?

Harraschain: Zur Gründung von breaking.through kam es, weil ich gegen Ende meiner Ausbildung immer wieder erlebte, wie Juristinnen bestimmte Berufswege gedanklich für sich von vornherein als unvereinbar mit der Gründung einer Familie wahrnahmen. Das schien mir damit zusammenzuhängen, dass es damals kaum weibliche Vorbilder (insbesondere mit Kindern) in Führungspositionen gab – you can’t be, what you can’t see.

Zugleich hatte ich das seltene Glück, einige großartige Juristinnen in meinem Umfeld zu haben, die als Professorin oder Partnerin in einer Großkanzlei ihre Erfahrungen mit mir zu teilen bereit waren. Die Bestärkung, die ich daraus für meine eigene Zukunft mitgenommen habe, haben mich dazu inspiriert, die vielfältigen Werdegänge von Juristinnen noch sichtbarer zu machen, damit auch andere Juristinnen davon profitieren können.

Aus der Sicht einer Referendarin: Was hat sie dazu bewogen bei breaking.through als stellvertretende Geschäftsführerin einzusteigen? Gibt es Erfahrungen aus Tätigkeiten bei breaking.through, die Ihnen im Ref geholfen haben?

Nordhues: Was mich dazu bewogen hat, mich bei breaking.through zu engagieren, war der Wunsch, über das Jurastudium hinaus etwas Sinnstiftendes zu tun. Mir ist es wichtig, mich für Gleichstellung und die Förderung von Frauen in der Karrierewelt einzusetzen – Themen, die mir persönlich am Herzen liegen. breaking.through gibt mir die Möglichkeit, in einer verantwortungsvollen Rolle mitzuwirken und etwas zu bewirken.

Die Erfahrungen, die ich durch mein Engagement sammle, sind weniger für das Referendariat direkt relevant, dafür aber umso prägender für mein weiteres Berufs- und Privatleben. Ich habe gelernt, Führungsverantwortung zu übernehmen, mich zu organisieren und gemeinsam mit einem Team Projekte umzusetzen. Besonders wertvoll ist auch die Fähigkeit, Kontakte aufzubauen und zu pflegen, was mir beruflich und persönlich immer wieder zugutekommt.

Diese Soft Skills geben mir eine andere Perspektive darauf, wie man als Juristin nicht nur fachlich, sondern auch menschlich wachsen kann.

Welchen Anteil machen Frauen an der Anwaltschaft aus? Welchen Herausforderungen begegnen Frauen in Ihrem Beruf?

Harraschain: Der Frauenanteil in der deutschen Anwaltschaft wächst stetig und hat zum Jahresanfang 2024 etwa 37 % erreicht.[1] Laut einer Untersuchung von Talent Rocket lag der Anteil von Partnerinnen in Großkanzleien, mittelständischen Kanzleien und Boutiquen im Juli 2023 jedoch gerade mal bei etwa 17 %.[2]

Frauen begegnen dabei denselben strukturellen Ungleichheiten, die wir allgemein in unserer Gesellschaft beobachten können. Zum Beispiel erleben sie bewusste und unbewusste Vorurteile gegenüber Frauen (etwa, dass Kompetenz und Durchsetzungsstärke eher Männern als Frauen zugeschrieben werden), herausfordernde Bedingungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (wie die schlecht ausgebaute Kinderbetreuung in Deutschland) oder, dass höhere gesellschaftliche Erwartungen bei der Übernahme von Care-Arbeit an Frauen gestellt wird.

Eine besondere Herausforderung in der Anwaltschaft sehe ich darin, dass insbesondere in großen Kanzleien oftmals noch immer der Glaube vorherrscht, ständige Erreichbarkeit und zeitliche Verfügbarkeit seien unerlässlich für eine souveräne Mandatsführung. Gerade eine Teilzeittätigkeit scheint damit aus Sicht einiger Entscheidungsträger noch immer unvereinbar mit einer Führungsposition. Ähnliche Vorbehalte finden sich leider aber auch in kleineren Kanzleien. Ich halte das dahinter liegende Verständnis allerdings für einen Irrglauben. Gerade die Anwaltstätigkeit bietet eine immense zeitliche und örtliche Flexibilität, die die Vereinbarkeit trotz der bestehenden Herausforderungen erheblich vereinfachen kann!

Warum ist es aus Ihrer Sicht so wichtig, feministische Werte in die Anwaltschaft einzubringen?

Nordhues: Feministische Werte in die Anwaltschaft einzubringen, ist wichtig, weil die Anwaltschaft als zentraler Teil der Rechtspflege nicht nur das Recht anwendet, sondern auch gesellschaftliche Entwicklungen mitgestalten kann. Feministische Werte stehen für Gleichberechtigung, Diversität und Chancengerechtigkeit – Prinzipien, die nicht nur die Berufswelt, sondern auch die Qualität der juristischen Arbeit bereichern. Denn vielfältige Perspektiven dienen schließlich auch den Mandanten und Mandantinnen. Feministische Perspektiven bringen eine stärkere Sensibilität für soziale Ungleichheiten und Diskriminierung in die anwaltliche Arbeit und ermöglichen ein Bewusstsein für die Überschneidung von Diskriminierungsformen. Das gilt auch für eher wirtschaftlich geprägte Rechtsbereiche, wie bspw. das Arbeitsrecht.

Auch in Bezug auf die eigene Kanzlei und die Mitarbeitenden ist dies wichtig. Kanzleien, die feministische Werte integrieren, zeigen, dass sie bereit sind, sich an die gesellschaftlichen Anforderungen der Zukunft anzupassen. Sie wirken moderner, attraktiver und zukunftsfähiger – für Mandanten und Mandantinnen und für Talente.

Haben Sie das Gefühl, dass sich in den letzten Jahren ein Wandel in der Branche abgezeichnet hat, was die Gleichberechtigung angeht?

Harraschain: Schritt für Schritt geht es voran bei der Gleichberechtigung.

Viele Kanzleien sind bemüht, ihre Mitarbeiterinnen gezielt bei der Entfaltung ihres Potenzials zu unterstützen. Zum Beispiel bieten viele Kanzleien inzwischen finanzielle und organisatorische Unterstützung bei der Kinderbetreuung und Soft Skills Schulungen für ihre Mitarbeiterinnen an. Einzelne Kanzleien gehen noch weiter und schulen ihre Mitarbeiter*innen, um Vorurteile abzubauen, und haben es geschafft, den Anteil ihrer Partnerinnen in den letzten Jahren erheblich zu steigern.

Corona hat zudem dazu beigetragen, dass räumlich und zeitlich flexibler gearbeitet werden kann. Daneben gibt es zunehmend Väter, die mehr Verantwortung bei der Care Arbeit übernehmen und dies auch von ihren Arbeitgebern einfordern. All dies hilft, Gleichberechtigung weiter voranzutreiben.

Gleichzeitig gibt es noch immer Bereiche – einzelne Rechtsgebiete und Kanzleien – die besonders männlich geprägt sind und in denen wir bislang wenig Fortschritt sehen. Insgesamt haben wir daher noch einen langen Weg vor uns. Dies gilt umso mehr, wenn man bedenkt, dass bisher hauptsächlich eine kleine und privilegierte Gruppe von Frauen profitiert.

Warum sind Netzwerke wie breaking.through gerade in männlich dominierten Branchen so wichtig?

Nordhues: Wir versuchen mit breaking.through eine Plattform zu bieten, um sich zu vernetzen, Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen. Wie bekommen bei Veranstaltungen immer wieder die Rückmeldung, dass die Teilnehmerinnen sehr froh sind über den Austausch mit Gleichgesinnten. Es geht darum, sich gegenseitig zu fördern und zu ermutigen, was besonders in eher männlich dominierten Bereichen essenziell ist. Es geht um den Austausch von Erfahrungen und mitunter machen Frauen einfach andere Erfahrungen als Männer.

Welche Angebote und Unterstützungsmöglichkeiten bieten sie Frauen an, die Jura studieren oder ein Jurastudium abgeschlossen haben?

Nordhues: breaking.through ist eine Initiative, die sich für die Förderung von Frauen in der juristischen Berufswelt einsetzt. Unser Ziel ist es, die gläserne Decke in der Juristerei zu durchbrechen und Frauen auf ihrem Karriereweg zu unterstützen. Wir bieten eine Plattform für den Austausch und die Vernetzung von Juristinnen in allen Karrierephasen – vom Studium bis zur Führungsposition. Durch unser dreigliedriges Konzept aus Interviews, Veranstaltungen und Ratvermittlung möchten wir Frauen stärken und gezielt fördern:

Interviews: Wir porträtieren inspirierende Juristinnen und teilen ihre Karrierewege, Herausforderungen und Erfolge, um Vorbilder sichtbar zu machen und andere Frauen zu ermutigen.
Veranstaltungen: Ob Workshops, Diskussionsrunden oder Networking-Events – wir schaffen Gelegenheiten für Austausch und Weiterentwicklung, angepasst an die Bedürfnisse von Juristinnen in allen Karrierephasen.
Ratvermittlung: Mit konkreten Tipps, Erfahrungsberichten und einem starken Netzwerk stehen wir Frauen beratend zur Seite, um sie in beruflichen Fragen und Entscheidungsprozessen zu unterstützen.
Wie wollen Frauen ermutigen, ihre beruflichen Ziele selbstbewusst zu verfolgen.

Ihr Team besteht aus Jurist*innen in verschiedenen Ausbildungs- und Lebensabschnitten. Wie fördert diese Vielfalt die Arbeit von breaking.through?

Nordhues: Durch die unterschiedlichen Erfahrungsstände – von Studentinnen vor dem ersten Examen über Referendarinnen bis hin zu Berufseinsteigerinnen und bereits erfahrenen Juristinnen – können wir gezielt Themen aufgreifen, die für jede Phase der juristischen Laufbahn relevant sind. Wir versuchen so einen echten Mehrwert zu bieten. Letztlich wollen wir in unserem Team die Vielfalt widerzuspiegeln, die wir in der juristischen Berufswelt fördern möchten. Obwohl wir bereits ein großartiges Team haben, sind helfende Hände immer willkommen. Aktuell könnten wir insbesondere bei der Organisation von Events noch Unterstützung gebrauchen!

Wie sehen die nächsten Schritte für breaking.through aus? Welche langfristigen Veränderungen streben Sie an, um die juristische Landschaft inklusiver zu gestalten?

Harraschain: Gerade fließt viel Arbeit in die Überarbeitung unserer Webseite, um unsere Inhalte noch besser zugänglich zu machen. Daneben arbeiten wir insbesondere daran, als Plattform und durch unser Angebot noch intersektionaler zu werden, um von Mehrfachdiskriminierung Betroffene zu stärken. Die Schwierigkeiten die für Frauen gelten, gelten für Women of Colour, für Mitglieder der LGBTIQ+ Communities, Frauen mit Behinderungen und Frauen marginalisierter Gruppen in noch viel stärkerem Maße. Umso wichtiger finde wir es, dass wir uns füreinander einsetzen.

Ein paar letzte Worte für junge Juristinnen?

Harraschain: Hab Mut und (Selbst-)Vertrauen, Deinen eigenen Weg zu gehen!

Nordhues: Vernetzt Euch mit anderen!

[1] BRAK, Anteil der Rechtsanwältinnen seit 1970, jeweils zum 1.1. des Jahres, Datum der Veröffentlichung unbekannt, https://www.brak.de/fileadmin/04_fuer_journalisten/statistiken/2024/1970-2024-Anteil-RAinnen.pdf (zuletzt abgerufen am 17.01.2025).

 

[2] Talent Rocket, Frauenanteil in Kanzleien, Whitepaper, Stand 11.08.2023 https://api3.talentrocket.de/files/generic_page/additional/87883/230814_TR_Whitepaper_B2C_Frauenanteil.pdf (zuletzt abgerufen am 17.01.2025).

Schlagworte: JuristinnenNetzwerk

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Nele Boström
Die Autorin arbeitet in der Redaktion des JurFuture-Magazins.
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