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Einige Referendar*innen konnten bereits erste Erfahrungen mit einem Vortrag im Ersten Staatsexamen sammeln. Die Übung kann sich jetzt auszahlen: Zwar unterscheidet sich der Aktenvortrag im Zweiten Examen nicht nur inhaltlich, sondern auch in Aufbau und Form vom Vortrag im Ersten Staatsexamen, dennoch ist klar, dass jede Übung des freien Sprechens zum Abbau von Nervosität führt. Der Aktenvortrag ist aus anwaltlicher, staatsanwaltlicher oder richterlicher Perspektive zu erstellen. Du bekommst einen Aktenauszug mit einem Bearbeitervermerk aus dem von dir gewählten oder dir zugeteilten Rechtsgebiet. Die Vorbereitungszeit beträgt - je nach Bundesland - zwischen 60 und 90 Minuten und die Vortragslänge ist auf 10 bis 12 Minuten begrenzt. Informiere dich genau, wie die Rahmenbedingungen nach deiner jeweiligen Prüfungsordnung ausgestaltet sind.
Der Vortrag wird üblicherweise wie folgt aufgebaut:
Damit du weißt, was genau zu prüfen sein wird, ist es sinnvoll, zunächst den Bearbeitervermerk zu lesen. Dann geht es an die Akte. Lies den Sachverhalt am besten zweimal, damit keine wichtigen Informationen übersehen werden. Mache dir bereits hier erste Notizen. Das sollte zusammen nicht länger als 15 Minuten dauern.
In den nächsten 30 Minuten solltest du zu einer schlüssigen Lösungsskizze kommen.
Die restlichen 15 Minuten benötigst du für das Erstellen deines Stichpunktzettels und eines Zeitplans, das abermalige Abgleichen der Lösungsskizze mit dem Sachverhalt und gegebenenfalls letzte Änderungen.
Die schwierigste Hürde beim Aufbau im Aktenvortrag des Assessorexamens bildet das richtige Zeitmanagement und die damit verbundene Schwerpunktsetzung. „10 Minuten“ heißt auch 10 Minuten, die Prüferinnen und Prüfer verzeihen keine Zeitüber- oder Zeitunterschreitungen. Nicht nur die Vorbereitungszeit muss gut getaktet sein, auch der zeitliche Ablauf des Vortrags selbst muss geplant werden. Nicht alle Prüfungsräume verfügen über sichtbare Wanduhren. Also darfst und solltest du eine Uhr dabeihaben. Damit alle wichtigen Aspekte enthalten sind und trotzdem genügend Zeit für die Darstellung der wichtigsten Probleme bleibt, ist der Zeitplan bei der Lösungserstellung entscheidend.
Schreib dir die Minutenzahlen in die Lösungsskizze!
So kannst du während des Vortrags mit der Uhr überprüfen, ob du noch im Zeitrahmen bist.
Markiere die Schwerpunkte farblich!
Falls du merkst, dass du schneller als dein Zeitplan bist, kannst du hier etwas weiter ausholen.
Wie bei jedem Vortrag sollte man möglichst frei zu den Prüfenden sprechen und nicht ablesen. Wenn du Standard-Formulierungen wiederholst und auswendig lernst, gelingt das flüssige Sprechen.
Für ein selbstsicheres Auftreten ist besonders wichtig, dass Du dich nicht irritieren lässt und hinter der gefundenen Lösung stehst. So kannst du auch dann zu einer runden Lösungsdarstellung kommen, wenn dein Vortrag Fehler enthalten sollte.
Beim Vortrag kannst du selbstverständlich mit dem vorliegenden Aktenauszug arbeiten. Du musst nicht alle Informationen der Akte in deine Lösungsskizze übernehmen oder im Kopf haben. Genauso wie die Prüfer*innen den Blick ins Gesetz gerne sehen, honorieren sie auch die sichtbare Arbeit mit dem Aktenauszug. Kennzeichne Tabellen, Zahlen oder Zitate einfach mit Markern oder Post-Its im Text, damit du beim Vortrag nicht lange suchen musst.
Mach dir Saubere Notizen!
Das hilft dabei, den Überblick in der anspruchsvollen Situation nicht zu verlieren.
Lass dich beim Üben des Aktenvortrags filmen!
Im Video kannst du sehen, wie du auf andere wirkst.
Du wirst merken, dass du mit Zuschauern und mit einer laufenden Kamera deutlich nervöser bist.
Durch häufiges Wiederholen lässt sich auch das minimieren.
Man kann das Examen nicht bestehen, wenn man noch nie eine Examensklausur geschrieben hat. Ebenso wenig klappt der Aktenvortrag, wenn er noch nie geübt wurde. Du musst den Vortrag so oft es geht unter möglichst realen Bedingungen allein und mit anderen trainieren. Nur so kannst du in der Prüfung einen kühlen Kopf bewahren. Original-Aktenvorträge findest du hier bei uns auf der Seite!
Aktenvortrag im Strafrecht: Einspruchsfrist beim Strafbefehl
Aktenvortrag im Strafrecht: Anwaltsrecht und Rechtsmittel im Strafprozess
Aktenvortrag im Zivilrecht: Werkvertragsrecht
Aktenvortrag im Zivilrecht: Mietrecht
Mach dich mit der Prüfungssituation bekannt!
An den Unis werden regelmäßig Prüfungssimulationen angeboten, an denen man aktiv und als Zuschauer teilnehmen kann. Zudem solltest du dir unbedingt eine mündliche Prüfung der aktuellen Kampagne anschauen.
Atme tief durch. Immer wieder zwischendurch!
Ruhige Momente können den situationsbedingten Stress reduzieren.
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