11 Gründe, warum du Jura studieren solltest

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Beim Studienfach hat man die Qual der Wahl. Hier sind elf gute Gründe, sich für ein Jurastudium zu entscheiden.
Das Abi ist geschafft und du fragst dich, was du eigentlich studieren willst? Hast du dich bereits für Jura entschieden und brauchst noch Gründe um deine Wahl zu bestätigen? Oder möchtest deine Freund:innen noch überzeugen? Kein Problem: Hier sind 11 Gründe für ein Jurastudium.

Jura – dieses trockene, langweilige Studienfach, bei dem man Paragrafen und Definitionen auswendig lernen muss? Ja, aber nicht nur. Über das Jurastudium gibt es eine Menge Klischees und Vorurteile. Nicht alle sind völlig unbegründet. So gilt Jura tatsächlich als ein besonders schwieriges und lernintensives Fach, aber langweilig? Keinesfalls! Es gibt sehr gute Gründe für ein Jurastudium. Hier sind die Top 11:

 

1. Menschen helfen

Nicht wenige entscheiden sich für ein Jurastudium, weil sie einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn haben und Menschen helfen wollen. Und tatsächlich bietet Jura viele Möglichkeiten, eben dies zu tun. Einerseits natürlich im späteren Berufsleben. Hier kann man sich zum Beispiel in Behörden für sozial benachteiligte Menschen engagieren oder ganz klassisch als Anwält:in in Not geratene Mandant:innen unterstützen. Außerdem gibt es natürlich auch viele nationale und internationale Organisationen, Vereine und NGOs, die fähige Jurist:innen mit offenen Armen empfangen.

Aber auch schon während des Jurastudiums gibt es viele Möglichkeiten sich zu engagieren und Menschen zu helfen. Zum Beispiel in Law Clinics, in denen man als Student:in Rechtssuchende kostenlos berät – und ganz nebenbei wichtige skills fürs Studium und die juristische Laufbahn sammelt. Law Clinics haben viele verschiede Themenschwerpunkte, zum Beispiel Asylrecht oder auch Steuerrecht. Außerdem könnt ihr euch während des Jurastudiums auch in der Fachschaft, im Studierendenparlament oder im Studierendenwerk engagieren. Damit helft ihr nicht nur euren Mitstudierenden, es macht auch viel Spaß und eure argumentativen Fähigkeiten werden euch von Nutzen sein.

 

2. Debatten-Profi werden

Wenn man im Jurastudium eines lernt, dann ist es zu argumentieren und sich eloquent auszudrücken. Eine Fähigkeit, die ihr natürlich später im Gerichtssaal braucht, aber auch sonst nicht unterschätzen solltet. Wenn zum Beispiel bei der Familienfeier mal wieder eine heftige Diskussion entfacht, oder ihr euch am Telefon mit dem Sachbearbeiter eures Handy-Anbieters rumschlagen müsst. Sauber zu argumentieren und euch klar ausdrücken zu können – das ist in vielen Lebenslagen hilfreich.

Aber natürlich lernt man im Jurastudium nicht nur zu debattieren, sondern auch, einen Sachverhalt von allen Seiten zu betrachten, das Für und Wider sorgfältig abzuwägen und sich unvoreingenommen einen klaren Standpunkt zu verschaffen. Dabei hilft es, dass man als Jurastudierende:r von Natur aus in unterschiedliche Rollen schlüpfen muss, wenn man Fälle juristisch lösen will. Mal vertritt man im Übungsfall die Klägerseite, mal wieder die Beklagten. So lernt man im Jurastudium, sich in andere Positionen und demnach auch Personen hineinzuversetzen.

 

3. Solides Handwerk

Wer jetzt denkt, bei Jura käme es nur darauf an, mitreißende Reden zu schwingen und nächtelang über Gesetzbüchern zu brüten, weit gefehlt. Jura ist in erster Linie ein Handwerk. Ihr lernt hier, mit (Gesetzes)Texten umzugehen, Informationen zu filtern und auf eine ganz bestimmte Art und Weise aufzubereiten. Ihr entwickelt die Fähigkeit, Geschichten über Menschen in rechtliche Lösungen zu gießen.

Man lernt im Jurastudium in gewisser Weise eine andere Sprache und kann Menschen helfen, ihre Angelegenheiten und ihre Probleme in diese Sprache zu übersetzen. Das ist ein Handwerkszeug, das dazu auch noch ziemlich exklusiv ist. Denn nicht umsonst wenden sich Menschen mit ihren rechtlichen Fragen an Anwält:innen. Ein Jurastudium macht euch zu Spezialist:innen auf eurem Fachgebiet.

 

4. Vielfältige Berufswelt

Alle kennen natürlich die klassischen juristischen Berufe Richter:in, Anwält:in und Staatsanwält:in. Alle drei sind vielseitig und bieten zahllose Möglichkeiten, sich zu spezialisieren. Als Anwält:in etwa könnt ihr euch für ein Rechtsgebiet entscheiden, dass euch besonders interessiert. Ihr habt die Wahl, als Einzelanwält:in eine Kanzlei zu gründen, in einer großen Wirtschaftskanzlei zu arbeiten oder als Syndikusrechtsanwält:in in ein Unternehmen einzusteigen. Ähnlich verhält es sich beim Richteramt. Es gibt Fachgerichte und verschiedene Instanzgerichte bis hin zu den obersten Gerichten, die die Geschicke der ganzen Gesellschaft mitbestimmen. Soviel zu den klassischen Berufen für Jurist:innen.

Aber auch außerhalb der klassischen juristischen Berufe, stehen Juraabsolvent:innen sehr viele Türen offen. Jurist:innen gehen zum Beispiel häufig in den Staatsdienst und arbeiten für Behörden und Ministerien. Oder sie entscheiden sich für eine Laufbahn als Berufspolitiker:innen. Manche zieht es aber auch in nichtstaatliche Organisationen oder in die freie Wirtschaft. Es besteht die Möglichkeit, Justiziar:in in einem Verein oder Unternehmen zu werden. Man kann sich als Steuerberater:in oder Witschaftsprüfer:in durchschlagen. Und natürlich könnt ihr auch an Universitäten oder Instituten in die Wissenschaft einsteigen. Die Top 7 der außergewöhnlichsten Jura-Berufe findet ihr hier.

Selbst wer später der Juristerei den Rücken kehren will, ist mit dem Jurastudium gut aufgestellt. Juraabsolvent:innen sind häufig im Journalismus erfolgreich, in der Politik oder Verwaltung und auch als Manager:innen.

 

5. Strukturiert denken lernen

Das Jurastudium lehrt eine gewisse Art zu denken. So sehr, dass es manchmal schon ein bisschen nervig sein kann. Die Welt scheint in Paragrafen aufzugehen. Aber die juristische Denkweise ist auch eine besonders strukturierte. Sie ist effizient und klar. Das hilft beim Formulieren von Texten, aber auch im Gespräch. In der Regel werden Jurist:innen von ihrer Umwelt als gut strukturierte Organisationstalente wahrgenommen. Das liegt vor allem daran, dass es im Jurastudium sehr stark um Regeln und um Genauigkeit geht. Nuancen können über recht und unrecht entscheiden. Diese Nuancen zu erfassen und klar zu adressieren, erfordert eine sorgfältige und wissenschaftliche Art zu arbeiten. Diese Fähigkeit wird euch im Jurastudium eingeimpft und im Laufe eurer Karriere noch oft behilflich sein.

 

6. Zusammenhänge verstehen

Die Rechtsordnung – das ist der Rahmen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Und im Jurastudium lernt man schnell: Alles hängt mit allem irgendwie zusammen. Unsere Rechte und Pflichten als Bürger:innen, die Funktionsweise des Staates und alle vertraglichen Beziehungen, die wir untereinander pflegen. Im Jurastudium versuchen wir, das rechtliche Gerüst zu verstehen, das dieses Zusammenleben ermöglicht. Und dabei lernt man ganz automatisch, Zusammenhänge zu verstehen - politische, soziologische und geschichtliche. Woher kommt ein Gesetz? Was ist sein Zweck? Welchen Bereich des Zusammenlebens regelt es und warum muss dieser Bereich überhaupt geregelt werden?

Ob Medizin, Verwaltung, Polizei-, Umwelt- oder Arbeitsrecht. Jura ist einfach überall. Wirtschaft, Politik und Geschichte sind nur einige der Bereiche, die sehr eng mit dem Recht verknüpft sind und über die man sich im Laufe des Studiums ein breites Wissen aneignen kann. Einfach gesagt: Im Jurastudium lernt man zu verstehen, wie die Gesellschaft funktioniert.

 

7. Gutes Gehalt und machtvolle Positionen

Ja, auch das ist ein Grund, der für das Jurastudium spricht. Finanziell abgesichert zu sein, ist im späteren Berufsleben natürlich nicht von Nachteil. Besonders in großen Kanzleien und Unternehmen kann man als Juraabsolvent:in aber noch weit mehr erreichen. Es erwarten euch gute Karrierechancen und die Möglichkeit, schnell aufzusteigen. In großen Einheiten, wie Wirtschaftskanzleien, sind schon die Einstiegsgehälter überdurchschnittlich, aber mit steigender Position im Unternehmen, wird auch die Vergütung immer attraktiver.

Im Staatsdienst, etwa in der Justiz, können die Gehälter bei Weitem nicht mit denen mithalten, die in Großkanzleien gezahlt werden. Dafür hat man hier die Möglichkeit, echte Verantwortung zu übernehmen. Man urteilt buchstäblich über Menschen und ihre Schicksale.

Besonders bei den obersten Gerichten oder aber in der Politik winken außerdem machtvolle Positionen, die die Chance bieten, das Recht mitzugestalten. So viel Einfluss und Teilhabe bieten nur wenige andere Berufe.

 

8. Zeit zum Üben

Klar, der eine oder andere Studiengang beinhaltet ein Praxissemester, oder vielleicht ein Pflichtpraktikum in einem Betrieb. Das ist aber nichts gegen das juristische Referendariat. Nach dem ersten Staatsexamen hat man als frisch gebackene:r Jurist:in zwei Jahre Zeit, um sich in allen Berufsfeldern umzusehen und alles einmal auszuprobieren. Und das beste: Der Staat bezahlt. Na gut, die Vergütung ist jetzt nicht berauschend, aber dafür wird man im späteren Berufsleben nie wieder die Möglichkeit haben, so leicht überall reinzuschnuppern.

Im Referendariat absolviert man verschiedene Stationen, zum Beispiel wird man am Landgericht, bei einer Behörde, in einer Anwaltskanzlei und bei der Staatsanwaltschaft untergebracht. Eine gute Gelegenheit um Praxiserfahrung zu sammeln, sich zu orientieren und auch mal den einen oder anderen Fehler zu machen.

 

9. Frustrationstoleranz

Ob man nun will, oder nicht: Wenn man Jura studiert, steigert man unweigerlich seine eigene Frustrationstoleranz. Das Studium kann noch so viel Spaß machen, irgendwann kommt für jede:n der Punkt, an dem man wirklich die Zähne zusammenbeißen muss. Sei es die Stoffmenge, die überfordernd sein kann, eine schwierige Klausur oder gar das Examen am Ende des Jurastudiums. Aber: das ist ein Grund zur Freude. Die Herausforderungen, die ein schwieriges und lernintensives Fach mit sich bringen, werden euch stärker machen. Das Jurastudium lehrt euch Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz. Es wird euch zeigen, wozu ihr eigentlich zu leisten in der Lage seid.

 

10. Geschichte und Tradition

Jura ist ein sehr traditionsreiches und auch konservatives Fach. Es gibt viele Möglichkeiten, diese Tradition im Studium mitzuerleben – zum Beispiel bei einer Vorlesung über Rechtsgeschichte oder indem man die alten Texte und Urteile studiert. Viele der Gesetze haben einen interessanten geschichtlichen Hintergrund, sie entspringen ihrem eigenen Zeitgeist und jede Epoche hat dazu beigetragen, das Recht wie es heute ist, zu formen. Bei der Auslegung der Gesetze kommt es außerdem immer auch auf deren Ursprung und den Willen des historischen Gesetzgebers an.

Ob es nun die Robe im Gerichtssaal ist oder die pompösen alten Fakultätsgebäude, der traditionelle Flair ist im Jurastudium noch zu spüren. Und wer sich für Geschichte interessiert, kann hier viel mitnehmen.

 

11. Kein Bachelor-/Master-System

Die juristische Ausbildung hat sich für lange Zeit erfolgreich allen Versuchen entzogen, sich in das Korsett eines Bachelor-/Master-Systems quetschen zu lassen. Zwar werden nötige Reformen so langsam auch bei der Jurist:innenausbildung realisiert – einige Unis bieten etwa mittlerweile auch einen Bachelor of Laws an – das Bologna-System hat sich aber noch nicht durchgesetzt. Das hat den großen Vorteil, dass das Lernen im Jurastudium relativ frei und nicht so verschult ist, wie in anderen Studiengängen. Als Jurastudierende:r kann man sein Studium frei strukturieren und organisieren, da die meisten Kurse nicht aufeinander aufbauen. Auch wenn diese Freiheit vielleicht nicht für jeden von Vorteil ist. Die Grundpfeiler sind zwar vorgegeben, aber es spricht nichts dagegen, auch mal eine Vorlesung zu verschieben oder die Fächer nach eigenem Gutdünken zu kombinieren. So viel Flexibilität bietet kaum ein Studiengang.

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Denise Dahmen
Die Autorin war Volontärin in der Anwaltsblatt-Redaktion und Mitglied der Redaktion von katzenkönig, dem Magazin des DAV für Studierende und Referendare.
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